Mt 5, 43-48 Über die Feindesliebe

Vers 43 Gebot der Nächstenliebe

Mt 5,43: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.

Bezug auf Lev 19,18

Während das Alte Testament die Nächstenliebe betont (Lev 19,18), findet sich der Satz „deinen Feind hassen“ dort nicht explizit. Jesus kritisiert hier eine verbreitete Fehlinterpretation und fordert stattdessen bedingungslose Liebe, selbst für Feinde.

Damit zeigt er Gottes Barmherzigkeit und lädt seine Jünger ein, in ihrer Liebe vollkommen zu sein, wie der Vater im Himmel vollkommen ist (Mt 5,48). Diese Radikalität der Liebe macht das Reich Gottes sichtbar.

Frage: Wie könntest du in deinem eigenen Leben Orte oder Menschen finden, an denen du die Radikalität der Liebe bewusst einüben könntest?

Vers 44 Feindesliebe

Mt 5,44: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen.

Andacht für dein Leben

  • Du sollst deinen Feinden nicht mit Hass begegnen, sondern ihnen Gutes tun. Wenn jemand dir etwas Böses antut, reagiere mit Liebe und Vergebung, statt mit Wut und Rache.
  • Du sollst für deine Feinde beten. Anstatt dich über sie zu ärgern, überlasse es Gott und bitte um Veränderung in ihrem Leben. Dadurch verhinderst du, dass Hass in deinem Herzen Wurzeln schlägt.

Wer ist nun der Feind?

Feind kommt vom althochdeutschen fiant, was Hass bedeutet. Viele von uns haben Gott sei Dank keinen, den sie hassen. Aber wir haben sicher Menschen, die wir nicht unbedingt mögen und die uns immer wieder herausfordern.

Feindesliebe bedeutet, immer wieder in der Kraft Gottes ein Gegengewicht zu dieser Abneigung aufzubauen. Es ist sicher mühsam, aber es geht: den anderen segnen, ihm Gutes wünschen, nicht über ihn mit Dritten lästern und vieles mehr.

Beschreiten wir diesen Weg, erfüllen wir weniger eine moralische Forderung, sondern verbinden uns dadurch vielmehr innigst mit Gott, der die Liebe ist.

Frage: Wie könnte es dein Herz verändern, wenn du bewusst Menschen segnest, die dir schwerfallen?

Die christliche Revolution

Papst Benedikt sagte einmal, dass die Feindesliebe den Kern der »christlichen Revolution« bilden würde.

Diese Revolution gründet nicht auf wirtschaftlicher und politischer Macht oder auf der Macht der Medien, nicht auf menschlichem Kalkül oder Strategien, wie wir fälschlicherweise meinen könnten.

Worin besteht die Revolution der Liebe denn dann? Es handelt sich um ein Geschenk Gottes, das nicht auf unseren menschlichen Ressourcen beruht. Nur indem wir seiner barmherzigen Güte vorbehaltlos vertrauen, machen wir uns bereit für den Empfang dieses Geschenkes.

Darin besteht die Neuheit des Evangeliums, die die Welt verändert, ohne großen Lärm zu machen. Das ist das Heldentum der „Kleinen“, die an die Liebe Gottes glauben und sie auch verbreiten.

Gehöre ich zu diesen „Kleinen“?

Michaela Weimann

Frage: Wie offen bin ich dafür, Gottes Liebe bedingungslos anzunehmen und selbst weiterzugeben, ohne auf Anerkennung oder sichtbare Erfolge zu warten?

Revolution der Beziehungen

Liebt eure Feinde. Aber das ist doch völlig unmöglich, sagen uns unser Bauchgefühl und unsere Erfahrungen. Wie könnte ich jemanden lieben, der mich ablehnt, mir schadet oder mich aus dem Weg räumen will! Undenkbar!

