Joh 10, 31-42:
Auslegung und Andacht
Ablehnung Jesu
Inhaltsverzeichnis
Joh 10, 31 Drohende Steinigung
Joh 10,31: Da hoben die Juden wiederum Steine auf, um ihn zu steinigen.
Andacht von Charles de Foucauld
Wie bist Du gut, mein Gott!
Welcher Verachtung, welchen Beleidigungen, welchen Gewalttätigkeiten setzt Du Dich aus, in welches entsetzliche Milieu begibst Du Dich – aus Liebe zu uns!
Mut – nach dem Beispiel Jesu!
Mut zu sagen, was wir sagen müssen, sei es im kleinen Kreis, sei es in der Öffentlichkeit – nach dem Beispiel Jesu, der trotz der Bedrohungen, der Gewalttätigkeiten, der Widerstände, trotz einem aufgehetzten Volk und trotz der Autoritäten, die entschlossen waren, Ihn einzukerkern, all das spricht, wiederholt, laut predigt, was Er zu sagen hat, und so lang und ausführlich, wie Er es sagen muss.
Mut, das zu tun, was wir tun müssen, sei es im kleinen Kreis, sei es in der Öffentlichkeit – nach dem Beispiel Jesu, der trotz der Bedrohung, der Gewalttätigkeiten, der Beleidigungen, der Komplotte der Juden, in ihre Mitte geht, dort so lange bleibt wie es Seine Aufgabe erfordert, und all das tut, was er tun muss, darauf bedacht, einzig und allein das zu tun und zu sagen, was Gott gefällt. Er hat sich überhaupt nicht darum geschert, was Ihm widerfahren wird.
Frage: Wo in meinem Leben ruft mich Gott heute zu Mut und Vertrauen – selbst wenn ich Widerstand oder Unverständnis erfahre?
Andacht vom Simon Beike
Die Situation spitzt sich immer weiter zu, so dass seine Feinde ihn nun öffentlich steinigen wollen. Dennoch bleibt er bei seiner Linie und sagt das, was gesagt werden muss.
Dieser Mut, gegen Widerstände auch unpopuläre Wahrheiten zu verkünden, kann uns Katholiken ein großes Vorbild sein.
In unserer heutigen Zeit wird die Lehre der Kirche oftmals belächelt, als veraltet oder für manche als Provokation, wenn nicht sogar in Teilen als diskriminierend angesehen. Dabei sollten wir nicht müde werden, uns ins Gedächtnis zu rufen, dass die Lehre Jesu eine tiefe und befreiende Botschaft ist, die der unermesslichen Liebe Gottes zu jedem einzelnem Menschen entstammt, und für die es sich lohnt, das Wort zu ergreifen.
Frage: Wo bin ich bereit, für die Wahrheit des Evangeliums einzustehen – auch dann, wenn es unbequem wird?
Joh 10, 32 Frage nach Taten
Joh 10,32: Jesus antwortete ihnen: Viele gute Werke habe ich euch gezeigt von meinem Vater; um welches dieser Werke willen wollt ihr mich steinigen?
Viele gute Werke habe ich euch gezeigt
Im Auftrag des Vaters habe ich vor euren Augen viele gute Werke getan.
Jesus wirkt keine Wunder und Heilungen, um berühmt zu sein, oder um Nachfolger zu erwerben, sondern um den Willen seines Vaters zu erfüllen. Er liebt uns und tatsächlich zeigt er uns so seine Liebe.
Aber manchmal nehmen wir nicht wahr, wie viel Gott für uns und vor unseren Augen tut. Wir gewöhnen uns an seinen Gaben: Wir haben ein Dach über dem Kopf, Essen, eine Familie, Gemeinschaft, seine Sakramente, Erholung und Arbeit, wir sind gesund.
Wie Jesus wollen aber auch wir den Willen des Vaters aus Dankbarkeit tun. So antworten wir mit unserer Liebe auf seine Liebe.
Alejandro Espejo Silva
Frage: Wo in meinem Alltag erkenne ich heute die leisen Zeichen von Gottes Liebe – und wie kann ich darauf antworten?
Joh 10, 33 Vorwurf: Gotteslästerung
Joh 10,33: Die Juden antworteten ihm und sprachen: Nicht wegen eines guten Werkes wollen wir dich steinigen, sondern wegen Gotteslästerung, und zwar weil du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst!
