Mt 4, 18-22 Berufung der ersten Jünger

Vers 18 Berufung von Petrus & Andreas

Mt 4,18: Als Jesus aber am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und dessen Bruder Andreas; die warfen das Netz in den See, denn sie waren Fischer.

Da sah er

In Matthäus 4,18 begegnet Jesus den Brüdern Simon (Petrus) und Andreas am See Genezareth, während sie ihre Netze auswerfen. Er ruft sie mit den Worten: „Folgt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen.“

Diese Szene zeigt die unmittelbare und entschlossene Nachfolge der Jünger. Sie lassen alles zurück – Beruf, Sicherheit, Familie – und vertrauen völlig auf Jesus.

Die Metapher des „Menschenfischers“ deutet an, dass ihre neue Aufgabe nicht mehr dem Fischfang, sondern der Verkündigung des Evangeliums und der Gewinnung von Menschen für Gottes Reich gilt.

Dieser Vers lehrt, dass Jesus seine Nachfolger selbst beruft, sie verändert und ihnen eine neue Lebensaufgabe gibt: anderen den Weg zu Gott zu weisen.

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens spürst du den Ruf, loszulassen und auf eine tiefere spirituelle Berufung zu vertrauen?

Vers 19 Ruf zum Menschenfischer

Mt 4,19: Und er spricht zu ihnen: Folgt mir nach, und ich will euch zu Menschen­fischern machen!

Folgt mir nach

Das ist der Kern einer christozentrischen Spiritualität: Jesus kennen und lieben lernen und Gottes Liebe weitergeben.

Der Anruf Jesu erfolgt plötzlich und hat einen überraschend unbedingten Charakter: Auf, mir nach! ist ein Befehl, dem man sich kaum entziehen kann. Daran wird prototypisch die Radikalität der durch den Ruf Jesu erfolgten Lebenswende verdeutlicht.

Folgt mir nach. Nicht sowohl mit den Füßen, als im Willen und durch Nachahmung.

Frage: Wie offen bin ich wirklich dafür, Jesu Ruf in meinem Alltag zu folgen und seine Liebe aktiv weiterzugeben?

Und ich will euch zu Menschenfischern machen

D. h. zu Lehrern, so dass ihr mit dem Netz des Wortes Gottes die Menschen von der stürmischen und gefahrvollen Welt abzieht, in der die Menschen nicht wandeln, sondern gezogen werden, weil der Teufel sie durch das Vergnügen zur Sünde hinzieht. In dieser Welt verzehren sich die Menschen gegenseitig, wie die stärkeren Fische die kleineren verschlingen. Doch ihr sollt sie auf das Land herausziehen, als Glieder des Leibes Christi, damit sie wandeln.

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens spürst du, dass Gottes Wort dich von stürmischen Strömungen abziehen möchte, und wie kannst du anderen dabei helfen, diesen Weg zu gehen?

Er ruft dich beim Namen

Jesus geht auf konkrete Menschen zu und spricht sie an: Andreas, Petrus, Jakobus und Johannes. Er ruft sie beim Namen und kennt sie. Er kennt auch dich.

Du könntest sagen: Ich? Ich kann nicht, ich habe nichts zu geben, ich bin klein, bin ein Stotterer, bin zu jung, usw. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die von Gott Berufenen irgendeine Ausrede haben.

Aber Gott kennt dich, ruft dich beim Namen. Und wenn er dich ruft, befähigt er dich, schenkt er dir Talente, erfüllt dein Herz mit Freude und Hoffnung, um in dieser neuen Sendung beharrlich zu sein.

Hab keine Angst, er kennt dich besser als du dich selbst kennst, er kennt dich von Ewigkeit her. Er kennt die, die er ruft, und sagt zu dir: Ja, du, wenn du willst, komm und folge mir nach.

Alejandro Espejo

Frage: Welche „Ausreden“ hältst du noch zurück, obwohl Gott dich schon beim Namen ruft?

Vers 20 Sofortige Nachfolge

Mt 4,20: Da verließen sie sogleich die Netze und folgten ihm nach.

Warum sofort?

Einfach weil sie sich angezogen fühlten. Sie waren nicht deswegen schnell bereit, weil sie einen Befehl erhielten, sondern weil sie von der Liebe angezogen wurden.

Um Jesus nachzufolgen, reichen nicht die guten Einsätze; vielmehr muss man jeden Tag auf seinen Ruf hören. Nur er, der uns kennt und bis zum Äußersten liebt, lässt uns auf die offene See des Lebens hinausfahren.

So wie er es mit diesen Jüngern gemacht hat, die auf ihn gehört haben.

Papst Franziskus

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Ruf der Liebe, der mich hinaus auf das offene Meer des Lebens führen möchte?

Christus nachfolgen

Christus nachfolgen ist unsere Berufung. Und zwar ihm so sehr aus nächster Nähe folgen, dass wir mit ihm zusammen leben, wie die ersten Zwölf. So sehr aus nächster Nähe, dass wir mit ihm eins werden, dass wir sein Leben leben, bis der Augenblick kommt – vorausgesetzt, wir haben keine Hindernisse errichtet –, dass wir mit Paulus sagen können: Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir (Gal 2,20) Josefmaria

Frage: Welche inneren Hindernisse könnte ich heute erkennen und loslassen, um Christus noch näher zu folgen?

