Mk 5, 1-20 Der Besessene von Gerasa
Mk 5,1: Und sie kamen ans andere Ufer des Sees in das Gebiet der Gadarener.
Jesus heilt in heidnischem Gebiet
Durch die Besänftigung des Sturms in Kapitel 4 hatte Markus uns gezeigt, dass Jesus Macht über die Natur hat.
Nun reist Jesus mit seinen Jüngern über den See Gennesaret in heidnisches Gebiet. Dort heilt er den Besessenen von Gerasa. Dieses Wunder zeigt uns, dass Jesus Macht über die unreinen Geister hat.
Aber es gibt noch mehr. Der Ausblick des antiken Judentums war auf das eigene Volk begrenzt. Nur die natürlichen Nachkommen Jakobs konnten den Bund mit Gott eingehen. Und der einzige Ort, an dem sie Gott Opfer darbringen konnten, war der Tempel in Jerusalem.
Aber Jesus durchbricht diese Einschränkungen, indem er auf heidnischem Gebiet heilt. Dies ist eine weitere verhüllte Demonstration seiner göttlichen Macht.
Anton Vogelsang
Frage: Wo möchtest du Jesus zutrauen, Grenzen in deinem Leben oder Denken zu durchbrechen und dich spirituell zu erneuern?
Mk 5,2: Und als er aus dem Schiff gestiegen war, lief ihm sogleich aus den Gräbern ein Mensch mit einem unreinen Geist entgegen,
Ein Mensch mit einem unreinen Geist
Der Besessene, der von der Gesellschaft ausgestoßen war, symbolisiert die tiefste menschliche Verlorenheit. Doch Jesus tritt ihm nicht mit Furcht oder Ablehnung entgegen, sondern mit göttlicher Autorität.
Seine Ankunft bringt Heilung und Befreiung, was zeigt, dass kein Mensch zu weit entfernt ist, um von Gott gerettet zu werden. Die Geschichte ermutigt Gläubige, auf Jesu rettende Kraft zu vertrauen und daran zu glauben, dass er jede Gebundenheit durchbrechen kann, egal wie hoffnungslos eine Situation scheint.
Frage: Wo erlebe ich in meinem Leben Befreiung durch Gottes Nähe und wo darf ich mich noch mutiger seinem Licht anvertrauen?
Mk 5,3: der seine Wohnung in den Gräbern hatte. Und selbst mit Ketten konnte niemand ihn binden,
Im Griff des Bösen
Hier begegnen uns zwei Menschen, die völlig im Griff des Bösen sind. Ihr ganzes Verhalten ist auf Gewalt und Zerstörung angelegt. Und dies nicht nur gegen andere, sondern auch gegen sich selber, wie wir es aus im Markusevangelium erfahren. Ihre Behausung sind die Grabhöhlen. Der Tod als der Zerstörer des Lebens schlechthin ist ihr Verbündeter.
Mk 5,4: Denn schon oft war er mit Fußfesseln und Ketten gebunden worden, aber die Ketten wurden von ihm zerrissen und die Fußfesseln zerrieben; und niemand konnte ihn bändigen.
Mk 5,5: Und er war allezeit, Tag und Nacht, auf den Bergen und in den Gräbern, schrie und schlug sich selbst mit Steinen.
Die Sklaverei der Sünde
Wenn wir lesen, wie sich dieser Mann im Evangelium verhielt, als er besessen war, fühlen wir uns ein wenig traurig, ratlos und empört. Wie kann jemandem so etwas passieren? Wo bleibt seine Würde?
Allerdings befinden wir uns oft in ähnlichen oder schlechteren Situationen als der seinen. Wenn jemand besessen ist, handelt er nicht aus freiem Willen, sondern gesteuert bzw. manipuliert. Wir hingegen, wenn wir die Sünde der Liebe zu Gott vorziehen, tun dies mit Wissen und Verstand.
Paradoxerweise unterwerfen und versklaven wir uns dann freiwillig selbst, manchmal sogar in Dingen, in denen es kein Zurück mehr gibt.
Daniel Flores Mondragón
Frage: Wo stehe ich selbst in Gefahr, mich innerlich zu verlieren, und wie kann ich Gottes Liebe wieder den Vorrang geben?
