Mt 23, 1-12 Warnung vor den Schriftgelehrten

Vers 1 Rede an Volk und Jünger

Mt 23,1: ‭Da redete Jesus zu der Volksmenge und zu seinen Jüngern

Zum Abschnitt Mt 23,1-36

In Mt 23,1-36 kritisiert Jesus die Schriftgelehrten und Pharisäer scharf. Sie lehren das Gesetz, aber leben nicht danach. Sie tragen schwere Lasten auf andere, suchen Ehre und Ansehen und genießen ihre Machtstellung.

Jesus warnt davor, ihnen blind zu folgen. Er ruft zur Demut auf: „Der Größte unter euch soll euer Diener sein“ (Vers 11).

Dann spricht er acht „Weherufe“ aus, die die Heuchelei der Pharisäer entlarven. Sie verschließen den Menschen das Himmelreich, sind blind für Gottes Wahrheit und kümmern sich mehr um äußere Reinheit als um ein reines Herz.

Jesus zeigt, dass Gott keine äußerliche Frömmigkeit, sondern echte Gerechtigkeit und Barmherzigkeit will. Diese Worte fordern uns heraus, unseren Glauben authentisch und demütig zu leben.

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich heute noch wahrhaft demütig und gerecht handeln, anstatt nur nach äußerlicher Anerkennung zu streben?

Vers 2 Auf Moses Stuhl

Mt 23,2: ‭und sprach: Die Schriftgelehrten und Pharisäer haben sich auf Moses Stuhl gesetzt.

Moses Stuhl

In den Synagogen gab es einen besonderen Stuhl, auf dem der Rabbiner Platz nahm, der die Heilige Schrift auslegte. Im übertragenen Sinne stand der „Stuhl des Mose“ für das Lehramt der Gesetzeslehrer, die das Volk unterwiesen.

Doch wie Jesus betont, war ihr Leben voll von Widersprüchen: Sie predigten das Gesetz, hielten sich selbst jedoch nicht daran. Nachsichtig mit sich selbst, aber unerbittlich gegenüber anderen, redeten sie viel, doch ihre Werke zeugten nicht von ihrem Glauben.

Frage: Wo in meinem eigenen Leben spüre ich einen Unterschied zwischen dem, was ich predige, und dem, was ich tatsächlich lebe?

Vers 3 Tun, aber nicht nachfolgen

Mt 23,3: ‭Alles nun, was sie euch sagen, dass ihr halten sollt, das haltet und tut; aber nach ihren Werken tut nicht, denn sie sagen es wohl, tun es aber nicht.‭

Jesus warnt mich vor der Versuchung der Zweideutigkeit

Sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen. Von solch einer Haltung ist es nur ein kleiner Schritt zur nächsten, die noch schlimmer ist: Sie legen anderen Lasten auf, rühren selber aber keinen Finger, um die Lasten zu tragen.

Was empfinde ich in meinem Herzen, wenn ich diese Mahnung Jesu höre? Wirft mein Inneres mir nicht irgendeine Zweideutigkeit in meinem Leben vor? Predige ich anderen, lebe selbst aber nicht das, was ich von anderen verlange?

Ich vertraue Jesus meinen Seelenzustand an. Um was will ich Ihn bitten?

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die Diskrepanz zwischen dem, was ich predige, und dem, was ich lebe, und wie kann ich bewusst danach streben, dies in Einklang zu bringen?

Selbst tun

Anspruch an andere und Wirklichkeit bei sich selbst liegen bei den Pharisäern offensichtlich weit auseinander. Während sie genau wissen, was andere tun sollen, sind sie bei sich selbst großzügig.

Und wie ist es bei mir? Verlange ich von meinen Mitmenschen, der Familie und den Arbeitskollegen Dinge, die ich selbst nicht umsetze?

Frage: Welche Erwartungen stelle ich an andere, die ich vielleicht zuerst an mich selbst erfüllen sollte?

Vers 4 Schwere Lasten auflegen

Mt 23,4: ‭Sie binden nämlich schwere und kaum erträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; sie aber wollen sie nicht mit einem Finger anrühren.‭

Zwei Lasten

Die Last der religiösen Führer steht in scharfem Kontrast zur Last Jesu. Seine Last ist leicht und sein Joch ist sanft (Mt11:30). Diese religiösen Führer waren Lastbringer. Jesus war ein Lastenträger.