Immer tiefer, immer mehr, immer neu

Jesus möchte eine immer größere Rolle in unserem Leben spielen. Klar, wir haben ihm schon oftmals unser Herz geöffnet und er hat auch schon einen festen Platz in unserem Leben.

Doch Jesus ist zu groß und beeindruckend! Er begnügt sich nicht damit, uns ein kleines bisschen seiner Liebe zu schenken. Er möchte uns weiter hinaufführen, weiter hinein in seine Liebe, tiefer in sein Geheimnis.

Dazu geht er uns voraus und lädt uns ein, ihm zu folgen, immer wieder neu. Bleiben wir nicht ohne ihn auf dem Weg zurück! Folgen wir ihm! In jedem Moment gibt es noch mehr von seiner Liebe zu entdecken.

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich, dass ich Jesus noch tiefer folgen könnte, und welche kleinen Schritte könnten mich näher zu ihm führen?

Vers 21 Berufung Jakobus & Johannes

Mt 4,21: Und als er von dort weiterging, sah er in einem Schiff zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und dessen Bruder Johannes, mit ihrem Vater Zebedäus ihre Netze flicken; und er berief sie.

Mt 4,21: Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie.

Jesus treffen im Alltag

Dadurch, dass Matthäus anschließend ein zweites Mal in sehr ähnlicher Weise von der Berufung eines Brüderpaares erzählt, hebt er bereits auf literarische Weise die Bedeutsamkeit der Jüngernachfolge hervor.

Wieder wird Jesu Initiative durch sein erwählendes Sehen beschrieben. Wieder trifft sein Blick eine Alltagssituation. Während in der ersten Erzählung Simon und Andreas am Beginn eines Arbeitsvorganges geschildert werden (Netze auswerfen), wird das jetzige Brüderpaar bei dessen Beendigung gezeigt (Netze herrichten/in Ordnung bringen).

Vielleicht ist dies ein zufälliges, narratives Detail. Es deutet dennoch an, dass Berufung in jeder Alltagssituation geschehen kann.

Frage: In welchen alltäglichen Momenten könntest du die Einladung spüren, deinem eigenen Weg zu folgen?

Richtet die Netze her

Geht und richtet die Netze. Jesus berief seine ersten Apostel, als sie gerade dabei waren, ihre Fischernetze zu richten (vgl. Mt 4,21-22).

Das verlangt er auch von uns, ja, er fordert uns heute auf, andere Netze zu knüpfen: Netze der Beziehungen, Netze der Liebe, Netze des selbstlosen Teilens, in denen echte und tiefe Freundschaft ist. Netze, in denen Zerbrochenes wieder zusammengefügt werden kann, in denen man von Einsamkeit geheilt werden kann, ohne die Anzahl der Follower zu zählen, sondern indem wir in jeder Begegnung die unendliche Größe der Liebe erfahren.

Netze, die dem anderen mehr Raum geben als sich selbst, in denen keine „Blase” die Stimmen der Schwächsten übertönen kann. Netze, die befreien, Netze, die retten. Netze, die uns die Schönheit wiederentdecken lassen, einander in die Augen zu schauen. Netze der Wahrheit.

So wird jede Geschichte des gemeinsamen Guten zum Knotenpunkt eines einzigen, unermesslichen Netzes: dem Netz der Netze, dem Netz Gottes.
Leo XIV

Frage: Welche „Netze“ in deinem Leben könntest du heute knüpfen, um Heilung, Liebe oder tiefere Verbundenheit zu ermöglichen?

Vers 22 Verlassen des Vaters

Mt 4,22: Da verließen sie sogleich das Schiff und ihren Vater und folgten ihm nach.

Was müssen wir verlassen?

Denn dreierlei muss der verlassen, welcher zu Christus kommt: die fleischlichen Handlungen, welche durch das Fischernetz bezeichnet werden, das zeitliche Vermögen, das durch das Schiff ausgedrückt wird, und die Eltern, die durch den Vater symbolisiert werden.

Jesus zu folgen bedeutet immer, einige Dinge hinter sich zu lassen. Die Samariterin verließ ihren Krug, Matthäus verließ seinen Steuertisch und der blinde Bartimäus legte seinen Umhang ab, um Jesus nachzufolgen.

Frage: Welche Dinge in meinem Leben halte ich fest, die mich vielleicht daran hindern, Jesus wirklich zu folgen?

Mit Jesus gehen

Wahrlich, wenn der Herr in dein Leben kommt, ist das alles andere als langweilig, nicht im Sinne großer Erscheinungen oder überhöhten Adrenalin-Erlebnissen, sondern im Erscheinen und Wirken in unserem Kleinen des Alltags.

Ja: Gott kommt in jedem Augenblick. Schärfe deinen Sinn, dieses stete Kommen Gottes in dein Leben wieder ganz neu wahrzunehmen.

Dieses Kommen Gottes ist stets ein Abenteuer, ein andauernder Advent. Der Herr fordert dich immer neu, mit ihm zu kommen.

Frage: In welchen Momenten deines Alltags kannst du das leise Wirken Gottes besonders deutlich spüren?