Joh 10, 11-21:
Auslegung und Andacht
Der gute Hirt gibt sein Leben

Joh 10, 11 Der gute Hirte

Joh 10,11: Ich bin der gute Hirte.

Für dein Leben

  • Jesus als der gute Hirte: Er kennt dich und sorgt für dich. In schwierigen Zeiten kannst du dich darauf verlassen, dass er dich führt und beschützt.
  • Leben in Fülle: Er bietet dir nicht nur ein Überleben, sondern ein erfülltes Leben an. Du darfst in seiner Nähe Frieden und Hoffnung finden, egal was kommt.

Guter Hirte

Das Bild des Hirten ist tief im Alten Testament verwurzelt. Dort besitzt der Titel Hirte Israels messianische Bedeutung.

Für die Christen wurde diese Figur des Hirten zum Bild für den, der aufgebrochen ist, das verlorene Schaf, also die Menschheit, zu suchen. Jesus ist der wahre Hirte, der die Natur der Menschen annehmen wollte, um ihnen das neue Leben zu schenken und sie zum Heil zu führen, zum Leben: Ich aber bringe Leben und dies im Überfluss (Joh 10:10).

So ist das Bild des Hirten ein tiefes Bild, das unserer Seele Ruhe und Frieden geben kann. Unser Hirte ist ein Meister darin, unserer Seele immer wieder neue Hoffnung zu schenken.

Frage: Wie kann ich heute den Weg des Hirten in meinem eigenen Leben erkennen und ihm folgen, um inneren Frieden zu finden?

Die Herde

Ein Hirte hat nicht nur ein Schaf, er hat eine Herde. Als Kirche sind wir eine Gemeinschaft, die in Jesus Christus lebt.

Beim Hirten-Bild denke ich meist ganz konkret an andere Menschen, vor allem an jene, mit denen ich hin und wieder meine Probleme habe. Dann geht es mir im Herzen auf: Auch diese Menschen sind seine Schafe, die er weidet.

In Jesus Christus sind wir ein Leib, eine Herde, die auf seine Stimme hört.

Frage: Wie kann ich im Alltag bewusster wahrnehmen, dass alle Menschen Teil dieser Herde sind, auch jene, mit denen ich Schwierigkeiten habe?

Joh 10,11: Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

Der Hirte gibt sein Leben für die Schafe

Dreimal steht in Joh 10, dass der Hirte sein Leben für die Schafe hingibt. Das Geheimnis des Kreuzes steht im Mittelpunkt von Jesu Hirtendienst.

"Das ist der Auftrag, den ich von meinem Vater bekommen habe." (Joh 10:18)

Jesus gibt sich selber, und das nicht nur in einer fernen Vergangenheit damals, sondern in jeder heiligen Eucharistie wird es neu Wirklichkeit, seine Hingabe an uns. Folgen wir ihm.

Streben wir nach dem Geist vollständiger Hingabe an ihn und des Gleichmuts gegenüber den Dingen der Welt, damit wir bereit sind, seinem Ruf zu folgen.

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Ruf, mich ganz der Hingabe an Gott zu öffnen, und wie kann ich ihm mutig folgen?

Selbst Hirte sein

Ich muss auch ein guter Hirt sein und darf kein Söldner sein, in meiner Ehe, im geweihten Leben, in meiner Arbeit.

Wir alle wollen diese echten, unauflöslichen Beziehungen. Es gibt einen, der nicht flieht, wenn der Wolf kommt: Er setzt sein Leben aufs Spiel.

Das ist Liebe: ohne Hingabe des Lebens gibt es keine Liebe.

In unserer Gesellschaft und in unseren Häusern herrscht oft Traurigkeit und Angst, weil wir wissen, dass es niemanden gibt, der uns verteidigt, wenn der Wolf kommt.

Wir können nicht leben, ohne füreinander gute Hirten zu sein, so wie Jesus unser guter Hirt ist.

So wird sich in uns die Freude der Liebe einstellen, und wir werden den Entschluss fassen, unser Leben hinzugeben und Hüter des Lebens unserer Brüder zu sein.

Br. Ignacio Maria Rubio LC

Frage: Wo in meinem Leben bin ich bereit, mutig mein Herz zu öffnen und ein Hüter des Lebens für andere zu sein?

Ich gebe mein Leben hin

Der Vater vertraute Christus eine Mission an: Christus sollte durch ein Leben unbegrenzter Selbsthingabe, einer Hingabe bis in den Tod, die Erlösung bringen.

Da er Gott ist, konnte er den Vater mit uns versöhnen. Durch seine Menschwerdung konnte er sich mit uns gefallenen Menschen identifizieren und uns zu Kindern Gottes erheben.