Vers 5 Werke zur Schau

Mt 23,5: Alle ihre Werke tun sie aber, um von den Leuten gesehen zu werden. Sie machen nämlich ihre Gebetsriemen breit.

Gespräch mit Christus

Herr, ich will dir dienen,

still, ohne Bühne,

ohne Applaus der Welt.

Lass mein Tun

aus Liebe zu dir leuchten,

nicht aus Blicken anderer.

Im Verborgenen

möchte ich dir nahe sein,

dass dein Herz mein Tun berührt.

Wir Jünger Jesu dürfen nicht nach Ehren-, Autoritäts- oder Vorrangtiteln trachten

Wir Jünger Jesu dürfen das nicht tun, da unter uns eine einfache und brüderliche Haltung herrschen soll.

Wir sind alle Brüder und Schwestern und dürfen auf keine Weise die anderen unterdrücken oder sie von oben herab anschauen. Nein. Wir sind alle Brüder und Schwestern.

Wenn wir vom himmlischen Vater besondere Talente empfangen haben, dann müssen wir sie in den Dienst der Brüder und Schwestern stellen und dürfen sie nicht für unsere Befriedigung und unser persönliches Interesse ausnutzen.

Franziskus

Frage: Wie kann ich meine eigenen Gaben heute so einsetzen, dass sie anderen dienen und nicht nur mir selbst?

Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen

Die Pharisäer und Schriftgelehrten lebten sehr auf sich selbst bezogen. Es ging ihnen nur um ihr eigenes Ansehen.

Wie sieht das bei mir aus? Was ist meine Motivation bei meinen Handlungen, Diensten und Arbeiten? Wie wichtig ist mir mein Ansehen bei den anderen?

Paulus schreibt: Arbeitet nicht nur, um euch bei den Menschen einzuschmeicheln und ihnen zu gefallen, sondern fürchtet den Herrn mit aufrichtigem Herzen! Tut eure Arbeit gern, als wäre sie für den Herrn und nicht für Menschen; ihr wisst, dass ihr vom Herrn euer Erbe als Lohn empfangen werdet. Dient Christus, dem Herrn!

Edeltrud Fuhr

Frage: Welche meiner täglichen Handlungen spiegeln echte Hingabe wider, jenseits von dem Wunsch, anderen zu gefallen?

Alles tun sie nur, damit die Menschen es sehen

Es ist eine immer neue Herausforderung, reine Absichten zu bewahren. Bei den Pharisäern hat sich die Eitelkeit in eine eigentlich tugendhafte Handlung, die des Gebets, eingeschlichen.

Oft kann sich der Egoismus auch in andere, sehr tugendhafte Handlungen einschleichen. Das können zum Beispiel die sehr wichtigen Glaubensgespräche mit weniger gläubigen Mitmenschen sein, wodurch die eigentliche Absicht – also die Nächstenliebe und die Hingabe – fast unmerklich ersetzt werden kann durch die Freude, Recht zu haben, es besser zu wissen, ohne echtes Zuhören, ohne Aufeinander-Eingehen und ohne Verständnis.

Überprüfe ich regelmäßig in einer Gewissenserforschung auch die Absicht, die meinen Handlungen zugrunde liegt?

Frage: Welche verborgenen Motivationen könnten in meinen eigenen tugendhaften Handlungen wirken, und wie kann ich ihnen mit ehrlicher Selbstreflexion begegnen?

Sie machen ihre Gebetsriemen breit

Mach dein Herz weit, nicht deine Gebetsriemen.

Das Herz ist der Motor meines Handelns. Was treibt meinen Motor an? Was bewegt mich?

Wenn es menschlicher Ruhm und Anerkennung ist, wird mein Herz mich zur Selbsterhöhung führen.

Wenn ich mein Herz weit mache, wenn ich es damit fähiger mache, uneigennütziger zu lieben, wird es allein das Wohl und das Glück der anderen suchen.

Wenn ich Gott als meinen Vater, Meister und Lehrer annehme, dann werde ich mich damit begnügen, eine unbekannte helfende Hand zu sein, die andere zu ihm führt.

