Mt 6, 9-15 Das Vaterunser

Vers 9 Vaterunser: Anbetung

Mt ‭6:9‬: Ihr sollt deshalb so beten

Das Vater unser

Jesus lehrt uns, wie wir zum Vater beten sollen. Die meisten Menschen kennen diese uralt vertrauten Worte von Kindheitstagen an, eingeübt im abendlichen Gebet zusammen in der Familie.

Schon der Rhythmus des Gebets, der in vielen Sprachen gleich zu sein scheint, hilft uns, in eine Situation des Zur-Ruhe-Kommens und der Andacht zu gelangen.

Der Rhythmus der Worte, vielleicht das Falten der Hände, lässt uns für einen Moment den Alltagsfluss unterbrechen, so dass wir innehalten können.

Frage: Wann hast du zuletzt einen Moment des Innehaltens bewusst erlebt, in dem du die Nähe des Göttlichen spüren konntest?

Das Vaterunser beten

Es sind immer dieselben sieben Bitten, aber unser Leben ändert sich. So kann das Vaterunser für uns jeden Tag etwas anders sein, immer neue Bedeutungen annehmen, und so hört es nicht auf, aktuell zu sein.

Jeden Tag können wir seinen Namen auf eine neue Weise heiligen, können wir sein Reich an einer anderen Stelle verbreiten. Jeden Tag ist sein Wille für uns etwas Lebendiges.

Das Brot eines jeden Tages ist für diesen Tag bestimmt, nicht von gestern übriggeblieben, und es reicht auch nicht für morgen. Schuld, Versuchung, das Böse: Wie oft kommen sie nicht auch auf neue Weisen in unser Leben!

Das Vaterunser wird nicht alt.
László Erffa

Frage: In welchen Momenten meines Alltags kann ich das Heilige auf neue Weise wahrnehmen und erfahren, dass jeder Tag eine frische Chance für Wachstum bietet?

Vater unser – dein Name werde geheiligt – dein Reich komme.

Dieses Gebet verleiht unserem persönlichen Gebet Struktur und Inhalt. Es ist uns immer eine neue Inspiration. Versuchen wir, diese Bitten mit unserem eigenen Leben zu verbinden.

„Unser Vater“: In welchen Situationen fühle ich mich überfordert, wo glaube ich, dass ich allein auf mich gestellt bin? Vertrauen wir diese Momente unserem Vater an.

„Dein Name werde geheiligt“: Wo in meinem Leben gebe ich Gott die Ehre, und wo brauche ich noch seine Hilfe? Wo herrschen Sünde und Dunkelheit?

„Dein Reich komme“: Wo auf unserer Erde herrscht Hass, Zorn, Krieg? Laden wir den König des Universums ein, dass seine Liebe unter uns herrschen möge.

Štefan Kavecký

Frage: Welche Momente in meinem Leben darf ich heute bewusst in Gottes Hände legen, um inneren Frieden und Klarheit zu finden?

Mt 6,9: Unser Vater im Himmel!

Aufbau des Vaterunser

Das Vaterunser besteht aus sieben Bitten, die ähnlich wie die Zehn Gebote aufgeteilt sind.

Die ersten drei Bitten sind Gott zugewandt – vertikal – und die letzten vier Bitten befassen sich mit den horizontalen Beziehungen, die wir zu anderen haben.

Ebenso ist das erste große Gebot, den Herrn zu lieben, und das zweite große Gebot, den Nächsten zu lieben.

Frage: Wie kann ich heute meine Beziehung zu Gott und zu meinen Mitmenschen bewusst stärken?

Das Wir im Vaterunser

Dieses "Unser Vater" ist so wichtig! Nur in diesem Wir hören wir das Wort Gottes richtig.

Das kann auch bedeuten, auf die anderen Stimmen des Herrn zu hören, ja, uns auch leiten zu lassen von anderen Menschen, die Erfahrung mit Gott haben und uns auf diesem Weg helfen. So wächst die Fähigkeit, in den Tausenden von Stimmen heute die Stimme Gottes zu vernehmen, der immer gegenwärtig ist und immer zu uns spricht.

Dies ist ein Gebet, das sich auf die Gemeinschaft konzentriert; Jesus sagte „Vater unser“ und nicht „Mein Vater“. Das ganze Gebet ist gesellig. Das Singularpronomen fehlt.

Der Mensch tritt in die Gegenwart des Vaters ein und betet dann als Mitglied der großen Familie. Chrysostomus schreibt: Der Herr lehrt uns, gemeinsam für unsere Brüder zu beten. Denn er sagt nicht: "Mein Vater im Himmel", sondern: "Vater unser", damit unser Gebet wie aus einer Seele für den ganzen Leib der Kirche eintrete.

Frage: Wie öffnest du dein Herz, um Gottes Stimme in der Gemeinschaft klarer zu vernehmen?