Doch auch die Psychologie hat diese Wahrheit erkannt: Wir schaden nicht nur anderen, sondern auch uns selbst, wenn wir in uns Empfindungen der Rache und des Hasses zulassen. Nur die Entscheidung zu vergeben, führt zur Lösung. Das ist – in konstruktiver Weise – revolutionär.

Frage: In welchen Momenten halte ich an Groll fest, und wie würde sich mein innerer Frieden verändern, wenn ich bereit wäre zu vergeben?

Andacht von Papst Franziskus

Das ist die christliche Neuheit. Das ist der christliche Unterschied. Beten und lieben. Der Herr fordert von uns den Mut einer Liebe ohne Berechnung. Wie oft haben wir seine Forderung missachtet, wenn wir uns so wie alle verhalten haben! Und doch ist das Liebesgebot nicht eine bloße Provokation, es bildet das Herzstück des Evangeliums.

Kümmere dich nicht um die Bosheit des anderen, desjenigen, der schlecht über dich denkt. Beginne hingegen, aus Liebe zu Jesus dein Herz abzurüsten. Denn wer Gott liebt, hat im Herzen keine Feinde. Es wird uns heute guttun, uns selbst diese Worte zu wiederholen und sie auf die Personen anzuwenden, die uns schlecht behandeln, die uns stören, bei denen wir Mühe haben, sie aufzunehmen, die uns die Ruhe nehmen.

Liebt eure Feinde. Kümmere dich nicht um die Bosheit des anderen, desjenigen, der schlecht über dich denkt. Beginne hingegen, dein Herz aus Liebe zu Jesus abzurüsten. Denn wer Gott liebt, hat im Herzen keine Feinde. Der Herr weiß sehr wohl, dass die Feindesliebe unsere Möglichkeiten überschreitet, doch dafür ist er Mensch geworden: nicht um uns so zu lassen, wie wir sind, sondern um uns in Männer und Frauen zu verwandeln, die zu einer größeren Liebe fähig sind, der Liebe seines und unseres Vaters.

Das ist die Liebe, die Jesus denen schenkt, die ihm zuhören. Und dann wird es möglich! Dank seiner Liebe, dank seines Geistes können wir auch die lieben, die uns nicht lieben, selbst diejenigen, die uns Böses antun. Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.

Das ist die christliche Neuheit. Das ist der christliche Unterschied. Beten und lieben: Das ist das, was wir tun müssen; und nicht nur gegenüber denjenigen, die uns mögen, nicht nur unseren Freunden gegenüber, nicht nur unserem Volk gegenüber. Denn die Liebe Jesu kennt keine Grenzen und keine Schranken.

Der Herr bittet uns um den Mut einer Liebe ohne Kalkül. Denn das Maß Jesu ist die Liebe ohne Maßen. Wie oft haben wir seine Bitten missachtet, als wir uns wie alle verhalten haben! Und doch ist das Liebesgebot nicht eine bloße Provokation, es bildet das Herzstück des Evangeliums.

Wir können keine Ausreden hinsichtlich der Liebe zu allen annehmen, wir predigen keine bequeme Behutsamkeit. Der Herr war nicht behutsam, er hat sich nicht zu Kompromissen herabgelassen, er hat von uns den Extremismus der Liebe verlangt. Es ist der einzige erlaubte christliche Extremismus: der Extremismus der Liebe.

Papst Franziskus

Frage: Wie könntest du heute in deinem eigenen Herzen Platz schaffen, um die Liebe auch für jene freizugeben, die dir schwerfallen?

Andacht von Bonhoeffer

Vom Feind ist die Rede, der Feind bleibt, ungerührt von meiner Liebe, der mir nichts vergibt, wenn ich ihm alles vergebe, der mich hasst, wenn ich ihn liebe, der mich umso mehr schmäht, je ernster ich ihm diene.

Aber nicht danach soll die Liebe fragen, ob sie erwidert wird, vielmehr sucht sie den, der ihrer bedarf. Wer aber ist der Liebe bedürftiger als der, der selbst ohne alle Liebe im Hass lebt? Wer ist also auch der Liebe würdiger als mein Feind?

