Mt 9, 35-38 Große Ernte und wenige Arbeiter

Vers 35 Predigt und Heilungsdienst

Mt 9,35: ‭Und Jesus durchzog alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündigte das Evangelium von dem Reich und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen im Volk.‭

Er heilte alle Krankheiten und Leiden

Jesus heilte alle Krankheiten und Leiden der Menschen, die zu ihm kamen. Er macht keine Unterschiede. Ob reich oder arm, Mann oder Frau, alt oder jung – er heilte sie alle. Ist das nicht wundervoll?

Jesus will uns alle heilen, und wir müssen nicht mehr dafür tun, als zu ihm zu kommen. Bin ich mir dessen bewusst, oder überlege ich, ob ich es wert bin, geheilt zu werden? Ob Jesus mich so liebt, wie ich bin, und mich einfach um meiner selbst willen gesund machen will?

Vertrauen wir auf seine Liebe zu uns allen, und gehen wir auf ihn zu mit der Bitte: „Jesus, bitte mach mich heil!“

Svenja Nonnenmacher

Frage: Wo in meinem Leben darf ich mich Jesus anvertrauen und Heilung zulassen, einfach weil ich bin, wie ich bin?

Vers 36 Erbarmen mit dem Volk

Mt 9,36: Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen, denn sie waren erschöpft und hilflos wie Schafe, die keinen Hirten haben.

Jesus hat Mitleid

Diese drei Worte sind wie ein roter Faden, der sich durch das ganze Leben Jesu zieht. Er sieht die Menschen vom Himmel aus und wird Mensch aus Mitleid. Er begegnet den Sündern und Kranken und heilt sie aus Mitleid. Er kennt unsere Sünden und unsere Not und stirbt aus Mitleid.

Jesus will Liebe schenken! Er reist durch alle Städte und schließt niemanden aus seiner Liebe aus. Einzig die Liebe bewegt ihn!

Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leben, dass Mitgefühl und Liebe mein Handeln leiten könnten?

Jesu Mitleid

Wenn die Bibel von Jesu Mitleid spricht, dann verwendet sie das Wort splanchnizomai. Es meint: in den Eingeweiden ergriffen werden. Die Eingeweide sind für die Griechen der Ort der verwundbaren Gefühle.

Jesus öffnet sich dem Leid des Menschen. Er ist verwundbar. Daher spürt er die vielfältigen Leiden der Menschen, auch deine! In dieser Einfühlung ist Jesus das große, vollkommene Vorbild.

Einfühlung in andere ist eine wichtige menschliche Fähigkeit und die Voraussetzung von Mitleid. Es meint die Solidarität mit dem Leid des anderen, nicht nur oberflächlich, sondern tief – eine Solidarität, die auch tätig wird, aktiv dem anderen hilft.

Allerdings heißt es nicht, im Mitleid zu zerfließen. Denn dann helfe ich dem anderen nicht wirklich!

Gott segne dich und diese Woche, der Allmächtige mache dein Herz einfühlend, damit du die Werke tun kannst, welche die Weisheit für dich vorbereitet hat.

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Raum für tiefes Mitgefühl schaffen, ohne dich selbst dabei zu verlieren?

Gott hat Mitleid mit uns

Wie schaut Gott, der Schöpfer aller Dinge, auf mich? Wie schaut er auf mich, besonders in meiner Unvollkommenheit, meinem Scheitern und meiner Zerbrechlichkeit?

Wir haben uns vielleicht schon so an Jesus gewöhnt, dass uns die Antwort gar nicht mehr überrascht. Gott hat Mitleid mit uns. Wir sind ihm nicht gleichgültig. Er hat Mitleid mit unserer Müdigkeit, unserer Erschöpfung und Verlorenheit, die wir oft im Alltag oder im Gebet erfahren.

Christus will uns nahe sein. Er versteht uns zutiefst und fordert nicht andauernd mehr und immer mehr, sondern macht sich selbst auf die Suche nach uns.

Was halte ich von Gott? Glaube ich, dass er Mitleid mit mir hat, oder sehe ich ihn oft als gleichgültigen, fernen Gesetzgeber?

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag die Gegenwart von Gottes Mitleid und Nähe bewusster wahrnehmen?

Habt Mitleid!

Jesus spricht: Habt Mitgefühl füreinander; seht, wie ich Mitgefühl habe für euch, wie ich leide, wie ich mich erbarme, wie ich Anteil nehme an allen Schmerzen, wie ich mit diesem seufze, mit jenem weine …

Ich fühle mit ihrer Trauer, ihren Krankheiten, ihren Sorgen, ihrem Hunger, ihrer Schwäche, ihrer Unwissenheit, vor allem mit ihren Sünden. Ich tue nicht nur Gutes an Leib und Seele, sondern mein Herz hat auch Mitleid, ja, tiefes Mitgefühl für alle Leiden der Seele und des Leibes.