Mk 5,6: Als er aber Jesus von ferne sah, lief er und warf sich vor ihm nieder,
Mk 5,7: schrie mit lauter Stimme und sprach: Jesus, du Sohn Gottes, des Höchsten, was habe ich mit dir zu tun? Ich beschwöre dich bei Gott, dass du mich nicht quälst!
Dämonen sprechen Jesus an
Die vollständige Ansprache ist kein Bekenntnis der Würde Jesu, sondern ein verzweifelter Versuch, ihn zu beherrschen oder unschädlich zu machen, gemäß der gängigen Annahme der Zeit, dass man durch die Verwendung des genauen Namens eines Gegners Herr wurde.
Es fällt auf, dass in dem Bericht nur der unreine Geist redet, der in diesem Menschen wohnte, anfänglich in der Einzahl, in Vers 12 jedoch in der Mehrzahl. Das zeigt uns, wie weitgehend die unreinen Geister von den Menschen Besitz ergreifen. Sie identifizieren sich vollkommen mit der jeweiligen Person.
Frage: Wo erlebst du in deinem eigenen Leben Kräfte oder Gedanken, die dich von deinem inneren Frieden und deiner spirituellen Freiheit abhalten könnten?
Andacht von Papst Franziskus
Als Jesus mit seiner Verkündigung beginnt, ist das erste, das die Konsequenzen daraus zu tragen hat, das Böse, das die Welt quält. Die unreinen Geister fluchen: „Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß wer du bist: der Heilige Gottes“ (Mk 1,24).
Man hatte noch nie eine solche Heiligkeit gesehen: die sich nicht um sich selbst kümmert, sondern nach außen ausgerichtet ist. Eine Heiligkeit – die Heiligkeit Jesu –, die sich in konzentrischen Kreisen erweitert, wie wenn man einen Stein in einen Teich wirft.
Die Tage des Bösen sind gezählt – das Böse ist nicht ewig –, das Böse kann uns nichts mehr anhaben: Der Starke ist gekommen und nimmt sein Haus in Besitz (vgl. Mk 3,23-27). Und dieser Starke ist Jesus, der auch uns die Kraft gibt, unser inneres Haus in Besitz zu nehmen
Frage: Wo spüre ich in meinem Leben die Kraft Jesu, die mich frei macht und mein inneres Haus stärkt?
Mk 5,8: Er sprach zu ihm: Fahre aus dem Menschen aus, du unreiner Geist!
Fahrt aus
Die beiden besessenen Menschen kommen auf Jesus zu und schreien.
Doch ihr Schrei ist nicht Macht und Stärke.
Sie erkennen in Jesus den Stärkeren.
Und er sprach: Fahrt aus!
Es sind die einzigen Worte Jesu in der ganzen Erzählung.
Ein Befehl.
Kein Gespräch zwischen Jesus und den Dämonen.
Nur sein Vollmachtswort.
Dem Bösen sind Grenzen gesetzt, inhaltlich und zeitlich.
Die Mächte müssen fliehen und die beiden Männer werden dadurch frei.
Ihr Leben steht nicht mehr unter dem grausamen Diktat des Satanischen.
Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leben die befreiende Kraft Gottes, die mir neue Weite schenkt?
Mk 5,9: Und er fragte ihn: Was ist dein Name? Und er antwortete und sprach: Legion ist mein Name; denn wir sind viele!
Gespräch zwischen Jesus und den Dämonen
Aus dem Bericht als Ganzes sehen wir, dass Jesus nicht mit dem alten Aberglauben spielte, den Namen eines Dämons zu kennen. Tatsächlich zeigte Jesus, dass es für ihn unnötig war, den Namen des Dämons zu kennen. Als sie „ Legion “ antworteten , sagten sie wirklich keinen Namen, sondern versuchten einfach, Jesus mit einer großen Zahl einzuschüchtern.
Mk 5,10: Und er bat ihn sehr, sie nicht aus dem Land zu verweisen.
Mk 5,11: Es war aber dort an den Bergen eine große Herde Schweine zur Weide.
Mk 5,12: Und die Dämonen baten ihn alle und sprachen: Schicke uns in die Schweine, damit wir in sie fahren!
