Joh 20, 19-23:
Auslegung und Andacht
Jesus erscheint den Jüngern

Joh 20, 19 Friede sei mit euch

Joh 20,19: Als es nun an jenem Tag, dem ersten der Woche, Abend geworden war und die Türen verschlossen waren an dem Ort, wo sich die Jünger versammelt hatten, aus Furcht vor den Juden, da kam Jesus und trat in ihre Mitte und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch!

Verschlossene Türen

Der Sinn ist, dass die Türen nicht nur geschlossen, sondern auch gegen unerwünschtes Eindringen gesichert und verriegelt waren. Die Idee ist, dass der Raum sicher war, als plötzlich Jesus kam und mittendrin stand.

Uns wird nicht gesagt, wie Jesus den Raum betrat, aber der Sinn ist, dass es nicht auf normale Weise geschah und dass er einfach zu erscheinen schien. Wenn er uns sagt, dass die Türen geschlossen waren, sollten wir das als verschlossen verstehen, wie die folgende Erklärung zeigt, dass dies aus Angst vor den Juden geschah.

Danach, als der Geist auf sie herabkam, öffneten sie nicht nur die Türen, sondern predigten Christus kühn im Tempel, ohne Gefahr zu fürchten.

Frage: Welche „verschlossenen Türen“ in deinem eigenen Leben könnten dich daran hindern, Mut zu fassen und deine Wahrheit zu leben?

Andacht von Benedikt XVI

Wir verschließen ständig unsere Türen. Wir sind unentwegt darauf bedacht, uns in Sicherheit zu bringen und wollen weder von den anderen noch von Gott gestört werden.

Deshalb können wir den Herrn immer wieder nur darum bitten, er möge unsere Verschlossenheit aufbrechen und zu uns kommen und uns seinen Gruß bringen. Friede sei mit euch.

Dieser Gruß des Herrn ist eine Brücke, die er zwischen Himmel und Erde schlägt. Auf dieser Brücke steigt er zu uns herab, und wir können auf dieser Brücke des Friedens zu ihm emporsteigen.

Auf dieser Brücke sollen wir, immer zusammen mit ihm, auch den Nächsten, der uns braucht, erreichen.

Benedikt XVI

Frage: Wo in meinem Leben habe ich bisher Türen verschlossen, und wie kann ich mich öffnen, um den Frieden Gottes und den Nächsten bewusst zu begegnen?

Jesus kommt in unsere Verschlossenheit

Wo ist unsere Angst? Was macht uns Not? Wo sind wir enttäuscht vom Leben, von anderen Menschen, von uns selbst?

Fühlen wir uns verletzt, verraten, verlassen und einsam? Wo haben wir andere enttäuscht, verletzt, verraten, verlassen?

Wo sind noch offene Rechnungen, die uns das Leben schwer machen? Wo gehen wir eigene, einsame Wege ohne nach Jesus zu fragen? Bedeutet er uns überhaupt etwas oder sagen wir ''Nein'' zu ihm und versuchen unsere Probleme selbst zu lösen?

Jesus kommt auch in unsere, in Deine Mitte, auch in meine Verschlossenheit. Es liegt an mir selbst, ob ich für ihn offen bin, mich auf ihn einlasse, ihn einlasse in mein Herz.

Jesus kommt und zeigt uns: alles bezahlt, alles durchlebt, alles durchsiegt – von ihm! Es braucht keine eigene Anstrengung und eigene, einsame Entscheidungen mehr. Jesus nimmt uns die Last ab. Wir müssen sie nur abgeben, sie ihm geben und wir uns ihm ganz hingeben.

Dann werden auch wir spüren, wie die Last weniger wird, wenn wir uns von seiner Liebe umhüllen lassen. Dann kann Friede sein!

Rolf Aichelberger

Frage: Welche Last trage ich innerlich noch allein, die ich bereit wäre, heute in Gottes Hände zu legen?

Andacht von Sarah Briemle

Die Jünger waren voller Angst, so sehr, dass sie ihre Türen verschlossen hielten. Das Geschehene überforderte sie. Nichts war so gelaufen, wie sie es erwartet hatten.

Einerseits glaubten sie und doch hallten in ihren Herzen die Worte wider, die sie schon einmal an Jesus gerichtet hatten: Stärke unseren Glauben. Ist das nicht eine Erfahrung, die wir auch im Leben machen? Wir sind Jesus begegnet, wir haben ihn schon wirken sehen, wir glauben und doch bringen die Widrigkeiten des Lebens oftmals diesen Glauben ins Wanken.

