Mt 26, 1-16 Salbung in Betanien
Inhaltsverzeichnis
Vers 1-5 Juden beschließen, Jesus zu töten
Mt 26,1: Und es geschah, als Jesus alle diese Worte beendet hatte, sprach er zu seinen Jüngern:
Mt 26,2: Ihr wisst, dass in zwei Tagen das Passah ist; dann wird der Sohn des Menschen ausgeliefert, damit er gekreuzigt werde.
Dann wird der Sohn des Menschen ausgeliefert
Diese Ankündigung steht am Beginn der Passionsgeschichte. Jesus spricht bewusst von seinem bevorstehenden Leiden und weist darauf hin, dass sein Tod kein Zufall ist, sondern Teil von Gottes Heilsplan.
Das Passafest erinnert an die Befreiung Israels aus Ägypten – nun wird Jesus selbst als das wahre Passalamm geopfert (vgl. 1Kor 5,7).
Die Aussage unterstreicht Jesu Wissen um sein Schicksal und seine freiwillige Hingabe. Sie verdeutlicht auch den Kontrast zwischen Gottes Plan und den menschlichen Intrigen der Hohenpriester, die seinen Tod heimlich planen (Mt 26,3-5). So wird Gottes Wille trotz menschlicher Bosheit erfüllt.
Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leben, dass Gott auch durch menschliche Begrenzungen und Schwierigkeiten hindurch seinen Plan wirken lässt?
Sein Leiden
Nachdem der Herr von seiner künftigen majestätischen Wiederkunft gesprochen, so zeigt er jetzt, daß er leiden werde, damit sie wüßten, daß das Geheimnis des Kreuzes mit der ewigen Herrlichkeit in Verbindung stehe. Goldene Perle
Mt 26,3: Da versammelten sich die obersten Priester und die Schriftgelehrten und die Ältesten des Volkes im Hof des Hohenpriesters, der Kajaphas hieß.
Mt 26,4: Und sie hielten miteinander Rat, wie sie Jesus mit List ergreifen und töten könnten.
Mt 26,5: Sie sprachen aber: Nicht während des Festes, damit kein Aufruhr unter dem Volk entsteht!
Nicht während des Festes
Sie wollten Jesus nicht während des Passahs töten, aber genau so geschah es. Dies ist ein weiterer subtiler Hinweis darauf, dass Jesus die Kontrolle über die Ereignisse hatte, da sie ihn tatsächlich an genau dem Tag töteten, an dem sie es nicht wollten.
Die Führer des Volkes wollten in ihrer boshaften List Christus nach dem Passahfest umbringen. Es erschien ihnen zu riskant zu sein, ihn während des Festes, wenn sehr viele Menschen in Jerusalem sind, verhaften zu lassen. Sie wollten keinen Aufruhr des Volkes riskieren, die ihn am Sonntag vorher noch als Messias bejubelt hatten.
Doch es gab einen, der einen anderen Plan hatte. Dieser eine – war Gott. Er hatte im Alten Testament die Schlachtung des Passahlammes auf einen bestimmten Tag gelegt. Und genau an diesem Tag sollte auch das wahre Passahlamm geschlachtet werden – was auch immer die Menschen sich in ihrer List ausdachten.
Gerrid Setzer
Frage: Wo erlebe ich in meinem Leben, dass Gottes Plan sich trotz menschlicher Pläne und Widerstände auf geheimnisvolle Weise erfüllt?
Vers 6-7 In Bethanien
Mt 26,6: Als nun Jesus in Bethanien im Haus Simons des Aussätzigen war,
Zum Abschnitt Mt 26,6-13
In Matthäus 26,6–13 wird die Salbung Jesu durch eine Frau in Bethanien beschrieben. Während er im Haus Simons des Aussätzigen isst, gießt eine Frau kostbares Salböl über sein Haupt. Die Jünger kritisieren sie, da das Öl hätte verkauft und der Erlös den Armen gegeben werden können.