Wo wird die Liebe herrlicher gepriesen als mitten unter ihren Feinden? Diese Liebe macht den Jünger sehend, dass er im Feind den Bruder erkennt, dass er an ihm handelt wie an seinem Bruder.

Bonhoeffer

Frage: Welche inneren Mauern könntest du heute öffnen, um in jemandem, den du als Feind siehst, einen Bruder zu erkennen?

Danach darf die Liebe nicht fragen

Ich darf nicht erwarten, dass mein Verhalten unbedingt den anderen ändert. Auch wenn ich dem anderen vergebe, vergibt dieser nicht zwangsläufig auch mir. Auch wenn ich mich überwinde und ihm Gutes tue, heißt das nicht, dass mein Gegenüber dies ebenso tut.

Aber nicht danach soll die Liebe fragen, ob sie erwidert wird, vielmehr sucht sie den, der ihrer bedarf. Wer aber ist der Liebe bedürftiger als der, der ohne Liebe zu mir gefangen in allerlei Abneigung lebt.

Gutes tun bedeutet nun zuallererst, jedem mit Respekt zu begegnen und ihn als Mensch wahrzunehmen. Und für mich ganz wichtig: nicht mit anderen über jemanden lästern!

Die Liebe erkennt in jedem Menschen den Bruder und die Schwester und handelt eben so in geschwisterlicher Verbundenheit, unabhängig davon, ob dieser mich mag oder eben nicht.

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich Liebe geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, und wie würde das mein Herz verändern?

Andacht von Nouwen

Wenn unsere Liebe aus der Liebe Gottes erwächst, dann unterteilen wir die Menschen nicht mehr in solche, die unsere Liebe verdient haben, und andere, auf die das nicht zutrifft.

Es ist diese Liebe, die es uns gestattet, den Feind als jemanden zu sehen, der mit derselben Liebe geliebt wird wie wir. Wir brauchen uns nicht mehr über und gegen den anderen zu definieren.

So zu lieben, wie Christus geliebt hat, bedeutet, Anteil zu haben an der Liebe Gottes, die keinen Unterschied macht zwischen Freund und Feind.
Henri Nouwen

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich lernen, bedingungslos zu lieben, ohne zu urteilen oder zu unterscheiden?

Wer ist mein Verfolger? 

Wir denken vielleicht an große Feinde, an Diktatoren, an Ungerechtigkeit. Aber wer verfolgt mich wirklich? Wer macht mir das Leben schwer — täglich, nah, konkret? Oft ist es kein Fremder. Es ist der Bruder, der mich nicht versteht. Die Mutter, die kritisiert. Der Kollege oder der Mitarbeiter, der nervt. Der Freund, der enttäuscht hat. Die Menschen, die am nächsten sind, können am schwersten zu lieben sein — weil wir sie wirklich kennen, weil sie wirklich wissen, wie sie uns treffen. Sebastian Jasiorkowski

Mt 5,44: Betet für die, die euch verfolgen!

Betet für die, die euch verfolgen!

Gebet für die Verfolger: Im Gebet trete ich hin zu jedem Menschen in meinem Umfeld, mit dem ich Probleme habe. Ich trete an seine Seite, ich bin mit ihm, bei ihm und für ihn vor Gott im fürbittendem Gebet.

Ich nehme seine und meine Not auf mich und trete vor Gott für ihn ein. Dadurch wird jede seiner Verletzungen mich nur näher mit Gott und mit diesem Menschen verbinden.

Das ist immer mühevoll und kostet Überwindung, ist aber das Äußerste, wo eben die Liebe unüberwindlich wird. Die Liebe, ja die Liebe, immer wieder konkret gelebt und umgesetzt.

Frage: Wie kann ich in meinem Leben Menschen segnen, die mir schwerfallen, und dadurch meine eigene Verbindung zu Gott vertiefen?

