Resilienz aus christlicher Sicht
Christliche Andachten über Resilienz
Inhaltsverzeichnis
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1. Was ist Resilienz?
Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles gelingen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen. Antoine de St. Exupéry
Resilienz bedeutet Widerstandsfähigkeit oder auch seelisches Immunsystem und bezeichnet unsere inneren Kräfte, die uns in den Schwierigkeiten des Lebens helfen. So zerbrechen wir nicht an ihnen, sondern gehen gestärkt daraus hervor.
Keiner von uns mag Krisen. Dennoch können Krisen uns auch positiv wandeln und Neues entstehen lassen. Von der Wortherkunft bedeutet Resilienz Elastizität. Wenn wir unsere inneren Kräfte aktivieren, sind wir wie ein Gummiband: Nachdem es strapaziert oder gestresst wurde, kehrt es wieder in seinen normalen Zustand zurück.
Es gibt drei Grundhaltungen, die für ein seelisches Immunsystem besonders wichtig sind: Optimismus, Akzeptanz und Lösungsfähigkeit. Um diese soll es in den nächsten zwei Wochen gehen.
Frage: Welche inneren Kräfte kannst du in dir selbst entdecken, die dich auch in schwierigen Zeiten tragen und stärken?
2. Achte auf deine Gedanken
Achte auf deine Gedanken. Spr 4,23
Der Optimismus: versuche stets ermutigend und beruhigend zu denken. Auch in schwierigen Situationen lassen sich stets positive Aspekte erblicken, und sei es, dass wir innerlich daran wachsen.
Resilient zu sein heißt nicht, frei zu sein von Stress und Druck, von Konflikten und Widrigkeiten, sondern dass wir mit diesen Problemen erfolgreich umgehen können. In nahezu jeder Schwierigkeit steckt ein verborgener Gewinn. Halbleeres oder halbvolles Glas eben.
Konzentriere dich auf das Positive, ohne dabei die Schwierigkeiten aus dem Blick zu verlieren. Mir hilft es, in den entsprechenden Situationen zu mir selbst den folgenden Satz zu sagen: Alles wird gut!
Man muss sich durch die kleinen Gedanken, die einen ärgern, immer wieder hindurchfinden zu den großen Gedanken, die einen stärken. Bonhoeffer
Frage: Welche innere Haltung könnte dir helfen, selbst in den herausforderndsten Momenten Frieden und Vertrauen zu finden?
3. Mache dir Stärken und Stärkendes bewusst
Du bist meine Stärke. Ps 59:10
Du hast Stärken! Es ist gut, sich diese immer wieder neu ins Bewusstsein zu holen. Das hat nichts mit Hochmut zu tun, sondern mit Dankbarkeit für das, was mir Gott geschenkt hat. Das stärkt unseren Optimismus.
Wir haben Stärken, aber wir sind nicht immer stark – und das müssen wir auch nicht immer sein. In Krisen oder bei Stress sind negative Zustände wie Zusammenbruch oder Ausgepowertsein eine logische Folge des Erlebten.
Neben der Erkenntnis von Stärken in der Persönlichkeit, die bei jedem von uns höchst unterschiedlich sind, ist es elementar wichtig, sich durch den Herrn stärken zu lassen. Er ist ja zuletzt unsere wahre Stärke. Durch das Gebet, das Lesen der Schrift und den Empfang der Eucharistie lässt er uns seine Kraft zukommen.
All dies hilft uns auch im Dunkeln zu erkennen, dass es ein unbesiegbares Licht gibt, und so zuversichtlich in der Gegenwart zu leben und in die Zukunft zu blicken.
Frage: Welche deiner Stärken spürst du am deutlichsten, wenn du dich dem Licht Gottes öffnest?
4. Achte auf eine positive Sprache
Überlege deine Worte. Spr 21:23
Sprache ist nicht nur Ausdruck der Gedanken. Wenn wir bewusst auf eine positive Sprache achten, so hat dies die Macht, auch unsere Gedanken zu ändern.
So lerne, an einer Situation oder einer anderen Person das Positive zu entdecken und dies auch zu äußern. Mich hat das langfristig in meinem Sein verändert.
Dies gilt nicht nur im Sprechen mit dem Gegenüber, sondern vielmehr noch für unsere inneren Monologe. Eine positive Sprache unterstützt eine optimistische Grundhaltung.
Wie spreche ich mit mir selbst?
Wie spreche ich mit anderen?
Frage: Welche Worte wähle ich bewusst, um mein inneres Gleichgewicht und meine Verbindung zu anderen zu stärken?
5. Nimm dich selbst nicht zu ernst
Da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel. Ps 126:2
Zuletzt gehört es zu einer optimistischen Grundhaltung, dass wir uns selbst nicht zu ernst nehmen. Auch mal über sich selbst lachen tut gut.
Lachen über sich selbst ist ein Ausdruck dafür, dass man sich in seiner Menschlichkeit angenommen hat.