Dimension der Gemeinschaft im Vaterunser

Wir können das Vaterunser nicht beten, solange wir uns von der Gemeinschaft fernhalten, nicht solidarisch sind. Es heißt ja: Gib uns unser Brot, vergib uns unsere Schuld.

Gott wollte die Gemeinschaft des Brotes, ja selbst der Sünder. Gott hat uns somit gelehrt, dass dieses Gebet notwendig geschwisterlich sei, dass man, um Sohn zu sein, Bruder bzw. Schwester sein muss. Trenn ich mich von meinen Geschwistern, dann bin ich nicht mehr Sohn bzw. Tochter. Entzieht er sich der Gemeinschaft, so ist er kein Gotteskind mehr.

In Gott sind es drei Personen, die sich lieben. Gott ist eine Gemeinschaft von Personen, Gott ist Ausströmen, und die Menschen sind nach dem Bild Gottes geschaffen worden. Man ist nicht Vater für sich allein, ebenso wenig Sohn. Man ist nicht Geist des Austauschs und der Liebe für sich allein. In Gott sind mehrere.

Hörten wir auf, Geschwister zu sein, blieben wir getrennt, so wären wir Ebenbild eines einsamen Gottes.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich die Gemeinschaft mit anderen gespürt oder vermisst, und wie kann ich diese Verbundenheit bewusst stärken?

Geist der Kindschaft

Dieses Gebet fängt damit an, womit jedes wahre Gebet anfangen muss: mit dem Geist der Kindschaft, „Unser Vater“. Es ist kein Gebet vor Gott wohlgefällig, wenn wir nicht sagen können: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.“

Dieser kindliche Geist erfasst schnell die Größe des Vaters „in dem Himmel“ und erhebt sich zu demütiger Anbetung: „Geheiligt werde Dein Name.“

Das Kind, das „Abba, lieber Vater“ spricht, wird zum gewaltigen Cherub, der da ruft: „Heilig, heilig, heilig!“
Spurgeon

Frage: Wie kannst du heute den Geist der Kindschaft in deinem eigenen Gebet oder in deinem Leben bewusst zulassen?

Kinder des Vaters

Was immer in eurem Leben geschieht, so traurig oder dunkel oder entsetzlich es sein mag, lasst schnell diese Gedanken durch euren Kopf ziehen: Gott ist mein Vater.

Gott liebt mich mehr, als alle Mütter der Welt zusammen ihre Kinder lieben können.

Mein Vater Gott ist zudem allwissend und allmächtig. Daher geschieht alles zu meinem Besten.

Ihr werdet sehen, welch tiefer Friede euch erfüllt, meine Kinder, und welches Lächeln auf eurem Gesicht erscheint, selbst wenn euch Tränen über die Wangen fließen.

Welche Zuversicht, welche Ruhe und welchen Optimismus wird es euch geben, inmitten von Schwierigkeiten zu spüren, dass ihr Kinder eines Vaters seid.

Josefmaria

Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du die Gegenwart deines göttlichen Vaters am stärksten, und wie verändert dies deine Sicht auf Schwierigkeiten?

Vater unser

Wir können nichts Wichtigeres tun, als an jedem Morgen unseres Lebens mit der Erinnerung daran aufzuwachen, dass der Eine, der alles Bestehende erschaffen hat und lenkt, sich aus Gnade zu unserem Vater gemacht hat.

Er denkt an jeden von uns mit reiner und treuer Vaterliebe. Er handelt an uns mit der schenkenden, versorgenden, unterweisenden, geduldigen und vergebenden Liebe eines perfekten Vaters.

Er ist immer bei uns. Seine Hand liegt immer auf uns. Er hört nie auf, über uns zu wachen. Sein Herz ist immer für uns (Röm. 8,31).

Er arbeitet zu aller Zeit daran, Seine Pläne für uns und durch uns zu vollenden. Er trägt unsere Lasten und erleichtert unsere Bürde.

Er ist dein Gott, dein Retter, dein Freund – dein Vater. Nichts kann jemals wieder so sein wie früher, denn jetzt lebst du im Haus des Vaters, wo jeder Raum von Seiner herrlichen Gnade geschmückt ist.

Frage: Wie kann ich heute bewusst die Gegenwart und Liebe meines himmlischen Vaters in meinem Leben wahrnehmen und darauf antworten?

Den Vater ansprechen

Meint ihr, für eine ausgegossene Seele liege nicht viel daran, zu sehen, dass sie nicht in den Himmel zu gehen braucht, um mit ihrem Ewigen Vater zu sprechen?

Sie braucht nur ihn in großer Demut wie einen Vater anzusprechen, wie einen Vater zu bitten, es sich wie bei einem Vater gutgehen zu lassen.

Frage: Wie oft öffnest du dein Herz in stiller Demut und vertraust darauf, dass die Verbindung zu deinem Inneren und zu deinem Ursprung bereits jetzt lebendig ist?

