Mt 5, 1-12 Die Seligpreisungen

Vers 1 Beginn der Bergpredigt

Mt 5,1: ‭Als er aber die Volksmenge sah, stieg er auf den Berg; und als er sich setzte, traten seine Jünger zu ihm.

Als Jesus die vielen Menschen sah

Jesu Blick drückte immer etwas von dem Geheimnis aus, das in ihm wohnte. Man könnte meinen, er sah in dieser wogenden Menge, die ihn am Fuß des Berges umspülte, die Menschen aller Jahrhunderte und Jahrtausende, alle Menschen, die je gelebt haben, die jetzt leben und leben werden, mich eingeschlossen.

Sein Blick war allumfassend, in Zeit und Raum, katholisch. Denn als Schöpfer umfasst er das ganze Universum, jedes Staubkorn; und als Erlöser jeden – aber auch wirklich jeden –, der sich von ihm erfassen lässt. Und jeden… – aber auch wirklich jeden –, der es sich anders überlegt, denn alle Geschöpfe im Himmel, auf der Erde und unter der Erde werden ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu (Phil 2,10).

Frage: Wie schaue ich selbst die Menschen an – mit den begrenzten Augen meines Alltags oder mit einem Blick, der versucht, etwas vom göttlichen Geheimnis im Anderen zu erkennen?

Die Begegnung

Heute steigt Jesus auf einen Berg, ähnlich wie Mose als er auf den Sinai stieg, um mit Gott zu sprechen. Mose erhielt dort die Stein-Tafeln mit den 10 Geboten, Jesus lehrt die Menschen direkt: Von Herz zu Herz, von Angesicht zu Angesicht. Beide Male ist es eine Begegnung zwischen Gott und Mensch.

Im neuen Bund nimmt Jesus aber die Menschen mit auf den Berg. Er führt sie, führt auch uns. Das Ziel dieser Begegnung ist das gleiche: Gott will uns das Handwerkzeug übergeben, um ihm zu begegnen, in ihm zu leben. Durch Jesus macht er dies nun direkt in den Sakramenten: In Jesus haben wir auch heute direkten Zugang zu Gott.

Für die Menschenmenge war es damals auf dem Berg so, in der unmittelbaren Gegenwart des geschichtlichen Jesus, für mich ist es so hier und jetzt im Gebet und im Empfang der Sakramente.

Mariano Ballestrem

Frage: Wie erfahre ich in meinem eigenen Leben den Aufstieg auf den Berg – den Moment, in dem ich Gott näherkomme und seine Gegenwart in mir spüre?

Vers 2 Eröffnung der Lehre

Mt 5,2: ‭Und er tat seinen Mund auf zu einer Rede,lehrte sie und sprach:

Zu den Seligpreisungen

Sie sind das Gegenstück zu den 10 Geboten und es lohnt sich, sie auswendig zu lernen, um sie immer bei sich zu haben. Bei den Seligpreisungen geht es um Haltungen. Diese gehen tiefer als Handlungs-Ratschläge. Jesus geht es nicht um äussere Gesetze und Regeln, sondern darum, dass wir in eine neue innere Wirklichkeit treten, zu der wir berufen sind.

Wege zur Heiligkeit

Mit den Seligpreisungen will Jesus uns Wege aufzeigen, die uns zur Heiligkeit führen.

Heilig zu sein, bedeutet nicht, besondere Kräfte zu haben und außergewöhnliche Dinge zu tun, wie wir oft denken. Heilig zu sein, bedeutet vor allem, ein offenes Herz zu haben, um auf die Worte Jesu zu hören und sie in unserem Leben in die Tat umzusetzen.

Heilig zu sein, bedeutet also zuerst, das Wort Jesu zu hören, es wahrzunehmen. Hören und Handeln: Es bedeutet auch, das Wort, das Jesus uns sagt, einmal gehört, in die Tat umzusetzen, wie Maria es getan hat: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“.

Die Seligpreisungen zeigen Wege auf, die Jesus uns lehrt, damit wir Heilige werden können.

João Paulo Jäger

Frage: Wo öffne ich mein Herz für die Worte Jesu – und wo fällt es mir schwer, sie in die Tat umzusetzen?

Benedikt XVI: Die Seligpreisungen sind ein neues Lebensprogramm, um sich von den falschen Werten der Welt zu befreien und für die wahren Güter in Gegenwart und Zukunft zu öffnen.

Franziskus: In den Seligpreisungen finden wir aber all das, was uns zum wahren Glück führt. Papst Franziskus

Selig sind....

Selig heißt übersetzt: Glücklich zu preisen. Jesus möchte, dass wir glücklich sind. Es geht allerdings nicht um ein äußerliches Glück. Es geht um eine innere Glückseligkeit, die unabhängig von den äußeren Umständen ist.

Glückselig sind…..

Die Seligpreisungen (Mt 5,1-12) sind der Plan Jesu für uns. Meditiere sie (evtl. auswendig lernen) und lese sie nicht nur. Das wird dir guttun.

Die Seligpreisungen enthalten das Geheimnis jenes Glücks, das wir mit alltäglichen Befriedigungen nicht erlangen können. In den Seligpreisungen gibt uns Christus die Schlüssel in die Hand, um die Tore des Himmels aufzuschließen und damit auch die Tür zum wahren Glück auf Erden.

Jede Seligpreisung beginnt mit „Glückselig sind…“. Glück lässt sich nicht machen! Glück lässt sich nicht erzwingen, auch wenn uns das die Werbung und der Zeitgeist manchmal vorgaukeln. Echtes Glück werden wir erst finden, wo wir Gott hineinnehmen in unser Leben. Denn Glück ist gelingendes Leben – und das hat mit Gott zu tun.

Um dieses Sein geht es in den Seligpreisungen. Sie beschreiben ein Sein, eine Haltung und gehen tiefer als Handlungs-Ratschläge.

