Psalm 35:
Auslegung und Andacht
Bitte um Hilfe gegen Feinde
Psalm 35 im Überblick: Der 35 Psalm leicht verständlich erklärt. Dieser Impuls hilft dir, den Bibeltext tiefgehender zu erfassen und im Alltag anzuwenden.
Inhaltsverzeichnis
Andacht zu Psalm 35
In Psalm 35 begegnen wir David in einer Situation extremer Ungerechtigkeit. Er wird grundlos angegriffen und verleumdet. Anstatt selbst zur Waffe zu greifen, legt er seinen Fall ganz in Gottes Hände.
- Gott als Verteidiger: David bittet Gott, als Krieger und Richter aufzutreten. Das lehrt uns: Wir müssen Kämpfe nicht allein führen; wir dürfen unsere Verteidigung an Gott abtreten.
- Umgang mit Undankbarkeit: David leidet darunter, dass ihm Gutes mit Bösem vergolten wird. Er reagiert darauf nicht mit Bitterkeit, sondern mit Gebet und Fasten für seine Feinde.
- Das Ziel ist Lobpreis: Trotz der Bedrängnis schaut David auf den Sieg. Er verspricht, Gott in der großen Gemeinde zu preisen, sobald die Rettung erfolgt ist.
Fazit: Psalm 35 ist ein Hilferuf für alle, die sich ungerecht behandelt fühlen. Er ermutigt uns, den Kampf Gott zu überlassen und auf sein gerechtes Urteil zu vertrauen.
Ps 35, 1 Herr, kämpfe
Ps 35:1: Von David. Herr, führe meine Sache gegen meine Widersacher, streite mit denen, die gegen mich streiten!
Herr, führe meine Sache
Mit Psalm 35 betreten wir eine der eindringlichsten Klage- und Rachepsalmen (Imprecatory Psalms) des Psalters. In Vers 1 erhebt der Beter, gequält von grundlosem Hass und falschen Anklagen, einen dringlichen Notruf an den höchsten Richter. Er bittet Gott, selbst als sein Rechtsbeistand (Advocatus) und als göttlicher Krieger auf das Schlachtfeld zu treten.
Der Kampf gegen die echten Feinde
Sei nicht bitter gegen die Menschen, die dich hassen! Die Menschen, die dich verfolgen, sind Werkzeuge. Deine eigentlichen Widersacher, gegen die Gott streiten soll, sind die unsichtbaren Mächte der Finsternis – die Dämonen, die den Menschen zur Bosheit anstiften. Wenn du betest: 'Streite gegen meine Streiter', dann bitte Gott, dass Er die Verführer zunichtemacht und die Verführten rettet. Andacht von Augustinus
Ps 35, 2 Ergreife Schild und Waffen
Ps 35:2: Ergreife Kleinschild und Langschild und erhebe dich, um mir zu helfen!
Erhebe dich, um mir zu helfen!
In Psalm 35,2 bittet der Psalmist um Hilfe vor Feinden. Er fleht Gott an, sich einzumischen und seine Sache zu verteidigen. Der Vers drückt die Bitte nach göttlichem Eingreifen aus, um Unterstützung gegen Bedrängnis und Ungerechtigkeit zu erhalten.
Für den Psalmisten war es wichtig, dass Gott seine Unschuld und Rechtschaffenheit sieht und ihm beisteht. Dieser Vers zeigt das Vertrauen des Psalmisten darauf, dass Gott gerecht handelt und ihm in seiner Not beisteht.
Es ist eine eindringliche Bitte um Hilfe und Gerechtigkeit in einer Zeit der Bedrängnis und des Konflikts.
Auslegung - Auslegung - Frage: Wie kannst du in deinen eigenen Herausforderungen darauf vertrauen, dass göttliche Gerechtigkeit und Beistand dich begleiten?
Ps 35, 3 Ich bin deine Hilfe
Ps 35,3: Zücke den Speer und tritt meinen Verfolgern entgegen; sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Rettung!
Sag zu deiner Seele: ich bin deine Rettung
Sag es so, daß ich es vernehme.
Siehe, meines Herzens Ohren sind bei Dir, Herr.
Öffne sie und sag zu meiner Seele:
Dein Heil bin ich.
Dieser Stimme will ich nacheilen,
um Dich endlich zu fassen.
Verbirg nicht Dein Antlitz vor mir.
Ich möchte sterben, um nicht zu sterben,
sondern Dein Antlitz zu sehen.