Im Himmel:

Er sagt ferner: Der du bist in dem Himmel, damit wir wissen, dass wir einen himmlischen Vater haben, und dass sich die, welche einen Vater im Himmel haben, schämen, sich dem Irdischen zu ergeben.

Wenn er also sagt: In dem Himmel, will er Gott nicht dort einschließen, sondern den Betenden von der Erde abziehen und in die höheren Gebiete versetzen.

Goldene Perle

Frage: Wie kannst du im Alltag deine Gedanken und Handlungen mehr an dieser höheren Verbindung ausrichten, anstatt dich vom Irdischen einnehmen zu lassen?

Im Himmel

Wir ergänzen: „im Himmel“. Unsere Lebenszeit ist fortan nur noch ein Exil, und diese Erde ist ein fremdes Land, das uns von unserem Vater trennt.

Lasst uns fliehen und mit der ganzen Glut unserer Sehnsucht hin zu dem Ort eilen, von dem wir bekennen, dass dort unser Vater wohnt!

Sind wir einmal zu dieser Würde der Kinder Gottes gelangt, so werden wir sofort von der Zärtlichkeit entflammt, die die Herzen aller guten Kinder erfüllt; und, ohne länger an unsere Interessen zu denken, haben wir nur noch Leidenschaft für die Ehre unseres Vaters.

Johannes Cassianus

Frage: Wie spüre ich die Sehnsucht nach meinem wahren geistigen Zuhause in meinem eigenen Leben?

Mt 6,9: Geheiligt werde dein Name.

Den Namen Gottes heiligen

Durch unser Leben können wir den Namen Gottes heiligen. Wenn der Mensch in der Nachfolge Jesu lebt und seinem Gebot der Liebe folgt, dann wird Gottes Name in der Welt geheiligt.

Gottes Name wird sichtbar im Menschen, der sich nach seinem heiligen Willen richtet.

Gregor von Nyssa schreibt: Wer betet: Geheiligt werde dein Name, spricht zu Gott etwa in diesem Sinn: Hilf mir mit deiner Gnade, dass ich untadelig, gerecht, gottesfürchtig werde, ein Mensch, der sich jeder schlechten Tat enthält, der die Wahrheit redet, Gerechtigkeit übt, in Ehrlichkeit wandelt, durch Keuschheit leuchtet, mit Weisheit und Mäßigung sich schmückt, nach dem trachtet, was oben ist, das Irdische gering achtet, ein engelgleiches Leben führt.

Frage: Wie kann ich heute in meinem Alltag Gottes Namen in kleinen Handlungen und Gedanken sichtbar machen?

Bitten um die eigene Heiligung: Auch um unsere Heiligung bitten wir täglich. Denn wir bedürfen einer beständigen Heiligung, damit wir, die wir täglich sündigen, unsere Vergehen durch eine beständige Heiligung tilgen. Goldene Perle

Geheiligt werde dein Name

Was bedeutet das? Der Name Gottes wird geheiligt, wenn Gott selber in uns gegenwärtig wird, in uns lebt und wir aus ihm leben. Wir bitten darum, dass wir durch unser Leben das, was wir im Gottesdienst tun, fortsetzen: die Heiligung des Namens Gottes, damit er in der Welt sichtbar werde.

Gottes Name ist heilig. Der Begriff "Name" bedeutet im biblischen Sprachgebrauch das Wesen, die Wirklichkeit der Person selbst. Den Namen Gottes heiligen heißt: ihn als heilig anerkennen, ihn nicht missbrauchen für eigene Zwecke. Nicht wir machen ihn heilig, er ist heilig, sondern wir bitten, dass seine Heiligkeit auch unser Leben prägt.

Benedikt XVI

Achten Sie darauf, in Ihren täglichen Stürmen still zu werden und Ihren Blick auf Gott zu richten. Dann werden Sie erkennen, dass Gott Gott ist, und Sie können nicht umhin zu bekennen: Geheiligt werde dein Name. Max Lucado

Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich Gottes Heiligkeit besonders bewusst wirken lassen?

Vers 10 Gottes Reich & Wille

Mt 6,10: Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.

Gottes Wille geschehe

Gott soll unsere Entscheidungen bestimmen, nicht unser Eigenwille. Der Wille Gottes möge in uns geschehen.

Das Beten um das Geschehen des Willens Gottes ist ein Ringen mit dem Vater, dass ich nicht weiter meine Vorstellungen durchsetzen will, sondern dass Gottes Bild von mir und meinem wahren Wesen erkennbar und in mir verwirklicht wird.

Die Bibel zeigt auf, wie Jesus dem Willen des Vaters gegenüber gehorsam ist. Die Bitte, dass Gottes Wille geschehe, ist daher auch ein Weg zur innigen Gemeinschaft mit Jesus. Wir bitten darum, dass wir uns wie Jesus auf Gottes Willen einlassen können.