Wir fürchten uns vor dem, was kommen wird. Wir leiden unter dem, was geschehen ist. Und auch wir verschließen dadurch die Türen unseres Herzens. Aber kann ein verschlossenes Herz lieben? Kann ein verschlossenes Herz erfüllt sein?

Christus durchbricht diese verschlossenen Türen und will auch mir heute sagen: Fürchte dich nicht.

Frage: Welche verschlossenen Türen in meinem eigenen Leben könnten geöffnet werden, wenn ich mich Christus anvertraue?

Friede sei mit euch:

Das ist eine Zusicherung, dass es keinen Grund zur Furcht gibt und dass alles gut ist. Die Worte aus seinem Mund haben nun eine neue Bedeutung, weil Christus durch sein Blut am Kreuz Frieden gemacht hat. Diejenigen, die durch den Glauben gerechtfertigt sind, haben Frieden mit Gott.

Antonius von Padua: Er tritt in die Mitte eines jeden Herzens. Er stellt sich ins Zentrum, weil von ihm, wie von einem Kreismittelpunkt alle Gnadenstrahlen ausgehen hin zu uns, die wir auf der Kreislinie stehen und uns um ihn herum bewegen.

Friede sei mit euch

Sehr wichtig ist, was uns das Evangelium berichtet, nämlich daß Jesus bei den beiden Erscheinungen vor den im Abendmahlssaal versammelten Jüngern mehrmals den Gruß »Friede sei mit euch!« (Joh 20,19.21.26) wiederholte.

Der traditionelle Gruß, mit dem man sich Schalom, den Frieden wünscht, wird hier zu etwas Neuem: er wird das Geschenk jenes Friedens, den allein Jesus geben kann, da er die Frucht seines radikalen Sieges über das Böse ist. Der »Friede«, den Jesus seinen Freunden entbietet, ist die Frucht der Liebe Gottes, die ihn dazu geführt hat, am Kreuz zu sterben, all sein Blut zu vergießen wie ein sanftes und demütiges Lamm, »voll Gnade und Wahrheit« (Joh 1,14). Benedikt XVI

Joh 20, 20 Freude über den Herrn

Joh 20,20: Dann zeigte er ihnen die Wunden in seinen Händen und an seiner Seite. Als die Jünger ihren Herrn sahen, freuten sie sich sehr.

Dann zeigte er ihnen die Wunden

Diese Wundmale zeigt er auch dir.

Denn diese Wundmale sind die Quelle, aus der die Barmherzigkeit entspringt, die sich über die Menschheit und damit auch über dich ergießt.

Die göttliche Barmherzigkeit erreicht dich durch das Herz des gekreuzigten Christus. Jesus selbst ist die personalisierte Barmherzigkeit Gottes.

Eines meiner Lieblings-Stoßgebete ist daher: Jesus, ich vertraue dir und deiner Barmherzigkeit.

An dieser Stelle: Ich liebe Stoßgebete, weil sie es einem ermöglichen, auch an einem vollgestopften Tagesablauf immer wieder in Kontakt mit Gott zu kommen. Die einzelnen Stoßgebete pflanzen sich mit der Zeit ins Herz ein und blühen dort auf.

Frage: Wie kannst du die Barmherzigkeit, die dir zuteilwird, noch bewusster in deinem Alltag wahrnehmen und weitergeben?

Worte von Sarah Briemle

Nun denken wir oftmals, dass Jesu Ermutigung „Fürchte dich nicht“ die Zusage enthält, dass alles Leid verschwunden ist und alles schon wieder ins rechte Lot kommen wird.

Wenn der auferstandene Jesus seine Wundmale beibehalten hat und sie den Jüngern zeigt, hat das nicht etwas Wichtiges zu besagen? Genau hier liegt der Schlüssel zu unserem inneren Frieden.

Christus hat sich durchbohren lassen und deshalb können auch unsere durchbohrten Herzen, mit diesen aus Furcht verschlossenen Türen, Frieden finden. Die Wundmale meines Herzens erkennen, annehmen, sie Christus übergeben, ist der einzige Weg zur Fülle. Sie sind da, aber in Christus sind sie verklärt worden. Er ist Sieger.

