
Christliche Nächstenliebe - Andachten
Christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Nächstenliebe
Inhaltsverzeichnis
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1. Nächstenliebe – Wo liebst du?
Es ist leicht, weit entfernte Menschen zu lieben. Es ist aber nicht immer leicht, diejenigen zu lieben, die gleich neben uns wohnen. Mutter Teresa
Oft brauchen Menschen, die dir am nächsten stehen, deine Hilfe, deine konkrete Liebe. Und diese Liebe erfordert von dir häufig auch Opfer.
Die Liebe zur ganzen Menschheit kostet dagegen nichts als eine Phrase. Gerade im konkreten Nächsten – sei es ein Familienangehöriger, ein Arbeitskollege oder ein Freund – ist Gott für dich in Menschengestalt anwesend. Dein dienendes „Dasein-für-andere“ (Bonhoeffer) wird so zur lebendigen Wirklichkeit.
Lass diesen Gedanken in deinen heutigen Begegnungen nachwirken. Wer den lebendigen Gott von Angesicht zu Angesicht sehen will, sollte ihn nicht am leeren Firmament seiner Gedankenwelt suchen, sondern in der Menschenliebe. Dostojewski
Frage: In welcher Begegnung heute könntest du Gottes Liebe durch dein konkretes Handeln spürbar werden lassen?
2. Nächstenliebe: Liebe und glaube an ihre Stärke
Weich ist stärker als hart, Wasser stärker als Fels, Liebe stärker als Gewalt. Hermann Hesse
Du möchtest andere Menschen häufig ändern, mit guten Argumenten, erzieherische Maßnahmen oder dergleichen. Funktioniert höchst selten!
„Wenn es überhaupt eine Möglichkeit gibt, einen anderen Menschen positiv zu ändern, dann doch nur, indem man ihn liebt, und ihn so langsam sich wandeln hilft von dem, was er ist, zu dem hin, was er sein kann.“
Joseph Ratzinger
Vertraue der Macht der Liebe, auch gerade dann, wenn sie scheinbar nichts konkret erreicht und vordergründig scheitert, wie Jesu Liebe, die am Kreuz endet.
Frage: Wie könntest du heute jemanden einfach durch deine Liebe und Geduld unterstützen, ohne etwas von ihm zu erwarten?
3. Nächstenliebe: Tue Gutes
Welchen Wert hat es, wenn jemand behauptet, an Christus zu glauben, aber an seinen Taten ist das nicht zu erkennen? Jakobus 2:14
Egal, wo und wie, du hast jeden Tag die Möglichkeit, Gutes zu tun. Das sind häufig ganz kleine Dinge. Zum Beispiel achte ich darauf, dass, wenn ich mit einem Schüler auf Toilette gehen muss, ich das nicht huschi-buschi und möglichst schnell erledige, sondern in der gebotenen Achtsamkeit und Würde.
Die Liebe ist das Wohlgefallen am Guten; das Gute ist der einzige Grund der Liebe. „Lieben heißt: jemandem Gutes tun wollen“ (Thomas von Aquin), immer in Rückbindung an Gott, der uns zuerst geliebt hat.
Wo kannst du heute Gutes tun, einem bildlich gesprochen einen „kleinen Blumenstrauß“ schenken?
Gott will keine Theoretiker des Glaubens, er will Praktiker der Liebe. (Friedrich Hahn)
Frage: Welche kleine Handlung könntest du heute bewusst mit Liebe und Achtsamkeit erfüllen, um Gottes Liebe in die Welt zu tragen?
4. Nächstenliebe: Annahme meines Gegenübers
Liebe ist die Fähigkeit Ähnliches an Unähnlichem wahrzunehmen. Thomas v. Aquin
Was ist das Ähnliche zwischen allen Menschen? Es ist die Gebrechlichkeit. Wir alle, du und ich, sind bedürftig und schwach vor Gott, auch wenn manche stark tun oder erscheinen.