Mit Faustinas Worten: Alles, was auf mich zukommt, nehme ich als Gabe des liebenden Willens Gottes an, der aufrichtig mein Glück will.

Frage: Wie offen bin ich bereit, Gottes Willen in meinem Leben wirken zu lassen und mein eigenes Verlangen zurückzutreten?

Andacht von Franz von Sales

Fügen wir uns dem heiligsten Willen Gottes und singen wir Gott in einem Hymnus ewiger Einwilligung: Dein Wille geschehe!

Ja, Herr, Dein Wille geschehe auf Erden, wo es keine Freuden ohne Beimischung irgendeines Schmerzes gibt, keine Rosen ohne Dornen, keinen Tag ohne darauffolgende Nacht, keinen Frühling ohne vorhergegangenen Winter; auf Erden, Herr, wo die Tröstungen selten, die Mühsale aber unzählbar sind.

O Gott, trotzdem geschehe Dein Wille, nicht nur durch Ausführung Deiner Gebote und Eingebungen, die von uns befolgt werden müssen, sondern auch im Erleiden der Trübsale und Beschwernisse, die wir auf uns nehmen sollen, damit Dein Wille durch uns, für uns, in uns und an uns alles vollbringe, was ihm wohlgefällig ist.

Franz von Sales

Frage: In welchen Momenten deines Lebens kannst du den Willen Gottes besonders spüren, auch wenn er mit Herausforderungen verbunden ist?

Andacht von Teresa von Avila

Uns ganz in die Hände des Schöpfers zu überantworten, unseren Willen dem seinen zu unterwerfen, uns von den geschaffenen Dingen zu lösen.

Das also ist die vollkommene Kontemplation. In ihr braucht es keine Anstrengungen und keine Wissenschaft von unserer Seite. Es reicht, wenn wir sagen: Dein Wille geschehe!

Verfüge über mein ganzes Sein, wie es deinem Willen entspricht, als sei es schon ganz dir übereignet. Dein bin ich, von dir geschaffen, dein, weil du mich erlöst, dein, weil du mich geduldet hast, dein, weil du mich gerufen, dein, weil du mich erwartet hast, dein bin ich.

Sag, was hast du vor mit mir?

Frage: Wo in meinem Leben kann ich meinen eigenen Willen loslassen und mich vertrauensvoll dem Wirken des Göttlichen überlassen?

Andacht von Anselm Grün

Wir können es nicht sehen. Es ist innerlich. Es ist auf der Innenseite unserer Seele. Es ist der innere Raum der Stille, den jeder Mensch in sich trägt.

Oft ist dieser Raum aber durch den Lärm unserer Gedanken oder durch den Lärm dieser Welt zugestellt. Im Gebet sollen wir in diesen Raum der Stille gelangen, in dem Gott in uns wohnt und herrscht.

Dort, wo Gott in uns herrscht, sind wir frei. Dort haben Menschen keine Macht über uns. Ihre Ansprüche, ihre Erwartungen und ihre Urteile können in den Raum der Stille nicht eindringen. Auch unsere eigenen Selbstentwertungen, unsere Sorgen und Ängste und unsere Schuldgefühle haben dort keinen Zutritt.

Die Bitte um das Reich Gottes ist letztlich die Bitte um die mystische Erfahrung des inwendigen Reiches, des innersten Heiligtums der Seele, in dem wir eins sind mit Gott und durch ihn frei und heil und lauter und ursprünglich und echt.
Anselm Grün

Wenn dein Reich anbricht, fliehen Trauer und Jammer. Dafür kommen Leben, Friede und Freude. Gregor von Nyssa

Frage: Wie kann ich heute bewusst in meinen inneren Raum der Stille treten und Gottes Gegenwart in mir erfahren?

Die ersten drei Bitten im Zusammenhang

Betrachten wir zunächst, dass diese ersten drei Bitten an Gott eine einzigartige Beziehung zur Gottheit haben.

Die erste Bitte befasst sich mit dem Vater: „Unser Vater … geheiligt werde dein Name.“

Die zweite Bitte richtet den Blick auf das „Königreich“; dies ist der Sohn. Jesus sprach viele Gleichnisse über den Sohn, der ein Königreich empfangen und als König der Könige zurückkehren würde. Ohne ihn könnten wir nicht einmal zum Vater gelangen.

Und was „deinen Willen“ betrifft – wer führt uns in den Willen Gottes? Es ist der Geist, der uns den Willen Gottes und die Liebe zu Christus einprägt. Der Geist verleiht die Kraft, den Willen Gottes zu tun.

So sind der Vater, der Sohn und der Geist in den ersten drei Bitten des Vaterunsers auf besondere Weise dargestellt.

Frage: Wie offen bin ich dafür, die Führung von Vater, Sohn und Geist in meinem eigenen Leben bewusst wahrzunehmen?

Vers 11 Tägliches Brot

Mt 6,11: Gib uns heute unser tägliches Brot.