Gebet für jeden

Ich habe es mir zur Übung gemacht, sofort (!) in einer schwierigen menschlichen Begegnung, den heiligen Geist innerlich anzurufen, schlicht mit den Worten: Heiliger Geist hilf! Und er hat mir bislang immer darin geholfen, einen liebenden, segnenden und fürbittenden Blick auf den anderen zu bewahren.

Betet für sie

Eine konkrete Form der Liebe ist die Fürbitte. Ich muss dazu nicht der beste Freund jener Menschen sein, mit denen mir die Beziehung schwerfällt.

Aber ich kann für sie beten, und nicht nur für ihre Umkehr, sondern auch für ihre Anliegen, Bedürfnisse und Sorgen, dafür, dass Gott sie segnet.

Es kann sein, dass ich gerade durch das Gebet eine neue Perspektive gewinne, um diese Menschen zu betrachten.

Fällt mir jemand ein, für den ich heute besonders beten möchte?
Eva Gloserová

Frage: Welche Menschen in meinem Leben könnten meine Fürbitte brauchen, und wie verändert das meine Haltung ihnen gegenüber?

Vers 45 Kinder des Vaters sein

Mt 5,45: Damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel seid. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte.

Söhne des Vaters

In der Taufe hat Gott uns als seine Kinder – Töchter und Söhne – angenommen. Das ist eine Wirklichkeit, die Gott uns durch das Sakrament garantiert schenkt. Es ist Gottes Handeln.

Aber es bleibt gewissermaßen eine zweite Seite der Medaille, wo unser menschliches Handeln gefragt ist: Nur wenn wir dem Inhalt der Taufe entsprechend leben, werden wir tatsächlich „Söhne Gottes werden“. Dieses „Werden“ hängt also auch von meinem freien menschlichen Zutun ab.

Wenn wir für die beten, die uns verfolgen, und unsere Feinde lieben, werden wir ganz und gar Töchter und Söhne Gottes „werden“.
Joachim Richter

Frage: Wie zeigt sich in meinem Alltag die Einladung, Gottes Kind zu sein, und wo könnte ich noch bewusster danach leben?

Unsere Feinde mit Gottes Augen sehen

Christus erklärt uns diese neue Lehre aus der Perspektive seines Vaters. Er lässt die Sonne aufgehen über Gerechten und Ungerechten, hören wir ihn sagen. Man hat den Eindruck, der Vater ist ein geduldiger Mann, der lange zuschaut, der aber auch gleichzeitig auf die Umkehr seiner Kinder wartet.

Jesus lädt uns ein, unsere Feinde aus der Perspektive Gottes zu sehen. Gott sieht ihre Verfehlungen uns gegenüber, aber er bemerkt sicher auch die Gedanken, Worte und Taten, mit denen wir auf sie reagieren.

Dann kommt die Bitte, diese Feinde zu lieben. In dieser Bitte schillert ein bisschen das Wesen Gottes durch, das uns Menschen immer auch ein Geheimnis bleibt. Im ersten Johannesbrief lesen wir: „Gott ist die Liebe” (1 Joh 4,8).

Zur Liebe gehört auch das Vergeben und Vergessen, und darum bittet uns Jesus.

Daniel Weber

Frage: Welche Menschen oder Situationen in deinem Leben laden dich dazu ein, Liebe, Vergebung und Geduld aus göttlicher Perspektive zu üben?

Gütig zu allen Menschen

Seien wir gütig, seien wir sanftmütig in Gedanken, Worten und Werken. Retten wir die Seelen und vernichten wir sie nicht. Strenge und Härte würden sie vernichten, Zärtlichkeit gewinnt und rettet sie.

Selbst wenn man schlecht mit uns umgeht, uns beschimpft, uns misshandelt, bleiben wir zärtlich. Zerreißen wir von unserer Seite nicht das Band der Nächstenliebe mit unserem schuldig gewordenen Bruder.