Frage: Wo in meinem Leben lade ich Gott ein, mein Verständnis von Glück zu verwandeln und zu vertiefen?

Jesus ist der wahre Selige

In Wahrheit ist der Selige schlechthin nur er, Jesus.

Er ist nämlich derjenige, der wirklich arm ist vor Gott; der Trauernde; der, der keine Gewalt anwendet; der, der hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; der Barmherzige; der, der ein reines Herz hat; der, der Frieden stiftet; er ist es, der um der Gerechtigkeit willen verfolgt wird.

Die Seligpreisungen zeigen uns die geistliche Gestalt Jesu und bringen so sein Geheimnis zum Ausdruck – das Geheimnis des Todes und der Auferstehung, des Leidens und der Freude der Auferstehung.

Dieses Geheimnis, das das Geheimnis der wahren Seligkeit ist, lädt uns zur Nachfolge Jesu und damit auf den Weg der Seligkeit ein.

Benedikt XVI

Frage: Wo in meinem Leben bin ich eingeladen, in der Haltung Jesu – arm, barmherzig und friedensstiftend – den Weg der wahren Seligkeit zu gehen?

Allgemeine Bemerkung zum Begriff selig

Im griechischen Text steht das Wort makarios, es wird zunächst ausschließlich auf die Götter angewendet. Im Griechischen der neutestamentlichen Zeit umschreibt es einen Zustand des Glücklichseins, der nicht zu überbieten ist. Da das Wort „glücklich“ im heutigen Sprachgebrauch leicht banal klingt, kommt in der Übersetzung das Wort „selig“ zum Einsatz.

Auch dieses ist nicht einfach zu verstehen und hat keine alltagssprachliche Relevanz. Zudem erweckt es leicht den Eindruck, es ginge dabei um einen Zustand, der nur im Jenseits zu erreichen ist. Dies entspricht jedoch nicht der Aussageabsicht der Seligpreisungen des Evangeliums.

Sie sind eine Aussage über das Hier und Jetzt von Menschen, die dann näher beschrieben werden. Mit dem Ausruf der Seligpreisung wird etwas Wirklichkeit, was den Adressaten in einen neuen, anderen Zustand versetzt.

Kristell Köhler

Frage: Wo erlebe ich in meinem Leben Momente, in denen sich ein „selig Sein“ – jenseits von äußeren Umständen – in mir zeigt?

Vers 3 Die geistlich Armen

Mt 5,3: Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind, denn ihnen gehört sein himmlisches Reich.

Mt 5:3: ‭Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

Glücklich sind die geistlich Armen

Wer sich als arm vor Gott erkennt, der findet zur Demut. Diese Demut ist Segen. Sie schützt uns vor geistlichen Hochmut und lässt uns erkennen, dass wir nie vollkommen sind, lebenslang auf dem Weg hin zu ihm sind, der vollkommen ist.

Wer sich als arm vor Gott erkennt, der ist stets innerlich zur Weiterentwicklung bereit, geleitet durch Gottes Willen. Sehen wir also unsere Schwächen nicht als Hinderungsgrund für das Glück. So paradox es klingt, wir können dankbar sein für unsere Schwächen, für all unsere Missgeschicke, sie lehren uns Demut!

Wenn ihr mich fragt, was das Wichtigste ist, so ist meine Antwort diese: erstens die Demut, zweitens die Demut und drittens die Demut. Augustinus

Warum gehört das Himmelreich den geistlich Armen

Das himmlische Reich ist kein Lohn für eigene Leistungen, sondern ein Geschenk Gottes. Ihnen gehört das himmlische Reich, weil sie ihre Abhängigkeit von Gott erkennen und deshalb offen sind für sein Reich, während diejenigen, die glauben, sie bräuchten Gott nicht, das Reich Gottes oft nicht betreten.

Selig, die arm sind vor Gott

Die Seligpreisungen folgen einem inneren Aufbau und nicht ohne Grund steht die Armut im Geiste an erster Stelle.

Wenn ich mich in meiner Beziehung zu Gott betrachte, erkenne ich meine Kleinheit und ein Empfinden für Gottes Heiligkeit wächst. Ich sehe mich vor Gott als der, der ich bin. Ich habe keine Leistung, die mich vor Gott qualifiziert. Damit setze ich mich nicht als Persönlichkeit herab, sondern habe den Mut, zuzugeben, dass ich mit leeren Händen vor Gott stehe.

Wenn ich diese Tür nicht aufmache, bleiben alle anderen Türen verschlossen. Was bedeutet diese Seligpreisung konkret für mein Leben? (Mt 5,3)

Frage: Wo in meinem Leben darf ich neu lernen, mit leeren Händen vor Gott zu stehen und mich seiner Gnade anzuvertrauen?

Bedeutung für mein Leben

Wer erkennt, dass er vor Gott arm ist, der findet zur Demut. Und diese Demut ist ein Segen. Sie schützt uns vor Hochmut und lässt uns erkennen, dass wir nie vollkommen sind, lebenslang auf dem Weg hin zu ihm, der vollkommen ist.

Wer sich als arm vor Gott erkennt, der ist stets innerlich zur Weiterentwicklung bereit, geleitet durch seinen Willen. Sehen wir also unsere Schwächen nicht als Hinderungsgrund für das Glück. Gerade scheinbare Störfaktoren ermöglichen oft erst unser Glück und sind ein Segen für unser Leben.

So paradox es klingt, wir können dankbar sein für unsere Schwächen, für all unsere Missgeschicke. Wer im Arm-Sein das Gute zu erkennen vermag, der ist wirklich glückselig zu nennen. Glückselig sind die Menschen mit Defiziten. Glückselig bin ich, wenn ich das Gefühl habe, noch weit vom Ziel entfernt zu sein. Dann bin ich auf dem besten Weg zum Himmelreich und damit zum Glück.