Christus ist die vollendete Brücke zwischen der gefallenen Menschheit und dem unendlich heiligen Gott. Seine Mission, diese Kluft zu überwinden, kam erst dadurch zustande, dass er den Willen des Vaters aus eigenem freiem Willen annahm. Unser Herr bekam dafür nichts, und doch war er treu bis in den Tod.

Todd Belardi

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich lernen, bedingungslos zu vertrauen und mich selbstlos zu geben, so wie Christus es tat?

Er gibt sein Leben immer noch

Das Leben, das in dem Menschen Jesus Christus steckt, gibt er immer für uns. Er lebt für uns, und weil er lebt, leben wir auch. Er lebt, um für uns einzutreten. Er lebt, um uns im Himmel zu vertreten. Er lebt, um die Vorsehung für uns zu regieren. Spurgeon

Joh 10, 12 Flucht des Mietlings

Joh 10,12: Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander.

In diesem Leben tun wir viele Dinge gegen Bezahlung

Wir wollen Anerkennung und arbeiten, um etwas zu verdienen. Die Überraschung ist, dass dieser gute Hirt sein Leben gratis, kostenlos, gibt. Er gibt es, weil er will, nicht weil wir uns gut benommen hätten oder es verdienten.

Denn er kümmert sich um seine Schafe. Weil er dich liebt.

Es gibt so viele Dinge, die wir tun, weil wir unter dem Gesetz der Bezahlung stehen, aus Verpflichtung und ohne Liebe. Aber wir fliehen vor der Prüfung.

Andererseits müssen wir als Schafe dieses guten Hirten nichts verdienen, sondern das Werk Gottes in uns annehmen, uns lieben lassen und mit dem Vertrauen derer leben, die wissen, dass sie geliebt und beschützt sind.

Br. Ignacio Maria Rubio LC

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens erlaubst du dir, dich einfach geliebt und beschützt zu fühlen, ohne etwas leisten zu müssen?

Joh 10, 13 Fehlende Fürsorge

Joh 10,13: ‭Der Mietling aber flieht, weil er ein Mietling ist und sich nicht um die Schafe kümmert.‭

Der Mietling aber flieht

Der Mietling ist jemand, der die Schafe nur aus finanziellen oder eigennützigen Gründen hütet. Er fühlt keine echte Verantwortung und flieht in Gefahrensituationen, weil ihm die Schafe nicht wirklich am Herzen liegen.

Dieses Bild verdeutlicht, dass ein geistlicher Leiter, der nicht aus Liebe zu den Gläubigen handelt, sondern nur aus Eigeninteresse, in schweren Zeiten versagen wird.

Joh 10, 14 Gegenseitiges Kennen

Joh 10,14: Ich aber bin der gute Hirte und kenne meine Schafe, und sie kennen mich.

Kennen

Das Kennen bedeutet hier nicht nur, zu wissen, wer jemand ist. Kennen ist hier der Ausdruck einer Beziehung zwischen dir und dem Hirten Jesus.

Wir müssen zuinnerst in der Beziehung mit Christus stehen. Er selber wird dich halten und bewahren. Der glaubende Mensch weiß sich sicher in Gottes Hand. Er braucht sich nicht zu fürchten. Denn Gott kennt ihn.

Dieses Kennen spiegelt sich auch in unserer Beziehung zum Nächsten. Wirkliches Kennen ohne Liebe, ohne innere Beziehung, ohne inneres Annehmen des anderen gibt es nicht. Das Kennen des anderen muss immer ein Kennen mit dem Herzen sein.

Das geht letztlich nur, wenn der Herr unser Herz öffnet. Bitten wir ihn immer neu darum!

Frage: Wie offen ist mein Herz wirklich für Gott und für die Menschen um mich herum?

Wechselseitiges Erkennen

Es gibt eine wechselseitige Erkenntnis zwischen Jesus und seinen Schafen. Und die Existenz dieses Wissens ist der Beweis, dass Er der Hirte ist.

Der Hirte ist gut

Sobald du entdeckst, dass Gott dich liebt, und dass es so ist, einfach weil er es will, weil du eine schöne und geliebte Kreatur bist, ändert sich dein Leben.

Der Herr ist dein guter Hirt, der dich verteidigt und dir Sicherheit gibt. Der gute Hirt verlangt nichts von dir: Du darfst einfach an ihn glauben.

Deine größte Stärke ist es, an diesen Hirten zu glauben, ihm zu vertrauen und ihn zu lieben, ihn, der dich zuerst geliebt hat und der von dir für seine Liebe nichts als Gegenleistung verlangt.