Mitgefühl macht einen Teil der Liebe aus in jedem sterblichen Herzen und jeder menschlichen Liebe. Da ich euch die Liebe zu all euren Brüdern gebiete, nehmt Anteil an all ihren Leiden, den großen wie den kleinen, leidet mit ihnen, was sie erleiden, wie ich euch Beispiele gegeben habe, noch und noch.

Vergesst niemals die Pflicht der Liebe: das Mitgefühl.
Charles de Foucauld

Frage: Wie kann ich heute bewusst mein Mitgefühl für andere spüren und ausdrücken, so wie Jesus es zeigt?

Andacht von Anselm Grün

Wenn du einem anderen helfen willst, dann musst du mit ihm fühlen und leiden können. Aber du brauchst zugleich auch eine Distanz zu seinem Leiden.

Wenn du mit seinem Leiden gleichsam verschmilzt, wenn du keine Grenze hast zu seinem Leid, dann gehst du unter im Meer seines Leidens, ohne ihn daraus retten zu können.

Es gibt ein Mitleid, das keine Grenze kennt. Das Mitleid, das Jesus in der Bibel meint, ist anders.

Ich kann mein Herz dem anderen nur öffnen, wenn ich in meiner Seele zuhause bin. Wenn ich in mir einen festen Stand habe, wenn ich in Gott ruhe.

Wenn ich mit dem anderen grenzenlos mitleide, dann bedauere ich mich selbst, wie schlimm die Welt ist. Aber ich werde das Leid dadurch nicht lindern.

Anselm Grün

Die wahre Frömmigkeit, sagt Hieronymus, hat immer Mitleid, die falsche nur Unmenschlichkeit. Franz von Sales

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen inneren Frieden bleiben, während du Mitgefühl für das Leid anderer empfindest?

Vers 37-38 Bitte um Arbeiter für die Ernte

Mt 9,37: ‭Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es sind wenige Arbeiter.‭

Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter

Die Menschen sind müde und erschöpft. Es gibt so viele, die Hilfe brauchen und gekommen sind. Jesus schickt niemanden weg, aber auch er hätte gerne Helfer für seine Arbeit.

Habe ich mich einmal gefragt, ob auch ich ein Arbeiter im Weinberg des Herrn sein kann? Was kann ich für Gott tun? Was wünscht er sich von mir?

Wir haben auch die Priester und Gottgeweihten, die für ihn arbeiten. Bete ich für und um Berufungen? Habe ich vielleicht selber eine?

Wie schön zu sehen, dass es großzügige Menschen gibt, die Jesus helfen wollen. Der Herr braucht Arbeiter!

Svenja Nonnenmacher

Frage: Wo könnte ich heute bewusst ein Werkzeug in Gottes Hand sein, um Licht und Hilfe in das Leben anderer zu bringen?

Mt 9,38: ‭Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte aussende!‭

Sende Arbeiter zur Ernte

Diese Bitte Jesu gilt immer. Wir müssen beständig zum „Herrn der Ernte“ beten, zu Gott, dem Vater, dass er Arbeiter auf seinen Acker sende, der die Welt ist.

Jeder von uns ist aufgerufen, dies mit einem offenen Herzen und einer missionarischen Haltung zu tun. Unser Gebet sollte sich nicht allein auf unsere eigenen Bedürfnisse und Notwendigkeiten beschränken. Ein Gebet ist wahrhaft christlich, wenn es auch eine universale Dimension hat.

Frage: Wie kann ich in meinem täglichen Leben Gebete und Handlungen so ausrichten, dass sie über mein eigenes Wohl hinaus der Welt dienen?

Warum die Bitte um Arbeiter? 

Welches Geheimnis! Ist Jesus nicht allmächtig? Gehören die Geschöpfe nicht dem, der sie erschaffen hat? Warum sagt Jesus dann: "Bittet den Herrn der Ernte, dass Er Arbeiter sende." Warum? …

Ah!, weil Jesus eine so unbegreifliche Liebe zu uns hat, dass Er will, dass wir mit ihm Anteil am Heil der Seelen haben. Er will nichts tun ohne uns. Der Schöpfer des Weltalls wartet auf das Gebet einer armen kleinen Seele, um die anderen Seelen zu retten, die gleich ihr um den Preis seines Blutes erlöst sind.

Unsere Berufung ist es nicht, auf die reifen Getreidefelder zur Ernte hinauszugehen. Jesus sagt nicht zu uns: "Senkt die Augen, betrachtet die Felder und geht hinaus zur Ernte." Unsere Sendung ist viel erhabener.

Theresia vom Kinde Jesu

Frage: Welche kleine, scheinbar unbedeutende Handlung meines Lebens könnte ich dem göttlichen Plan anvertrauen, um Liebe und Heil zu fördern?

Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Mt 9. Kap.

Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 9. Kap.

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