Darum versteht man unter den Armen im Geiste hier mit Recht die Demütigen, die Gottesfürchtigen, d.h. solche, welche keinen aufgeblasenen Geist haben. Goldene Perle

Frage: Welche Schwäche oder Unvollkommenheit in deinem Leben könnte dir heute als Wegweiser zu tieferer Demut und innerem Frieden dienen?

Loslösung / Loslassen

Hüte dich vor einem übertriebenen Konsum. Materieller Besitz ist nicht die wahre Quelle des Glücks. Allein Gott ist die Quelle des Glücks.

Pflege einen schlichten Lebensstil. Es geht darum, die Wesentlichkeit zu suchen, zu lernen, viel Überflüssiges und Unnötiges, das uns erstickt, abzulegen. Hänge dein Herz nicht an die Dinge dieser Welt. Dazu gehört auch dein Ego. Gott wendet sich dem Demütigen zu.

Meditiere deine Armut! Lasse bewusst los: materiell, zum Beispiel durch Spenden, noch mehr jedoch spirituell – Stolz, Rechthaberei, Sorgen.

Wir haben alle Wünsche, wie das Leben laufen sollte. Das betrifft den einzelnen Tag, wie auch die großen Lebensspuren. Wir wollen dies, wir wollen das. Wenn wir zu krampfhaft an diesen Wünschen festhalten und nicht offen bleiben für andere Richtungen, dann erzeugen diese Wünsche eine innere Unruhe. Und erfüllen sich unsere Erwartungen dann nicht, neigen wir zu Traurigkeit oder Zorn.

Immer wieder gilt es darum, Inventur zu ziehen: was fesselt und bindet, wo sollten wir lernen loszulassen. Denn in einem Herzen, das sich an äußere Dinge verliert, ist kein Frieden.

Darum lasst uns ärmer in unserem Wünschen werden. Der Arme im Geist lebt im Frieden des Herzens.

Wünsche, an die wir uns zu sehr klammern, rauben uns leicht etwas von dem, was wir sein sollen und können. Bonhoeffer

Frage: Welche Wünsche oder Anhaftungen halten dich heute zurück, und wie könntest du beginnen, sie loszulassen, um inneren Frieden zu finden?

Seine Armut in Demut erkennen

Wo ist wahre Demut zu finden? In der Selbsterkenntnis.

Denn die Seele, die erkennt, dass sie nichts ist und dass sie ihr ganzes Sein von Gott hat, kann ihr Haupt nicht stolz erheben, weder gegen ihren Schöpfer noch gegen ihren Nächsten; denn was aus sich selbst nichts ist, kann nicht stolz sein.

Und wo bereut die Seele ihre Schuld? In der Selbsterkenntnis, indem sie ernsthaft bedenkt, wer da Gott beleidigt hat und wer dieser Gott ist, den sie beleidigt hat.

Kommt doch ein wenig zu Euch selbst zurück und schlaft nicht mehr einen solchen Schlaf, sondern wacht auf und nutzt diesen Augenblick, der Euch gewährt wird. Wartet nicht auf die Zeit, denn sie wartet nicht. Erkennt Euch wahrhaft selbst und erkennt die große Güte Gottes Euch gegenüber.

Katharina von Siena

Frage: Welche kleinen Momente im Alltag könnten mir helfen, mich selbst bewusster wahrzunehmen und die Demut in meinem Leben wachsen zu lassen?

Bezug zu den anderen Seligpreisungen

Der Aufruf, arm im Geiste zu sein, steht aus gutem Grund an erster Stelle, weil er die folgenden Gebote relativiert. Sie können nicht aus eigener Kraft erfüllt werden, sondern nur durch das Vertrauen eines Bettlers auf Gottes Macht.

Niemand trauert, bis er arm an Geist ist. Niemand ist anderen gegenüber sanftmütig, bis er eine demütige Sicht auf sich selbst hat.

Wenn du deine eigene Not und Armut nicht spürst, wirst du niemals nach Gerechtigkeit hungern und dürsten. Und wenn du eine zu hohe Meinung von dir selbst hast, wird es dir schwerfallen, anderen gegenüber barmherzig zu sein.

Frage: Wie kannst du heute bewusst Momente der inneren Armut und Demut erkennen, um offener für Mitgefühl und göttliche Führung zu werden?

Vers 4 Trost für alle Trauernden

Mt 5,4: Glücklich sind, die über diese Welt trauern, denn sie werden Trost finden.

Mt 5,4: Glückselig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.

Mt 5,4: Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

Glücklich die Trauernden

Glücklich, die trauern? Widersprüchlich? Nein!

Es geht nicht um das weltliche Trauern, zum Beispiel beim Tod eines Menschen. Es geht um das geistliche Trauern. Geistliches Trauern folgt aus der ersten Seligpreisung, dem Erkennen der eigenen Armut, denn diese schließt immer schmerzvolles Loslassen dessen ein, was mir lieb ist – mein Ego, Stolz, Kontrollwünsche, Perfektionismus …

Trauer ist in diesem Fall gut, mehr noch: notwendig. Abgesehen von der Tatsache, dass Gott natürlich in den dunklen Stunden meines Lebens bei mir ist, geht es in dieser Seligpreisung um etwas anderes: Demut, tief empfundene Trauer über meinen Zustand und den Zustand der Welt.

Und aus und in dieser Trauer empfange ich in echter Hinwendung die Liebe und den Trost Gottes. Aus ihr entspringt die Freude über das Errettetsein in Christus.

Frage: Welche inneren Anteile meines Lebens darf ich heute loslassen, um tiefer Gottes Trost und Freude zu erfahren?

Selig sind, die da Leid tragen

Wahrer Trost beginnt, wo wir unsere geistliche Armut erkennen. Nur wer seine eigene Schuld und Armut ehrlich sieht und das Herz von der Sünde abwendet, kann echten Trost erfahren.

Traurigkeit über die Folgen unserer Fehler allein reicht nicht. Gott tröstet den, der sich in seiner Armut ihm hilfesuchend anvertraut und bereit ist, sich von der Sünde zu lösen.