Schicke uns in die Schweine
Markus 5,12 berichtet, wie die Dämonen Jesus anflehen, sie in eine Schweineherde fahren zu lassen. Diese Bitte zeigt ihre Unterwerfung unter Jesu Macht. Sie erkennen seine göttliche Autorität und wissen, dass sie seinem Urteil nicht entkommen können.
Die Wahl der Schweine symbolisiert Unreinheit, da Schweine im Judentum als unrein galten. Die Erlaubnis Jesu, die Dämonen in die Schweine zu schicken, offenbart sein souveränes Handeln über das Böse.
Der darauffolgende Tod der Schweine im See zeigt die zerstörerische Natur der Dämonen. Diese Erzählung verdeutlicht Jesu befreiende Kraft und ruft dazu auf, sich ihm anzuvertrauen. Sie lädt uns ein, die eigene Abhängigkeit von Gott anzuerkennen und seine rettende Macht zu erfahren.
Frage: Wo in meinem Leben sehne ich mich nach der befreienden Kraft Jesu und habe den Mut, mich seiner Führung ganz anzuvertrauen?
Mk 5,13: Und sogleich erlaubte es ihnen Jesus. Und die unreinen Geister fuhren aus und fuhren in die Schweine. Und die Herde stürzte sich den Abhang hinunter in den See. Es waren aber etwa 2 000, und sie ertranken im See.
Die Dämonen fahren in die Schweine
Darum gestattete er es ihnen, damit durch die Tötung der Schweine den Menschen Gelegenheit zum Heil gegeben würde.
Er wollte nämlich die Wut welche die Teufel gegen die Menschen haben, Allen zeigen, und daß sie mit den Menschen noch schlimmer umgingen, wenn sie von der göttlichen Macht nicht gehindert würden.
Und weil seine Barmherzigkeit dieses an den Menschen nicht gestattete, ließ er sie in die Schweine fahren, damit man an ihnen die Kraft und Wut der Teufel sähe.
Frage: Wo in meinem Leben darf ich zutiefst vertrauen, dass göttliche Barmherzigkeit mich schützt und zum Heil führt?
Mk 5,14: Die Schweinehirten aber flohen und verkündeten es in der Stadt und auf dem Land. Und sie gingen hinaus, um zu sehen, was da geschehen war.
Mk 5,15: Und sie kamen zu Jesus und sahen den Besessenen, der die Legion gehabt hatte, dasitzen, bekleidet und vernünftig; und sie fürchteten sich.
Mk 5,16: Und die es gesehen hatten, erzählten ihnen, wie es mit dem Besessenen zugegangen war, und von den Schweinen.
Mk 5,17: Da begannen sie ihn zu bitten, er möge aus ihrem Gebiet weggehen.
Freiheit vom Besitz
Dass das Schauen auf die wirtschaftlichen Folgen den Blick auf Jesus trüben kann, ja ihn unmöglich machen kann. Darum beten wir: Löse Du doch diese Blindheit. Mache Du uns frei von dem Besessensein durch den Besitz, von der Angst vor dem Verlust. Führe Du uns in die Freiheit, die sich ganz Dir verdankt. Amen.
Als ihnen von den Augenzeugen sowohl die Heilung des Besessenen als auch das Los der Schweineherde bestätigt wird, fangen sie an, dem Herrn Jesus zuzureden, ihr Gebiet zu verlassen. Sie können eher mit Besessenen zusammen leben als mit dem Sohn Gottes, und trauern um den materiellen Verlust der zweitausend Schweine, anstatt sich über die segensreiche Tätigkeit des Herrn Jesus und die Befreiung des Besessenen zu freuen. Sie bitten Ihn, ihr Gebiet zu verlassen, um weiterhin ungestört in der Finsternis leben zu können.
Frage: Was hindert mich innerlich daran, Jesus näher zu kommen und ihm meinen Besitz, meine Ängste und mein Herz anzuvertrauen?
Mk 5,18: Und als er in das Schiff trat, bat ihn der besessen Gewesene, dass er bei ihm bleiben dürfe.
Bei Jesus sein
Der von Jesus Befreite wollte nur bei Jesus sein. Dieser Mann wollte nicht nur das, was Jesus für ihn tun konnte. Die wahre Veränderung in seinem Herzen zeigte sich in seinem Wunsch, bei Jesus zu sein.