Lachen befreit außerdem und schafft wohltuenden Abstand zu kleinen und großen Ärgernissen des Alltags. Es relativiert ihre Gewichtigkeit und Tragweite und lässt uns nicht aus einer Maus gleich einen Elefanten machen.
Also: immer mal wieder lachen.
Humor und Geduld sind zwei Kamele, mit denen du durch jede Wüste kommst. Arabisches Sprichwort
Frage: Wann hast du zuletzt bewusst über dich selbst gelacht und wie hat es dein Empfinden verändert?
Aspekte einer optimistischen Grundlage
1. Achte auf deine Gedanken
2. Konzentriere dich auf das Positive
3. Mache dir deine Stärken bewusst
4. Achte auf eine positive Sprache
5. Nimm dich selbst nicht zu ernst
6. Der (lange) Weg der Akzeptanz
Das Gute haben wir von Gott angenommen, sollten wir dann nicht auch das Unheil annehmen? Hiob 2:10
Die zweite Grundhaltung, die das seelische Immunsystem stärkt, ist die Akzeptanz.
Fakt ist, dass Unglück, Enttäuschung und Widrigkeiten Teil des Lebens sind. Dies innerlich zu akzeptieren, kann bisweilen ein langer Weg sein. Gebe dir die notwendige Zeit.
Akzeptanz heißt, sich Schritt für Schritt der Wirklichkeit zu öffnen, um sie zu begreifen und anzunehmen. Geduld mit sich und mit anderen ist hier eine unerlässliche Tugend. „Mit dir selbst hab Geduld. Gott hat sie auch.“ (Edith Stein)
Statt in einer Krise sofort zu überlegen: Was kann ich tun? verlangt Akzeptanz zuerst die Frage: Was kann und muss ich lassen und loslassen? Was muss ich annehmen?
Wir können eine Sache nicht verändern , wenn wir sie nicht akzeptieren. Carl Gustav Jung
Frage: Wo in meinem Leben fällt es mir schwer, loszulassen, und wie würde es mich innerlich stärken, wenn ich es annehmen könnte?
7. Akzeptierende Haltung im Alltag
Du durchschaust alles, was in mir vorgeht. Ps 17,3
…und darum weißt du, Gott, dass ich manchmal schon bei kleinsten Dingen die Krise bekomme. Solche alltäglichen Situationen bieten ein unerschöpfliches Übungsfeld, unsere Bereitschaft zur Akzeptanz auszubauen. Nutze sie.
Lassen wir uns nicht leicht zum bösen Wort hinreißen, wenn Dinge nicht so laufen, wie wir es gerne hätten. Versuchen wir, gelassen zu bleiben. Aufgeregt zu werden bringt gar nichts, sondern schadet. Mich über Dinge aufzuregen, die mich ärgern, regt mich zusätzlich auf, weil es mich im Grunde ärgert, dass es mich aufregt.
Wir wissen doch: Gott beschützt, wie ein Vogel seine Jungen.
Senke meine Tritte ein in deine Fußstapfen, damit mein Gang nicht wankend sei! Ps 17,5
Frage: In welchen Momenten des Alltags könntest du heute bewusst die Gelassenheit wählen und darauf vertrauen, dass etwas Größeres dich schützt?
8. Lerne andere in ihrem Sosein zu akzeptieren
Einer trage des anderen Lasten, und so sollt ihr das Gesetz des Christus erfüllen! Gal 6:2
Akzeptiere, dass andere einen eigenen Willen und eine eigene Persönlichkeit haben. Wir müssen das Verhalten des anderen nicht zwangsweise gutheißen, aber jeder hat das Recht auf seine eigene Sichtweise.
Du selbst möchtest sicherlich auch nicht, dass andere dich grundlegend verändern wollen, geschweige denn, ob das überhaupt möglich wäre. Die Ecken und Kanten anderer zu akzeptieren, ist eine tägliche Herausforderung.
Was der Mensch an sich oder bei anderen nicht bessern kann, muss er geduldig tragen, bis Gott es anders fügt. Denn keiner ist ohne Fehler.
Frage: Wie kannst du lernen, die Eigenheiten anderer als Teil ihres einzigartigen Wesens zu sehen, ohne dass sie dich innerlich aus der Balance bringen?
9. Lerne dich selbst in deinem Sosein zu akzeptieren
So sehr hat Gott die Welt geliebt. Joh 3:16
Du darfst dich selbst so annehmen, wie du bist, weil du dich von Gott geliebt weißt, gerade auch mit deinen Rissen und Wunden in deiner Seele.
Nimm dich wahr in deinen hellen und dunklen Seiten. Es gibt stets Anteile in deinem Fühlen, Denken und Handeln, die dir nicht gefallen. Gehe versöhnlich mit deinen ungeliebten Anteilen um.
Sich zu akzeptieren heißt dabei keinesfalls, zu resignieren, alles in Ordnung zu finden und sich keine Mühe mehr zu geben. Wenn du einen Fehler gemacht hast, dann sehe dich selbst nicht als Versager, sondern betrachte ihn als Lernerfahrung und eine Chance für Entwicklung.