Unser Leben beginnt mit seiner Liebe.

Frage: Wie verändert sich dein inneres Leben, wenn du seine Liebe ohne Bedingungen annimmst?

Andacht von Papst Franziskus

Wie schön und tröstlich ist es zu wissen, dass Jesus jeden Einzelnen von uns kennt, dass wir für ihn nicht namenlos sind, dass ihm unser Name bekannt ist!

Für ihn sind wir keine „Masse“, keine „Menge“, nein. Wir sind einzigartige Menschen, jeder mit seiner eigenen Geschichte, und er kennt einen jeden von uns mit dieser Geschichte, einen jeden mit dem ihm eigenen Wert, sowohl als Geschöpf als auch als von Christus erlöstes Wesen.

Ein jeder von uns kann sagen: Jesus kennt mich! Es ist wahr, so ist es: Er kennt uns wie kein anderer. Nur er weiß, was in unseren Herzen ist, die Absichten, die allerverborgensten Gefühle.

Jesus kennt unsere Vorzüge und unsere Schwächen, und er ist immer bereit, sich um uns zu kümmern, die Wunden unserer Fehltritte mit der Fülle seiner Barmherzigkeit zu heilen. Jesus sorgt für seine Schafe, er sammelt sie, er verbindet die Verletzten, er pflegt die Kranken.

Jesus, der Gute Hirte, verteidigt, kennt, vor allem aber, liebt seine Schafe. Und dafür gibt er sein Leben für sie hin (vgl. Joh 10,15). Die Liebe zu den Schafen, also zu jedem einzelnen von uns, führt ihn dazu, am Kreuz zu sterben, denn das ist der Wille des Vaters, dass keiner verloren gehe.

Frage: Wie bewusst erlebe ich, dass Jesus mich mit all meinen Geschichten und Schwächen kennt und liebt?

Jesus kennt mich

Er kennt mich mit Namen. Ich bin nicht irgendein anonymes Wesen in der Unendlichkeit des Alls. Er kennt mich ganz persönlich.

Kenne ich ihn? Die Freundschaft, die er mir schenkt, kann nur bedeuten, daß auch ich ihn immer mehr zu erkennen versuche; daß ich in der Schrift, in den Sakramenten, in der Begegnung des Betens, in der Gemeinschaft der Heiligen, in den Menschen, die auf mich zukommen und die er mir schickt, immer mehr ihn selber zu erkennen versuche.

Freundschaft ist nicht nur Erkennen, sie ist vor allem Gemeinschaft des Wollens. Sie bedeutet, daß mein Wille hineinwächst in das Ja zu dem Seinigen.

Denn sein Wille ist für mich kein äußerer, fremder Wille, dem ich mich mehr oder weniger willig beuge oder auch nicht beuge. Nein, in der Freundschaft wächst mein Wille mit dem Seinigen zusammen, wird sein Wille der Meinige, und gerade so werde ich wahrhaft ich selber.

Benedikt XVI

Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich, dass mein Wille mit einer größeren, tieferen Wahrheit zusammenwächst?

Joh 10, 15 Hingabe für Schafe

Joh 10,15: ‭Gleichwie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne; und ich lasse mein Leben für die Schafe.‭

Göttliche Einheit

Jesus vergleicht seine Kenntnis des Vaters mit der seines Vaters von ihm – eine vollkommene, göttliche Einheit. Dies unterstreicht seine göttliche Natur und seine Sendung.

Die Aussage, dass er sein Leben für die Schafe lässt, verweist auf sein bevorstehendes Opfer am Kreuz. Jesus zeigt sich hier als der gute Hirte, der bereit ist, für seine Herde zu sterben.

Dies ist ein zentraler Ausdruck der Liebe Gottes: Christus gibt sich freiwillig hin, um die Menschen zu retten und ihnen ewiges Leben zu schenken.

Frage: Wie kann ich in meinem Leben Liebe und Selbsthingabe so leben, dass sie anderen Heil und Trost bringt?

Joh 10, 16 Eine Herde

Joh 10,16: ‭Und ich habe noch andere Schafe, die nicht aus dieser Schafhürde sind; auch diese muss ich führen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird ‭eine‭ Herde und ‭ein‭ Hirte sein.‭

Ich habe noch andere Schafe

Jesus spricht hier von der universellen Natur seines Heilsplans. Die „anderen Schafe“ beziehen sich auf die Heiden, die ebenfalls Teil seines Volkes werden sollen.

Während sich seine Botschaft zuerst an Israel richtete, umfasst seine Mission letztlich alle Völker. Diese Stelle betont Einheit und Inklusion im Glauben.