Mein Gott!
Lass mich in Danksagung deiner Erbarmungen über mich gedenken
und sie preisend dir bekennen.
Durchgossen werden meine Gebeine von Liebe zu dir,
und sie mögen rufen:
Herr, wer ist dir gleich?
Nach Augustinus
Auslegung - Frage: Wie öffnest du dein Herz, um die Stimme des Göttlichen wirklich zu hören und zu empfangen?
Zweifel und Zuspruch
Die Stelle zeigt mir vor allem, dass David von Zweifeln heimgesucht wurde. Denn wie hätte er sonst beten können „Sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hilfe!“, wenn er nicht manchmal von Zweifeln und Ängsten erfüllt war?
Darum will ich ganz getrost sein, denn ich bin nicht der einzige unter den Heiligen, der sich über seinen Kleinglauben zu beklagen hat. Wenn ein David zweifelte, so darf ich nicht schließen, ich sei kein Christ, weil ich Zweifel empfinde.
Unsere Schriftstelle erinnert mich, dass David sich nicht zufrieden gab, wenn er unter Zweifeln und Befürchtungen zu leiden hatte, sondern dass er seine Zuflucht sogleich zum Gnadenthron nahm und um Versicherung bat.
Spurgeon
Auslegung - Frage: Wie gehe ich persönlich mit meinen Zweifeln um, und welche Rolle spielt mein Glaube dabei, mir Sicherheit und Frieden zu schenken?
Ps 35, 4 Schande über meine Verfolger
Ps 35:4: Es sollen beschämt und zuschanden werden, die mir nach dem Leben trachten; es sollen zurückweichen und schamrot werden, die mein Unglück wollen!
Es sollen beschämt werden
Nachdem der Beter in den Versen 1–3 Gott als Schild, Speer und Rettung angerufen hat, konkretisiert sich in Vers 4 der Wunsch nach dem Eingreifen des göttlichen Richters. Es ist der klassische Auftakt des Fluch- bzw. Vergeltungsgebetes im Psalter, in dem der Verfolgte seine Bedränger nicht selbst angreift, sondern sie ganz dem Urteil Gottes übergibt.
Die heilsame Scham zur Bekehrung
Wenn der Psalmist betet: 'Sie sollen beschämt werden', fordert er dann ihre Verdammnis? Keineswegs! Es gibt eine Scham, die zum Leben führt. Wenn der Sündige seine Bosheit erkennt, errötet er über seine Taten, schämt sich seiner Vergangenheit und wendet sich zu Gott. So betet die Kirche für ihre Verfolger: Herr, beschäme sie in ihrem Stolz, damit sie ihre Ohnmacht einsehen und Trost in deiner Gnade suchen! Wer über seine Sünde rot wird, fängt an, vor dir gerecht zu werden.
Die mir nach dem Leben trachten
Der Kampf gegen den Teufel und seine Engel: Wer trachtet wahrhaft nach deiner Seele? Nicht der Mensch, der deinen Leib töten kann, sondern der Teufel, der deine Seele durch die Sünde ins Verderben ziehen will (vgl. Mt 10,28). Wenn du diesen Psalm betest, richte deinen Schrei gegen die unsichtbaren Feinde! Mache dir die Dämonen zu Feinden und wünsche ihren Sturz, damit die Menschen, die von ihnen gefangen gehalten werden, befreit werden. Der Niedergang des Teufels ist die Rettung des Sünders.“
Ps 35, 5 Wie Spreu vor dem Wind
Ps 35:5: Sie sollen werden wie Spreu vor dem Wind, und der Engel des Herrn bringe sie zu Fall!
Das Bild von der Spreu im Wind
Auf den im Orient hochgelegenen und dem Wind ausgesetzten Dreschplätzen wurde das gedroschene Getreide mit Wurfschaufeln in die Luft geworfen. Die schweren Weizenkörner fielen senkrecht zu Boden, während die wertlose, gewichtslose Spreu vom Wind aufgesammelt und spurlos verweht wurde
Die Gottlosen, die sich mächtig, uneinnehmbar und gefährlich gebärden, entlarvt der Psalmist damit als substanzlos, flüchtig und ohne inneren Halt. Sobald Gott Seinen Atem sendet, weicht ihre scheinbare Macht der absoluten Nichtigkeit.
