Mt 9,18–26 Auferweckung Jairus Tochter und Heilung blutflüssiger Frau

Vers 18 Bitte des Obersten

Mt 9,18: Und als er dies mit ihnen redete, siehe, da kam ein Vorsteher, fiel vor ihm nieder und sprach: Meine Tochter ist eben gestorben; aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird sie leben!

Eine große Not

Nichts ist tragischer als der Tod eines Kindes, insbesondere, wenn es das eigene Kind ist. Alles andere verblasst an Bedeutung. Das Herz dieses Mannes war gebrochen.

Aber er konnte sich nicht damit abfinden. Er hatte von Jesus gehört. Jesus tat das Unmögliche. Sicherlich wollte Gott ihm das Unmögliche durch Christus gewähren.

Aus einer sonst vielleicht vorhandenen Scheu, sich Jesus zu nähern, wird jetzt unter diesen Umständen Kühnheit und dringendes Bitten. Das ist eine Einladung an mich, die Nöte der Welt zu sehen und mutig zu sein, mich selbst Jesus zu öffnen.

Ernest Daly

Frage: Wo in meinem Leben braucht es heute den Mut, meine Sorgen und Hoffnungen Jesus anzuvertrauen?

Dann wird sie wieder lebendig

Dieser Moment, in dem der Synagogenvorsteher Jesus bittet, seine Tochter von den Toten aufzuerwecken, muss sehr beeindruckend gewesen sein. Jesus soll das Unmögliche möglich machen. Woher nimmt der Synagogenvorsteher den Glauben, dass Jesus selbst dazu in der Lage ist? Es handelt sich hier nicht nur um den theoretischen Glauben, dass Gott alles tun kann, sondern er ist lebendig und auf die konkrete Situation bezogen.

Lernen wir von der Bitte des Synagogenvorstehers: Sie ist demütig, der Mann fiel vor Jesus nieder; sie ist vertrauensvoll und überzeugt, dass geschieht, was Jesus will; sie kommt von ganzem Herzen und der Synagogenvorsteher interessiert sich für nichts anderes. Die ganze Welt ist für den Synagogenvorsteher wie ausgeblendet, es gibt nur ihn und Jesus.

Bertalan Egervári

Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich meinen Glauben so konzentriert und vertrauensvoll leben, dass alles andere in den Hintergrund tritt?

Vers 19-20 Heilung der blutflüssigen Frau

Mt 9,19: Und Jesus stand auf und folgte ihm mit seinen Jüngern.

Das Vorbild Jesu

Die Demut und Sanftmut Christi ist auf gleiche Weise zu bewundern und nachzuahmen. Denn sogleich, als er gebeten wurde, fing er an, dem Bittenden zu folgen.

Daher heißt es: Und er stand auf und folgte ihm. Dadurch belehrte er die Untergebenen und Vorsteher zugleich. Den Untergebenen hinterließ er ein Beispiel des Gehorsams; den Vorstehern aber schärfte er die Sorgfalt der Unterweisung ein, dass sie sogleich, wie sie vernähmen, dass Jemand geistig tot sei, zu ihm gehen sollten.

Goldene Perle

Frage: In welchen Momenten meines Lebens könnte ich die Demut und Sanftmut Christi bewusst einüben und so anderen ein Vorbild sein?

Mt 9,20: Unterwegs berührte eine Frau, die seit zwölf Jahren an starken Blutungen litt, von hinten heimlich ein Stück seines Gewandes.

Mt 9,20: Und siehe, eine Frau, die zwölf Jahre blutflüssig war, trat von hinten herzu und rührte den Saum seines Gewandes an.

Unsere eigenen Blutungen

Der Wunderbericht beginnt schlicht mit der Diagnose: die Frau litt seit zwölf Jahren an starken Blutungen. Die Blutungen stehen für alles, worunter wir leiden. Nach außen wollen wir immer stark erscheinen. Aber wir wissen alle, dass jeder seine Blutungen hat.

Die Blutungen können vielfältig sein: gestörte Beziehungen zu den Eltern, Schwierigkeiten mit der eigenen Persönlichkeit, ein nicht verarbeiteter Schicksalsschlag, Versuchungen jeglicher Art und vielem mehr.

Was sind deine Blutungen?

Frage: Welche inneren Wunden trägst du mit dir, die geheilt werden möchten, wenn du bereit bist, dich ihnen zu öffnen?

Demut der Frau

Darin ist ihre Demut zu loben, weil sie nicht vorne, sondern hinten hinzutrat und sich für unwürdig hielt, die Füße des Herrn zu berühren, und nicht sein ganzes Kleid, sondern nur den Saum berühren wollte. Goldene Perle

Der Saum seines Gewandes

Der Prophet Jesaja hatte eine Vision von Gott. „Der Saum seines Gewandes füllte den ganzen Tempel aus.“ (Jes 6,1)

In Neuss gibt es eine vom Künstler August Mack gestaltete Kapelle, in der die Decke aus herabhängenden Kulissen besteht, die den Saum seines Gewandes darstellen.