Der Glaube als das tägliche Brot

Glaube ist keine Sache, die man anfängt und dann für immer hat. Glauben empfangen wir von Gott immer nur so viel, wie wir für den gegenwärtigen Tag gerade brauchen.

Der Glaube ist das tägliche Brot, das Gott uns gibt. An uns liegt es, diesen Glauben im Vertrauen anzunehmen. Vertrauen muss eingeübt werden. Immer wieder neu. Nur so kann es wachsen.

Allerdings kannst du nicht einfach beschließen, von heute an zu vertrauen. Vertrauen muss wachsen. Mein Glaube wurde vor allem durch Erfahrungen gestärkt, wo ich das ganz konkret im Kleinen wie im Großen erlebt habe. Durch die Erinnerung daran wächst und vertieft sich mein Glaube.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich schon erlebt, dass Vertrauen in Gott mich getragen hat, und wie kann ich daran heute bewusst anknüpfen?

Materielles und geistiges Verständnis

Diese Bitte kann wörtlich verstanden werden. Seien wir dankbar für die Nahrung, die uns am Leben erhält. Lasst uns nie um Reichtum beten. Und seien wir immer ganz im Heute und hüten uns vor der Sorge des Morgens.

Diese Bitte kann ebenso geistig verstanden werden. Christus ist das Brot des Lebens. Wir bitten darum, dass wir eins mit ihm seien, dass er sich uns selbst jeden Tag neu gibt. Dass uns Christus, das Brot des Lebens, täglich zuteil werde, darum bitten wir, damit wir, die wir in Christus sind und seine Eucharistie täglich empfangen, vom Leib Christi nicht getrennt werden.

Der den Tag dir gibt, der gibt dir auch das, was zu dem Tage gehört. Gregor von Nyssa

Frage: Wie offen bin ich dafür, das tägliche Geschenk des Lebens und der geistigen Nahrung bewusst zu empfangen?

Der Glaube beginnt im Leben

Das Gebet des Vaterunser hat seine Wurzeln in der konkreten Wirklichkeit des Menschen. Es lässt uns beispielsweise um Brot bitten, um das tägliche Brot: eine einfache, aber wesentliche Bitte, die besagt, dass der Glaube keine Dekoration, keine vom Leben losgelöste Frage ist, die dann zum Einsatz kommt, wenn alle anderen Bedürfnisse gestillt sind.

Vielmehr beginnt das Gebet mit dem Leben selbst. Das Gebet – das lehrt uns Jesus – beginnt im menschlichen Leben nicht, nachdem der Magen gefüllt ist. Vielmehr nistet es sich überall dort ein, wo ein Mensch ist, irgendein Mensch, der Hunger hat, der weint, der kämpft, der leidet und sich fragt: warum?

Jesus will in seinem Gebet das Menschliche nicht auslöschen. Er will nicht, dass wir die Fragen und Bitten zurücknehmen und lernen, alles zu ertragen. Vielmehr will er, dass alles Leiden, alle Unruhe zum Himmel aufsteigt und zum Dialog wird.

Papst Franziskus

Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute mein Leiden oder meine Fragen im Gebet zum Himmel bringen, um echten Dialog zu erleben?

Mt 6,11: Gib uns auch heute, was wir zum Leben brauchen.

Im Heute leben

Gott möchte, dass wir die Gegenwart erleben können und nicht bereits auf den nächsten Tag schauen. Im Heute zu leben fällt uns so schwer, weil wir oft mit den Gedanken entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft sind. Sorgen, Ängste und all das halten uns davon ab, die liebende Gegenwart Gottes in meinem Jetzt zu erkennen.

Was ist das, was mich gerade am meisten daran hindert, im gegenwärtigen Moment zu leben?

Darum bete ich: Jesus, gestern ist vergangen und morgen „ist“ noch nicht, doch heute will ich sagen: ich liebe dich. In meinem Hier und Jetzt vertraue ich dir, und ich gebe dir all meine Ängste und meine Sorgen.

Raphaela Kloiber

Frage: Woran merke ich, dass ich wirklich im Hier und Jetzt mit Gott verbunden bin, und wie kann ich diesen Moment intensiver wahrnehmen?

Vers 12 Vergebung der Schuld

Mt 6,12: Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern.

Bitte um Vergebung

Die Bitte um die Vergebung führt uns auch tief hinein in das Geheimnis Jesu Christi. Jesus selbst hat Menschen die Vergebung der Sünden zugesprochen. Er hat Sünderinnen und Sündern immer wieder Mut gemacht, an Gottes Vergebung zu glauben.

Am Kreuz wird Gottes vergebende Liebe für uns am klarsten sichtbar. Die Bitte Jesu am Kreuz ermöglicht es uns, unseren Brüdern und Schwestern zu vergeben. Wir können mit Jesus für sie beten: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Dann werden wir ihnen ihr Tun nicht mehr vorwerfen. Wir spüren, dass sie in der Tiefe ihres Herzens nicht gewusst haben, was sie uns mit ihren Worten oder ihrem Verhalten angetan und wie sehr sie uns verletzt haben.