Der Mensch ohne das Gewicht der Liebe
Was macht den Menschen zur Spreu? Das Fehlen der Liebe und der Wahrheit. Wer stolz ist, wer auf sich selbst vertraut und in der Winde der Eitelkeit bläht, hat kein Gewicht vor Gott. Er wird vom Wind des Leidens, der Versuchung oder des Zorns hinweggeweht. Das Korn dagegen ist schwer durch die Liebe – es bleibt fest auf dem Dreschplatz liegen. Bete nicht nur darum, dass deine Feinde wie Spreu werden, sondern bete, dass Gott in dir das Korn der Gnade bewahrt und nicht die Spreu des Stolzes gedeihen lässt. Andacht von Augustinus
Ps 35, 6 Weg finster und glatt
Ps 35:6: Ihr Weg sei finster und glatt, und der Engel des Herrn verfolge sie!
Finsternis des Verstandes, Glätte der Lust
Was ist die Finsternis, wenn nicht die Unwissenheit der Seele, die Gott nicht sieht? Und was ist das Glatte, Rutschige, wenn nicht die Verführung der fleischlichen Lust? Wer ohne das Licht Christi wandelt, geht im Dunkeln. Er sieht nicht, wohin seine Tritte führen. Sobald er auf das Glatte der Sünde tritt, fällt er hin. Der Sünder stürzt nicht erst am Ende; sein Weg selbst ist bereits Sturz und Verderben.
Ps 35, 7 Grundloses Netz gestellt
Ps 35:7: Denn ohne Ursache haben sie mir heimlich ihr Netz gestellt, ohne allen Grund meiner Seele eine Grube gegraben.
Die zweifache Betonung
Das hebräische Wort chinnām (zweimal in diesem Vers wiederholt: „ohne Ursache“, „umsonst“, „grundlos“) ist der Schlüsselbegriff des ganzen Psalms. Der Bedrängte hat den Feinden keinen Anlass, kein Unrecht und keinen Schaden zugefügt.
Genau dieses Wort greift Jesus in Johannes 15,25 auf, als er Sein eigenes Leiden deutet: Sie hassen mich ohne Grund. Damit wird Psalm 35,7 zu einer direkten prophetischen Typologie auf das heillose Verwerfen des Messias durch die Welt.
Der grundlose Hass auf den Erlöser
Wer hat wahrhaft 'ohne Ursache' ein Netz gestellt bekommen, wenn nicht unser Herr Jesus Christus? Welches Böse hat Er getan? Er heilte die Kranken, speiste die Hungrigen, lehrte die Wahrheit und verabscheute die Sünde. Dennoch haben sie Ihm das Netz des Kreuzes gestellt. Sie hassten Ihn, weil Er gut war; Seine bloße Heiligkeit war ein Vorwurf für ihre Finsternis.
Ps 35, 8 Unversehenes Verderben trifft sie
Ps 35:8: So soll ihn unversehens Verderben ereilen; und das Netz, das er heimlich gestellt hat, soll ihn selber fangen, sodass er ins Verderben stürzt.
Die Selbstverstrickung im eigenen Netz
Die Dynamik der alttestamentlichen Weisheit besagt: Das Böse trägt den Keim der eigenen Zerstörung bereits in sich. Wer ein Netz webt, um die Freiheit des Gerechten zu rauben, verwickelt seine eigenen Füße darin. Die Grube, die mit Absicht ausgehoben wurde, wird zum Grab des Totengräbers.
Das Scheitern des Teufels am Kreuz
Wo hat sich dieses Wort vollkommener erfüllt als beim Leiden Christi? Der Teufel reizte die Herzen der Verfolger, stellte dem Erlöser das Netz des Kreuzes und meinte, den Sohn Gottes im Tod vernichtet zu haben. Doch eben dieses Kreuz wurde zur Falle für den Teufel selbst! Indem er den Sündlosen tötete, verlor er das Recht über die Sünder. Das Netz des Todes fing nicht Christus, sondern den Tod und den Teufel.“
Ps 35, 9 Seele jubelt im Herrn
Ps 35,9: Aber meine Seele soll sich freuen am Herrn und frohlocken über seine Rettung!
Freuen über die Rettung durch den Herrn
Diese Zeilen laden uns ein, inmitten der Herausforderungen des Lebens Freude zu finden. Es geht darum, die Hilfe und Unterstützung Gottes zu erkennen und darüber zu jubeln.
Sie ermutigen uns, in schwierigen Zeiten nicht zu verzweifeln, sondern den Glauben daran zu haben, dass Gott uns unterstützt.