Es ist eine schöne Vorstellung, dass wir unter dem Saum seines Gewandes leben, das aus dem Himmel in diese Welt hineinragt.

Dorit Wilke-Lopez

Frage: Wie spürst du in deinem Leben den Schutz oder die Gegenwart, die aus einer höheren Dimension in deine Welt hineinragt?

Vers 21-22 Rettung durch Glauben

Mt 9,21: Denn sie dachte: Wenn ich wenigstens seine Kleider berühren kann, werde ich bestimmt gesund.

Hoffnung der Frau

Die Frau lebte aus der Hoffnung, dass sie allein aus der Berührung geheilt wird. Was für ein Glaube.

Jesus selbst war ihre Hoffnung. Christus hat in seinem Kreuz und in seiner Auferstehung alles Leid und Unheil der Welt überwunden und ist dadurch für uns alle zum Zeichen der Hoffnung geworden.

Die Quelle der Hoffnung liegt in Gott, der nur lieben kann und uns unermüdlich sucht. Uns erfüllt diese lebendige Hoffnung. Tagtäglich, immer wieder neu.

Hoffe auf den Herrn.

Frage: Welche Hoffnung trägst du tief in dir, die nur Gott wecken kann?

Beten im Glauben

Das Evangelium gibt uns in der Person der Frau, die an Blutungen litt, ein schönes Beispiel für den Glauben, den wir haben sollten, wenn wir beten. Sie sagte sich: „Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt“ (Mt 9,21).

Ihr seht, wie fest sie daran glaubte, dass Jesus Christus sie heilen kann; sie erwartete mit großer Zuversicht diese Heilung, die sie so sehnlichst wünschte. Und tatsächlich, als der Heiland nahe an ihr vorbeiging, warf sie sich Jesus Christus zu Füßen, berührte sein Gewand und war sogleich geheilt.

Als Jesus Christus ihren Glauben sah, schaute er sie voll Güte an und sagte: „Hab keine Angst, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen“ (Mt 9,22). Ja, meine Brüder, solchem Glauben und Vertrauen ist alles verheißen.

Pfarrer von Ars

Frage: Wie stark ist mein Vertrauen darauf, dass mein Glaube und meine Gebete Heilung und Trost bewirken können, auch in scheinbar aussichtslosen Situationen?

Mt 9,22: Jesus drehte sich um, sah sie an und sagte: Du kannst unbesorgt sein, meine Tochter! Dein Glaube hat dich geheilt. Im selben Augenblick war die Frau gesund.

Mt 9:22: Da wandte sich Jesus um und sah sie und sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und die Frau wurde gesund zu derselben Stunde.

Nur Jesus kann heilen

Ist etwas kaputt, versuchen wir es zu reparieren.

Ist unsere Seele im schlechten Zustand, so lasst uns zu dem unsere Zuflucht nehmen, der sie geschaffen hat und es unfehlbar versteht, sie wieder in Ordnung zu bringen.

Was unsere seelischen Gebrechen betrifft, so kann nichts sie heilen, als dass Christi Hand sie berührt. Er selbst ist es, der uns mit Freude umgürtet (Ps 30,12).

Rühren wir nur seines Kleides Saum an, so werden wir gesund, während alles andere nicht in der Lage ist, uns zu helfen.

Frage: Welche Aspekte deiner Seele brauchen heute deine besondere Aufmerksamkeit und welche inneren Schritte könntest du wagen, um Heilung zuzulassen?

Dein Glaube hat dir geholfen

Er sagt nicht: Ich habe dir geholfen. Oder: Gott hat dir geholfen, obwohl das zweifellos richtig gewesen wäre. Er sagt: Dein Glaube hat dir geholfen. Jesus würdigt das Vertrauen.

Dein Vertrauen hat dir geholfen, so kann man den Satz Jesu auch übersetzen. Glaube und Vertrauen sind in der Sprache der Bibel dasselbe Wort. Ich kenne viele, denen dieses Vertrauen geholfen hat.

Sie nehmen ihr Leben selbst in die Hand und tun, was in ihrer Macht steht. Sie organisieren sich die Hilfe, die sie bekommen können. Und was nicht in ihrer Macht steht, vertrauen sie Gott an. Zugleich wissen sie, dass man dieses Vertrauen – gerade wenn es einem schlecht geht – nicht machen kann. Es ist ein Geschenk. Aber auch darum kann man bitten.

Jean-Otto Domanski

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du mehr auf dein Vertrauen setzen, anstatt alles allein kontrollieren zu wollen?

