Mt 9, 14-17 Frage nach dem Fasten
Inhaltsverzeichnis
Parallelstellen: Mk 2,18-22; Lk 5,33-39
Vers 14 Frage zum Fasten
Mt 9,14: An einem anderen Tag kamen die Jünger des Johannes zu Jesus und erkundigten sich: Wir und auch die Pharisäer fasten regelmäßig. Warum tun deine Jünger das eigentlich nicht?
Gegen das Vergleichen
Es gibt ein Spiel, das man nur verlieren kann.
Wir spielen es gern – und die Pharisäer auch.
Wenn wir uns mit anderen vergleichen, wollen wir einerseits besser aussehen,
und deswegen sind wir stolz. Andererseits sind wir in etwas schlechter als die anderen,
und das enttäuscht und verärgert uns.
Es ist ein Spiel, bei dem man immer nur verlieren kann,
sich immer nur selbst verletzt.
Wie oft spielst du es am Tag?
Mit welchem Ergebnis?
Sebastian Jasiorkowski
Frage: Wo in meinem Leben vergleiche ich mich noch – und was würde sich verändern, wenn ich stattdessen einfach wäre, wer ich bin?
Vers 15 Der Bräutigam bei den Jüngern
Mt 9,15: Können die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen sein wird, und dann werden sie fasten.
Der Schlüssel zum Verständnis der Botschaft Jesu
Die Bibel beginnt mit einer Hochzeit im Buch Genesis, als Adam und Eva zusammengeführt werden, und sie endet mit einer Hochzeit in der Offenbarung des Johannes, wenn das Lamm seine Braut empfängt.
Erst, wenn ich die Bibel mit diesem besonderen Leseschlüssel „Gott möchte sich seine Kirche vermählen“ verstehe, kann ich erkennen, wonach Gott sich wirklich sehnt. Er strebt die bräutliche Vereinigung mit mir an, möchte ganz eins sein mit mir und mit jedem Menschen.
Welche Kraft entfaltet der göttliche Eros: Es ist die Anziehungskraft, die zwischen Gott und mir bestehen soll.
Frage: Wie spüre ich in meinem Leben die Sehnsucht Gottes nach Nähe und Einheit mit mir?
Bräutigam Jesus
Also, wir beschweren uns gern und machen gern Kommentare über andere. Aber Jesus will, dass wir froh sind! Mehr sogar! Tatsächlich glücklich will er uns, im tiefsten Sinne von Glück.
Er bezeichnet sich selbst als den Bräutigam. Soll man auf der Hochzeit traurig sein?
Und es gibt hier einen besonderen Moment, an dem wir ganz oft teilnehmen, nämlich die Eucharistiefeier. Jesus gibt sich selbst jedem von uns. Es ist dann nicht die Zeit, um sich zu beschweren, sondern um mit Gott fröhlich zu sein.
Schau einmal und frage dich: Wie kommst du zur heiligen Messe und wie gehst du weg? Mit Freude? Glaubst du, dass Gott dich wirklich froh machen will, oder meinst du, Gott will dich nur fasten sehen?
Mit Jesus ist die Freude gekommen, die messianische Zeit ist eine hochzeitliche Zeit, in der wir mit dem Bräutigam feiern dürfen. Das Schauen auf Christus, den Bräutigam, erfüllt uns mit Freude. Jesus bringt Neues, Jesu Kommen und Jesu Gegenwart bringt uns eine neue Zeit.
So muss auch unser Fasten anders sein als das der Pharisäer. Wir wissen um Jesu Gegenwart in der Welt. Wir wissen, dass wir Gottes Kinder sind und doch handeln wir nicht immer danach. Wir müssen immer wieder neu umkehren in die liebenden Arme des Vaters.
Frage: Wie offen bist du wirklich für die Freude, die Jesus in dein Leben bringen möchte, und welche kleinen Schritte könntest du heute gehen, um sie bewusst zu empfangen?
Es werden aber Tage kommen.
Oft genießen wir einfach nur das Zusammensein mit Christus. Jahrelang. Und denken nicht daran, dass dieser vertraute Umgang uns einmal für eine Zeit genommen werden könnte.
Aber kündigt mir Jesus mit seinen Worten nicht an, dass solche Tage nicht nur kommen können, sondern kommen werden? – Bin ich dann gewappnet, oder falle ich wie aus allen Wolken? Diese Krankheit, dieser Schicksalsschlag, diese alles verändernde Mitteilung!