Die frohe Botschaft besagt also nicht, dass die Wundmale weg sind, sondern, dass ich auch mit ihnen die Freude der Auferstehung in meinem Leben erfahren kann.

Frage: Welche Wundmale in deinem Herzen dürfen heute von Christus angenommen und verwandelt werden, damit du inneren Frieden erleben kannst?

Joh 20, 21 Aussendung der Jünger

Joh 20,21: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Friede sei mit euch

Wiederholung der Zusage des Friedens:
Die Wiederholung dieses Versprechens macht dieses Geschenk des Friedens viel größer und bedeutender.

Der auferstandene Jesus bringt Frieden.
Meine Sünden sind vergeben – Friede.
Die Sklaverei der Sünde ist gebrochen – Frieden.
Mein Erlöser nimmt meine Ängste und Sorgen – Frieden.
Mein Leben ist für die Ewigkeit bestimmt – Frieden.

Frage: Welche Ängste oder Sorgen darf ich heute bewusst in den Frieden des Auferstandenen legen, um innerlich frei zu werden?

Friede und Loslassen

Immer wieder grüßt der auferstandene Jesus seine Jünger mit dem Friedensgruß. Um den Frieden unserer Seelen in Jesus zu finden und zu bewahren, ist es notwendig, immer wieder auch loszulassen – vor allem sich selbst – im Blick auf den gekreuzigten Jesus, der sein Leben losließ.

Anhänglichkeit des Herzens: Viel zu häufig hängt unser Herz an vielen Dingen, schönen wie nicht so schönen – materieller Besitz, Sorgen, Beziehungen und vieles mehr. Eine wachsende und inniger werdende Beziehung zu Jesus und der damit einhergehende innere Frieden hängen wesentlich mit diesem „Loslassen-Können“ zusammen.

So soll es in dieser Pfingstwoche um das Loslassen in der Kraft des Heiligen Geistes gehen: Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.

Frage: Welche Anhaftungen in meinem Leben halten mich davon ab, den Frieden Gottes in mir wirklich zu spüren?

So sende ich euch

Sendung: Dies ist ein wunderbarer Vers. Die Gläubigen sind nicht dazu bestimmt, nur selbstsüchtig ihren Frieden zu genießen. Sie sollen ihn an andere weitergeben.

So sendet er sie in die Welt, wie ihn der Vater ausgesandt hat: Christus kam in Armut in die Welt. Er kam als Knecht. Er machte sich selbst zu nichts. Er fand Gefallen daran, den Willen des Vaters zu tun.

Er machte sich eins mit den Menschen. Er ging umher und tat Gutes. Er tat alles in der Kraft des Heiligen Geistes. Sein Ziel war das Kreuz. Nun sagte er zu den Jüngern: So sende ich auch euch.

Jesus gab seinen Jüngern eine Mission, um sein Werk auf dieser Erde fortzusetzen. Das war der Auftrag, das zu tun, wofür Jesus bereits in Johannes 17,18 gebetet hatte: Wie du mich in die Welt gesandt hast, habe auch ich sie in die Welt gesandt.

Frage: Wie kannst du heute Frieden und Gutes, inspiriert vom Vorbild Christi, in die Welt hinaustragen?

Joh 20, 22 Empfang des Heiligen Geistes

Joh 20,22: Nach diesen Worten hauchte er sie an und sprach: Empfangt den Heiligen Geist!

Nach diesen Worten hauchte er sie an

Anhauchung der Jünger: Der Herr haucht die Jünger an und verleiht ihnen so den Heiligen Geist, seinen Geist. Der Atem Jesu ist der Heilige Geist.

Wir erkennen hier zunächst eine Anspielung auf den Bericht von der Erschaffung des Menschen, wo es heißt: "...und blies in seine Nase den Lebensatem." Jesus haucht die Apostel an und beschenkt sie aufs Neue, aber noch großartiger, mit Gottes Atem.

In den Menschen ist jetzt trotz all ihrer Grenzen etwas absolut Neues: der Atem Gottes. Das Leben Gottes lebt in uns. Der Atem seiner Liebe, seiner Wahrheit und seiner Güte.

Der Text des Evangeliums lädt uns dazu ein, immer im Bereich des Atems Jesu Christi zu leben, von ihm Leben zu empfangen, auf dass er uns das wahre Leben einflöße, das Leben, das kein Tod mehr zu nehmen vermag.

