Gott loben
Christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Gott loben
Inhaltsverzeichnis
1 Zum Gotteslob
Lobt ihn und bezeugt: Er ist der heilige Gott! Ps 30,5
In unserem alltäglichen Erleben kann Loben die spontane Reaktion auf etwas Wunderbares sein, was wir erfahren oder was wir geschenkt bekommen. Da entschlüpft uns wie von selbst ein Ausruf des Staunens, der Freude, des Dankes, z. B.: Herrlich! Phantastisch! Ist das nicht wunderschön? Oder, noch kürzer und alltäglicher: Toll!! Cool! Auf Gott bezogen heißt das: In dem Maße, in dem wir erkennen und uns darauf einlassen, wer Gott ist, wie wunderbar er unsere Welt geschaffen hat und wie er an uns handelt, können wir gar nicht anders als ihn zu loben. Im Lob lassen wir die Liebe Gottes sozusagen bei uns wirklich ankommen und antworten spontan darauf. Gott loben heißt, dass wir Gutes über seine Größe und Güte sagen und es wirklich aus tiefster Seele meinen.
Zwischen Erde und Himmel besteht also gleichsam ein Kommunikationsfluß, in dem das Wirken des Herrn und der Lobgesang der Gläubigen zusammentreffen. Johannes Paul II
2 Gotteslob als freudiger Ausdruck
Lobet den Herrn! Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding, ihn loben ist lieblich und schön. Ps 147,1
Gott zu loben ist freudiger Ausdruck von Dankbarkeit als Antwort auf die Erfahrung, dass es ihn gibt. Gott ist nicht auf unser Lob angewiesen. Doch das Lob Gottes tut uns selber gut. Wer Gott zu loben weiss, der sieht die Welt und die Menschen in einem anderen Licht, der findet viele Gründe, dankbar zu sein. Er entdeckt unverdiente Gaben Gottes in seinem Leben und freut sich an ihnen, während andere die gleichen Geschehnisse als Selbstverständlichkeiten oder glückliche Zufälle betrachten und ihnen kaum Beachtung schenken. Gott bedarf nicht unseres Lobes, es ist ein Geschenk seiner Gnade, dass wir ihm danken. Unser Lobpreis kann seine Grösse nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil durch unseren Herrn Jesus Christus.
3 Loben in Not und Schwierigkeiten
Ich aber vertraue auf deine Gnade. Mein Herz soll frohlocken in deinem Heil. Ich will dem Herrn singen, weil er mir wohlgetan hat! Ps 13,6
Aber wenn uns gar nicht nach Loben zu Mute ist? Wenn uns angesichts der Situation, in der wir leben, angesichts der Welt, die uns tagtäglich vor Augen geführt wird, viel eher Klage, Zweifel oder Protest über die Lippen kommen wollen? Wie können wir dann noch unserer Bestimmung folgen: dem Lob Gottes? In den Texten der Bibel finden wir eine ebenso einfache wie überraschende und provozierende Antwort. Sie lautet: Wenn alles in dir dunkel ist und du an Gott zweifelst, dann wende dich dennoch Gott zu und lobe ihn. Immer wieder bezeugen die Psalmbeter genau diese Kehrtwendung aus der eigenen Not heraus auf Gott hin.
Jemand hat mal gesagt: Gott im Schmerz zu loben ist ein Privileg. Warum? Weil wir diese Chance im Himmel nie wieder haben werden. Dieses Opfer können wir nur hier auf der Erde bringen, weil es im Himmel keinen Schmerz geben wird.