Frage: Wie kann ich heute mein Herz so weiten, dass mein Handeln wirklich anderen dient und nicht meinem eigenen Ansehen?

Ehrlichkeit vor Gott im Gebet

Wenn wir beten, begehen wir vielleicht allzu oft den gleichen Fehler wie die Pharisäer: Wir machen viele Worte, aber das Herz bleibt dabei kalt. Wir „sprechen Gebete“ und vergessen dabei zu beten, unser Herz zu öffnen, mit aller Freude und allem darin befindlichen Leid.

Ehrlichkeit vor Gott bedeutet, mein ganz persönliches Gebet zu finden und im festen Vertrauen zu dem zu sprechen, der mir liebevoll zuhört.

Und: Vielleicht sehen mich andere beim Beten, vielleicht auch nicht. Im Gebet sprechen wir nicht zu Menschen, sondern zu Gott. Also spielt es keine Rolle, ob andere es bemerken oder nicht.

Frage: Welche Worte oder Gefühle hält dein Herz bereit, die du im Gebet wirklich teilen möchtest?

Lautere Absicht

Natürlich ist es menschlich, auf die Meinung anderer zu achten – wir leben schließlich in einer Gemeinschaft. Es ist verständlich, dass wir von unseren Mitmenschen geschätzt werden wollen, vor allem von denen, die uns nahestehen.

Doch eine lautere Absicht lenkt unseren Blick auf das Wesentliche: darauf, Gott Freude zu bereiten und das Wohl unserer Mitmenschen zu suchen. Wir wollen nur insofern gefallen, als wir die Menschen, die wir lieben, glücklich machen.

Der heilige Josefmaria betonte, dass Lauterkeit der Absicht bedeutet, „ausschließlich und in allem“ die Ehre Gottes zu suchen. Dies sollte das zentrale Kriterium für unser Handeln sein.

Frage: In welchen Momenten deines Alltags könntest du deine Absichten prüfen, um sicherzugehen, dass sie auf das Wohl anderer und die Ehre Gottes ausgerichtet sind?

Vers 6 Ehrenplätze bei Gastmählern

Mt 23,6: ‭und sie lieben den obersten Platz bei den Mahlzeiten und die ersten Sitze in den Synagogen

Sie lieben den obersten Platz

Damit kritisiert Jesus ihr Streben nach Anerkennung und Macht. Ihr Glaube ist nicht von Demut und Gottesfurcht geprägt, sondern von Eitelkeit und Selbstdarstellung.

Jesus zeigt, dass wahre Größe nicht im Ansehen vor Menschen liegt, sondern in der Haltung des Dienens. Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, aber wer demütig ist, wird von Gott erhöht (vgl. Mt 23,12).

Diese Warnung gilt auch heute: Echte Nachfolge Jesu bedeutet nicht, Prestige oder äußeren Ruhm zu suchen, sondern mit aufrichtigem Herzen Gott und den Mitmenschen zu dienen. Wahre Ehre kommt von Gott, nicht von Menschen.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens lasse ich mich mehr von Anerkennung anderer leiten als von Gottes Willen?

Vers 7 Gruß auf dem Markt

Mt 23,7: ‭und die Begrüßungen auf den Märkten, und wenn sie von den Leuten »Rabbi, Rabbi« genannt werden.

Wahre Größe kann klein sein

Wenn es Menschen genügt, dem Schein nach Geltung zu erlangen, dann besteht die Gefahr, dass sie sich künstlich aufblähen. Etwas abwertend nennen wir sie dann hin und wieder Wichtigtuer.

Wenn aber ein Mensch seine Identität vor Gott-Vater kennt und in ihr ruht, dann kann er sich vor anderen klein machen und muss sich nicht aufblähen. Denn vor Gott sind wir die geliebten, geschätzten Kinder voller Würde und Segen. Wir müssen nicht nach Achtung suchen, denn wir haben sie bereits.

Wer seine Größe erkennt und erfährt, die Gott ihm schenkt, der kann sich in dieser Welt klein machen.

P. Klaus Einsle LC

Frage: Wie würde sich dein Verhalten verändern, wenn du täglich bewusst aus der Gewissheit deiner Würde vor Gott handelst?