Solche Herzen finden Frieden, wachsen im Geist und werden wiederum fähig, andere zu trösten. Wer selbst Leid getragen hat, kann das Seufzen der Welt wahrnehmen, mitfühlen und gemeinsam mit Jesus für die Befreiung aller beten.

Mir ist es wichtig, die tiefe Verschränktheit beider Seligpreisungen zu betonen. Ich erkenne und bekenne meine Armut vor Gott (1. SP) und betrauere sie, trage dieses Leiden vor Gott hin, der in seiner Liebe mich tröstet, mich mit all meiner Armut auf- und annimmt.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich meine eigene Armut und Hilfsbedürftigkeit anerkennen, um Raum für göttlichen Trost zu schaffen?

Selig, sind, die Leid tragen

Glücklich, die Trauernden? Widersprüchlich? Christsein ist Freude und Trauer. Es geht nicht um das soziologische Trauern (z.B. beim Tod eines Menschen). Es geht um ein geistliches Trauern. Geistliches Trauern folgt aus der ersten Seligpreisung. Trauer hat etwas mit Verlust zu tun, bei der Armut im Geiste verliere ich viel, was mir lieb ist (mein Ego, Stolz, Kontrollwünsche, ….). Trauer ist in diesem Fall gut, mehr noch: notwendig. Abgesehen von der Tatsache, dass Gott auch gerade in den dunklen Stunden meines Lebens bei mir ist, geht es hier um etwas anderes: Echte Demut, tief empfundene Trauer über meinen Zustand und den Zustand der Welt. Und aus und in dieser Trauer empfange ich in echter Hinwendung die Liebe und den Trost Gottes, entspringt die Freude über das Errettet sein in Christus.

Große Trauer: Das hier verwendete griechische Wort für trauern ist das stärkste Wort für Trauer in der griechischen Sprache. Es ist das Wort, das für die Trauer um die Toten verwendet wird, für die leidenschaftliche Klage um einen Geliebten.

Der, der ich bin, grüßt trauernd den, der ich sein könnte. Kierkegaard

Vers 5 Erbe für die Sanftmütigen

Mt 5,5: Glückselig sinddie Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben!

Mt 5:5: ‭Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

Glücklich die Sanftmütigen

Sanftmütig bedeutet dem Wortsinn nach freundlich, gütig, liebenswürdig, gewaltlos. Die Sanftmut zeigt sich besonders in Konfliktsituationen. Man erkennt sie daran, wie ich auf eine feindselige Situation reagiere.

Jeder kann sanftmütig erscheinen, wenn alles ruhig ist. Wie aber reagiere ich unter Druck, wenn ich angegriffen, beleidigt, angefeindet werde? Sanftmut bedeutet hier, dem Ärger und der inneren Wut entgegenzutreten und aus der Spirale auszusteigen, in der Aggression Gegen-Aggression erzeugt – vor allem in unseren menschlichen Beziehungen.

Wenn wir hochmütig und stolz vor den anderen leben, sind wir am Ende müde und erschöpft. Wenn wir aber ihre Grenzen und Fehler mit Milde und Sanftmut sehen, ohne uns für besser zu halten, dann können wir ihnen zur Hand gehen und vermeiden, unsere Energie in unnützen Klagen zu verschwenden.

Frage: In welchen Momenten könnte ich bewusst Sanftmut wählen, um Frieden in mir und mit anderen zu fördern?

Selig sind die Sanftmütigen

Wenn du sanftmütig sein willst, lerne zuallererst, alles, was dir geschieht, anzunehmen, ohne gleich in die Haltung des Richters zu verfallen, der verurteilt. Spiritualität, die uns hart und selbstgerecht macht, ist wertlos.

Sanftmut richtet sich dann erstmal auf mich selbst: Mit sich selbst nicht hart ins Gericht gehen, sondern sich selbst verstehen im Sinne von zu sich stehen – zu seinen Fehlern, Schwächen und Bedürfnissen.

So, sagt Jesus, können Menschen von innen heraus glücklich werden, wieder menschlich werden und dann sanft und verständnisvoll auch mit anderen Menschen umgehen. Bleibe standhaft und beharrlich bei einem gütigen Auge. Dein Blick auf den anderen Menschen ist ein entscheidender Moment.

Ein Mensch mit Sanftmut hat großes Verständnis für die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Menschen und kann diese annehmen. Und ja, ich weiß, dass dies bei bestimmten Personen eine echte Herausforderung ist und bleiben wird.

Frage: In welchen Situationen fällt es dir schwer, sanft mit dir selbst und anderen zu sein, und was würde es verändern, wenn du es dennoch versuchst?

Selig sind die Sanftmütigen

Bedeutung der Sanftmut: Sanftmut meint nicht dass du nonstop relaxed bist und dich über nichts aufregst. Sanftmut meint auch nicht, dass du der nette Christ bist, der zu allen lieb ist. Sanftmut meint nicht, dass du Duchmäusertum betreibst. Sanftmut bedeutet deine mutige Entscheidung zur Gewaltlosigkeit in jeglicher Situation, eine Autorität ohne Gewalt !!!!

Selig die Sanftmütigen

Vor allem müssen wir ein gutes, sanftmütiges und dem Nächsten gegenüber liebevolles Herz haben, besonders wenn er uns zur Last und zum Ekel geworden ist. Denn dann haben wir nichts an ihm, um ihn zu lieben, sondern nur Ehrfurcht für den Heiland, welche die Liebe zweifellos um so wertvoller und würdiger macht, je reiner und freier sie von hinfälligen Beweggründen ist. Darum: Wenn Ihre Seele in Ruhe ist, machen Sie lebendigen Gebrauch davon, indem Sie möglichst viele Akte der Sanftmut verrichten, so häufig Sie Gelegenheit dazu haben, mögen diese auch noch so gering sein. Franz von Sales

Sanftmütig ist, wer den Nächsten und sich selbst erträgt. Juan de la Cruz

Umgang mit Ärger

Sanftmut bedeutet, dem Ärger und Wut entgegen zu treten und aus der Spirale aus zu steigen, wo Aggression Gegen-Aggression erzeugt, vor allem in unseren menschlichen Beziehungen. Einfach gesagt, schwer getan, denn negative Gedanken und Gefühle über den anderen sind meist schlicht und einfach da und drängen dazu ausgedrückt zu werden.