Diese Freude ist eine tiefe Gewissheit, dass wir nicht allein sind und dass Gottes Hilfe uns ermutigt, fröhlich zu sein, selbst wenn die Umstände schwierig erscheinen.
Es ist eine persönliche Erinnerung daran, dass Gott uns Kraft gibt, um durch jede Situation zu gehen und in seiner Hilfe Freude zu finden.
Auslegung - Frage: Wie kannst du in deinem Leben die Gegenwart Gottes als Quelle der Freude und Kraft noch bewusster wahrnehmen?
Ps 35, 10 Alle meine Gebeine
Ps 35,10: Alle meine Gebeine sollen sagen: Herr, wer ist dir gleich, der du den Elenden errettest von dem, der stärker ist als er, ja, den Elenden und Armen von dem, der ihn beraubt!
Alle meine Gebeine
Die „Gebeine“ repräsentieren im Hebräischen das innerste Gerüst, das Fundament und die tiefste Substanz des menschlichen Körpers. Wenn die Gebeine sprechen, ist der Jubel kein bloßes Lippenbekenntnis, sondern ein ganzheitlicher, körperlich-seelischer Lobpreis.
Von dem, der stärker ist als er
Wer ist dieser Stärkere, von dem der Mensch gerettet werden muss? Es ist der Teufel! Durch die Sünde Adams geriet die Menschheit unter die Knechtschaft des starken Tyrannen. Der Mensch aus sich heraus – geschwächt und elend – war unfähig, sich aus den Fesseln des Satzes und des Todes zu befreien. Da kam der Stärkere als der Starker – unser Erlöser Jesus Christus –, hat den Starken gebunden, seine Beute raubt und uns Arme aus der Gewalt der Finsternis herausgerissen. Nicht deine Stärke hat dich gerettet, sondern die Gnade dessen, der sich für dich arm gemacht hat. Andacht von Augustinus
Ps 35, 11 Falsche Zeugen
Ps 35:11: Es treten ungerechte Zeugen auf. Sie stellen mich zur Rede über Dinge, von denen ich nichts weiß.
Wer sind diese ungerechten Zeugen?
Betrachte den Prozess unseres Herrn! Als das Haupt vor den Hohenpriestern stand, standen falsche Zeugen auf und brachten erfundene Beschuldigungen vor. Sie verdrehten seine Worte über den Tempel und legten ihm Verbrechen zur Last, die seinem heiligsten Wesen völlig fremd waren. Wie das Haupt gelitten hat, so erleidet es auch sein Leib: Zu allen Zeiten. Andacht von Augustinus
Ps 35, 12 Vergelten Gutes mit Bösem
Ps 35:12: Sie vergelten mir Gutes mit Bösem; verwaist ist meine Seele.
Gutes mit Bösem
Wer hat so sehr Gutes getan wie unser Herr Jesus Christus? Er heilte ihre Kranken, gab den Blinden das Augenlicht, trieb die Dämonen aus und verkündete das Reich Gottes. Und was vergelten sie ihm? Das Kreuz, die Dornen, den Essig und die Todesstrafe! Sie gaben Böses für Gutes. Auch wer heute nach der Taufe sündigt, wer den verachtet, der ihn erlöst hat, und die Welt der Liebe Christi vorzieht, der vergilt dem Erlöser Böses für Gutes. Andacht von Augustinus
Ps 35, 13 Ich fastete für ihre Heilung
Ps 35:13: Ich aber legte das Trauergewand an, als sie krank waren. Ich beugte meine Seele mit Fasten und betete gesenkten Hauptes für sie.
Beten für seine Feinde!
Bei wie Wenigen finden wir heute so tief gefühltes Mitleid! Und doch sollte in der Nachfolge Jesus viel zärtliche Liebe herrschen.
Hätten wir mehr herzliche Liebe zu den Menschen und mehr Kummer um ihre zahllosen Leiden, so könnten wir viel nützlicher sein. Jedenfalls wären wir dann dem Heiland ähnlicher.
Wir sollen alles tun, um Feindschaft zu beenden, indem wir nicht versuchen, uns selbst zu rächen oder Böses mit Bösem vergelten. So werden wir das Böse mit dem Guten überwinden.
Auslegung - Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben heute mehr von dieser zärtlichen Liebe zeigen und dadurch dem Heiland ähnlicher werden?
Ps 35, 14 Trauerte wie um den Bruder
Ps 35,14: Ich ging einher, als wäre es mein Freund, mein Bruder, und lief trauernd gebeugt, wie einer, der um seine Mutter Leid trägt.