Doch Jesus verteidigt sie: Ihre Tat sei eine Vorbereitung auf sein Begräbnis und werde immer in Erinnerung bleiben. Diese Erzählung betont die Hingabe und Liebe der Frau zu Jesus. Sie erkennt seine wahre Identität und seine bevorstehende Passion.
Während die Jünger materiellen Nutzen im Blick haben, würdigt Jesus die selbstlose Tat. Die Geschichte zeigt, dass wahre Anbetung und Hingabe über wirtschaftliche Überlegungen hinausgehen.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben eine Haltung der Hingabe und Liebe zu Christus leben, die nicht vom Nutzen, sondern vom Herzen getragen ist?
Simon, der Aussätzige
Nicht darum hieß er so, weil er zu jener Zeit noch aussätzig war, sondern weil er vorher aussätzig war, hernach aber von dem Erlöser geheilt wurde. Es blieb ihm der frühere. Name, damit die Kraft des Heilenden offenbar würde. Goldene Perle
Mt 26,7: da trat eine Frau zu ihm mit einer alabasternen Flasche voll kostbaren Salböls und goss es auf sein Haupt, während er zu Tisch saß.
Vers 8-10 Unmut der Jünger
Mt 26,8: Als das seine Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Wozu diese Verschwendung?
Für Jesus ist nichts verschwendet
Ist irgendetwas verschwendet, was alles für Jesus ist? Es könnte eher so aussehen, als wäre alles verschwendet, was ihm nicht gegeben wurde. Spurgeon
Mt 26,9: Man hätte dieses Salböl doch teuer verkaufen und den Armen geben können!
Mt 26,10: Als es aber Jesus bemerkte, sprach er zu ihnen: Warum bekümmert ihr diese Frau? Sie hat doch ein gutes Werk an mir getan!
Vers 11 Arme immer bei euch
Mt 26,11: Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit.
Mich aber habt ihr nicht allezeit
Die Aussage bedeutet nicht, dass Jesus die Hilfe für Arme gering schätzt. Vielmehr hebt er hervor, dass bestimmte Momente eine besondere Würdigung verdienen.
Die Salbung symbolisiert seine bevorstehende Bestattung und zeigt, dass die Frau Jesu wahre Bedeutung erkennt.
Die Stelle lehrt, dass Liebe und Hingabe zu Christus höchste Priorität haben, ohne die soziale Verantwortung zu vernachlässigen.
Frage: Wo erkenne ich in meinem eigenen Leben Momente, in denen Hingabe an Christus wichtiger ist als äußeres Tun?
Die Armen habt ihr allezeit
Im verwundeten Gesicht der Armen sehen wir das Leiden der Unschuldigen und damit das Leiden Christi selbst. Zugleich sollten wir vielleicht besser von den vielen Gesichtern der Armen und der Armut sprechen, weil es sich um eine facettenreiche Problematik handelt.
Es gibt nämlich viele Formen der Armut: die derjenigen, denen es materiell am Lebensnotwendigen fehlt, die Armut derer, die sozial ausgegrenzt sind und keine Mittel haben, um ihrer Würde und ihren Fähigkeiten Ausdruck zu verleihen, die moralische und geistliche Armut, die kulturelle Armut, die Armut derjenigen, die sich in einer Situation persönlicher oder sozialer Schwäche oder Fragilität befinden, die Armut derer, die keine Rechte, keinen Raum und keine Freiheit haben.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die verschiedenen Formen von Armut wahrnehmen und darauf mit Mitgefühl und Engagement reagieren?
Vers 12 Vorbereitung aufs Begräbnis
Mt 26,12: Damit, dass sie dieses Salböl auf meinen Leib goss, hat sie mich zum Begräbnis bereitet.
Zum Begräbnis bereitet
Denn diese hat es zu meinem Begräbnis getan u.s.w.
Denn es war Gewohnheit dieses Volks, die Leiber der Toten mit verschiedenen Gewürzen einzubalsamieren, damit sie länger unversehrt erhalten würden.