Bekämpfen wir das Schlechte mit dem Guten. Überhäufen wir unseren Bruder mit Zärtlichkeit und Nächstenliebe, mit Zeichen der Liebe. Früher oder später, sichtbar oder unsichtbar, werden sie in seinem verhärteten Herzen Wirkung zeigen.

Und selbst wenn sie keine Wirkung zeigen, gereichen sie immerhin zur Ehre Gottes, der seine Güte walten lässt über Gerechte und Ungerechte.

Charles de Foucauld

Frage: Wie kann ich heute in meinem eigenen Leben Zärtlichkeit und Güte zeigen, auch wenn ich mit Ablehnung oder Härte konfrontiert werde?

Andacht von Vinzenz von Paul 

Selig jene, die den kurzen Augenblick unseres Lebens nutzen, um Erbarmen zu üben.

Barmherzigkeit ist das innerste Geheimnis Gottes. Gott schenke uns diesen Geist des Mitfühlens und Erbarmens in Fülle und halte ihn in uns lebendig.

Seien wir barmherzig, üben wir Erbarmen gegen alle, so dass uns nie ein Armer begegnet, den wir nicht trösten, so gut wir können, kein Unwissender, ohne dass wir ihm mit ein paar kurzen Worten sagen, was er braucht, um zu glauben und etwas für sein Heil zu tun.

Vinzenz von Paul

Frage: Wie kann ich heute bewusst einen Moment der Barmherzigkeit in meinem Leben leben und dadurch das Göttliche in mir stärken?

Vers 46-47 Liebe ohne Gegenleistung

Mt 5,46: Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, was habt ihr für einen Lohn?

Was habt ihr für einen Lohn?

Seien wir ehrlich zu uns selbst. Ein wesentlicher Teil unseres Leidens ist das Leiden am Mitmenschen: der eine kostet Kraft, der andere nervt und wieder ein anderer versteht man schlicht nicht. Und dennoch sind es gerade diese Menschen, die ja ebenso Kinder Gottes sind, die uns fordern und darin fördern.

Josemaría Escriva beschreibt das so: Du reibst dich am Charakter dieses und jenes Mitmenschen. Das lässt sich nicht vermeiden; schließlich bist du kein goldener Taler, der allen gefällt. Außerdem, wie könntest du ohne diese Reibung beim Umgang mit dem Nächsten all die Ecken, Kanten und Unebenheiten – deine Unvollkommenheiten und Fehler – abschleifen und so jene klare, milde, feste und ausgereifte Form der Liebe und Vollkommenheit gewinnen?

Wäre dein und deiner Mitmenschen Charakter so luftig und verzuckert wie Schaumgebäck, so könntest du dich nie heiligen.

Herr, hilf uns einander zu tragen und zu ertragen!

Im Leiden geduldig und ruhig bleiben, in der Gewissheit, dass mit der Zeit alles vergeht. Faustina

Frage: Welche Herausforderungen mit anderen könnten dich in deinem Inneren am meisten wachsen lassen, wenn du sie bewusst als Wegweiser siehst?

Welcher Lohn? 

Von welchem Lohn spricht Jesus hier? Ich glaube, es geht hier nicht einfach um eine "Überweisung" auf unser himmlisches Bankkonto, wenngleich sich das vielleicht manch einer so vorstellt.

Wenn Du Liebe verschenkst, veränderst Du nicht nur das Leben der beschenkten Person. Du verschönerst auch Dein Herz. Es wird sozusagen größer, lichterfüllter, strahlender. Und es wird vor allem fähiger, Gottes Liebe aufzunehmen und zu begreifen.

Gibt es einen besseren Lohn?
Raphael Ballestrem

Liebe Gott nicht um Lohn; er sei selbst dein Lohn! Augustinus

Frage: Wie würde sich Dein Herz verändern, wenn Du jeden Tag bewusst Liebe verschenkst, ohne eine Gegenleistung zu erwarten?

