Leid – Warum lässt Gott es zu?

Leid - Warum lässt Gott es zu? - Christliche Andacht

Christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Warum lässt Gott Leid zu?

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1. Die uralte Frage nach dem Warum?

Warum muss ich so viel Unrecht mit ansehen, und warum schaust du untätig zu, wie die Menschen einander das Leben schwer machen? Unterdrückung und Gewalt, wohin ich blicke, Zank und Streit nehmen kein Ende! Habakuk 1:3

Die Leid-Frage ist eine uralte Frage, wie der Bibelvers aus Habakuk zeigt. Wir alle haben zwar Menschen, die uns im Leid beistehen. Wir erfahren Mitgefühl. Dennoch: zwei Menschen bleiben zwei Menschen. Die Tiefe unseres Schmerzes können wir nicht mit anderen teilen. Andere können unseren Schmerz niemals ganz verstehen. Wir müssen letzten Endes unser Leid ganz für uns allein durchstehen.

Wir wollen es verstehen: warum? Auch wenn es da keine endgültigen Antworten gibt, ist es nicht damit getan, der Frage auszuweichen, denn der niedliche liebe Gott ist vielen leidgeprüften Menschen zu billig. Die Leidfrage stellt unser Gottesbild in Frage. Das war schon immer so und wird in dieser diesseitigen Welt immer wieder so sein.

Frage: Wie kann ich meinem eigenen Schmerz begegnen, ohne ihn verstecken oder verfluchen zu müssen?

2. Leid betrifft uns alle

Ich weine mir fast die Augen aus, der Schmerz überwältigt mich. Klg 2:11

Leid betrifft dich und mich, uns alle, das gilt es erst einmal festzuhalten: Krankheiten, Einsamkeit, Naturkatastrophen, Misshandlungen, Mitleid, Terror, Armut und vieles mehr… besonders der Tod, der eigene und der von uns Nahestehenden.

Es gibt selbst verursachtes Leid, das aus Egoismus, Rücksichtslosigkeit oder Ähnlichem entsteht, und nicht selbst verursachtes Leid, wie zum Beispiel Unfälle. Im Alten Testament ist Hiob „das“ Sinnbild des unschuldig Leidenden schlechthin.

Der Vielfältigkeit des Leides sind keine Grenzen gesetzt. Die Art und Weise, wie wir damit umgehen, ist unterschiedlich: der eine erträgt es leichter, für den anderen ist es schwerer.

Diese Universalität der Leidfrage birgt die Chance, dass ich von Hiob bis hin zu Johannes Paul II. vielfältige Beispiele habe, wie andere Menschen mit persönlichem Leid umgegangen sind. Das ist häufig eindrücklicher und wirksamer als die beste Antwort auf theoretisch-abstrakter Ebene.

Frage: Wie kann ich aus den Erfahrungen anderer Menschen mit Leid Inspiration finden, um meinen eigenen Schmerz bewusster zu begegnen?

3. Das Leid – eine Antwort gibt’s nicht

Sei mir gnädig, Herr, denn ich bin verzweifelt! Mein Blick ist getrübt vor Tränen. Mein Leib ist kraftlos, meine Seele ist leer.‭ Ps 31:9

Leid – eine uralte Frage, die uns alle betrifft. Kommt jetzt die Antwort?

Es gibt viele Theologen, die sich mit der Leidfrage beschäftigt haben und versucht haben, sie zu beantworten. Ich selbst hatte in meinem Staatsexamen diese Thematik als Prüfungsthema.

So interessant die Erklärungsversuche auch sein mögen, wie Gottes Allmacht und Allgüte bei all dem Leid zusammengehen, so bleiben diese Erklärungen weit entfernt vom konkreten Leid des einzelnen Menschen. Daher möchte ich auch keine dieser Antwortversuche hier darlegen.

Viel interessanter und wichtiger ist es, zu schauen, was Leid mit dem Einzelnen macht: Es gibt Menschen, deren Glauben durch erfahrenes Leid gereift ist, und andere Menschen, die ihren Glauben dadurch verloren haben. Im Leid stehen wir alle vor diesem Scheideweg.

Ob großes oder kleines Leiden – sei dir der Freiheit und Verantwortung an diesem Scheideweg bewusst: festhalten oder loslassen des Glaubens.

Frage: Welche Erfahrungen von Leid haben dich innerlich verändert, und wie haben sie deine Sicht auf Glauben oder Vertrauen geprägt?

4. Das Leid und die Unbegreiflichkeit Gottes

Das Leiden ist und bleibt unbegreiflich. Und das Leiden anzunehmen bedeutet, den unbegreiflichen Gott zu bejahen. Karl Rahner

Die Antwort, mit der ich bei der Leidfrage am meisten „mitgehen“ kann, ist die Unbegreiflichkeit Gottes, auch wenn dies letztlich als misslungener Antwortversuch angesehen werden kann.