Der Mensch ist zerbrechlich wie ein Schilfrohr, seine Existenz gezeichnet von Zerbrechlichkeit. Ein Nichts genügt, um uns abzulenken, ein Tag, um uns vergessen zu machen, ein neuer Eindruck, um scheinbar alles auf den Kopf zu stellen.
Bereiten wir uns also vor, um in Zeiten der Prüfung widerstehen zu können.
Thomas Fox
Frage: Wie kann ich mein Herz und meinen Geist so nähren, dass ich auch in Zeiten der Stille oder des Verlusts die Gegenwart Christi bewusst spüre?
Tage des Fastens
Jesu Anwesenheit gab zu ebenso großer Freude Anlass wie ein Hochzeitsfest. Aber die Freude würde nicht von Dauer sein, denn es würde die Zeit kommen, dass der Bräutigam (Jesus) von ihnen genommen würde. An jenem Tage (seiner Kreuzigung) würden die Jünger fasten, im metaphorischen Sinn von Trauern statt Fröhlich sein.
Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen sein
Fasten hat mit Abwesenheit zu tun. Jesus wird über das Fasten befragt und seine Antwort ist klar: Solange der Bräutigam (und damit meint Jesus sich selber) bei seinen Freunden ist, hat das Fasten keinen Sinn. Wenn der Bräutigam nicht mehr da ist, dann ist es Zeit zu fasten. Fasten hat also etwas damit zu tun, dass der Bräutigam genommen, abwesend ist.
Die Jünger Johannes des Täufers und die Pharisäer haben gefastet und taten dies aufgrund ihrer messianischen Hoffnung. Das Fasten sollte ihren Geist auf Gott ausrichten und auf die Ankunft des verheißenen Messias vorbereiten; deshalb fasteten sie. Sie hatten Jesus noch nicht in ihrer Mitte erkannt. Für die Jünger Jesu, die die Gnade genießen, als seine Freunde in Lebensgemeinschaft mit ihm zu leben, hat das Fasten keinen Sinn.
Unser christliches Leben verläuft in der Spannung zwischen zwei Polen: einerseits in Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus und in seiner Nähe, was uns durch die Taufe und die übrigen Sakramente geschenkt ist, andererseits aber auch in der spannungsvollen Realität, dass diese Lebensgemeinschaft noch nicht vollkommen ist, sondern erst zu ihrer Fülle gelangen muss.
Das Fasten, der Verzicht, soll eine Erinnerung daran sein, dass ich noch auf dem Weg bin; dass meine Gemeinschaft mit Gott, mit Jesus, noch nicht vollkommen ist und immer mehr wachsen kann. Es erinnert mich auch daran, dass das Leben nicht für das Materielle und für das Wohlergehen in dieser Welt geschaffen ist, sondern für die Gemeinschaft in Fülle mit Christus. Es geht um Jesus; das Fasten soll meine Sehnsucht nach Jesus, nach Gott, nähren.
Frage: Welche Sehnsucht nach Gott spüre ich in mir, die ich durch Verzicht und Stille vertiefen möchte?
Jesus verlieren und wiedergewinnen.
Jesus spricht von der Situation, „wenn ihnen der Bräutigam genommen wird” und bezieht sich auf seine Passion, sein Leiden und Sterben. Er wurde seinen Jüngern entrissen, als er festgenommen und vor den Hohen Rat gebracht wurde. Dies war der Anfang seines Leidens, das im Tod am Kreuz gipfelte.
Jesus hatte sein Leiden vorausgesagt und beim Letzten Abendmahl angekündigt, dass sein Blut für die Vergebung der Sünden vergossen wird. Was uns Jesus entreißt und was ihn leiden lässt, ist unsere Sünde. Um uns ihr zu entreißen, nimmt er das Leiden auf sich und bezahlt den Preis für die Erlösung.
Wer kennt nicht diese Momente, in denen wir der Versuchung nachgeben und fallen? Wer hat nicht schon einmal den Schmerz gespürt, dass Christus ihm entrissen wurde? Deshalb hat Jesus uns das große Geschenk der Beichte gegeben. Worum es in der Beichte geht, ist nicht nur unsere Sünde. Es geht auch um diesen Wunsch nach Versöhnung und Vereinigung, der in Jesus und in uns brennt.
Lorli Pregel
Frage: In welchen Momenten spüre ich das Bedürfnis nach Versöhnung am stärksten, und wie öffne ich mein Herz für die Gegenwart Jesu in meinem Leben?