Als wäre es mein Freund
Psalm 35,14 zeichnet das Bild einer kompromisslosen, mitleidenden Liebe, die bis zur physischen und seelischen Erschöpfung geht. Für Augustinus ist dieser Vers die vollkommene Offenbarung des Herzens Christi: Er weint um diejenigen, die ihn hassen, und leidet unter dem Verlust der Sünder wie unter dem Tod der eigenen Mutter. Dieser Vers fordert jeden Glaubenden heraus, Feinden nicht nur formal zu vergeben, sondern ihr Schicksal mit echter, brüderlicher Barmherzigkeit mitzutragen:
Wer hat die Menschen so sehr als Brüder und Freunde geliebt wie unser Erlöser? Er nannte die Jünger nicht Knechte, sondern Freunde. Selbst Judas, der ihn verriet, redete er im Garten Gethsemane noch an mit: 'Freund, wozu bist du gekommen?' Christus sah in allen Menschen seine Brüder, für die er sein Blut vergießen wollte. Seine Liebe war nicht geheuchelt; er trug das Leid derer, die ihn später ans Kreuz schlugen. Andacht von Augustinus
Ps 35, 15 Sie jubeln über meinen Sturz
Ps 35,15: Dennoch freuen sie sich, wenn ich wanke, und rotten sich zusammen. Lästermäuler sammeln sich gegen mich, ich weiß nicht warum. Sie lästern ohne Aufhören.
Alles litt Christus für uns
Alles, was Christus gelitten hat, litt er für unser Heil. Er ertrug schon Zeit seines Lebens Lästerungen. Besonders schmerzlich aber waren die Lästerungen, die ihm am Kreuze widerfuhren.
Alles aber erduldete der Herr. Doch er hatte bei alledem das Ziel seiner Sendung fest im Blick und konnte am Ende sagen: Es ist vollbracht!
Auslegung - Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben das Vertrauen bewahren, wenn ich Herausforderungen erlebe, und dabei das größere Ziel nicht aus den Augen verlieren?
Ps 35, 16 Spötter knirschen mit den Zähnen
Ps 35:16: Mit gottlosen Schmarotzern fletschen sie die Zähne über mich.
Ps 35, 17 Wie lange schaust du zu?
Ps 35:17: O Herr, wie lange willst du zusehen? Befreie meine Seele von ihrem Gebrüll, meine einsame von den Löwen!
Klage über das Schweigen Gottes
Die Frage „Wie lange willst du zusehen/zuschauen?“ gehört zu den eindringlichsten Motiven der alttestamentlichen Klagepsalmen (vgl. Ps 6,4; Ps 13,2).
Gott wird nicht als unbeteiligt erlebt, sondern sein Aufschieben des Gerichts wirkt auf den Leidenden wie ein tatenloses „Zuschauen“. Es ist der drängende Ruf nach dem rettenden Eingreifen Gottes (Epiphanie).
Herr, wann wirst du hinsehen?
Warum sieht Gott zu und greift nicht sofort ein? Nicht, weil er den Gerechten vergessen hätte, sondern weil er die Geduld seiner Auserwählten reifen lässt! Er lässt zu, dass die Bösen eine Zeitlang wüten, um durch ihre Bosheit die Gerechten zu läutern. So sah der Vater zu, als der Sohn gefangen, gegeißelt und gekreuzigt wurde. Er sah zu – nicht mit kaltem Blick, sondern um durch den Tod Christi den Tod der ganzen Welt zu überwinden.
Ps 35, 18 Ich danke dir
Ps 35,18: Ich will dir danken in der großen Gemeinde, unter zahlreichem Volk will ich dich rühmen.
Dankbarkeit gegenüber Gott
Dieser Vers drückt tiefe Dankbarkeit und Lobpreis aus. Er zeigt, dass der Psalmist beabsichtigt, Gott öffentlich zu preisen und seine Dankbarkeit vor vielen Menschen auszudrücken.
Es geht darum, Gott für seine Güte und Treue zu loben, selbst inmitten von Schwierigkeiten und Anfeindungen. Die Absicht, Gott inmitten einer großen Gemeinschaft zu preisen, betont die Bedeutung von öffentlichem Lobpreis und Dankbarkeit, um Gottes Größe und Treue zu verkünden.
Auslegung - Frage: Wie kannst du in deinem Leben Räume schaffen, um deine Dankbarkeit und deinen Glauben offen und ehrlich mit anderen zu teilen?