Anselm Grün

Frage: Wie leicht fällt es mir, die Menschen, die mich verletzt haben, wirklich loszulassen und ihnen im Herzen zu vergeben?

Vergebung ist oft ein langer Weg

Verletzungen erzeugen Schmerz oder Wut. Solange dieser Schmerz, diese Wut in dir steckt, ist Vergebung nicht möglich.

Vergebung steht immer am Ende der Wut und nicht am Anfang. Der Schmerz und die Wut muss gefühlt werden und darf nicht verdrängt werden: wir sind Menschen! Gefühle lassen sich nicht kontrollieren und bestimmen.

Vergebung kann oft ein längerer Weg sein, auf dem sich Schmerz und Wut in Empathie und Liebe verwandeln. Nur dann kann sich echte Vergebung ereignen.

Echte Vergebung ist es, wenn man an die andere Person denken und sich erinnern kann, ohne Ärger, Zorn, Bitterkeit, Schmerz, Tränen, ohne ihr etwas nachzutragen.

Frage: Welche Gefühle in dir blockieren vielleicht noch die Fähigkeit zu wahrer Vergebung, und wie könntest du ihnen mit Mitgefühl begegnen?

Schulden erlassen

Die Liebe erträgt alles. Die wahre göttliche Liebe lässt uns auch aus tiefer Verletzung heraus anderen verzeihen. Wir Menschen sind fähig, anderen zu verzeihen – auch wenn uns Unrecht getan wird.

Auch wenn die Forderung nach Gerechtigkeit in unserem Herzen überhandnehmen will, kann die Liebe zu einem Menschen uns zu einem Akt des Verzeihens verhelfen. Wie ist das möglich?

Je mehr wir selber Vergebung erfahren, je mehr wir seine Stimme in unserem Herzen hören und seinen Geist wirken lassen, desto ähnlicher werden wir ihm. Das ist ein Gesetz des geistlichen Lebens.

Durch die Taufe ist es uns möglich. Wir sind als Kinder Gottes wiedergeboren (siehe KKK 1213). Wir leben jetzt schon im göttlichen Leben.

Je mehr ich als Christ danach strebe, Jesus nachzuahmen, desto ähnlicher werde ich ihm. Das gibt mir die Kraft, anderen zu verzeihen, auch wenn sie im Unrecht sind.

Ilona Kies

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens fällt es mir schwer zu vergeben, und wie könnte ich Gottes Liebe dort wirken lassen?

Vergib wie auch wir vergeben

Wer betet: Vergib uns unsere Sünden, bittet um die Kraft zur Umkehr und wird hineingenommen in die Bewegung der göttlichen Barmherzigkeit.

Gott ist Liebe. Er liebt uns, weil er gut ist, nicht weil wir gut sind.

Der Mensch braucht die Vergebung. Sie ist die tiefste Form der Liebe. Der Mensch, der Gott in dieser Vergebung seiner Sünden begegnet, wird fähig, auch selbst zu vergeben.

Im Vaterunser bekennen wir unseren Willen zu vergeben. Ja, dies ist oft schwer, weil Verletzungen tief sein können, aber Gott sieht unser Bemühen. Wenn wir es dann doch schaffen, von Herzen zu vergeben, dann befreit uns das von viel negativer Energie. Vergebung reinigt.

Das Vaterunser erinnert uns auch daran, dass wir immer wieder selbst schuldig werden und auf Vergebung angewiesen sind.

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du heute bewusst um Vergebung bitten oder selbst vergeben, um inneren Frieden zu erfahren?

Andacht von Johannes Cassianus

Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern! O unaussprechliche Güte Gottes!

Er gibt uns damit nicht nur ein Modell, wie wir beten sollen, er stellt nicht nur die Lebensregel auf, nach der wir in seinen Augen Gefallen finden können; diese Formel, die er uns lehrt und von der wir nach seinem Gebot beim Beten beständig Gebrauch machen sollen, stellt selbst eine Mahnung dar, mit der er geradezu zwangsläufig die Wurzeln des Zornes und der Traurigkeit aus uns herausreißt.

Damit nicht genug: Er gibt uns die Gelegenheit und macht es uns leicht, ihn durch dieses Gebet zu einem nachsichtigen und barmherzigen Urteil über uns zu bewegen; er gibt uns gewissermaßen die Macht, selbst den Urteilsspruch, der uns erwartet, zu mildern und ihn durch das Beispiel unserer eigenen Nachsicht zur Vergebung zu verpflichten, wenn wir zu ihm sagen: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben haben.“

Kraft dieses Gebetes wird jener die Verzeihung seiner Sünden mit Zuversicht erbitten, der sich seinen Schuldnern gegenüber vergebungsbereit gezeigt hat. Wollen wir mit Milde gerichtet werden, dann lasst uns auch selbst denen gnädig sein, die uns Unrecht getan haben. Es wird uns in dem Maß vergeben werden, wie wir denen vergeben, die uns Böses getan haben, worin auch immer ihre Bosheit bestanden haben mag.