Christus ist der eine Hirte, der Juden und Heiden in einer geistlichen Gemeinschaft vereint. Dies weist auf die Kirche als universale Gemeinschaft aller Gläubigen hin, unabhängig von ethnischer oder sozialer Herkunft.

Die Gläubigen erkennen Jesu Stimme und folgen ihm in der Einheit seines Reiches.

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben die universelle Botschaft von Einheit und Inklusion praktisch leben und spürbar machen?

Joh 10, 17 Liebe des Vaters

Joh 10,17: ‭Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wieder nehme.‭

Für dein Leben

  • Du kannst dich sicher wissen: Jesus hat sein Leben freiwillig hingegeben, um dich zu retten. Du darfst dir sicher sein, dass er dich liebt und für dich sorgt, ganz gleich, was passiert.
  • Du bist in seiner Hand: Niemand kann dich von ihm trennen. Seine Liebe zu dir ist stärker als alles andere, und er hält dich fest, egal welche Herausforderungen du durchmachst.

Darum liebt mich der Vater

Jesus gibt freiwillig sein Leben hin, nicht als Opfer fremder Mächte, sondern aus eigenem Entschluss und in Gehorsam gegenüber dem Vater. Dies zeigt seine enge Beziehung zu Gott und seine göttliche Autorität.

Die Liebe des Vaters zu Jesus wird hier mit seiner Bereitschaft verbunden, sein Leben hinzugeben und es wiederzunehmen – ein Hinweis auf die Auferstehung.

Jesu Tod ist kein Ende, sondern ein notwendiger Schritt im göttlichen Heilsplan. Dadurch offenbart er Gottes Liebe und ermöglicht den Gläubigen das ewige Leben.

Diese Selbsthingabe ist Ausdruck seiner vollkommenen Liebe und seines Gehorsams gegenüber dem Vater.

Frage: In welchen Momenten deines Lebens könntest du Vertrauen und Hingabe ähnlich wie Jesus üben, um inneren Frieden und göttliche Nähe zu erfahren?

Joh 10, 18 Macht zum Opfer

Joh 10,18: ‭Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir aus. Ich habe Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.‭

Aus freiem Willen

Jesus wurde nicht befohlen, sich für unsere Sünden hinzugeben. Er hat sich freiwillig aufgeopfert. Die Freiheit ist dann am besten genutzt, wenn sie ohne Rücksicht auf Mühen und Entbehrungen den Willen Gottes erfüllt.

Wir sollten bedenken, dass Jesus wusste, was jenseits seiner erfolgreichen Predigten und Wunder zu erwarten war: der Weg zum Kalvarienberg. Um sich darauf vorzubereiten, verbrachte er viele Nächte auf dem Ölberg. Trotz des Mangels an Verständnis von Seiten seiner Jünger offenbarte er ihnen sein Schicksal.

Am Ende, als seine Stunde kam, zeigte er sich dem Vater treu ergeben. Als die Stunde der Finsternis schlug, sagte er zu den Hohenpriestern: „Ich bin es.” Christus ist vor Gottes Willen niemals zurückgeschreckt. Er fühlte die Schwere. Trauer erfüllte sein Herz. Seine menschliche Seite drängte ihn dazu, einen leichteren Weg zu gehen.

Er aber bewies, dass Liebe stärker als der Tod ist, dass wahre Freiheit die Sünde überwinden und beherrschen kann.

Todd Belardi

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben lernen, meine Ängste zu überwinden und mich dem göttlichen Willen anzuvertrauen, auch wenn der Weg schwer erscheint?

Andacht von Franz von Sales

Und schließlich starb dieser göttliche Liebhaber in den Flammen und Gluten der Liebe wegen der unendlichen Liebe, die er zu uns trug und durch die Kraft und Gewalt dieser Liebe. Das heißt also, daß er in der Liebe, durch die Liebe, für die Liebe und aus Liebe starb.

Waren auch die grausamen Qualen und Foltern hinreichend, um wen immer zu töten, so hätte der Tod doch nie in das Leben desjenigen eintreten können, der die Schlüssel des Lebens und des Todes (Offb 1,18) in Händen hatte, wenn nicht die göttliche Liebe, die diese Schlüssel gebraucht, dem Tod die Tore geöffnet hätte, damit er über den göttlichen Leib herfallen und ihm das Leben rauben könne.