Benedikt XVI

Frage: Wie kann ich den Atem Gottes in meinem Alltag spüren und zulassen, dass er mein Leben tiefgreifend verändert?

Empfangt den heiligen Geist!

Den heiligen Geist empfangen alle! Der Geist weht, wo er will. Er lässt sich nicht einsperren in menschliche Gedankengerüste. Aber er tut machtvoll kund, was Gottes Wille ist.

Nirgendwo ist dieser so verdichtet zu lesen wie in der Bergpredigt. Genau in der Mitte der Bergpredigt befindet sich das Vater unser. Durch das Gebet werden wir empfänglich für den Willen Gottes, den uns der heilige Geist stets mitteilen will und der unsere Hoffnung stärken möchte.

Ich lebe in der Hoffnung, dass Jesus am Ende der Zeit alles wieder zusammenführen wird und zur Vollendung bringt. Dass dies passieren wird, davon berichtet das Heilige Wort Gottes, die Bibel, unser Wegweiser in stürmischen Zeiten.

Frage: Wie kann ich heute offen sein für die Führung des Heiligen Geistes in meinem eigenen Leben?

Joh 20, 23 Vollmacht zur Sündenvergebung

Joh 20,23: Welchen ihr die Sünden vergebt, denen sind sie vergeben; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Zur Vergebung der Sünden

Benedikt XVI zum Bußsakrament:

Das Bußsakrament ist einer der kostbaren Schätze der Kirche, weil sich nur in der Vergebung die wahre Erneuerung der Welt vollzieht. Nichts kann in der Welt besser werden, wenn nicht das Böse überwunden wird.

Und das Böse kann nur durch die Vergebung überwunden werden. Es muss natürlich eine wirksame Vergebung sein. Aber diese Vergebung kann uns allein der Herr gewähren.

Eine Vergebung, die das Böse nicht nur mit schönen Worten aus dem Weg räumt, sondern es wirklich zerstört. Das aber kann nur durch das Leiden geschehen, und es ist tatsächlich geschehen durch die leidende Liebe Christi, aus der wir die Vollmacht zur Vergebung schöpfen.

Frage: Wo in meinem Leben darf ich Heilung durch Vergebung zulassen, um wahrhaftige Erneuerung zu erfahren?

Häufige Fragen zu Joh 20, 19-23

Was bedeutet Joh 20, 19-23?

Dieser Abschnitt schildert die erste Erscheinung des auferstandenen Jesus im Kreis der versammelten Jünger am Abend des Ostertages. Das Geschehen markiert die Stiftung der neuen Friedensgemeinschaft, den Empfang des Heiligen Geistes als johanneisches Pfingsten und die Übertragung der apostolischen Vollmacht zur Vergebung oder Einbehaltung von Sünden.

Unter welchen Umständen erscheint der Auferstandene den Jüngern und wie grüßt er sie?

Am Abend des ersten Tages der Woche sind die Jünger aus Furcht vor den jüdischen Autoritäten hinter verschlossenen Türen versammelt. Jesus tritt plötzlich in ihre Mitte und grüßt sie mit dem Friedensgruß: „Friede sei mit euch!“

Wie weist Jesus seine Identität nach und welche Wirkung hat dies auf die Jünger?

Nach seinem Gruß zeigt Jesus den Jüngern seine Hände und seine durchbohrte Seite. Als die Jünger die Wundmale des Gekreuzigten erblicken und darin den auferstandenen Herrn wiedererkennen, werden sie von großer Freude erfüllt.

Wie beruft und bevollmächtigt Jesus die Jünger für ihre künftige Sendung?

Jesus wiederholt den Friedensgruß und erklärt das Fundament ihrer Mission: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Er haut sie an und spricht zu ihnen: „Empfangt Heiligen Geist!“, womit er ihnen die göttliche Lebenskraft für ihren Dienst schenkt.

Welche besondere Vollmacht bezüglich der Sünden überträgt Jesus den Jüngern?

Jesus verleiht den Jüngern die geistliche Binde- und Lösevollmacht im Blick auf die Schuld: „Welchen ihr die Sünden vergebt, denen sind sie vergeben; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“

Joh 20,11-18 Jesus erscheint Maria Magdalena
Joh 20, 24-31 Jesus und Thomas