Gotteslästerung
In diesem Vers sehen wir die zentrale Anklage gegen Jesus: Die jüdischen Führer werfen ihm Gotteslästerung vor, weil er sich mit Gott gleichsetzt. Jesus hatte zuvor gesagt: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30), was sie als Anmaßung empfanden.
Die Szene zeigt den Konflikt zwischen Jesus und seinen Gegnern. Während sie ihn als Menschen sahen, offenbarte Jesus seine göttliche Natur. Diese Stelle unterstreicht die hohe Christologie des Johannesevangeliums: Jesus ist nicht nur ein Lehrer oder Prophet, sondern wahrer Gott und wahrer Mensch.
Frage: Wo erkenne ich in meinem eigenen Leben Momente, in denen ich zwischen menschlichem Denken und göttlichem Vertrauen hin- und hergerissen bin?
Joh 10, 34 Zitat aus Gesetz
Joh 10,34: Jesus antwortete ihnen: Steht nicht in eurem Gesetz geschrieben: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter ?
Bezug auf Psalm 82
Er zitiert hier Psalm 82,6, wo Gott die Richter Israels als „Götter“ bezeichnet, weil sie in seiner Autorität handeln. Jesus nutzt dieses Zitat, um sich gegen den Vorwurf der Gotteslästerung zu verteidigen.
Die Juden wollten ihn steinigen, weil er sich als Sohn Gottes bezeichnete. Doch Jesus argumentiert: Wenn Menschen, die Gottes Wort empfangen, „Götter“ genannt werden, warum sollte es dann Blasphemie sein, wenn er sich als Sohn Gottes offenbart?
Diese Stelle betont Jesu göttliche Autorität und fordert die Zuhörer heraus, über das wahre Wesen seiner Identität nachzudenken.
Frage: Wo in meinem Leben bin ich eingeladen, meine eigene göttliche Berufung tiefer zu erkennen und mutiger zu leben?
Joh 10, 35 Wahrheit der Schrift
Joh 10,35: Wenn es diejenigen Götter nennt, an die das Wort Gottes erging— und die Schrift kann doch nicht außer Kraft gesetzt werden.
Joh 10, 36 Gesandter Gottes
Joh 10,36: Wieso sagt ihr dann zu dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: Du lästerst!, weil ich gesagt habe: Ich bin Gottes Sohn?
Vom Vater geheiligt und gesandt
Was sagt Jesus zu seiner Verteidigung?
Er offenbart seine Identität. Jesus beschreibt sich selbst als Gottes Sohn, vom Vater geheiligt und in die Welt gesandt, der, der die Werke seines Vaters vollbringt und mit ihm wesentlich verbunden ist. Durch seine Worte und Werke können wir an ihn als Sohn Gottes glauben und ihn als solchen erkennen.
Er tritt nicht in seinem eigenen Namen auf: Er ist der Gesandte, das Wort Gottes, das an uns ergangen ist. Auch als Mensch hat er volles Vertrauen auf seinen Vater, der mit ihm und in ihm ist.
Als Christ habe auch ich vom Vater den Auftrag bekommen, Zeugnis vor den Menschen abzulegen, und er begleitet mich in meiner Sendung.
Eva Gloserová
Frage: Wie sehr vertraue ich darauf, dass Gott auch mich in meiner Sendung begleitet und durch mich wirkt?
Joh 10, 37 Prüfung der Werke
Joh 10,37: Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, so glaubt mir nicht!
Joh 10, 38 Glaube an Taten
Joh 10,38: Tue ich sie aber, so glaubt doch den Werken, wenn ihr auch mir nicht glaubt, damit ihr erkennt und glaubt, dass der Vater in mir ist und ich in ihm!
Jesus zieht uns ins Einssein mit dem Vater
Jesus und der Vater sind zwei Personen. Das Einssein, das gegenseitige „In-mir“, der Sohn im Vater und der Vater im Sohn, bezieht sich auf den Willen. Jesu Wille ist identisch mit dem des Vaters, vollkommene Willensgemeinschaft. So ist Jesus im Vater und der Vater in Jesus.
Beziehen wir das nun auf uns: maßen wir zuerst nicht an, in einer vollen Willensgemeinschaft mit Gott zu leben – dafür sind wir schlicht menschlich zu schwach, wenngleich wir immer auf dem Weg dorthin sind. Und dennoch können wir sagen: Wir sind in Gott und Gott ist in uns? Warum? Wegen Jesus! Er schenkt uns gewissermaßen dieses Einsseins mit dem Vater in seiner Person. Dadurch, dass wir in Christus sind, sind wir im Vater – das ist Geschenk und Gnade.