Dieses Gleichsein vor Gott verbindet uns, macht uns in Christus zu Geschwistern. Uns gegenseitig in dieser Gebrechlichkeit zu tragen, bedeutet, den anderen wie auch mich in all den Schwächen und Schattenseiten anzunehmen, nicht zu richten, sondern aufzubauen, nicht zu verurteilen, sondern barmherzig zu sein, uns zu lieben – uns als ein Leib in Christus zu begreifen.
Frage: Wie kann ich heute bewusst die Gebrechlichkeit in mir und anderen annehmen und dadurch tiefer in Gemeinschaft mit Christus treten?
5. Nächstenliebe – Leben = Begegnung
Der Ursprung allen Konfliktes zwischen mir und meinen Mitmenschen ist, dass ich nicht sage, was ich meine und dass ich nicht tue, was ich sage. Martin Buber
Liebe kann sich nur in der echten Begegnung ereignen. Das erfordert immer wieder Mut – Mut zur Echtheit, zur Nähe, zur Auseinandersetzung. Aufgesetzte Liebesduselei verhindert jede wahre Begegnung.
Also habe den Mut, das zu sagen, was du meinst, und handle auch danach. Tut der andere dasselbe, entsteht die Möglichkeit, dass echte Begegnung stattfindet.
Nur in dieser echten Begegnung kann Liebe sich ereignen, aufblühen und Realität werden.
Es gehört aber auch zur schmerzhaften Realität, dass der andere diese Möglichkeit der Begegnung für sich verneinen kann – der Mensch ist in seinem Willen frei.
Frage: Wie kannst du heute bereit sein, in deiner Begegnung mit anderen mutig echt zu sein und gleichzeitig ihre Freiheit anzuerkennen?
6. Nächstenliebe – was richtig und gut ist
Was ich für richtig und gut halte, habe ich deutlich gesagt, es ist klar wie der helle Tag. Hos 6:5
Üben, unsere Aufmerksamkeit bewusst von uns weg auf andere zu richten!
Üben, gute Gedanken über andere zu denken, das Verhalten des anderen möglichst positiv zu deuten, statt immer gleich das Böseste anzunehmen.
Üben, liebevoll mit anderen zu sprechen, ein riesiges Trainingsfeld!
Üben auch, tatkräftig mit den Händen anzupacken.
Echte Liebe äußert sich nach Augustinus in Miene, Wort und tausend freundlichen Gesten.
Liebesfähig zu werden ist das Ziel des Lebens.
Im Mitgefühl und Mitleid dem Herrn nacheifern!
Frage: Wie kann ich heute bewusst Liebe und Mitgefühl in meinem Alltag sichtbar machen?
7. Worte von Benedikt XVI
Welchen Wert hat es, wenn jemand behauptet, an Christus zu glauben, aber an seinen Taten ist das nicht zu erkennen? Jakobus 2:14
Die Gemeinschaft mit Christus ist zugleich Gemeinschaft mit allen anderen, denn in ihm sind wir ein Leib. Nur von dieser christologischen Grundlage her kann man die Lehre Jesu von der Liebe recht verstehen.
In der Gemeinschaft mit Christus ist das Geliebtwerden und Weiterlieben enthalten. Nächstenliebe besteht darin dann auch, dass ich den Mitmenschen, den ich zunächst gar nicht mag oder nicht einmal kenne, von Gott her liebe.
Das ist nur möglich aus eben dieser inneren Begegnung mit Christus heraus, die Willensgemeinschaft geworden ist und bis ins Gefühl hineinreicht.
Benedikt XVI
Wenn du Liebe und Güte hast, bist du ein Engel, und wo immer du hingehst, bringst du das Paradies mit. Paisios vom Berg Athos
Frage: Wie könntest du heute in deinem Alltag jemanden von Gott her lieben, auch wenn es zunächst schwierig erscheint?
8. Worte von Josemaría Escrivá
Einer nur ist der Gesetzgeber, der die Macht hat, zu retten und zu verderben; wer bist du, dass du den anderen richtest? Jak 4:12
Wo du doch selber so erbärmlich bist, was wunderst du dich, dass auch die anderen ihre Fehler haben? Wir wollen nicht verurteilen. Jeder sieht die Dinge aus seiner Sicht und mit seinem Fassungsvermögen, das nahezu immer recht begrenzt ist.