Vers 8 Nicht Rabbi nennen lassen

‭Mt 23,8: Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, denn ‭einer‭ ist euer Meister, der Christus; ihr aber seid alle Brüder.‭

Nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder

Du sagst es uns deutlich, mein Herr Jesus: Alle Menschen bilden eine große Familie. Alle sind Brüder und Gott ist der gemeinsame Vater. Alle müssen füreinander solche Gedanken, Worte und Werke haben, wie ein guter Vater es sich von seinen Kindern untereinander wünscht.

Die Liebe, von der der beste aller Väter möchte, dass sie unter seinen Kindern herrsche, ist genau die Liebe, die wir allen Menschen schulden, jedem Menschen, ohne Ausnahme. Und Jesus, unser Vorbild, gibt uns ein Beispiel dafür: Gott selbst ist es, der auf die Erde kommt, um uns in menschlicher Gestalt zu zeigen, wie er möchte, dass jeder Mensch die anderen Menschen liebt.

Was tut Jesus? Er lebt vierunddreißig Jahre und vergießt unter grausamsten Qualen sein Blut für die Heiligung und das Heil aller Menschen. Nicht nur für alle im Allgemeinen, sondern für jeden einzelnen, sodass es keinen Menschen gibt, von dem man nicht sagen muss: Für diesen Menschen ist Jesus gestorben, um ihn zu retten und heilig zu machen.

Nach dem Gebot der brüderlichen Liebe folgt hier das Beispiel, wie Jesus es gegeben hat. Wie der heilige Paulus sagt: Denn um einen teuren Preis ist euer Bruder erkauft worden (vgl. 1 Kor 6,20). Jeder Mensch ist unser wahrer Bruder in Gott, und jeder Mensch wurde von Jesus so sehr geliebt und hoch geschätzt, dass er für ihn gestorben ist. Jeder Mensch muss uns als Bruder erscheinen, und zwar als ein Bruder, der wie mit einem Mantel vom Blut Jesu bedeckt ist.

Charles de Foucauld

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag die Liebe und Wertschätzung für jeden Menschen so leben, dass sie ein Spiegel dessen wird, was Jesus uns vorgelebt hat?

Vers 9 Nur ein Vater im Himmel

Mt 23,9: ‭Nennt auch niemand auf Erden euren Vater; denn ‭einer‭ ist euer Vater, der im Himmel ist.‭

Einer‭ ist euer Vater, der im Himmel

Jesus warnt hier vor einer falschen Autoritätshierarchie im Glauben. Er kritisiert die religiösen Führer, die sich Titel aneignen und sich über andere erheben. Damit macht er deutlich, dass letztlich nur Gott die höchste Autorität hat.

Das bedeutet nicht, dass man seinen leiblichen Vater nicht so nennen darf, sondern dass kein Mensch geistlich an die Stelle Gottes treten darf. Alle Gläubigen sind Brüder und Schwestern vor Gott.

Diese Aussage erinnert uns daran, Demut zu bewahren und unser Vertrauen auf Gott zu setzen, anstatt Menschen zu idealisieren. Wahre geistliche Führung dient anderen, anstatt Macht über sie auszuüben.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens vertraue ich mehr auf Menschen als auf Gott, und wie könnte ich lernen, echte Demut zu üben?

Vers 10 Nur ein Lehrer: Christus

Mt 23,10: Auch sollt ihr euch nicht Meister nennen lassen. Denn einer ist euer Meister, der Christus.

Nur einer ist euer Lehrer – nur einer ist euer Vater

Jesus lädt uns ein, uns Gott zu unterstellen, der alles überragt. Er ist der Eine, der über alles erhaben, groß, mächtig, weise, gütig und väterlich ist. Von ihm geht alle Weisheit dieser Welt, alle Güte, Macht und Väterlichkeit dieser Welt aus.

Alles soll sich an ihm messen und ihn zum Vorbild nehmen. Nur einer ist Lehrer – nur einer Vater. Und wir sind es nur in dem Maß, wie wir uns an dem echten Lehrer und Vater ein Beispiel nehmen.

Wo nimmst du Maß? An dem, was Menschen über dich sagen oder von dir denken, vielleicht am Verhalten der Welt? Oder an dem, was Gott uns vorlebt und über uns denkt?