Der erste wichtige Schritt ist, dass wir negative Gefühle nicht runterschlucken, sondern sie rauslassen, aber nicht am anderen, sondern für uns, am besten alleine: laufen, schreien, Kissenboxen etc.

Der zweite Schritt ist, seine Wahrnehmung vom anderen weg zu einem selbst zu lenken. In meiner Vorstellung sollte die Welt, der andere bzw. ich selbst so oder so sein. Ist sie es nicht, so entsteht Ärger. Der Ärger entsteht immer aus einem Unterschied zwischen dem, was gerade ist und dem, wie man es sich gerne wünscht.

Und in diesem meinem Wunsch steckt ein Bedürfnis von mir (z.B. nach Ruhe) und ich ärgere mich, wenn dieses Bedürfnis nicht von anderen beachtet wird (z.B. lauter Nachbar). Ich muss mich also immer fragen: Warum bin ich eigentlich gerade ärgerlich? Und ich versuche dies nicht zu beantworten, indem ich auf meinen bösen Gegenüber zeige, sondern in Bezug auf meine Bedürfnisse (Ruhe, Anerkennung, Geborgenheit, Liebe etc.)

Vers 6 Hunger nach Gerechtigkeit

Mt 5,6: Glücklich sind,die Hunger und Durst nach Gerechtigkeit haben, denn sie sollen satt werden.

Mt 5,6: Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden.

Hungern und Dürsten nach Gerechtigkeit

Unter Gerechtigkeit verstehen wir meist, dass alle gleich behandelt werden. Um diese menschlich-soziale Gerechtigkeit geht es hier nicht, wenngleich diese wichtig ist.

Das Hungern und Dürsten nach Gerechtigkeit, von denen Jesus spricht, geht tiefer: es meint die Sehnsucht danach, dass es uns ein innerstes Anliegen ist, in Übereinstimmung mit Gott zu leben, dass Gott Ausgangspunkt und Ziel allen Handelns ist, da er unsere Gerechtigkeit ist. Das wirkt sich auf dein ganzes Leben aus und muss immer wieder neu an jedem Tag gelebt werden. Den Willen Gottes in Allem zu suchen ist gelebtes Hungern und Dürsten.

Die Gegenwart ist die einzige Zeit, die uns wirklich gehört und die wir nach Gottes Willen nutzen sollen. Blaise Pascal

Frage: Wie bewusst lebst du jeden Moment in Einklang mit deinem innersten Wunsch, Gottes Willen zu folgen?

Wie Jesus hungern

Auch Jesus hungerte es, ein Hunger, der in uns genauso wirksam sein sollte wie in ihm selbst. Nach welcher Speise sehnte sich Jesus? „Meine Speise ist es, den Willen meines Vaters zu tun“ (Joh. 4,34).

So ist klar, wonach auch wir den Hunger unserer Seele richten sollten: Wir sollen nach dem göttlichen Willen dürsten, der unsere Rettung bewirkt!

Nach Gerechtigkeit zu hungern bedeutet, sich nach der Herrschaft Gottes in unserem Leben zu sehnen. Satt werden wir, weil wir unser ganzes Leben in einem größeren Kontext zu sehen beginnen. Das lässt uns unser Tun und Handeln als sinnerfüllt erleben.

Frage: Welcher innere Hunger in dir ruft danach, vom göttlichen Willen erfüllt zu werden?

Hunger ist ein Bild für ein tiefe Sehnsucht

Glück hat etwas mit Sehnsucht zu tun. Entdecke deine Sehnsüchte, denn dein Leben wird davon getragen.

Wenn du das Leben mit seinen täglichen Aufgaben im Bewusstsein erfüllst, dass du von einer tief liegenden Sehnsucht geleitet wirst, dann wirst du ganz anders leben und die Dinge tun, als wenn du nur aus Pflicht, Anordnung oder Regeln heraus lebst.

In dem, was du tust, verwirklichst du Sehnsüchte, die tief in dir angelegt sind und die dich zutiefst befriedigen können. Satt werden wir, weil wir unser ganzes Leben in einem größeren Kontext zu sehen beginnen.

Das lässt uns unser Tun und Handeln als sinnerfüllt erleben. Das gibt uns eine ungeahnte innere Kraft.

Frage: Welche Sehnsucht in mir möchte ich heute bewusst leben, um meinem Leben mehr Sinn und innere Kraft zu geben?

Vers 7 Barmherzigkeit für die Barmherzigen

Mt 5,7: Glücklich sind, die Barmherzigkeit üben, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren.

Mt 5,7: Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Selig sind die Barmherzigen

Barmherzigkeit ist die größte Eigenschaft Gottes. Wir dürfen der Barmherzigkeit Gottes keine Grenzen setzen. Sie hat keine, sie ist grenzenlos. Nichts beleidigt den lieben Gott mehr, als an seiner Barmherzigkeit zu zweifeln.

So ist auch bei uns die Barmherzigkeit untereinander der größte Ausdruck unserer christlichen Liebe zueinander. Das muss nicht hoch gefühlsvoll sein, sondern geht mit einer Sanftheit des Herzens einher, einer Freundlichkeit der Seele. Mehre dein barmherziges Mitgefühl für andere. Dann werden auch die Taten wie von alleine folgen.

Barmherzigkeit ist ein Kennzeichen der Kinder Gottes, denn Gott selbst ist reich an Erbarmen. Weil Gott unser Vater ist, sind wir alle wie Schwestern und Brüder miteinander verbunden.