Mt 5,47: Wenn ihr nur euren Freunden liebevoll begegnet, ist das etwas Besonderes? Das tun auch die, die von Gott nichts wissen.

Mt 5,47: Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Machen es nicht auch die Zöllner ebenso?

Was tut ihr Besonderes?

Danach fragt die Liebe: Die Liebe fragt niemals danach, was ihr jemand antut, sondern allein danach, was Jesus getan hat, der die Liebe selbst ist.

Je näher wir an und in ihm leben, immer wieder und immer öfter am Tag mit ihm uns verbinden durch Stoßgebete und ähnliches, desto gewisser überwindet unsere Liebe den Hass und jegliche Abneigung. Es ist ja nicht unsere eigene Liebe, die hier wirkt. Sie ist ganz allein die Liebe Jesu Christi, der für alle Menschen ans Kreuz ging.

Darin macht uns die Liebe Jesu sehend, dass sie auch den Feind eingeschlossen sieht in die Liebe Gottes, dass sie den Feind unter dem Kreuz Jesu Christi sieht. Grüßt ihr nur eure Brüder?

Wie wohltuend ist es, plötzlich von jemandem mit diesen Worten angesprochen zu werden: Schön dich zu sehen! Es ist eine Bestätigung der eigenen Würde, eine Würde, die jeder Mensch in Gottes Augen hat.

Jesus lädt uns ein, die Menschen mit seinen Augen zu betrachten und ihnen einen Gruß zu schenken – sei es mit Worten oder einfach mit einem freundlichen Blick. Nur er weiß, wie viel Gutes wir für andere Menschen tun können und inwiefern dadurch auch unser Herz seinem Herzen ähnlicher wird.

Eva Gloserová

Frage: Welche kleinen Begegnungen oder Gesten im Alltag könnten mir heute helfen, die Welt durch die Augen der Liebe Jesu zu sehen?

Vers 48 Aufruf zur Vollkommenheit

Mt 5,48: Ihr aber sollt in eurer Liebe vollkommen sein, wie es euer Vater im Himmel ist.

Andacht für dein Leben

  • Sei vollkommen wie dein Vater im Himmel. Das bedeutet, dass du versuchst, Liebe, Güte und Vergebung zu leben, wie Gott es tut, ohne Erwartungen oder Grenzen.
  • Strebe nach innerer und äußerer Harmonie. Vollkommenheit ist kein Erreichen eines Perfektes, sondern das Streben nach einem Leben, das immer wieder auf das Gute und die Wahrheit ausgerichtet ist.

Was ist vollkommene Liebe?

Liebe, die sich nicht parteiisch denen zuwendet, die uns ihre Gegenliebe schenken.

Das Außerordentliche Christliche ist der Weg der Selbstverleugnung, der Weg völliger Liebe, völliger Reinheit, völliger Wahrhaftigkeit, völliger Gewaltlosigkeit, die Liebe zum Feind, die Liebe zu dem, der keinen liebt und den keiner liebt.

Das Außerordentliche Christliche ist die Liebe Jesu Christi selbst, die leidend und gehorsam ans Kreuz geht.

Das Außerordentliche Christliche ist das Kreuz, das den Christen über die Welt hinaussein lässt und ihm darin den Sieg über die Welt gibt.

Frage: Wo in meinem eigenen Leben spüre ich die Einladung, über das Offensichtliche hinaus zu lieben?

Die Einladung

Seid vollkommen, wie es euer himmlischer Vater ist…

Eine Einladung, die uns aber völlig übersteigt, eine Einladung, der wir niemals konsequent gerecht werden können. Jesus weiß darum und er spricht sie trotzdem aus.

Die Berufung zur Heiligkeit gilt für uns alle. Berufen zu sein, bedeutet, dass jemand Anderes die Initiative hatte, mein Name wurde ausgesprochen und die Richtung aufgezeigt. Ich bin aber nicht allein. Der Herr beruft und gibt auch die Kraft dazu.