4 Warum Gott loben?
Dich will ich ehren, mein Gott und König, deinen Namen will ich preisen für alle Zeit! Ps 145,1
Sprachlich leitet sich das Wort lob von dem Eigenschaftswort lieb ab. Zu loben ist zuerst, das was liebenswert, wertvoll ist, was geschätzt, groß und heilig ist. Unser Loben kann den Höchsten allerdings nicht größer machen, den Heiligen nicht heiliger, den Allbarmherzigen nicht barmherziger, den der Liebe ist nicht liebender. Aber warum soll der Mensch dann ihn loben? Für Augustinus ist das Loben Gottes nicht einfach nur ein Pflichtgebet, sondern die Bestimmung des Menschen. Augustinus schreibt: Du selbst regst uns an, dass wir mit Freuden dich loben; denn du hast uns auf dich hin erschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in dir.
5 Lob als Lebenshaltung
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! Ps 103,2
Gott zu loben ist nicht nur ein einzelner Moment, sondern kann zu einer inneren Haltung werden, die unser ganzes Leben durchzieht. Es geht nicht allein um Worte oder Lieder, sondern um eine Sichtweise: die bewusste Entscheidung, das Gute wahrzunehmen und es auf Gott zurückzuführen. Wer Gott lobt, richtet seinen Blick immer wieder neu auf das, was trägt, was Hoffnung schenkt, was Leben ermöglicht. In einer Welt, die oft von Sorgen und Mangel geprägt ist, ist das Lob Gottes wie ein Gegenakzent. Es erinnert uns daran, dass wir nicht aus uns selbst leben, sondern beschenkt sind. Lob wird so zu einer Art geistlichem Atem – ein Ein- und Ausströmen von Gottes Güte in unser Leben. Je mehr wir uns darin einüben, desto mehr prägt es unser Denken, unser Reden und unser Handeln.
6 Das stille Lob
Seid stille vor dem Herrn und harrt auf ihn. Ps 37,7
Nicht jedes Lob ist laut. Nicht jedes Lob braucht Worte. Es gibt auch ein stilles Lob, das aus der Haltung des Vertrauens wächst. Manchmal fehlen uns die Worte. Und doch kann gerade in der Stille ein besonders echtes Lob liegen. Wenn wir vor Gott zur Ruhe kommen, wenn wir einfach bei ihm sind, ohne etwas leisten oder sagen zu müssen, dann ehren wir ihn durch unser Vertrauen. Dieses stille Verweilen spricht: Du bist Gott, und ich bin bei dir. Auch das ist Lob – vielleicht sogar eines der tiefsten. So dürfen wir entdecken: Lob ist nicht an unsere Ausdruckskraft gebunden, sondern an unsere Herzenshaltung. Gott sieht das Verborgene und freut sich an einem Herzen, das sich ihm in Stille zuwendet.
7 Lob als Zeugnis für andere
So lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. Mt 5,16
Wenn wir Gott loben, geschieht das nicht nur im Verborgenen oder im persönlichen Gebet. Unser Lob kann auch für andere sichtbar werden. Wo Menschen erleben, dass jemand trotz Schwierigkeiten dankbar bleibt und vertraut und Gott ehrt, wird das zu einem starken Zeugnis. Das Lob Gottes kann andere ermutigen, selbst neu nach Gott zu fragen. Dabei geht es nicht darum, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern durch das eigene Leben auf Gottes Größe hinzuweisen. Unser Lob kann Türen öffnen.
Zum Abschluss noch Worte von Johannes Hartl: Schau dir Menschen an, wenn sie über das sprechen, was sie wirklich lieben. Da fließen die Worte. Und dann sagen wir: Lass uns mal über Gott sprechen. Und dann kommt so: Ja, Gott ist gut. Und was ist noch Gott? Gott ist auch Liebe. Und dann hört es schon auf. Der Mangel an Worten ist tatsächlich ein Mangel an Liebe. Im Zwischenmenschlichen ist die Unfähigkeit, Liebe verbal auszudrücken, tatsächlich etwas, an dem wir arbeiten müssen. Aber zwischen uns und Gott ist es das Gleiche. Und Lobpreis bedeutet, geistlichen Wortschatz zu lernen, weil durch Wortschatz meine Fähigkeit, ihn zu spüren, zunimmt.