Wer Barmherzigkeit übt, spürt etwas vom Herzschlag Gottes. Jürgen Werth

Frage: Wie könntest du heute in kleinen Momenten die Barmherzigkeit Gottes durch dein eigenes Handeln sichtbar werden lassen?

Selig sind die Barmherzigkeit üben

Zur Barmherzigkeit: Die Barmherzigkeit bezieht sich nicht nur auf das Almosen, sondern auf jegliche Sünde des Bruders, wenn wir Einer des Anderen Lasten tragen. Goldene Perle

Barmherzigkeit üben

Ein Weg zum Glück besteht darin, dass wir rauskommen aus unserer Selbstumkreisung. Wer immer nur an seine eigenen Probleme und Sorgen denkt, wird nie wirklich glücklich werden und nur selten die Gelegenheit finden, Barmherzigkeit zu üben.

Barmherzigkeit richtet sich auf den anderen. Sie bedeutet, den anderen in seiner Not wahrzunehmen und sich davon berühren zu lassen. Es geht darum, sich in seine momentane Situation einzufühlen. Es bedeutet, zu fühlen, als wäre ich der andere. Es bedeutet, die Bedürfnisse und Wünsche des anderen zu erahnen.

Fast automatisch entsteht daraus dann das Handeln.

Barmherzig heißt einer, der ein betrübtes Herz hat, weil er die Betrübnis eines anderen Menschen wie seine eigene betrachtet und über das Leid des anderen trauert wie über sein eigenes Unglück. Remigius

Frage: Wann hast du zuletzt gespürt, dass du wirklich für jemanden da bist, und wie hat das dein eigenes Glück berührt?

Barmherzigkeit im Alltag? 

Unsere Mutter, die Kirche, übersetzt das schwere Wort Barmherzigkeit in unser tägliches Leben: Es gibt die sieben leiblichen und die sieben geistlichen Werke der Barmherzigkeit.

Eines dieser Werke fällt mir persönlich sehr schwer: Lästige geduldig ertragen. Wir kennen sie alle: die Quälgeister, Besserwisser und die, die ohne Punkt und Komma reden. Diesen Menschen können wir Barmherzigkeit erweisen.

Und plötzlich wird dann aus diesem fernen, frommen Wort Barmherzigkeit etwas, das ich jeden Tag leben und erfahren kann. Noch sind die Möglichkeiten nicht erschöpft. Und so auch meine Möglichkeit, Christus und meinen Mitmenschen meine Liebe zu zeigen.

Daniel Weber

Frage: In welchen Momenten des Alltags könntest du heute Barmherzigkeit üben und dadurch dein Herz weiten?

Vers 8 Reines Herz

Mt 5,8: Glücklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen.

Glückselig sind, die reinen Herzens sind

Zuerst muss klar sein, dass das Herz in der damaligen hebräischen Kultur für das Sein des Menschen in seiner Ganzheit steht (Gedanken, Gefühl und Willen).

Reinheit meines Herzens meint nun nicht moralische Perfektion. Ich habe kein reines Herz. Da scheitere ich täglich, obwohl ich mich stets bemühe.

Es gilt festzuhalten: Ich bin ein Sünder und habe nicht nur hier und da kleine Schwächen und Macken. Nur aus dieser Selbsterkenntnis kann die Einsicht als Frucht wachsen, dass ich gereinigt werden muss.

Diese Reinigung kann allein Jesus in mir bewirken, sie ist nichts Einmaliges, sondern ist lebensbegleitend, weil wir uns immer wieder verunreinigen. Doch es reicht, einen kleinen Schritt auf Jesus zuzugehen, um zu entdecken, dass er uns immer mit offenen Armen erwartet.

Es genügt, den Entschluss zu fassen, sich von ihm finden zu lassen, ihn jeden Tag ohne Unterlass zu suchen. Der Herr will uns begegnen, sich von uns schauen lassen.

Frage: Wo erlebe ich in meinem Herzen die Sehnsucht nach Reinigung und die Einladung, mich von Jesus anschauen zu lassen?

Selig, die ein reines Herz haben

Bedeutung dieser Seligpreisung: Das Herz ist dein Innerstes, das Zentrum deiner Gefühle, Gedanken und Absichten. Rein meint sauber, klar. Du musst lernen zu unterscheiden, was dein Herz verunreinigen kann (Neid, Hochmut, böse Gedanken, Anhänglichkeit an materielle Dinge etc.) und was dein Herz reinigt (Gebet, Beichte, Werke der Nächstenliebe, Stille etc.). Dein Herz kann sich an wahre und falsche Schätze hängen. Das kostbarste Gut, das du in deinem Leben haben kannst, ist deine Beziehung zu Gott. Achtest du auf die Reinheit deines Herzens, so wirst du Gott sehen.

Zur Reinheit

Reinheit bedeutet Einheit mit mir selbst, wodurch ich mich auf einen einzigen Lebenswert ausrichte. In diese Ausrichtung mischt sich immer wieder verunreinigend etwas anderes hinein. Auf dein Herz bezogen kommt es dann zu diesen Verunreinigungen, wenn du eigentlich etwas ganz bestimmtes willst, aber sich daneben auch noch andere Wünsche oder Gedanken einschleichen. Dann fühlst du dich zerrissen, hast nicht mehr die volle Konzentration nur für das eine übrig und verlierst dich in tausend Dingen. Du kannst dich dann nicht auf das Gegebene einlassen, weil du innerlich schon ganz woanders bist.

Gott, der Reine, wird aber von einem reinen Herzen angeschaut; denn der Tempel Gottes kann nicht befleckt sein; darum heißt es: Denn sie werden Gott anschauen. Goldene Perle

Die Ausrichtung auf einen einzigen Lebenswert ist für uns die Person Jesus Christus. Lasst uns in allem im reinen Herzen an ihm ausrichten.

Vers 9 Die Friedensstifter

Mt 5,9: Glückselig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Mt 5,9: Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Selig sind, die Frieden stiften

Frieden muss immer und unter allen Umständen gesucht werden.