In großer Gemeinde
Inmitten von Sorgen und dem lauten Getümmel des Alltags vergessen wir oft, wem wir unser Leben verdanken. Der Beter des 35. Psalms erinnert uns daran, dass Dankbarkeit kein stilles Kämmerlein braucht. Er will Gott in der großen Gemeinde preisen und ihm vor vielen Menschen danken.
Das bedeutet für uns heute nicht zwingend, dass wir auf eine Bühne steigen müssen. Es ist vielmehr die Einladung, auch in schwierigen Zeiten offen zu unserem Vertrauen zu stehen. Wenn wir Gottes Spuren in unserem Leben entdecken, dürfen wir das teilen. Ein ehrliches Wort über unseren Glauben beim Kaffeetrinken oder ein offenes Bekenntnis zur Hoffnung im Gespräch mit Kollegen gibt Gott die Ehre. Es stärkt uns selbst und ermutigt andere, ebenfalls nach dem Licht zu suchen.
Auslegung - Frage: Wo in deinem sozialen Umfeld könntest du heute ganz authentisch von einer Erfahrung berichten, für die du Gott von Herzen dankbar bist?
Ps 35, 19 Feinde dürfen nicht frohlocken
Ps 35:19: Es sollen sich nicht über mich freuen, die mir ohne Ursache feind sind; es sollen nicht mit den Augen zwinkern, die mich ohne Grund hassen.
Die mich ohne Grund hassen
Wer hat mehr das Recht, diesen Vers zu sprechen, als unser Herr Jesus Christus? Er kam in die Welt, um den Menschen Gutes zu tun, die Kranken zu heilen, die Sünder aufzurichten und sein Leben für alle zu geben. Und was erhielt er dafür? Hass! Sie hassten ihn gratis – ohne dass er ihnen je ein Unrecht getan hätte. Je mehr Liebe er erwies, desto heftiger wurde ihr Zorn.
Warum hassen die Gottlosen das Licht ohne Grund? Weil ihre Werke böse sind (Joh 3,19). Das reine Leben des Gerechten ist für den Ungerechten eine stumme Anklage. Darum verabscheut der Stolze den Demütigen und der Böse den Guten – nicht wegen einer Schuld des Guten, sondern wegen der eigenen Verderbnis.“
Ps 35, 20 Sie reden Unfrieden
Ps 35,20: Denn sie reden nicht, was zum Frieden dient, sondern ersinnen Verleumdungen gegen die Stillen im Land.
Dem Frieden dienen
Die Werke der Liebe sind immer Werke des Friedens. Jedes Mal, wenn ihr liebevoll miteinander umgeht, werdet ihr den Frieden bemerken, der über euch und die anderen herabkommt.
Dort, wo Frieden wohnt, wohnt Gott. Indem er Frieden und Freude in unsere Herzen gießt, berührt Gott unser Leben und zeigt uns seine Liebe.
Führe mich vom Tod zum Leben, vom Irrtum zur Wahrheit. Führe mich von der Verzweiflung zur Hoffnung, von der Angst zum Vertrauen. Führe mich vom Hass zur Liebe, vom Krieg zum Frieden.
Bewirke, dass der Frieden unser Herz, unsere Welt, unser Universum erfüllt: Frieden, Frieden, Frieden.
Andacht von Mutter Teresa
Auslegung - Frage: Wie kannst du heute deinem Herzen erlauben, mehr Frieden zu empfangen und diesen Frieden mit anderen zu teilen?
Ps 35, 21 Sie reißen das Maul auf
Ps 35:21: Sie sperren ihr Maul weit auf über mich und rufen: Haha, haha! Nun sieht es unser Auge!
Aufsperren des Mauls
Das Bild vom weit aufgesperrten Maul greift das Metaphernfeld der Raubtiere (wie in Vers 17 die Löwen) wieder auf. Es meint die maßlose, unanständige Gefräßigkeit des Spottes: Die Feinde schlingen den Ruin des Opfers förmlich mit Blicken und Worten in sich hinein.
Der Hohn unter dem Kreuz
Schaut auf das Leiden unseres Herrn! Haben sie ihr Maul nicht weit aufgerissen, als er am Kreuz hing? Sie schüttelten die Köpfe und riefen: 'Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht helfen!' (Mt 27,42). Es ist derselbe Geist des Stolzes, der den Erlöser verhöhnte und bis heute die Gläubigen verspottet. Andacht von Augustinus
Nun sieht es unser Auge!
