Gaben des Heiligen Geist
Christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Gaben des Heiligen Geist
Inhaltsverzeichnis
1 Gabe der Weisheit
Der Geist des Herrn wird auf ihm ruhen, der Geist der Weisheit. Jes 11,2
Der Heilige Geist macht uns weise. Nicht so, dass wir dadurch auf alles eine Antwort haben, sondern so, dass wir um Gott wissen. Es ist Weisheit, die bedeutet, mit den Augen Gottes zu sehen, mit den Ohren Gottes zu hören, mit dem Herzen Gottes zu lieben, die Dinge mit dem Urteil Gottes zu beurteilen, dass wir erkennen, wann etwas von Gott kommt und wann es nicht von Gott kommt. Das ist die Weisheit, die der Heilige Geist uns schenkt. Der wahrhaft Weise ist dabei nicht einfach derjenige, der die Dinge Gottes kennt, sondern derjenige, der sie erfährt und lebt oder wie Bonhoeffer schreibt: Weisheit ist etwas anderes als Wissen und Verstand und Lebenserfahrung. Weisheit ist das Geschenk, den Willen Gottes in den konkreten Aufgaben des Lebens zu erkennen.
All unsere Weisheit umfasst im Grunde zweierlei: die Erkenntnis Gottes und unsere Selbsterkenntnis. Johannes Calvin
2 Gabe der Einsicht
Der Geist des Herrn wird auf ihm ruhen, der Geist Einsicht. Jes 11,2
Der heilige Geist öffnet unseren Verstand, er öffnet uns, um besser zu verstehen (=Einsicht), um v.a. die Dinge Gottes besser zu verstehen wie auch die menschlichen Dinge, die Situationen, alles. Diese Gabe der Einsicht, des Verstehens, ist wichtig für unser Leben. Bitten wir um sie, um das, was geschieht, zu verstehen, so wie er es versteht, und um vor allem das Wort Gottes im Evangelium zu verstehen. Die Lehren Jesu verstehen, sein Wort verstehen, das Evangelium verstehen, das Wort Gottes verstehen. Man kann eine Situation mit dem menschlichen Verstand, mit menschlicher Klugheit, verstehen, und das ist gut. Aber eine Situation in der Tiefe zu verstehen, wie Gott sie versteht, um dann aus dieser Einsicht zu handeln: das ist die Auswirkung dieser Gabe.
3 Gabe des Rates
Der Herrn hat mich beraten. Ps 16,7
Die Gabe des Rates hilft Entscheidung zu treffen in Gemeinschaft mit Gott. Ebenso bestärkt uns diese Gabe dabei, unseren Mitmenschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ob wir nun Rat geben oder empfangen: Guter Rat schenkt Orientierung und schützt vor falschen oder überstürzten Entscheidungen. Wir müssen dabei in der oft lauten Welt offen und aufmerksam sein, um diese manchmal vielleicht recht leisen, beratenden Signale des Heiligen Geistes wahrzunehmen, zu entschlüsseln und auf sie zu reagieren. Denn auch wenn wir Rat bekommen: die Entscheidung liegt letztlich bei uns selbst.
Wir wissen, wie wichtig es ist, in schwierigen Augenblicken auf die Ratschläge weiser Menschen zählen zu können, die uns wohl wollen. Papst Franziskus
4 Gabe der Erkenntnis
Wir bitten Gott, euch Einsicht für das zu schenken, was er in eurem Leben bewirken will, und euch mit Weisheit und Erkenntnis zu erfüllen. Kol 1,9
Die Gabe der Erkenntnis ist ein besonderes Geschenk des Heiligen Geistes. Sie hilft uns, Gottes Wirken im Alltag zu entdecken – in Begegnungen, Herausforderungen und kleinen Zeichen der Hoffnung. Wer diese Gabe empfängt, erkennt nicht nur mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen. Im biblischen Sinn bedeutet Erkennen, Gott zu spüren, ihm zu vertrauen und sich auf seine Führung einzulassen. So wächst Erkenntnis in einer lebendigen Beziehung zu ihm. Der Heilige Geist öffnet unsere Augen für das, was Gott mit uns vorhat. Er zeigt uns, wo wir gebraucht werden, und schenkt Weisheit, in schwierigen Situationen das Richtige zu tun. So lernen wir, die Welt mit Gottes Augen zu sehen und seinen Willen im Alltag zu erkennen.
5 Gabe der Stärke
Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Eph 6,10
Aspekt 1: Trägheit oder Niedergeschlagenheit angesichts der Mühen und Prüfungen des Lebens kennst du bestimmt phasenweise auch. Verlieren wir in diesen Fällen nicht den Mut, bitten wir den Heiligen Geist, dass er durch die Gabe der Stärke unser Herz erheben und unserem Leben und unserer Nachfolge Jesu neue Kraft schenken möge.
Aspekt 2: Seien wir uns auch bewusst, dass der hl. Geist auch durch uns anderen Stärke zukommen lässt. Auch wir sind dadurch in der Lage, anderen Kraft zu spenden. Das passiert immer dann, wenn wir Mitmenschen unterstützen und ihnen Mut machen, wenn wir sie aufrichten und bestärken.
Aspekt 3: Stärke, um treu zu bleiben und Rückgrat zu zeigen, um sich nicht dem mächtigen Zeitgeist zu beugen. Heute wichtiger denn je!
6 Gabe der Frömmigkeit
Übe dich selbst aber in der Frömmigkeit! 1 Tim 4,7
Frömmigkeit ist mehr als ein religiöses Gefühl. Sie ist eine Gabe des Heiligen Geistes, die unser Herz für Gott öffnet. Ein frommer Mensch lebt nicht nur äußerlich seinen Glauben, sondern sucht im Alltag die Nähe Jesu: im Gebet, in der Liebe zum Nächsten und im Vertrauen auf Gottes Führung. Diese innere Verbundenheit wächst, wenn wir uns immer wieder Gott zuwenden und ihm Raum in unserem Leben geben. So wird unser Glaube tiefer und fester. Der Heilige Geist richtet unseren Blick auf Jesus Christus, denn in ihm erkennen wir Ursprung, Sinn und Ziel unseres Lebens. Wahre Frömmigkeit bedeutet deshalb, das eigene Leben immer mehr von der Liebe Gottes prägen zu lassen – Schritt für Schritt auf unserem Weg durch diese Welt. Die Liebe auch in der Tat zu verwirklichen, darin besteht doch das Wesen der wahren Frömmigkeit
Die wahre und lebendige Frömmigkeit setzt die Gottesliebe voraus; ja sie ist nichts anderes als wahre Gottesliebe. Franz von Sales
7 Gabe der Gottesfurcht
Führt ein Leben in Gottesfurcht. 1 Petr 1,17
Die Gottesfurcht bedeutet nicht, Angst zu haben vor Gott: Wir wissen, dass Gott der Vater ist und dass er uns liebt und unser Heil will und stets vergibt. Daher gibt es keinen Grund, vor ihm Angst zu haben! Die Gottesfurcht ist vielmehr die Gabe des Geistes, die uns daran erinnert, wie klein wir sind vor Gott und vor seiner Liebe, und dass unser Wohl darin besteht, uns mit Demut, mit Hochachtung und mit Vertrauen in seine Hände hinzugeben. Das ist die Gottesfurcht: die Hingabe an die Güte unseres Vaters, der uns so sehr liebt. Die Gottesfurcht ist eine Gabe, die uns zu überzeugten, begeisterten Christen macht, die sich dem Herrn nicht aus Furcht unterwerfen, sondern weil sie von seiner Liebe bewegt und ergriffen sind. Papst Franziskus