Weil daher diese Frau den Leichnam Christi einsalben wollte und doch nicht konnte, weil er früher auferstehen würde, daher geschah es durch die göttliche Vorsehung, daß sie den lebendigen Leib des Herrn einsalbte.
Goldene Perle
Frage: Wann habe ich zuletzt etwas Gutes getan, ohne zu wissen, dass es Teil eines größeren göttlichen Plans war?
Vers 13 Ewiges Gedenken
Mt 26,13: Wahrlich, ich sage euch: Wo immer dieses Evangelium verkündigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch von dem sprechen, was diese getan hat, zu ihrem Gedenken!
Bedeutung der Salbung
Die Schönheit der Tat dieser Frau bestand darin, dass alles für Christus war. Alle, die im Haus waren, konnten den Duft der kostbaren Salbe wahrnehmen und genießen; aber die Salbung war nur für Jesus.
Auch wenn sie die volle Bedeutung dessen, was sie tat, nicht verstand, sagte Marias Tat etwas, was die Jünger nicht sagten oder taten. Sie gab Jesus die Liebe und Aufmerksamkeit, die er vor seinem großen Leiden verdient hatte.
Sie verstand mehr, weil sie am Ort des größten Verständnisses war – zu Füßen Jesu. Marias Name riecht jetzt im ganzen Haus Gottes so süß wie immer ihre Salbe; wenn der Name des Judas verrottet, und es der ganzen Nachwelt tun wird.
Frage: In welchen Momenten deines Lebens kannst du wie Maria ganz aus Liebe und Aufmerksamkeit handeln, ohne auf Anerkennung zu achten?
Vers 14 Verrat des Judas
Mt 26,14: Da ging einer der Zwölf namens Judas Ischariot hin zu den obersten Priestern
Judas geht zu den Priestern
Welche Gelegenheit aber Judas suchte, drückt Lukas deutlich aus, indem er sagt: Und er suchte eine Gelegenheit, ihn ohne die Volksschar auszuliefern; das heißt, wenn das Volk nicht um ihn, sondern er allein mit seinen Jüngern war. Dieses tat er auch, indem er ihn nach dem Abendmahl überlieferte, da er in dem Garten Gethsemani allein war.
Frage: Welche Momente in meinem Leben habe ich vielleicht bewusst oder unbewusst genutzt, um andere zu beeinflussen, und wie kann ich in Zukunft achtsam und liebevoll handeln?
Vers 15 Dreißig Silberlinge
Mt 26,15: und sprach: Was wollt ihr mir geben, wenn ich ihn euch verrate? Und sie setzten ihm 30 Silberlinge fest.
Der Preis der Freiheit
Judas fragt die Hohepriester offen, was sie ihm für die Auslieferung Jesu geben würden, und das, ohne zu verhandeln oder zuvor selbst einen Preis festzulegen. Fast wirkt es so, als ginge es ihm nicht um das Geld, und das macht Judas nur noch rätselhafter.
Es ist nicht eindeutig bekannt, was ihn zum Verrat treibt, auch gezwungen wird er nicht, und doch geht er zu den Hohepriestern. Viel höher als die 30 Silberstücke, die Judas erhält, ist der Preis, den Jesus für die Freiheit des Menschen zahlt.
Ohne Freiheit wäre echte Liebe nicht denkbar, und so lässt Jesus es zu.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens bin ich bereit, loszulassen, um Liebe und Freiheit zuzulassen?
Die Verurteilung
Beim Lesen der biblischen Geschichte ist es mir oft passiert, zu erkennen, dass ich dazu neige, zu verurteilen und zu denken: Warum hast du so etwas getan?
Die Geschichte von Adam, der kein Vertrauen auf Gott hat, der wunderbare König David, der unrein und ein Mörder geworden ist, dann Petrus, Paulus, und jetzt Judas… Wie ist das möglich? Besonders, weil sie so nahe bei Gott waren.