Dennoch: Für Karl Rahner ist die Unbegreiflichkeit des Leids ein Stück der Unbegreiflichkeit Gottes selber. Wenn du dich im persönlichen Leiden befindest, gilt es, diese Unbegreiflichkeit Gottes (Warum lässt er das zu? Warum hilft er nicht?) auszuhalten und zu akzeptieren.

Wer das Buch Hiob einmal komplett liest, stellt fest, dass Hiob sich am Ende dieser Unbegreiflichkeit Gottes ergibt, also durchaus eine biblisch begründete Antwort. An Gott festhalten trotz des Nicht-Verstehens des Leids, ihn mit ganzen Herzen bejahen.

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Momente der Unbegreiflichkeit aushalten und dennoch Vertrauen und Verbindung zu Gott spüren?

5. Jesus am Kreuz – eine Antwort?

Gegen drei Uhr rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Mk 15:34

Jesus hat uns im Evangelium keine Konzeption, Theorie oder Erklärung des Leids gegeben, sondern sich unter anderem als Leidender und Mitleidender gezeigt.

Ein Höhepunkt dieses Leidens ist sicherlich der Schmerz und das Gefühl der Gottverlassenheit, als Jesus im größten Leiden seines Sterbens fragend aufschreit, warum ihn Gott verlassen hat.

In dieser Gottverlassenheit hält Jesus dennoch im Vertrauen fest an seinen Vater: Die Worte „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ sind die Anfangsverse des Psalm 22. Liest und betet man diesen Psalm, so sieht man, dass er bei allem inneren Kampf im Gottvertrauen endet, dass sein Beten die Verzweiflung in Vertrauen wandelt.

So endet der Psalm 22 mit dem Vers: „Selbst die Menschen, die noch nicht geboren sind, werden von seinen gerechten Taten hören, und man wird sagen: ›Der Herr hat es vollbracht!‹“ (Ps 22:32)

Frage: In welchen Momenten meines eigenen Lebens habe ich trotz Schmerz und Zweifel Vertrauen gehalten, und wie könnte ich dieses Vertrauen heute bewusster leben?

6. Nehme sein Kreuz auf sich

Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach! Mt 16:24

Schaut, alle kommen und wollen von ihrem Kreuz befreit werden. So wenige kommen und bitten um Kraft, es zu tragen!

Das Kreuz wird euch nicht zermalmen. Wenn es auch lastet, so gibt es Kraft und hält aufrecht.

Denken wir an das Leiden und den Tod Unseres Herrn und an sein Blut, das er für uns vergossen hat. Dann werden wir uns nicht mehr über unser Leiden beklagen.

Behüte meine Sinne und halte sie fest in der Betrachtung des leidenden Jesus, damit sie sich nicht von ihm entfernen.

O mein Jesus, möge mein Herz an Deinem durchbohrten Herzen ruhen in den Prüfungen und Schmerzen des Lebens.

Pater Pio

Frage: Wie kann ich in meinen eigenen Prüfungen und Schmerzen die Kraft finden, an der Liebe und Treue Jesu festzuhalten?

7. Johannes Paul der II zur Leidfrage

Verschieden ist die Bereitschaft, die der Mensch bei seinem Leiden zeigt. Man darf jedoch voraussetzen, dass jeder fast immer mit einem typisch menschlichen Protest und mit der Frage nach dem „Warum“ in sein Leiden eintritt.

Ein jeder fragt sich nach dem Sinn des Leidens und sucht auf seiner menschlichen Ebene eine Antwort auf diese Frage. Gewiss richtet er diese Frage auch wiederholt an Gott und an Christus.

Darüber hinaus kann er nicht übersehen, dass derjenige, an den er seine Frage richtet, auch selbst leidet und ihm vom Kreuz herab, aus der Mitte seines eigenen Leidens her, antworten will. Doch manchmal braucht es Zeit, sogar lange Zeit, bis diese Antwort innerlich wahrgenommen werden kann.

Denn Christus antwortet nicht direkt, und er antwortet nicht in abstrakter Weise auf diese Frage des Menschen nach dem Sinn des Leidens. Das Mysterium des Leidens scheint das Angesicht Gottes zu verdunkeln, ihn quasi zu einem Fremden zu machen oder sogar als Verantwortlichen für das Menschliche Leid zu zeigen, aber die Augen des Glaubens sind fähig, in die Tiefe dieses Geheimnisses zu blicken.

Gott wurde Mensch und wurde uns nah auch in den schwierigsten Situationen; er hat das Leiden nicht abgeschafft, aber durch Kreuz und Auferstehung hat Er gezeigt, dass Seine Liebe auch in die tiefsten Tiefen des Menschen hinabsteigt, um ihm Hoffnung zu geben.

Frage: In welchen Momenten meines eigenen Lebens habe ich gespürt, dass Liebe und Hoffnung selbst im Leiden gegenwärtig sind?

Das war eine christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Warum lässt Gott Leid zu?

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