Es ist nicht einfach, diesen Frieden aufzubauen, der niemanden ausschließt, sondern der auch die einschließt, die etwas seltsam sind, die schwierigen und komplizierten Menschen, diejenigen, die nach Aufmerksamkeit verlangen, die verschieden sind, die vom Leben schwer getroffen wurden, die andere Interessen haben.

Es ist hart und erfordert eine große Weite des Denkens und des Herzens, weil es nicht um einen Konsens auf dem Papier oder einen oberflächlichen Frieden geht. Ebenso wenig geht es darum, zu versuchen, die Konflikte zu ignorieren oder sie zu verschleiern, sondern um die Bereitschaft, den Konflikt zu erleiden, ihn zu lösen und zum Ausgangspunkt eines neuen Prozesses zu machen.

Es geht darum, Handwerker des Friedens zu sein, weil den Frieden aufzubauen eine Kunst ist, die Gelassenheit, Kreativität, Feingefühl und Geschicklichkeit erfordert.

Franziskus

Frage: Wo in meinem Leben bin ich eingeladen, Frieden zu suchen, der tiefer geht als bloße Harmonie – und wie kann ich selbst zum Werkzeug dieses Friedens werden?

Selig sind, die Frieden stiften

Bedeutung dieser Seligpreisung: Frieden bedeutet, mit allem und jedem in einem guten Kontakt zu stehen. Frieden ist die Vollkommenheit zwischenmenschlicher Beziehungen. Frieden ist der gute und lebendige Kontakt zum anderen Menschen, zum Mitgeschöpf neben mir. Wer nicht im Frieden mit sich selbst lebt, wird unzufrieden sein und meist auch nicht gerade zum Friedensstifter anderen gegenüber werden können.

Worte der goldenen Perle

Wenn du dein Inneres von jeder Makel der Sünde frei machen Willst, daß nicht Streit und Zank aus deinem Willen hervorgehen, so fange bei dir mit dem Frieden an, um so den Frieden Anderen zu bringen. Denn der Vater Aller ist der Eine Gott, und wir können auf keine andere Weise zu dem Namen von Söhnen Gottes gelangen, wenn wir nicht gegenseitig im Frieden der brüderlichen Liebe leben. Goldene Perle

Die Friedfertigen aber werden selig genannt, also die, die zuerst in ihrem Herzen und dann unter den streitenden Brüdern Frieden stiften. Hieronymus

Bezug zu den anderen Seligpreisungen

Die Seligpreisung des Friedfertigen steht an siebter Stelle, die Zahl für die Vollkommenheit. Gewissermaßen ist sie der Höhepunkt, weil jener der Frieden stiften will all das anwenden muss, was in den ersten sechs Seligpreisungen gesagt wurde:

(1) Arm sein im Geist - Akzeptanz deiner Schwächen: aus dieser Akzeptanz heraus wirst du ganz anders mit den Schwächen deiner Mitmenschen umgehen können. Du wirst ja sagen können zum ganzen Menschen. Nur so wird Frieden stiften möglich.

(2) Leid tragen: wer Frieden stiften will, muss Leid tragen können. Zu Beziehungen gehören immer auch Verletzungen, Enttäuschungen und schmerzliche Erfahrungen.

(3) Sanftmut: Frieden stiften lebt von der Sanftmut fremder, aber auch den eigener Ansprüchen gegenüber.

(4) Hungern nach Gerechtigkeit: Frieden stiften lebt von der tiefen Sehnsucht im Einklang mit dem anderen zu sein in einer gerechten Weise

(5) Barmherzig sein - Mitgefühl: Frieden stiften lebt davon, sich voll und ganz in einen anderen Menschen einzufühlen, immer wieder die Welt aus den Augen des anderen zu betrachten.

(6) Einfalt des Herzens - Klarheit des eigenen Standpunkts: Niemand kann besser Frieden stiften als ein Mensch, der weiß was er will und zugleich zum Gespräch und zu Kompromissen bereit ist, der sich nicht von 1000 Ansprüchen und Gefühlen zerreissen lässt.

Vers 10 Lohn bei Verfolgung

Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zu Mt 5,10: Bibelverse erklärt

Mt 5,10: ‭Glückselig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Reich der Himmel!

Glückselig die Verfolgten

Wir sind berufen, Christus nachzufolgen und ihm zu dienen. Dabei dürfen wir nicht erwarten, Beifall oder Anerkennung von anderen zu bekommen. Der wahre Lohn für treuen Dienst liegt nicht hier auf der Erde, sondern bei Gott – in Christus selbst. Erinnern wir uns immer daran!

Es ist leicht, nach Lob oder Erfolg bei Menschen zu streben, doch unser Vertrauen gehört allein ihm, der für uns in die Welt gekommen ist und uns am Kreuz erlöst hat. Ganz gleich, zu welchem Dienst er uns ruft, möge unser Herz stets bereit sein, seinen Willen demütig anzunehmen. So werden wir wirklich zu treuen Jüngern des Christus, der ja eben diese unsere Gerechtigkeit ist.

Selig, deren Herz bereit ist, alles für Christus zu erdulden, der die Gerechtigkeit ist. Hilarius

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens darfst du loslassen, um Christus ganz vertrauensvoll zu folgen?

Freude finden, wenn ich verfolgt bin

Herr, es ist mir sehr wichtig, was andere von mir denken. Ich stelle mir dann vor, dass das meine Identität ausmacht, und deshalb leide ich darunter, wenn ich verfolgt, kritisiert oder abgelehnt werde. Hilf mir, zu entdecken, dass ich meine Identität und mein Leben aus deiner Liebe empfangen habe und dass ich an dieser Liebe teilhaben kann. Herr, ich möchte mit mehr Frieden und Freiheit leben, denn ich weiß, dass mir gleichgültig ist, wer gegen mich steht, wenn du nur bei mir bist. José Andrés González Fernández

Vers 11-12 Freude über Schmähungen

Mt 5,11: ‭Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch jegliches böse Wort gegen euch redenum meinetwillen!

