Joh 20, 24-31
Auslegung und Andacht
Jesus und Thomas
Inhaltsverzeichnis
Joh 20, 24 Thomas’ Abwesenheit
Joh 20,24: Thomas aber, einer von den Zwölfen, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
Joh 20, 25 Zweifel des Thomas
Joh 20,25: Da sagten ihm die anderen Jünger: Wir haben den Herrn gesehen! Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht an seinen Händen das Nägelmal sehe und meinen Finger in das Nägelmal lege und meine Hand in seine Seite lege, so werde ich es niemals glauben!
Der Zweifel des Thomas
Der Herr sucht keine perfekten Christen: der Herr sucht keine Christen, die niemals zweifeln und immer einen sicheren Glauben zur Schau stellen. Wenn ein Christ so ist, dann stimmt etwas nicht.
Nein, das Abenteuer des Glaubens besteht, wie bei Thomas, aus Licht und Schatten. Wenn nicht, was für ein Glaube wäre es dann?
Er kennt Zeiten des Trostes, des Schwungs und der Begeisterung, aber auch Müdigkeit, Verwirrung, Zweifel und Dunkelheit. Das Evangelium zeigt uns die „Krise“ des Thomas, um uns zu sagen, dass wir die Krisen des Lebens und des Glaubens nicht fürchten müssen.
Krisen sind keine Sünde, sie sind Weg, wir müssen sie nicht fürchten. Oft machen sie uns demütig, weil sie uns die Vorstellung nehmen, in Ordnung zu sein, besser zu sein als die anderen. Die Krisen helfen uns zu erkennen, dass wir bedürftig sind: Sie lassen unser Bedürfnis nach Gott wieder aufleben und ermöglichen es uns dadurch, zum Herrn zurückzukehren, seine Wunden zu berühren, erneut die Erfahrung seiner Liebe zu machen, wie beim ersten Mal.
Liebe Brüder und Schwestern, ein unvollkommener aber demütiger Glaube, der immer zu Jesus zurückkehrt, ist besser als ein starker, aber anmaßender Glaube, der stolz und arrogant macht. Wehe denen, wehe!
Papst Franziskus
Frage: Wie kannst du heute die eigenen Zweifel als Einladung sehen, deinem Glauben tiefer nachzugehen und Gottes Nähe neu zu erfahren?
Der „Thomas“ in mir.
Liest man diese Bibelstelle, findet man sich vielleicht selber darin wieder. Wie oft, in seligen Zeiten, wenn es mir gut geht, bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass mein Glaube unerschütterlich ist, dass mich nichts und niemand davon abbringen kann, an Gottes Plan für mich zu glauben.
Und wie schnell ereilt mich dann dennoch das gleiche Schicksal wie den Apostel Thomas hier in diesem Evangelium. Vielleicht sind es die großen Herausforderungen, vor denen ich stehe, die mich Beweise einfordern lassen. Vielleicht summieren sich auch Probleme, Verletzungen, Traurigkeiten, die irgendwann das Fass zum Überlaufen bringen und mich wie Thomas sagen lassen: Wenn nicht…, dann glaube ich nicht.
Ellen Charlotte Petermann
Frage: Wann habe ich zuletzt gespürt, dass mein Glaube geprüft wird, und wie kann ich in solchen Momenten Gottes Nähe bewusst wahrnehmen?
Joh 20, 26 Erneuter Friedensgruß
Joh 20,26: Und nach acht Tagen waren seine Jünger wiederum drinnen, und Thomas war bei ihnen. Da kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt in ihre Mitte und spricht: Friede sei mit euch!
Joh 20, 27 Aufforderung zum Berühren
Joh 20,27: Dann spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Lege deine Finger in meine Seite
Der Auferstandene schenkt mir diese Berührung mit ihm. Der Glaube an Christus ist in erster Linie persönliche Begegnung mit dieser Person, die sich nicht in Theorien einzwängen lässt.
Tun wir dies doch, so besteht die Gefahr, dass wir dem Leben ausweichen, nur Floskeln oder Dogmen aufsagen.
Auferstehung erfahre ich nur, wenn ich in Berührung komme und mich berühren lasse. Lass dich von ihm berühren beim Mahl des Herrn und in der Begegnung mit den Nächsten in deinem Alltag. Werde dir seiner Nähe heute immer wieder bewusst.