Was die Welt sieht – und was sie übersieht: Sie riefen: 'Unsere Augen haben es gesehen!' Was aber haben ihre Augen gesehen? Sie sahen den sterbenden Leib, die Wunden, die Ohnmacht und die Schande des Kreuzes. Aber was sahen sie nicht? Sie sahen nicht die Gottheit, die im Fleisch verborgen war! Sie sahen nicht den Sieg über den Tod, der sich im Verborgenen vollzog. Andacht von Augustinus
Ps 35, 22 Schweige nicht!
Ps 35,22: Du hast es gesehen, o Herr; schweige nicht! Herr, sei nicht fern von mir!
Der Herr ist da
Welch ein Trost! Unser himmlischer Vater weiß um alle unsere Not. Gottes Allwissenheit ist das Licht, das uns auch in der dunkelsten Nacht leuchtet.
Hat es der Herr aber gesehen, ergibt sich daraus die Bitte: Schweige nicht!
Wir können sicher sein, dass der Herr das nicht tut. Wenn der Herr sieht, dann nimmt er nicht bloß als der passive Zuschauer wahr, was geschieht, sondern dann handelt er auch.
Auslegung - Frage: Wie erlebe ich persönlich die Gegenwart und das Handeln Gottes in Zeiten meiner eigenen Dunkelheit?
Ps 35, 23 Erwache, kämpfe für mein Recht!
Ps 35,23: Erhebe dich und erwache, um mir Recht zu schaffen, für meine Sache, mein Gott und mein Herr!
Das Motiv des schlafenden/aufstehenden Gottes
Es drückt kein Unwissen über Gottes Allgegenwart aus, sondern bringt das zutiefst menschliche Empfinden zum Ausdruck, dass Gott in Zeiten des triumphierten Unrechts wie ein Schlafender wirkt. Der Beter fordert eine Epiphanie – ein sichtbares, gerichtliches Eingreifen Gottes in die Geschichte.
Mein Gott und mein Herr
Diese doppelte Anrede betont die tiefe persönliche Bundesbeziehung. Trotz der schweren Bedrängnis wankt das Vertrauen nicht. Im Neuen Testament gipfelt diese Wortverbindung im Osterevangelium: Es ist exakt das Bekenntnis des Apostels Thomas vor dem auferstandenen Christus: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28).
Der Schlaf Christi im Herzen des Glaubenden
Gott schläft in dir, wenn dein Glaube erlahmt! Erinnert euch an das Evangelium, als der Sturm den See Genezareth aufwühlte und Jesus im Schiff schlief (Mt 8,24-26). Die Jünger gerieten in Panik und weckten ihn. Warum gerieten sie in Not? Weil Jesus in ihren Herzen schlief! So wende auch du dich in den Stürmen der Versuchung an dein Herz und wecke deinen Glauben auf. Sobald Christus in deinem Glauben erwacht, legen sich die Wogen und der Sturm weicht der Stille. Andacht von Augustinus
Ps 35, 24 Richte mich
Ps 35:24: Schaffe mir Recht nach deiner Gerechtigkeit, Herr, mein Gott, dass sie sich nicht freuen dürfen über mich,
Gottes Gerechtigkeit vs. eigene Gerechtigkeit
Achtet wohl auf die Worte des Psalms! Er sagt nicht: 'Richte mich nach meiner Gerechtigkeit', sondern: 'nach deiner Gerechtigkeit, o Herr'. Warum? Weil der Mensch, wenn er auf seine eigene Gerechtigkeit blickt, Stolz entwickelt wie der Pharisäer im Tempel (Lk 18,11). Unsere eigene Gerechtigkeit ist oft befleckt von Eigenliebe und Heuchelei. Gottes Gerechtigkeit aber ist die Gnade, die den Sünder rechtfertigt (Röm 3,24).
Ps 35, 25 Sie dürfen nicht sagen
Ps 35:25: dass sie nicht sagen können in ihren Herzen: Haha, so haben wir’s gewollt! Lass sie nicht sagen: Wir haben ihn verschlungen!