Vers 23-24 Totenerweckung angekündigt

Mt 9,23: ‭Als nun Jesus in das Haus des Vorstehers kam und die Pfeifer und das Getümmel sah,

Mt 9,24: ‭spricht er zu ihnen: Entfernt euch! Denn das Mädchen ist nicht gestorben, sondern es schläft. Und sie lachten ihn aus.

Es schläft

Für Jesus ist der Tod nicht endgültig, sondern nur ein „Schlaf“, aus dem er erwecken kann. Es ist ein Hinweis auf die Auferstehungshoffnung.

Zudem fordert Jesus den Glauben der Menschen heraus – wer ihm vertraut, erlebt sein Wunder. Die Spötter hingegen werden ausgeschlossen.

So lehrt die Stelle, dass Glaube entscheidend ist, um Gottes Wirken zu erfahren.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben den Glauben stärken, um Gottes Gegenwart und Wunder bewusst zu erleben?

Sie lachten ihn aus

Wir dürfen uns – wie Jaïrus – nicht beirren lassen, wenn wir sehen, dass unsere Gebete nicht sofort Früchte tragen oder andere unseren Glauben nicht ernst nehmen. Gott legt großen Wert auf unser vertrauensvolles beharrliches Gebet, denn er weiß, dass wir durch die Bemühung gestärkt und unsere Herzen in der Hoffnung geläutert werden. Oft liegt das Wunder gerade darin und ist deshalb kaum sichtbar, aber dennoch real

Vers 25-26 Auferweckung des Mädchens

Mt 9,25: Als aber die Menge hinausgetrieben war, ging er hinein und ergriff ihre Hand; und das Mädchen stand auf.

Er fasste das Mädchen an der Hand

Jesus berührt, er fasst an. Er ist einer, der sich berühren lässt.

Es sind nicht nur Worte, die er spricht, sondern er zeigt den Menschen auch sein Menschsein, seine Menschlichkeit.

Durch Anfassen und Berühren wird er nahbar. Er, der Gott und Mensch zugleich ist, schafft ein Band zwischen ihm und uns.

Svenja Nonnenmacher

Frage: Welche Momente in deinem Leben haben dich besonders berührt und wie könntest du diese Offenheit für Berührung in deinem Alltag spürbar machen?

Da stand das Mädchen auf

Christus kann das Unmögliche möglich machen.

Manchmal sehe ich kleine Wunder der Nächstenliebe und der Gnade. Das weist mich auf den stillen Erfolg hin, den Jesus in den Seelen vorbereitet.

Er ruft sie ständig zurück ins Leben und manchmal bewirkt dies sogar einfach ein Wort oder ein gutes Beispiel von mir.

Ich muss heute meinen Glauben an das Wirken Jesu in den Seelen erneuern. Ich muss meine Opfer und meine Treue bündeln und Christus anbieten.

Er wird das Unmögliche tun.
Ernest Daly

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich Christus mein Vertrauen schenken, damit er das scheinbar Unmögliche wirken kann?

Erweckung der toten Seele

Im moralischen Sinne ist aber das im Hause gestorbene Mädchen die im Gewissen tote Seele. Er sagt jedoch, dass das Mädchen schläft, weil der Sünder dieser Welt noch durch Buße auferweckt werden kann.

Die Flötenspieler sind die Schmeichler, welche die tote Seele pflegen. Die Menge aber wird hinausgeschafft, damit das Mädchen aufgeweckt werde, denn wenn nicht zuvor von dem Innern des Herzens die Menge der weltlichen Sorgen hinausgeschafft wird, kann die Seele, welche im Innern tot liegt, nicht auferstehen.

Goldene Perle

Frage: Welche inneren Sorgen oder Ablenkungen hindern mich daran, meine eigene innere Seele zu wecken und wirklich zu leben?

Mt 9,26: Und die Nachricht hiervon verbreitete sich in jener ganzen Gegend.

Zwei verschränkte Geschichten

Es handelt sich um zwei ineinander verschränkte Geschichten mit einem einzigen Mittelpunkt: dem Glauben. Und sie zeigen Jesus als Quelle des Lebens, als denjenigen, der jenen Leben zurückgibt, die ihm voll und ganz vertrauen.

Die beiden Protagonisten, der Vater des Mädchens und die kranke Frau, sind keine Jünger Jesu, und dennoch finden sie aufgrund ihres Glaubens Erhörung. Sie haben Glauben an jenen Mann.

Daraus verstehen wir, dass auf dem Weg des Herrn alle zugelassen sind: niemand darf sich als Eindringling, Unbefugter oder Unberechtigter empfinden. Für den Zugang zu seinem Herzen, zum Herzen Jesu, gibt es nur eine Voraussetzung: zu spüren, dass man der Heilung bedarf, und sich ihm anzuvertrauen.

Papst Franziskus

Frage: Wie spüre ich in meinem eigenen Leben die Momente, in denen ich Heilung und Vertrauen zulassen darf?