Frage: Wie kann ich heute offen für die Berührung durch das Leben und die Gegenwart Christi in meinem Alltag sein?
Andacht von Josemaria
Jesus opferte sich, und Er verbarg sich unter der Gestalt des Brotes. Jetzt ist Er dort so gegenwärtig – mit Fleisch und Blut, mit Seele und Gottheit – wie Er Thomas gegenwärtig war, als dieser seine Finger in die Seitenwunde des verklärten Leibes legen durfte.
Du aber gehst oft an Ihm vorbei und hast für Ihn nicht einmal den kurzen Gruß übrig, den du einem Bekannten, der dir begegnet, entbietest. Du hast viel weniger Glauben als Thomas!
Frage: Wie bewusst nimmst du die Gegenwart des Heiligen in deinem Alltag wahr, und wo könntest du Ihm heute mit mehr Aufmerksamkeit begegnen?
Sein Herz
In diesem Evangelium kommt Christus dem Thomas so nahe, dass er ihn berühren kann. Er lädt diesen, mit Zweifeln ringenden Apostel, ein, seine Seite und somit sein Heiligstes Herz, das übervoll von Erbarmen ist, zu berühren.
Es gab nicht nur keine Zweifel mehr am verherrlichten Leib des Heilands, sondern auch Gewissheit über sein großes Erbarmen, sein Erbarmen, das er in der Vergebung der Sünden versprach.
Lasst uns deshalb, mit Thomas, in nächste Nähe zum Heiligsten Herzen Christi kommen und durch seine geöffnete Seite dieses Herz betrachten, das alle Menschen so sehr liebt.
Michael Goodyear
Frage: Wie kann ich heute meinem eigenen Herzen erlauben, dem Erbarmen Christi wirklich zu begegnen?
Jesus in der Mitte
Sowohl am Tag seiner Auferstehung als auch acht Tage später stand der Herr in der Mitte seiner Jünger. Wir können annehmen, dass die Jünger bei diesen zwei Begebenheiten saßen. Doch der Herr stand im Zentrum. Er war es, der bei ihnen die Autorität und das Sagen hatte.
Die Gedanken der versammelten Jünger drehten sich um Ihn. Ihre Herzen waren mit Ihm beschäftigt. Herzen, die so von Ihm erfüllt sind, wird unser Heiland nicht enttäuschen. Er kam zu ihnen und nahm den Platz ein, der Ihm gebührt und den die Seinen Ihm mit Freude geben wollten: den Platz in der Mitte. Der Herr Jesus möchte nicht nur im Zentrum unseres Lebens stehen, sondern auch der Mittelpunkt unserer Zusammenkünfte sein (Mt 18,20). Sind wir bereit, Ihm diesen Platz der Autorität zu geben?
Joh 20, 28 Mein Herr und mein Gott
Joh 20,28: Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
Mein Herr und mein Gott
Thomas machte einen sofortigen Übergang vom erklärten Unglauben (Johannes 20:25) zum radikalen Glauben. Er sprach Jesus mit göttlichen Titeln an und nannte ihn Herr und Gott. Es ist auch bezeichnend, dass Jesus diese Titel akzeptierte
Andacht von Franziskus
Er war ein Dickkopf! Aber der Herr wollte gerade einen Dickkopf, um uns dabei zu helfen, etwas noch Größeres zu verstehen.
Thomas sah den Herrn, er wurde dazu aufgefordert, seinen Finger in die Male der Nägel zu legen, seine Hand in die Seite zu legen. Und hat er nicht etwa gesagt: „Es ist wahr, der Herr ist auferstanden!“ Nein.
Er ist noch darüber hinausgegangen, er hat gesagt: „Mein Herr und mein Gott!“ Er ist der erste der Jünger, der das Bekenntnis zur Göttlichkeit Christi nach dessen Auferstehung ablegt. Und er hat ihn angebetet.
Frage: Wo in meinem eigenen Leben habe ich vielleicht gezögert, etwas anzunehmen, bis ich es wirklich mit meinem Herzen erfahren habe?
Joh 20, 29 Segen für Nichtsehende
Joh 20,29: Jesus spricht zu ihm: Thomas, du glaubst, weil du mich gesehen hast; glückselig sind, die nicht sehen und doch glauben!
Gott ist da
Gott ist da, er hat uns nicht alleingelassen. Auch wenn wir ihn nicht sehen und berühren können, ist er doch da und kommt auf vielerlei Weise zu uns.