Aber dann schaue ich auf mein Leben und weiß, dass ich nicht besser bin. Ihre Geschichte ist meine Geschichte, sie handelt von meiner Sklaverei gegenüber der Sünde, meiner Anhänglichkeit, meinen Süchten, meinem Egoismus, und alles, was bei mir einer tieferen Beziehung mit Christus im Weg steht.
Kann ich es sehen? Erkenne ich, worin meine Hindernisse bestehen?
Frage: Welche Aspekte meines Lebens halten mich noch davon ab, Gott wirklich zu vertrauen und mich vollständig auf ihn einzulassen?
Was trieb Judas an?
Was mag das Motiv des Judas gewesen sein? Darüber haben schon viele Theologen nachgedacht, aber letztendlich wissen das nur Gott und Judas selbst. Meist wird Geld als Motiv genannt, doch es wäre vermutlich einträglicher gewesen, sich weiterhin an der Kasse zu bereichern. Andere meinen, Judas habe Jesus als politischen Messias gesehen und ihn so zum Handeln zwingen wollen.
Vor einigen Jahren tauchte die Theorie auf, Judas sei in Wirklichkeit der Held. Um den Willen Gottes zu erfüllen, habe irgendjemand sich opfern und Jesus verraten müssen – und diese Rolle habe Judas sich zu übernehmen getraut, wohl wissend, dass er nun in alle Ewigkeit als der Böse dastehen werde.
Doch ehrlich: Welch seltsame "frohe" Botschaft wäre das?
Frage: Welche Handlungen in meinem Leben könnte ich aus Liebe oder Überzeugung wagen, auch wenn sie von anderen missverstanden werden könnten?
Vers 16 Suche nach Gelegenheit
Mt 26,16: Und von da an suchte er eine gute Gelegenheit, ihn zu verraten.
Dreißig Silberstücke
Der Preis eines Sklaven (Ex 21,32). Mehr sind die Würdenträger nicht bereit zu zahlen, und auch Judas ist mit der Summe einverstanden. Jesus ist ihm so viel wert wie ein Sklave. Rechtzeitig sichert er sich einen Vorteil aus seinem Verrat. Wie tief kann ein Mensch sinken! War es ihm bewusst?
Auch heute will ich vorsichtig sein mit meinem Zeigefinger. Wie viel ist Jesus mir wert? Wert gewesen bisher? Habe ich ihn womöglich schon für weniger „verkauft“?
Es ist gut, Licht darauf zu werfen, um mein ganzes Elend zu erkennen und die Barmherzigkeit Gottes darauf herabzuflehen.
Konstantin Ballestrem
Frage: Welche Bereiche meines Lebens habe ich vielleicht schon „verkauft“, und wo darf ich Gottes Barmherzigkeit heute besonders erfahren?
Einer der Zwölf soll ein Verräter sein?
Wir meinen oft, dass Judas verschieden gewesen sein muss, schlechter als die anderen Jünger. Wenn das gestimmt hätte, hätte jeder sofort ihn verdächtigt, als Jesus sagte: Einer von euch wird mich verraten. Sie hätten vermutet: Es muss Judas sein. Er war schon immer böse. Er ist fähig, Jesus zu verraten. Ich verstehe nicht, warum Jesus ihn ausgewählt hat.
Doch Judas schien sich nicht so offensichtlich von ihnen zu unterscheiden. Sonst hätten sie ihn ja sofort verdächtigt. Jeder von uns kann ein Judas werden, nach und nach, indem wir unsere Prinzipien immer mehr aufgeben, zuerst in den kleinen Dingen, und dann auch in wichtigen Angelegenheiten.
Im christlichen Leben braucht es immer eine gesunde Spannung zwischen dem Vorwärtsstreben und der Wachsamkeit. Wer in den kleinen Dingen treu ist, ist es auch in den Großen.
James Swanson
Frage: In welchen kleinen Bereichen meines Lebens könnte ich unbewusst meine Prinzipien aufgeben, und wie kann ich achtsam bleiben, um meinen inneren Werten treu zu bleiben?