Erkenne das Eigentum des Herrn Jesus und das Geschenk an uns. Das Eigentum des Herrn ist das Einssein mit dem Vater, das Geschenk an uns ist die Teilnahme. Augustinus
Frage: Wie erlebst du in deinem Alltag Momente, in denen du dich eins mit Gott fühlst – als Ausdruck von Gnade und Hingabe?
Taten sind Trumpf
Jesus gibt uns in dieser Szene einen ganz zentralen Ratschlag an die Hand. In einer derart festgefahrenen Situation, in der sich zwei Standpunkte diametral gegenüberstehen, verweist er auf seine Taten, die er bereits vollbracht hat. Diese sind nur schwer zu leugnen und daher ein fundamentaler Beweis, dass seine Worte und Ansprüche wahr sind.
Auch für jeden persönlich gilt, dass wir primär durch unsere eigene Lebensführung Zeugnis für unseren Glauben ablegen und mit der daraus resultierenden Authentizität andere Menschen überzeugen können.
Bei Jesus ist die Ausgangslage glasklar: Bei ihm stimmen Wort und Tat zu hundert Prozent überein. Bei uns Menschen ist dies jedoch nicht der Fall, weshalb wir immer wieder auf Jesus schauen und von seiner Barmherzigkeit leben sollten.
Simon Beike
Frage: In welchen Momenten deines Lebens könntest du deine Handlungen bewusster mit deinen Überzeugungen in Einklang bringen?
Gespräch mit Christus
Jesus, ich bewundere deine Standhaftigkeit und Beharrlichkeit gegenüber denen, die dir in böser Absicht begegnen und für die deine Existenz ein Dorn im Auge ist.
Du verweist auf deine Taten, die für sich selbst sprechen, und verkleinerst somit deine Angriffsfläche enorm, sodass sie gegen dich als Menschen angehen.
Schenke auch du mir in Momenten der reellen Anfeindung die Kraft, zum Glauben zu stehen.
Darüber hinaus bitte ich, dass du mir die Gnade schenkst, mein Leben und mein Handeln immer mehr auf dich auszurichten, damit du durch mich wirken und strahlen kannst.
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag Standhaftigkeit und innere Ruhe bewahren, selbst wenn andere mir Widerstand entgegensetzen?
Joh 10, 39 Flucht vor Verhaftung
Joh 10,39: Da suchten sie ihn wiederum zu ergreifen; doch er entging ihren Händen.
Was heißt ergreifen?
Hast du verstanden, so hast du ergriffen. Aber nicht so die Juden; du hast ihn ergriffen, um ihn zu haben; jene wollten ihn ergreifen, um ihn nicht zu haben.
Und da sie ihn in solcher Weise ergreifen wollten, was hat er ihnen getan? "Er entging ihren Händen." Sie ergriffen ihn nicht, weil sie nicht die Hände des Glaubens hatten.
"Das Wort ist Fleisch geworden", aber es war für das Wort nichts Großes, sein Fleisch den Händen des Fleisches zu entziehen. Mit dem Geiste das Wort ergreifen, das heißt Christus recht ergreifen.
Augustinus
Frage: Wie könntest du in deinem eigenen Leben lernen, das Geistige wirklich zu ergreifen, statt nur nach äußerlichen Formen zu greifen?
Joh 10, 40 Rückzug zum Jordan
Joh 10,40: Und er zog wieder jenseits des Jordan an den Ort, wo Johannes zuerst getauft hatte, und blieb dort.
Er zog wieder jenseits des Jordan
Diese Passage markiert einen Rückzug Jesu nach einer Auseinandersetzung mit den jüdischen Führern in Jerusalem. Theologisch weist dieser Rückzug auf eine Zeit der Sammlung und Vorbereitung hin.
Der Ort der Taufe erinnert an den Beginn von Jesu öffentlichem Wirken und unterstreicht seine göttliche Sendung. Gleichzeitig erfüllt sich das Muster, dass Propheten oft Zeiten der Zurückgezogenheit erlebten, bevor entscheidende Ereignisse eintraten.