Wir können das Wort an ihn richten, ihm das Leid darlegen, das uns quält, die Ungeduld, die Fragen, die aus unserem Herzen hervorkommen. Wir sind gewiß, daß er uns immer hört!
Und wenn Jesus gegenwärtig ist, dann gibt es keine sinnlose und sinnleere Zeit mehr. Denn der Herr ist auf unserem Lebensweg gegenwärtig, er begleitet uns, und eines Tages wird er unsere Tränen trocknen.
Eines nicht fernen Tages wird alles seine Erfüllung finden im Reich Gottes, dem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens.
Lasst uns die Gegenwart, in der uns die Gaben des Herrn bereits erreichen, intensiv leben, laßt sie uns auf die Zukunft ausgerichtet leben, eine Zukunft voller Hoffnung.
Frage: Wie kann ich die Gegenwart Gottes in meinem Alltag bewusster wahrnehmen und in Hoffnung leben?
Seligpreisung
Diese Worte Jesu sind eine weitere Seligpreisung und verheißen großen Segen.
Joh 20, 30 Viele weitere Zeichen
Joh 20,30: Noch viele andere Zeichen tat Jesus nun vor seinen Jüngern, die in diesem Buch nicht geschrieben sind.
Noch viele andere Zeichen tat Jesus
Die größten Zeichen von allen waren der Tod und die Auferstehung Jesu. Zusammen bilden diese Zeichen eine starke Grundlage für den Glauben an Jesus als Messias und Gott. Dieser Glaube ist kein blinder Sprung; Es ist ein vernünftiger Schritt, der auf starken Beweisen basiert
Joh 20, 31 Ziel des Evangeliums
Joh 20,31: Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.
In seinem Namen
Durch seinen Namen bedeutet nicht ‚durch die Benennung seines Namens', sondern durch die Macht der Person, die den Namen trägt. In der Bibel ist der ‚Name‘ Gottes nicht nur der Name, mit dem er bezeichnet wird, sondern alles, was er in sich selbst ist.
Häufige Fragen zu Joh 20, 24-31
Was bedeutet Joh 20, 24-31?
Dieser Abschnitt schildert die Begegnung des auferstandenen Jesus mit dem zweifelnden Thomas sowie den eigentlichen redaktionellen Schluss des Johannesevangeliums. Das Geschehen zeigt die Überwindung des Unglaubens durch die gnädige Offenbarung Jesu, führt zum höchsten Bekenntnis des Evangeliums und formuliert das finale Ziel des Buches: den rettenden Glauben an den Messias.
Warum verweigert Thomas zunächst den Glauben an die Auferstehung und welche Bedingung stellt er?
Thomas war bei der ersten Erscheinung am Osterabend nicht anwesend und weist das Zeugnis der anderen Jünger zurück. Er erklärt, dass er erst glauben wird, wenn er die Nägelmale an Jesu Händen sieht, seinen Finger in die Malzeichen legt und seine Hand in Jesu Seite legt.
Wie begegnet Jesus dem Thomas acht Tage später und wie reagiert dieser darauf?
Acht Tage später tritt Jesus trotz verschlossener Türen erneut in die Mitte der Jünger, grüßt sie mit dem Frieden und fordert Thomas direkt auf, seine Hände und Seite zu berühren und nicht ungläubig, sondern gläubig zu sein. Tief getroffen verzichtet Thomas auf das Ertasten und legt das fundamentale Bekenntnis ab: „Mein Herr und mein Gott!“
Welche Seligpreisung spricht Jesus im Blick auf künftige Generationen von Glaubenden aus?
Jesus greift das Bekenntnis des Thomas auf und fragt ihn ermahnend, ob er veranlasst durch das Sehen geglaubt habe. Er fügt die grundlegende Verheißung für alle späteren Leser hinzu: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“
Welchen Zweck verfolgt der Verfasser mit dem Aufschreiben dieses Evangeliums?
Der Evangelist erklärt abschließend, dass Jesus noch viele andere Zeichen vor den Jüngern getan hat, die nicht in diesem Buch geschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit die Leser glauben, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit sie durch den Glauben Leben haben in seinem Namen.
Joh 20, 19-23 Jesus erscheint den Jüngern
Joh 21, 1-14 Erscheinung am See von Tiberias