Denn die Liebe gab sich nicht damit zufrieden, ihn um unseretwillen sterblich gemacht zu haben, sie wollte ihn wirklich dem Tod überliefern. Aus eigener freier Wahl starb er und nicht durch die Macht des Bösen. „Niemand entreißt mir das Leben,“ sagt er (Joh 10,17 f), „ich gebe es selbst freiwillig hin und verlasse es. Ich habe die Macht, es hinzugeben und es selbst wieder zu gewinnen.“

„Er wurde geopfert,“ sagt Jesaja, „weil er es selbst wollte“ (53,7). Darum wird auch nicht gesagt, daß sein Geist von ihm wich, sich von ihm trennte; sondern im Gegenteil, daß er seinen Geist aufgab, ihn aushauchte, ihn seinem ewigen Vater übergab (Mt 27,50; Mk 15,37; Lk 23,46; Joh 19,30).

Frage: Wie kann die Vorstellung einer Liebe, die freiwillig und selbstlos über alle Grenzen hinausgeht, dein eigenes Leben und deine Beziehungen verändern?

Andacht von Benedikt XVI

Das Leben findet man nur, wenn man es hingibt; man findet es nicht, wenn man es an sich reißen will.

Das müssen wir von Christus lernen; und das lehrt uns der Heilige Geist, der reines Geschenk ist, der die Hingabe Gottes ist.

Je mehr man sein Leben für die anderen, für das Gute, hingibt, desto voller strömt der Fluß des Lebens.

Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du die Kraft der Hingabe am stärksten, und wie könntest du sie noch bewusster leben?

Joh 10, 19-21 Erneuter Zwiespalt seinetwegen

Joh 10,19: ‭Da entstand wiederum eine Spaltung unter den Juden um dieser Worte willen.

Joh 10,20: ‭Viele von ihnen sagten: Er hat einen Dämon und ist von Sinnen, weshalb hört ihr auf ihn?‭

Er ist von Sinnen

Jesus erhob solch radikale Behauptungen über sich selbst, dass die Menschen über ihn uneins waren. Einige glauben, dass er der war, von dem er sagte, dass er er sei. Andere glaubten, dass jeder, der behauptete, Gott zu sein, wie Jesus behauptete, entweder einen Dämon haben oder verrückt sein müsse.

Joh 10,21: ‭Andere sagten: Das sind nicht die Worte eines Besessenen. Kann denn ein Dämon Blinden die Augen öffnen?‭

Häufige Fragen zu Joh 10, 11-21

Was bedeutet Joh 10, 11-21?

Dieser Abschnitt schildert die Entfaltung des Hirtengleichnisses, in der sich Jesus als der Gute Hirte offenbart, der sein Leben für die Schafe lässt. Das Geschehen zeigt den tiefen Kontrast zwischen der aufopfernden Liebe des wahren Hirten und dem Eigennutz bezahlter Knechte, weitet den Blick auf die Sammlung aller Glaubenden in einer einzigen Herde und unterstreicht die souveräne Vollmacht Jesu über seinen Tod und seine Auferstehung.

Welchen Unterschied arbeitet Jesus zwischen dem Guten Hirten und dem Mietling heraus?

Jesus erklärt, dass er der Gute Hirte ist, der sein Leben für die Schafe hingibt. Der Mietling dagegen, der kein Hirte ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, verlässt die Schafe und flieht, weil er nur um des Lohnes willen arbeitet und ihm nichts an den Schaf liegt, woraufhin der Wolf sie raubt und zerstreut.

Auf welcher Grundlage beruht die Vertrautheit zwischen dem Guten Hirten und seinen Schafen?

Jesus vergleicht die gegenseitige Erkenntnis zwischen ihm und seinen Schafen mit der tiefen Wesensgemeinschaft zwischen ihm und dem Vater. Er betont: „Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne“; aus dieser vertrauten Beziehung heraus gibt er sein Leben für die Schafe hin.

Welche Perspektive eröffnet Jesus bezüglich anderer Schafe außerhalb des bisherigen Stalles?

Jesus kündigt an, dass er noch andere Schafe hat, die nicht aus diesem Schafstall sind, und dass er auch diese führen muss. Sie werden auf seine Stimme hören, und es wird schließlich eine Herde und ein Hirte werden, was die Einbeziehung der Heiden in das Heil Gottes ankündigt.

Wie begründet Jesus die Liebe des Vaters zu ihm und seine Vollmacht über Leben und Tod?

Jesus erklärt, dass der Vater ihn liebt, weil er sein Leben hingibt, um es wiederzunehmen. Niemand nimmt es ihm weg, sondern er gibt es von sich selbst aus hin; er hat Vollmacht, es einzusetzen, und Vollmacht, es wiederzunehmen, da er diesen Auftrag von seinem Vater empfangen hat.

Joh 10, 1-10 Der gute Hirt und die Schafe
Joh 10, 19-30 Jesus und Einheit mit dem Vater