Diese Szene dient auch als Kontrast: Während Jesus von den religiösen Führern abgelehnt wird, finden viele Menschen dort, wo Johannes wirkte, zum Glauben an ihn. So zeigt der Text die Spaltung zwischen Ablehnung und Annahme Jesu als Messias.
Frage: Wie erlebst du Zeiten der Zurückgezogenheit oder Sammlung in deinem eigenen Leben, und wie könnten sie deine innere Klarheit oder deine Verbindung zu etwas Höherem stärken?
Joh 10, 41 Johannes' wahres Zeugnis
Joh 10,41: Und viele kamen zu ihm und sprachen: Johannes hat zwar kein Zeichen getan; aber alles, was Johannes von diesem gesagt hat, ist wahr!
Joh 10, 42 Viele glaube
Joh 10,42: Und es glaubten dort viele an ihn.
Joh 10,42: So begannen dort viele an Jesus zu glauben.
Im Glauben Gott ich dir vertrau
Ein glaubender Mensch ist jemand, der auf Jesus vertraut, der in einer Haltung des Vertrauens durch das Leben schreitet. Der Glaube an ihn gibt meinem Leben einen verlässlichen Grund, auf dem ich sicher stehen kann. Ein fester Glaube macht mein Denken ruhig und füllt mein Herz unabhängig von den Umständen mit Hoffnung.
Beten wir heute das Glaubensbekenntnis ganz bewusst mit Kopf und Herz. In ihm sind die Wahrheiten vereint, die unser tragender Grund sind. So gehe ich in den Tag, Gott gegenwärtig nehmend, wissend, dass er treu ist und bleibt. Er wird nicht heute so sein und morgen so. Gott ist nicht wetterwendisch.
Frage: Wie spüre ich Gottes Treue in meinem Alltag und wo darf ich ihm noch mehr vertrauen?
Häufige Fragen zu Joh 10, 31-42
Was bedeutet Joh 10, 31-42?
Dieser Abschnitt schildert die Eskalation der Konfrontation beim Tempelweihefest nach Jesu Bekenntnis zur Wesenseinheit mit dem Vater. Das Geschehen zeigt den Versuch einer Steinigung wegen angebliche Gotteslästerung, die argumentative Entkräftung der Vorwürfe durch Jesus anhand der Heiligen Schrift und seinen anschließenden Rückzug an den Jordan, wo viele Menschen zum Glauben finden.
Wie reagieren die jüdischen Autoritäten auf Jesu Aussage, dass er und der Vater eins sind?
Die jüdischen Zuhörer heben erneut Steine auf, um Jesus zu steinigen. Als Jesus sie fragt, wegen welches der vielen guten Werke aus dem Vater sie ihn steinigen wollen, antworten sie, dass sie ihn nicht wegen eines guten Werkes steinigen, sondern wegen Gotteslästerung, weil er als Mensch sich selbst zu Gott mache.
Wie widerlegt Jesus den Vorwurf der Gotteslästerung mithilfe der Schrift?
Jesus antwortet mit einem Verweis auf Ps 82,6 und fragt, ob in ihrem Gesetz nicht geschrieben steht: „Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?“. Er argumentiert, dass wenn das Gesetz jene Götter nennt, an die das Wort Gottes erging, sie demjenigen, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat, nicht Gotteslästerung vorwerfen können, nur weil er gesagt hat: „Ich bin Gottes Sohn.“
Welche Voraussetzung nennt Jesus für das Erkennen seiner Gemeinschaft mit dem Vater?
Jesus fordert seine Zuhörer auf, ihm nicht zu glauben, wenn er nicht die Werke seines Vaters tut. Wenn er sie aber tut, sollen sie, selbst wenn sie ihm nicht glauben, zumindest den Werken glauben, damit sie erkennen und verstehen, dass der Vater in ihm ist und er im Vater ist.
Wohin entzieht sich Jesus nach dem gescheiterten Zugriff und welches Zeugnis legen die Menschen dort ab?
Als die Gegner erneut versuchen, ihn festzunehmen, entgeht er ihren Händen und zieht wieder über den Jordan an den Ort, wo Johannes getauft hatte. Viele Menschen kommen dort zu ihm und stellen fest, dass Johannes zwar kein Zeichen tat, aber alles, was er über Jesus gesagt hatte, wahr war, woraufhin dort viele an ihn glauben.
Joh 10, 19-30 Jesus und Einheit mit dem Vater
Joh 11, 1-57 Auferweckung des Lazarus