Christusfreude
Christus bringt Glück und Freude in unser Leben. Er ist die Erfüllung all unserer Hoffnung und unserer Träume. Er bringt alles, nach dem wir uns sehnen, zur Erfüllung.
Wie kann man traurig sein, wenn man Christus gefunden hat? Er erfüllt all unser Suchen und unsere Sehnsucht. Mit ihm haben wir alles, was wir wollen. In ihm sind wir stark. In ihm sind wir mächtig.
Wenn der Bräutigam bei uns ist, wirkt er durch die Gnade in unserer Seele. Er vermittelt uns durch die Sakramente geistige Stärke und Formung. Christi Gegenwart in unserer Seele bewirkt auf geistiger Ebene das, was das Fasten zur Formung unseres Charakters auf menschlicher Ebene bewirkt: Er stärkt und reinigt.
Unser Leben darf in spürender Weise eine in den Alltag gefasste Christusfreude sein. Paul Deitenbeck
Robert DeCesare
Frage: Wie spüre ich die Gegenwart Christi in meinem eigenen Leben und welche Sehnsucht darf dadurch in mir wachsen?
Vers 16 Flicken auf altem Kleid
Mt 9,16: Niemand aber setzt einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes Kleid, denn der Flicken reißt von dem Kleid, und der Riss wird schlimmer.
Das Neue nicht einfach mit dem Alten mischen
Dieses Bild verdeutlicht, dass das Neue nicht einfach mit dem Alten vermischt werden kann. Jesus bringt das Reich Gottes, das nicht bloß eine Verbesserung des Alten Bundes darstellt, sondern etwas radikal Neues.
Gesetzlichkeit und Gnade sind nicht kompatibel. Das Gleichnis fordert dazu auf, sich für das Neue zu öffnen – für Jesu Lehre und das Evangelium der Gnade.
Wer an alten Traditionen festhält, ohne sich innerlich zu erneuern, wird den Segen des Neuen nicht erfahren.
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du das Neue zulassen und Altes loslassen, um innerlich zu wachsen?
Vers 17 Neuer Wein in alte Schläuche
Mt 9,17: Man füllt auch nicht neuen Wein in alte Schläuche, sonst zerreißen die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche verderben; sondern man füllt neuen Wein in neue Schläuche, so bleiben beide miteinander erhalten.
Erfüllung des Alten im Neuen
Jesus kam, um etwas Neues einzuführen, nicht um etwas Altes zu reparieren. Das ist es, worum es bei der Errettung geht. Dabei zerstört Jesus nicht das Alte (das Gesetz), sondern erfüllt es, so wie eine Eichel erfüllt wird, wenn sie zu einer Eiche heranwächst. In gewisser Weise ist die Eichel verschwunden, aber ihr Zweck ist in Größe erfüllt.
Alte und neue Schläuche
Alte Schläuche nennt er seine Jünger, welche noch nicht vollkommen erneuert waren. Neuen Wein nennt er die Fülle des Heiligen Geistes, und die Tiefen der himmlischen Geheimnisse, welche damals die Jünger nicht ertragen konnten.
Aber nach der Auferstehung wurden sie neue Schläuche und empfingen neuen Wein, als der Heilige Geist ihre Herzen erfüllte. Daher sagten Einige: Alle diese sind voller süßen Weines.
Goldene Perle
Frage: Welche alten „Schläuche“ in deinem eigenen Leben könnten erneuert werden, um die Fülle des Geistes wirklich zu empfangen?
Ein neues Gebot
Jesus kam nicht, um die Zehn Gebote des Alten Testaments abzuschaffen. Er kam, um auf ihnen aufzubauen. Das Alte Testament waren die alten Weinschläuche, und Christus wollte sie nicht zerreißen. Aber es gab einen neuen Wein, den er seinen Jüngern geben wollte.
Im fünften Kapitel des Matthäusevangeliums verkündigt Jesus die Bergpredigt. Die Parallele mit Moses ist klar: Moses ging auf den Berg, um die Zehn Gebote von Gott zu empfangen und seinem Volk zu bringen. Jesus, der Gott ist, predigt vom Gipfel des Berges und gibt ein neues Gesetz der Liebe, das über die Moralvorschriften des Alten Testaments hinausgeht.
Seine Jünger müssen nicht nur ihre Nächsten, sondern auch ihre Feinde lieben.
Steven Liscinsky
Frage: Wie könntest du in deinem eigenen Leben Liebe und Mitgefühl auch gegenüber Menschen zeigen, die dir schwerfallen?