Gott segne dich und gerade dieses Heute, in dem du neu seine Liebe erfährst.
Frage: Welche ungeliebten Anteile in mir kann ich heute mit Liebe betrachten und transformieren, um näher zu meinem wahren Selbst zu gelangen?
10. Veränderbare und unveränderbare Dinge
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Gelassenheitsgebet
Dies ist ein Gebet, das mir sehr wichtig geworden ist und das ich auswendig gelernt immer bei mir habe.
Wir haben nicht die vollkommene Kontrolle, aber wir haben sicher Einfluss auf unser eigenes Verhalten, unser Denken und Fühlen. Du kannst beeinflussen, wie du mit anderen umgehst, auch gute Gedanken lassen sich üben, und all das beeinflusst auch unsere Gefühle.
Dagegen: Was andere Menschen sagen, denken, fühlen und tun, ist letztlich deren Entscheidung.
Akzeptanz heißt hier, nüchtern festzustellen, was ist, und sich in Frieden mit dem Unabänderlichen abzufinden, das Veränderbare aber mit Mut und Tatkraft anzugehen.
Der Prozess der Akzeptanz des Unabänderlichen ist immer Versöhnungsarbeit.
Frage: Wo in meinem Leben kann ich heute das Unabänderliche annehmen und gleichzeitig mutig das Veränderbare gestalten?
Aspekte einer akzeptierenden Grundlage
1. Gebe dir die notwendige Zeit. Habe Geduld
2. Versuche gelassen zu bleiben
3. Andere in ihrem Sosein akzeptieren
4. Sich selbst in seinem Sosein akzeptieren
5. Die Wirklichkeit annehmen
11. Konzentriere dich auf Lösungen
Verlangt also nach meinen Worten, sehnt euch danach. Weisheit 6,11
Die dritte Haltung, die das seelische Immunsystem stärkt, ist die Lösungsorientierung. Viel zu häufig schauen wir auf die Ursachen, ziehen uns in eine Opferrolle zurück oder machen es uns im Murren bequem. Raus aus der Problemhypnose.
Diese dritte Grundhaltung konzentriert ihre Energie darauf, erwünschte Ergebnisse zu überlegen und notwendige Ressourcen dafür zu aktivieren. Sich auf Lösungen zu fokussieren, öffnet den Blick nach vorne und schafft Energie für das Wesentliche.
Wenn wir dies im Geist des Herrn tun, dann hilft er uns durch sein Wort und Geist.
Wer etwas will, sucht Wege. Wer etwas nicht will, sucht Gründe. Harald Kostial
Frage: Wie kann ich heute bewusst meine Energie auf Lösungen richten und dabei auf die Führung meines Geistes vertrauen?
12. Suche nach Möglichkeiten
Unsere Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat. Ps 124:8
Häufig sehen wir immer nur eine Möglichkeit. Üben wir uns im kreativen Bereich, auch andere Möglichkeiten zu durchdenken, wenn wir in einer Krise sind oder auch nur mit kleinen Problemchen zu kämpfen haben.
Übe dich, in allem, was dir zunächst schwierig und problematisch erscheint, auch zu erkennen, was das Gute daran ist. Entwickele zum Beispiel Ehrgeiz, in einer misslichen Lage oder bei einem problematischen Verhalten eines Mitmenschen mindestens drei Vorteile zu finden.
Und ja: das ist zuweilen nicht einfach, aber gerade darin besteht positiv gesehen die Herausforderung.
Frage: Welche verborgenen Chancen könntest du in den Herausforderungen deines Lebens entdecken, wenn du bewusst danach suchst?
13. Zusammenfassung
Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus! Phil 4:7
Wie hart es auch kommt, es geht vorbei. Wenn es noch so dunkel ist, ich habe die Gewissheit, dass es wieder hell wird. Alles wird gut! (=Optimismus)
Was ich nicht verwandeln kann, nehme ich an. Ob es um mich geht, um andere Menschen oder um die Verhältnisse. Es ist wie es ist! (=Akzeptanz)
Ich versuche stets lösungsorientiert zu denken. Raus aus der Problemhypnose. Immer fragen: was kann ich tun (=Lösungsorientierung)
14. Das Leben
Das eine aber wissen wir: Wer Gott liebt, dem dient alles, was geschieht, zum Guten. Röm 8:28
Es ist gut für uns, daß wir immer wieder Situationen und Menschen begegnen, die uns belasten, denn mehr als woanders erkennen wir hier unser Angewiesensein auf Gott und werden davor bewahrt, unsere Hoffnung auf irgend etwas anderes zu setzen.
Wie wären wir, wenn uns ständig alles gelingen würde und nonstop Sonnenschein wäre? Ich denke, wir würden schneller zum Hochmut neigen. Auch die Demut wird also gefördert.
Wenn wir von unguten Gedanken geplagt werden oder die Liebe uns mal wieder misslingt, merken wir zutiefst, dass wir Gott nötig haben und dass wir ohne ihn nichts Gutes vermögen.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich am stärksten, wie sehr ich auf Gott angewiesen bin?