Mk 5,19: Aber Jesus ließ es ihm nicht zu, sondern sprach zu ihm: Geh in dein Haus, zu den Deinen, und verkündige ihnen, welch große Dinge der Herr an dir getan und wie er sich über dich erbarmt hat!
Demut Jesus
Betrachte die Demut des Erlösers; er sagte nicht: Verkünde Alles, was ich dir getan habe, sondern: Alles, was dir Gott getan hat. So sollst auch du, wenn du etwas Gutes getan hast, es nicht dir, sondern Gott zuschreiben.
Manchmal fällt es uns schwer, die Wege Gottes zu verstehen
Die Leute der Stadt machten eine böse Bitte: Sie begannen Ihn anzuflehen, ihre Gegend zu verlassen , und Jesus erhörte ihr Gebet. Der Mann , der von Dämonen besessen war, machte eine göttliche Bitte: dass er bei Ihm sein möge , und Jesus sagte nein zu diesem Gebet.
Geh in dein Haus
Zeuge sein.
Nachdem Jesus den Mann von seinen vielen Fesseln befreit hat, will dieser bei ihm bleiben. Das ist sehr verständlich. Doch Jesus hat andere Pläne. „Geh nach Hause, und berichte deiner Familie alles, was der Herr für dich getan und wie er Erbarmen mit dir gehabt hat.“ (Mk 5,1)
Jesus, jede Begegnung mit dir heilt und verwandelt mich. Jede Gebetszeit mit dir, bewegt etwas in mir. Lass es fruchtbar werden für dein Reich. Es beginnt in meiner nächsten Umgebung. In meiner Familie, bei meinen Nachbarn oder bei meinen Arbeitskollegen.
Edeltrud Fuhr
Frage: Wo ruft Jesus mich heute dazu auf, Zeuge seiner Liebe und Heilung zu sein?
Wir sind Botschafter Christi
Besessen, gepeinigt, selbstzerstörend, nackt, schreiend, alleine. Hoffnungslos. So sah der Zustand des Gadareners in Mk 5 aus, bevor er vom Herrn befreit wurde.
Anschließend trug er dem Herrn eine Bitte vor: Und als er in das Schiff stieg, bat ihn der Besessene, dass er bei ihm sein dürfe (Mk 5,18) – eine Bitte, die der Herr überraschend ausschlägt. Seine Antwort lautet: Geh hin in dein Haus zu den deinen und verkünde ihnen, wie viel der Herr an dir getan und wie er sich deiner erbarmt hat (Mk 5,19).
Wir machen direkt die Anwendung: Auch wir als Gläubige bitten seit fast 2000 Jahren, beim Herrn zu sein. Doch seine Antwort lautet: Nein, gehe zunächst zu deinen Leuten und bezeuge deine Errettung. Wenn ihr bei mir seid, ist die Zeit der Evangelisation vorbei.
Warum sind wir noch auf der Erde? Eine Antwort, die ich hier betonen möchte, ist folgende: Wir sind Botschafter Christi (2. Kor 5,20), ausgesandt mit der Botschaft: Ich wurde gerettet – ihr könnt auch gerettet werden!
Alexander Schneider
Frage: Wie kannst du heute erkennen, dass deine Erlebnisse oder deine Errettung ein Geschenk sind, das du mit anderen teilen darfst?
Mk 5,20: Und er ging hin und fing an, im Gebiet der Zehn Städte zu verkündigen, welch große Dinge Jesus an ihm getan hatte; und jedermann verwunderte sich.
Was für großartige Dinge Jesus für ihn getan hatte
Dies war eine großartige Botschaft zu erzählen. Dies ist ein Evangelium, das wir alle predigen können sollten. Der freigelassene Mann tat es. Seine Geschichte zeigte den Wert eines einzelnen Lebens für Jesus, denn dies war der einzige Grund, warum Jesus auf diese Seite des Sees Genezareth kam. Seine Geschichte zeigte auch, dass mit Jesus niemand hoffnungslos ist, denn wenn dieser Mann geändert werden könnte, dann könnte es jeder ändern.
Frage: Welche Lebensbereiche in dir warten darauf, dass Jesus sie berührt, damit du ihre wahre Freiheit erfährst?