Lassen wir diese Einladung erneut in unser Herz eindringen.
Štefan Kavecký

Frage: Welche kleinen Schritte der Heiligkeit kann ich heute bewusst in meinem Leben umsetzen, um der Berufung meines Herzens zu folgen?

Geistliche Reife

Was bedeutet es, wenn Jesus von Vollkommenheit spricht? Vollkommenheit meint hier nicht, ohne Sünde oder fehlerlos zu sein. Die vorhergehenden Verse erklären, dass Vollkommenheit bedeutet, die zu lieben, die uns hassen, für die zu beten, die uns verfolgen, und sowohl Freunden wie auch Feinden gegenüber freundlich zu sein.

Vollkommenheit ist hier die geistliche Reife, die einen Christen befähigt, Gott nachzuahmen, der jedem seinen Segen zukommen lässt, ohne nach sich selbst zu fragen.

Ellen Charlotte Petermann

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du beginnen, anderen Liebe und Freundlichkeit zu schenken, ohne etwas dafür zurückzuverlangen?

Vollkommenheit, nicht Perfektion

Es ist wichtig zu verstehen, dass unser Ziel die Vollkommenheit und nicht die Perfektion ist.

Perfektionismus verhindert das Beginnen des guten Werks im Leben, weil er immer Fehler oder Mangel fürchtet. Perfektionismus wird aus Stolz geboren.

Vollkommenheit bedeutet, Christus nachzufolgen, indem wir den Vater erkennen in diesem inneren trinitarischen Bezug.

Diese Vollkommenheit ist nicht, dass wir alles fehlerfrei tun – das wäre eine Überforderung unseres Menschseins – sondern dass wir das, was wir tun, aus Liebe tun. Die Liebe wohnt im Willen, nicht im Gefühl.

Lasst uns verstehen, dass Vollkommenheit Liebe bedeutet und die Vollendung in der Liebe ist.

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag mehr aus der Liebe handeln, statt nach Perfektion zu streben?

Andacht von Ludwig-Maria Gringnion de Montfort:

Die Erlangung der Heiligkeit Gottes ist deine ständige Lebensaufgabe. Darauf müssen alle deine Gedanken, Worte und Werke, deine Leiden und alle Bestrebungen deines Lebens gerichtet sein; sonst widerstehst du Gott, indem du nicht den Zweck erfüllst, zu dem er dich erschaffen und bis auf diesen Augenblick erhalten hat.

Welch erhabene Aufgabe! Der Staub soll verwandelt werden in Licht, der Schmutz in Reinheit, die Sünde in Heiligkeit, das Geschöpf in seinen Schöpfer und der Mensch in Gott! Welch wunderbares Werk!

Aber ein Werk, schwierig in sich selbst und unmöglich für unsere rein natürlichen Kräfte. Gott allein kann dich durch seine Gnade und zwar nur durch eine überfließende, außerordentliche Gnade zu diesem Ziele führen. Die Schöpfung der ganzen Welt ist ein Meisterwerk, aber nicht so groß, wie dieses Werk der Gnade.

O Seele, was wirst du tun, welches Mittel wirst du wählen, um die Höhe zu erreichen, auf die dich Gott beruft? Die Mittel des Heils und der Heiligung sind jedermann bekannt; im heiligen Evangelium sind sie verkündet, erklärt von den Lehrern des geistlichen Lebens, geübt von den Heiligen und notwendig für alle, welche ihre Seele retten und zur Vollkommenheit gelangen wollen.

Es sind die Demut des Herzens, das beständige Gebet, die allseitige Abtötung, die Hingabe an die göttliche Vorsehung und die Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes.

Frage: Welche Schritte könntest du heute unternehmen, um deinem inneren Licht näher zu kommen und dein Leben stärker mit Gottes Willen in Einklang zu bringen?

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Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 5.  Kap.

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