Cassianus

Welch eine Befreiung ist es, wenn man vergeben kann. Corrie Ten Boom

Frage: Wo in meinem Leben halte ich noch an Groll fest, und wie könnte ich durch Vergebung mein Herz befreien?

Vers 13 Versuchung & Erlösung

Mt 6,13: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen

Führe uns nicht in Versuchung

Gott versucht niemanden zum Bösen. Die Versuchung kommt von anderswo. Es ist eine Bitte um Hilfe, dass wir nicht in Situationen geraten, in denen wir der Sünde erliegen würden.

In der Versuchung geht es letztlich darum, ob wir Gott mehr trauen als den Verlockungen des Augenblicks. Wir bitten darum, dass uns nicht das Maß überschritten werde, das uns tragen lässt. Dass Gott nicht von uns lasse, dass er uns an der Hand nehme.

Wenn wir den Herrn bitten: Führe uns nicht in Versuchung, sagen wir ihm: Ich weiß, dass ich der Prüfung nicht gewachsen bin, dass ich der Versuchung unterliegen würde, dass ich der Kraft des Bösen nicht gewachsen bin.

Die Bitte bedeutet: Ich weiß, dass ich dich brauche, dass ich deinen Schutz brauche. Dass du mich nicht allein lassen sollst. Rechne nicht mit meiner Stärke. Lass mich nicht den Weg allein gehen.

Die Bitte schließt daher die Erkenntnis unserer Schwäche ein. Wir müssen um eine Wachsamkeit bitten, die Herz und Verstand klärt.

Benedikt XVI

Frage: Wie bewusst bin ich mir meiner eigenen Schwächen, und wie öffne ich mein Herz dafür, göttliche Führung in Versuchungen zuzulassen?

Das Böse in uns

Wenn der Geist Gottes dich überführt und du beginnst zu beten: „Errette uns von dem Bösen!“, dann gestehst du dir ein, dass das Böse, das die größte Gefahr für dich ist, das Böse in dir ist.

Du gibst zu, dass du dem Bösen an einem bestimmten Ort entfliehen kannst; du kannst eine böse Situation vermeiden, und du kannst vor einer bösen Person weglaufen, aber du kannst nicht vor dir selbst davonlaufen.

Nur der Herr Selbst hat die Kraft, dich von deinem Ich zu retten und dich von dem bedrohlichsten aller Bösen zu befreien: von dem Bösen, das dein Herz so leicht umstrickt.

Flehe um diese Gnade!

Frage: Welche Schatten in dir wartest du darauf, dass Gottes Licht sie berührt und verwandelt?

Wer ist gemeint mit Erlöse uns von dem Bösen?

Mit dem Bösen im Vaterunser ist nicht eine negative geistige Kraft oder Energie gemeint, sondern der Böse in Person, den die Heilige Schrift unter den Namen Versucher, Vater der Lüge, Satan oder Teufel kennt.

Niemand wird leugnen, dass das Böse in der Welt von verheerender Gewalt ist, dass wir von teuflischen Einflüsterungen umgeben sind, dass in der Geschichte oft dämonische Prozesse ablaufen. Nur die Heilige Schrift nennt die Dinge beim Namen: „Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt“ (Eph 6,12).

Die Vaterunser-Bitte, vom Bösen erlöst zu werden, trägt das ganze Elend dieser Welt vor Gott und fleht darum, dass Gott, der Allmächtige, uns von allen Übeln befreit, wie es auch im Embolismus zum Ausdruck kommt.

Frage: Wo in meinem eigenen Leben spüre ich die Notwendigkeit, mich von negativen Einflüssen oder inneren Schatten befreien zu lassen?

Erlöse uns vom Bösen

Das Böse begegnet uns in unserer Welt, aber ebenso in unserem Innern. Wir kennen es doch alle immer wieder: böse Gedanken, in die Irre führende Begegnungen, sinnlose Leiden, Drangsale und der böse Trieb.

Es als gegeben hinnehmen? So bin ich halt! Nein! Unser Leben ist immer auch geistlicher Kampf. Unterwerfen wir daher nach besten Kräften unseren freien Willen der ewig der himmlischen Liebe auf.

Franz von Sales schreibt: Nie hat mein Wille soviel Leben als im Augenblick, wo er sich selbst stirbt, und nie ist mein Wille so tot, als wenn er für sich selbst lebt.

Machen wir uns zu Sklaven der Liebe.

Frage: Wo in meinem Inneren spüre ich Widerstand gegen die Liebe, und wie könnte ich ihn heute loslassen?