Für dein Leben:

  • Du wirst verfolgt und missverstanden werden, weil du dich für das Gute einsetzt. Auch wenn es schwerfällt, bleibt standhaft in deinem Glauben.
  • Verstehe, dass solche Schwierigkeiten eine Quelle des Segens sein können. Es bedeutet, dass du auf dem richtigen Weg bist und Gott an deiner Seite steht.

Um meinetwillen

Schmähungen: auch hier in Europa stößt gelebter Glaube immer öfters auf Herablassung oder gar Gegenwehr. Vandalismus in Kirchen sind nur ein Beispiel. Dies verletzt, doch Jesus erinnert uns: Wenn wir den Weg mit ihm gehen, schenkt er uns die Kraft, seinem Wort treu zu bleiben und unseren Glauben mutig zu leben.

Verfolgungen: Schwierigkeiten und Ablehnung gehören zum Glaubensweg. Wer standhaft bleibt, erfährt Gottes Nähe gerade in der Bedrängnis. In manchen Teilen der Welt können Christen ihren Glauben nicht offen zeigen, und manche haben dafür sogar ihr Leben gegeben. Denken und beten wir vor allem für die weltweit verfolgten Christen (opendoors.de ist hier eine informativ gute Seite!)

Die Seligpreisungen sind keine frommen Sprüche, sondern das Programm der Nachfolge Jesu. Bonhoeffer

Selig sind die Verfolgten

Der Weg zum Glück ist nicht reibungslos. Glück ist nicht gleichzusetzen mit Erfolg, sondern kann auch Verfolgung beinhalten. Wichtig ist allerdings der Vorsatz „um der Gerechtigkeit willen“.

Glück stellt sich nur dort ein, wo ich im Einsatz für mehr Gerechtigkeit Anfeindung erfahre und im tiefsten Sinne für Jesus selbst, der ja eben diese Gerechtigkeit ist.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich, dass mein Einsatz für Gerechtigkeit mich innerlich stärkt, selbst wenn er Widerstand hervorruft?

Worte der goldenen Perle

Wir müssen uns also freuen und frohlocken, daß uns der Lohn im Himmel vorbereitet wird; aber dieses kann der nicht tun, welcher nach eitlem Ruhm strebt. Denn je mehr sich Jemand über Menschenlob freut, desto mehr ist er über den Tadel traurig; wer aber seinen Ruhm im Himmel sucht, fürchtet keinen Tadel auf der Erde. Goldene Perle

Selig, deren Herz bereit ist, alles für Christus zu erdulden, der die Gerechtigkeit ist. Hilarius

Wer Jesus nachfolgt, wird Widerstand erleben.

Es hat noch nie eine Zeit gegeben, in der Christsein, weltweit betrachtet, so gefährlich war – rund 100 Millionen Christen werden verfolgt. Schon die frühen Christen haben für andere bedrängte Gemeinden gebetet, auch wenn sie diese kaum oder gar nicht kannten. Dies zeigen besonders die Briefe des Paulus.

Dieser Impuls soll keine tiefgründigen Gedanken liefern, sondern einfach ein Aufruf sein, es den frühen Christen gleichzutun: in unserem Gebet die verfolgten Christen immer wieder einzuschließen oder Organisationen wie Opendoors zu unterstützen, die konkret tätig sind und Hilfe leisten.

Frage: Wie kann ich persönlich meine Gebete und mein Handeln bewusster auf Menschen ausrichten, die unter Verfolgung oder Not leiden?

Mt 5,12: Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß im Himmel; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch gewesen sind.

Andacht für dein Leben

  • Freue dich und sei fröhlich, auch wenn du Verfolgung erlebst. Deine Belohnung im Himmel ist groß, und das ist mehr wert als alles, was du hier auf der Erde erfahren kannst.
  • Denke daran, dass du nicht allein bist. Auch die Propheten wurden verfolgt, aber ihre Hoffnung und ihr Glaube wurden von Gott belohnt. Deine Standhaftigkeit wird von ihm anerkannt.

Freut euch

Wörtlich könnten wir diesen Satz so übersetzen, dass die Verfolgten vor Freude hüpfen sollen. Wieso den? Weil die Verfolgten großen Lohn im Himmel haben werden und weil die Verfolgten in guter Gesellschaft sind: Auch die Propheten vor ihnen wurden verfolgt.

Dein Lohn

Die Mühen und Beschwerlichkeiten diese Welt sind nicht umsonst. Du versprichst reichen Lohn. Diese Verheißung kann durch schwere Zeiten tragen und stillt unsere Hoffnung auf ein besseres, vollkommenes Leben bei Dir. Nichts weniger als das Himmelreich stellst Du in Aussicht, wir erben das Land, werden getröstet und gesättigt, finden Erbarmen und werden Gott schauen. Edith Marqués Berger

Der Schatz

Wenn wir die Seligpreisungen lesen, sehen wir als erstes, dass sie sich selbst zu widersprechen scheinen. Wie verdienen wir ein Königreich, wenn wir arm sind? Wie kann ich getröstet werden, wenn ich weine? Paradox!

Aber vor allem weil sie wie ein Widerspruch aussehen, machen sie Sinn. Wir können nur empfangen, wenn wir nichts haben, wir können nur getröstet werden, wenn wir weinen.

Jesus möchte unser Schatz sein, aber dieser Schatz ist so groß, dass Er jeden Aspekt unseres Lebens erfüllt. Dies ist der einzige Schatz! Unser Himmelreich, unser Trost, unsere Barmherzigkeit, unser Friede, unser Lohn. Unser Freund und unsere Liebe: Jesus!

Frage: Wo erfahre ich in meinem Leben, dass gerade im scheinbaren Widerspruch ein göttlicher Sinn verborgen liegt?