Der Wunsch des Teufels
Wer ruft in seinem Herzen: 'Wohlauf, genau so wollte es meine Seele'? Es ist der Teufel! Sein einziges Verlangen ist es, den Menschen von Gott zu trennen und ihn in den ewigen Ruin zu stürzen. Als der Mensch im Paradies fiel, jubelte die Seele des Widersachers. Und als Christus am Kreuz hing, wähnte sich der Widersacher am Ziel all seiner Wünsche. Als Christus starb, meinte der Teufel, er habe ihn vollkommen verschlungen. Er sah das sterbliche Fleisch und fraß den Köder. Indem der Teufel den unschuldigen Christus verschlingen wollte, blieb ihm der Haken im Rachen stecken. Das Grab konnte den Erlöser nicht halten, und die Macht des Todes zerbrach. Statt den Erlöser zu verschlingen, musste der Teufel all die Beute herausgeben, die er bisher gefangen hielt
Ps 35, 26 Schande über alle Schadenfrohen
Ps 35:26: Es sollen alle zuschanden werden und sich schämen, die sich über mein Unglück freuen; in Scham und Schande sollen sich kleiden, die gegen mich großtun.
Zusammenfassung
Psalm 35,26 kündigt den Zusammenbruch der hochmütigen Schadenfreude an: Die Feinde, die sich über das Unglück des Beters erhoben, werden vor Gottes Gericht entblößt und mit Schande bekleidet. Für Augustinus birgt dieses Urteil eine zweifache Dimension: Für die Reumütigen wird die Scham zur heilsamen Buße, die zur Vergebung führt; für die Unbußfertigen erweist sich das Großtun als fataler Irrtum vor dem Thron Christi.
Ps 35, 27 Der Herr sei groß
Ps 35,27: Aber jauchzen und fröhlich sein sollen alle, die meine Rechtfertigung wünschen; sie sollen allezeit sagen: Der Herr sei hochgelobt, der das Heil seines Knechtes will!
Allezeit loben!
Ohne Unterbrechung und ohne Aufhören dient unser Leben zum Lobe Gottes. Den ganzen Tag, vom Morgen bis zum Abend, und einen Tag wie den anderen soll das Herz sinnen und die Zunge in dankbarer Liebe reden und singen von der Gerechtigkeit des Herrn und Gottes Ruhm kundtun.
Wie herrlich wäre es, wenn dieser Entschluss von uns allen ausgeführt würde!
Auslegung - Frage: Wie kann ich heute meine Gedanken und Worte bewusster dafür einsetzen, Gottes Güte und Gerechtigkeit in meinem Alltag zu spiegeln?
Ps 35, 28 Meine Zunge verkündet dein Lob
Ps 35,28: Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit, von deinem Lob allezeit!
Ps 35,28: Und ich will erzählen, wie gerecht du bist, den ganzen Tag will ich dich loben.
Ps 35,28: Ich will immer davon reden, wie gerecht du bist und handelst. Tag für Tag will ich dich loben!
Allezeit Gott loben
Der Sänger schließt, indem er den gerechten und gnädigen Gott ohne Unterbrechung und ohne Aufhören zu preisen, gelobt. Den ganzen Tag, vom Morgen bis zum Abend, und einen Tag wie den anderen, soll das Herz sinnen und die Zunge in dankbarer Liebe reden und singen von der Gerechtigkeit des Herrn und Gottes Ruhm kundtun.
Wie herrlich wäre es, wenn dieser Entschluss von uns allen ausgeführt würde!
Auslegung - Frage: Wie kannst du heute deinem Herzen Raum geben, die Güte und Gerechtigkeit Gottes in deinem Leben bewusst wahrzunehmen und zu feiern?
Andacht von Augustinus
Wer hält es aus, Gott den ganzen Tag zu preisen?
Ich will dir ein Mittel angeben, kraft dessen du Gott den ganzen Tag preisen kannst, wenn du willst.
Was immer du tust, tu es recht, so preist du damit Gott.
Wenn du ein Loblied anstimmst, so preist du Gott; aber was tut deine Zunge, wenn dein Herz nicht auch Gott preist?
Hast du zu singen aufgehört und sinnst du auf Erholung?
Sei nicht unmäßig, so hast du Gott gepriesen.
Hast du dich schlafen gelegt?
Erhebe dich nicht, Böses zu tun, so hast du Gott gepriesen.
Gehst du ans Geschäft?
Tu kein Unrecht, so hast du Gott gepriesen.
Bestellst du deinen Acker?
Veranlasse keinen Streit und du hast Gott gepriesen.
Mit der Reinheit deines Tuns Gott den ganzen Tag zu preisen sollst du dich bestreben.
Auslegung - Frage: Wie kannst du in deinem Alltag mit jedem deiner Schritte bewusst Gottes Gegenwart ehren und erleben?
Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Ps 35
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