Zitate zum Vaterunser

Simone Weil: Es ist unmöglich, das Vaterunser zu sprechen und dabei auf jedes Wort die ganze Aufmerksamkeit zu richten, ohne dass in der Seele eine vielleicht unendlich kleine, aber tatsächliche Veränderung bewirkt wird.

Teresa von Avila: Welch erhabene Vollkommenheit liegt in diesem Gebet! Wie sehr erkennt man darin die göttliche Weisheit dessen, der es verfasst hat! Wie dankbar müssen wir dafür sein! Es reißt mich zur Bewunderung hin, wie es in so wenigen Worten alles enthält, was zur Vollkommenheit und Beschauung gehört.

Matthias Claudius: Je länger man das Vaterunser betet, je mehr sieht man ein, wie wenig man es versteht, und wie wert es ist, verstanden und bedacht zu werden, um unbekannten Schätzen auf die Spur zu kommen.

Welches Wort von diesem Gebet bewegt mich am meisten?

Ich nehme mir etwas Zeit, darüber nachzudenken.
Welche Gedanken kommen mir?
Zu was lädt es mich ein?

Ich spreche diese Worte langsam und mit Liebe aus.

Ich kann es so machen, dass ich mir dabei vorstelle, wie ich in der innigen Beziehung zum Vater bin.
Ich bleibe in Seinen Armen,
ich knie demütig vor Ihm,
ich strecke zu Ihm meine Hände aus …

Welches Bild ist mir am Vertrautesten?

P. Wons

Frage: Welche Bilder oder Gefühle spüre ich, wenn ich mich ganz der Nähe des Vaters hingebe, und wie verändern sie mein Inneres?

Vers 14-15 Vergebung untereinander

Mt 6,14: Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer Vater im Himmel euch auch vergeben.

Vergeben, um Vergebung zu erlangen

Jesus betont die Wichtigkeit der Vergebung. Der erste Johannesbrief erinnert uns daran, dass wir alle Sünder sind (vgl. 1,8).

Ein wesentliches Merkmal christlichen Lebens ist die Erfahrung von Jesu liebendem Erbarmen. Wir können es wirklich nur erfahren, wenn wir selbst Barmherzigkeit üben.

Wir können einen Fallschirmspringer, der aus einem Flugzeug springt, bewundern, wir werden dessen Erfahrung aber erst dann verstehen können, wenn wir selbst mit dem Fallschirm springen. Wir verstehen die wahre Bedeutung der Barmherzigkeit erst, wenn wir anderen vergeben.

Unser Erbarmen wird nicht dasselbe wie das von Christus sein: Er hat niemals gesündigt, und darum vergibt er uns, auch wenn wir seine Vergebung nicht verdienen. Wenn Christus uns vergeben hat, wie können wir es dann wagen, anderen nicht zu vergeben?

P. Josè LaBoy

Frage: In welchen Situationen fällt es dir am schwersten zu vergeben, und wie könnte das bewusste Üben von Barmherzigkeit dein Herz verändern?

Worte der Wüstenväter

Ein Bruder hatte sich etwas zuschulden kommen lassen. Als er nun von seinen Brüdern deswegen gescholten wurde, ging er fort. Die Brüder aber folgten ihm nach, um ihn zurückzuholen, und begannen, ihm seine Vergehen von neuem vorzuhalten. Er aber bestritt seine Schuld nicht.

Da gesellte sich ein Altvater zu ihnen, der ihnen folgendes Gleichnis erzählte: Ich sah am Flussufer einen Mann bis zu den Knien im Schlamm stecken. Und als einige kamen, um ihn mit hingestreckter Hand herauszuziehen, sanken sie selbst bis zum Halse ein.

Betroffen von seinen Worten taten die Brüder Buße und riefen den, der davongegangen war, in ihre Gemeinschaft zurück.

Frage: Welche „Schlammstellen“ in deinem eigenen Leben halten dich fest, und wer könnte dir helfen, ohne selbst darin zu versinken?

Mt 6,15: Wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Es liegt an mir!

Die Großzügigkeit (oder Kleinlichkeit), die ich anderen gegenüber an den Tag lege, wird das Maß sein, das Gott einmal an mich anlegen wird, wenn ich ihm gegenüberstehe.

Das ist erschreckend und beruhigend zugleich! Gott nimmt mich so ernst, dass er mein eigenes Verhalten als Maßstab für sich heranzieht.

Das bedeutet: Ich habe es in der Hand, wie meine Ewigkeit aussehen wird.

Und wir brauchen uns keine Sorgen zu machen: Wenn wir Menschen guten Willens sind, kommt es nicht auf die perfekte Umsetzung an. „Man nehme den Willen für die Tat“, sagte meine Großmutter immer.

Beate Scheilen

Frage: Wie spiegelt sich dein Umgang mit anderen in deinem eigenen inneren Frieden und deiner spirituellen Haltung wider?