Oft sind unsere Augen verdunkelt und getrübt durch die Finsternisse der Leidenschaft. Darüber hinaus ist die Sicht mancher Menschen, ähnlich wie die mancher moderner Maler, derart subjektiv. Wie wenig taugen die menschlichen Urteile!
Urteilt nicht, ohne euer Urteil vorher im Gebet zu läutern. Suche immer nach einer Entschuldigung für deinen Nächsten, wenn du die Pflicht hast zu urteilen. Es gibt immer eine Entschuldigung.
Josemaría Escrivá
Vermeiden Sie es auch, sich zum Richter über die Handlungen anderer aufzuspielen. Überall soll doch die Nächstenliebe vorherrschen und uns erleuchten. Franz von Sales
Frage: Wie kannst du heute die Sicht anderer Menschen mit mehr Mitgefühl und innerer Klarheit wahrnehmen?
10. Innere Abtötung
Einer trage des anderen Lasten, und so sollt ihr das Gesetz des Christus erfüllen! Gal 6:2
Die treffende Bemerkung und der Witz, die du dir verkneifst; das freundliche Lächeln für einen, der dich stört; das Schweigen gegenüber ungerechten Vorwürfen; wohlwollendes Verhalten gegenüber zudringlichen Menschen und solchen, die ungelegen kommen;
Nachsicht mit den lästigen Angewohnheiten derjenigen, mit denen du täglich zu tun hast und die dir auf die Nerven fallen,
das alles, mit Beharrlichkeit geübt, ist handfeste innere Abtötung.
Sage nicht: dieser Mensch fällt mir auf die Nerven. Denke: er hilft mir, heilig zu werden. Josemaría Escrivá
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich durch kleine Akte der Zurückhaltung und des Wohlwollens innerlich wachsen und Frieden finden?
11. Sucht das Gute
Sucht das Gute. Amos 5:14
Das Gute ist Gott schlechthin. Und Gott ist Liebe. Wir suchen also die Liebe.
Diese Liebe ist die einzige Tugend, die maßlos sein darf. Wir können die Mitmenschen nie zu viel lieben und somit auch in der Liebe nie die Grenzen der Vernunft überschreiten, sofern die Liebe wirklich im Herzen wurzelt.
Welch ein Glück, lieben zu dürfen, ohne ein Übermaß zu fürchten. Setze der Liebe keine Schranken, lasse sie ihre Äste breiten, so weit sie nur kann, gebe dich hin an Gott und den Nächsten.
Das innerste Wesen der Liebe ist Hingabe. Edith Stein
Frage: Wo kannst du diese Hingabe in Liebe heute konkret Wirklichkeit werden lassen?
12. Hingabe
Jesus sah, wie sie und auch die Trauergäste weinten. Da war er tief bewegt und erschüttert. (Joh 11:33). Jesus kamen die Tränen. (Joh 11:35)
Jesus Leben ist Hingabe an uns pur. In der Eucharistie wiederholt sich diese Hingabe aufs Neue.
Für das Verständnis von Hingabe und Liebe im Sinne Jesu ist das Geschehen der Eucharistie unerlässlich, denn der Empfang des Leib Christi hat sozialen Charakter. Die Vereinigung mit Christus ist zugleich eine Vereinigung mit allen anderen, denn in ihm sind wir ein Leib.
Nur von dieser christologisch-sakramentalen Grundlage her kann man die Lehre Jesu von der Liebe recht verstehen. Gottes- und der Nächstenliebe ist nicht bloße Moral und Forderung. In der eucharistischen Gemeinschaft ist das Geliebtwerden und Weiterlieben enthalten, ansonsten wäre es nur inhaltsloser Kult und Ritus.
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag die Hingabe und Liebe, die ich in der Eucharistie erfahre, bewusst an andere weitergeben?
Christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Nächstenliebe