Frage: Woran richte ich mein Leben wirklich aus – an der Welt oder an Gottes Vorbild für mich?

Christus ist unser Meister

Auch die heutige Gesellschaft bietet uns eine Unzahl von Verhaltensvorbildern, die auf eine atemberaubende, wahnwitzige Existenz abzielen und dabei den eigentlichen Sinn der Transzendenz schwächen.

Lassen wir nicht zu, dass diese falschen Wegweiser uns den wahren Lehrer aus dem Blick verlieren lassen.

Nutzen wir die Fastenzeit, um unsere Überzeugungen als Schüler von Jesus Christus zu stärken.

Trachten wir, heilige Momente von Einsamkeit zu finden, in denen wir uns selbst wieder begegnen, wie auch dem wahren Vorbild und Meister.

Gerardo Gomez

Frage: Welche Momente der Stille und Selbstbegegnung könnten mir heute helfen, das Wesentliche meines Weges klarer zu erkennen?

Vers 11 Der Größte sei Diener

Mt 23,11: Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein.

Wahre Größe dient und vergisst sich selbst

In dem Maß, in dem Menschen sich nicht mehr selber suchen müssen, weil sie sich in Gott und seiner Liebe gefunden haben, werden sie fähig, den Blick von sich weg auf andere zu richten.

Sie sehen das Leid, die Bedürfnisse, die Sorgen der anderen um sie herum. Und da sie voll von Gott sind, können sie schenken, was sie in sich tragen.

Diese Menschen sind die wahrhaft Großen der Welt: Sie sind die Diener des Wohls anderer. Es gibt sie überall: in Politik, Wirtschaft, Medien, Dienstleistung, Bildung, Kirche, Familie, Ehe.

Das sind die wahren Kinder Gottes, die das Reich des Vaters gegenwärtig machen.
P. Klaus Einsle LC

Frage: Wie kann ich heute ein Kanal für Gottes Liebe sein und damit das Leben anderer bereichern?

Wie schön ist es und wie groß, Gott zu kennen und ihm zu dienen!

Wir haben nichts weiter als dies zu tun auf der Welt. Alles, was wir sonst noch machen, ist verlorene Zeit.

Mögt ihr suchen, in jeglichem Wohlstand und Vergnügen, ihr werdet euer Glück nicht finden. Die ganze Erde kann eine unsterbliche Seele ebenso wenig zufriedenstellen, wie ein Fingerhut voll Mehl einen Hungernden sättigen kann.

Der liebe Gott hat uns auf die Erde gestellt, um zu sehen, wie wir uns hier bewähren. Wenn wir das bedenken, wenden wir stets unseren Blick dem Himmel zu, unserer wirklichen Heimat.

Wodurch wird das religiöse Leben so verdienstvoll? Durch den fortwährenden Verzicht, diesen Tod des eigenen Ich.
Jean Marie Vianney

Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich, dass mein inneres Glück nicht von äußeren Umständen abhängt?

Die Attraktivität des Dienens

Kaum ein Mensch setzt sich wohl als Lebensziel, Diener zu sein. Dennoch sagt Jesus zu uns: "Der Größte unter euch soll euer Diener sein."

Seit der Sünde ist das Dienen dem Augenschein nach mit einer dicken Schicht abstoßender Eigenschaften versehen. Wir verbinden Dienen mit Unterwürfigkeit, Gewalt, Respektlosigkeit, Verachtung und ähnlichem.

Jesus spricht aber von einem Dienen aus Liebe: Andere aus Liebe groß sein lassen; keine Angst davor zu haben, übersehen zu werden. Das ist die Haltung, die aus einem in Gottes Liebe verankerten Herzen kommt.

Und doch: Wie attraktiv wirken auf uns Menschen, die aus Liebe dienen!

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich das Dienen aus Liebe erfahren, und wie könnte ich es tiefer in mein Herz integrieren?

Vers 12 Erniedrigung und Erhöhung

Mt 23,12: Wer sich aber selbst erhöht, der wird erniedrigt werden und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Sich selbst erniedrigen

Höre nicht auf, Akte der Demut und Liebe gegenüber Gott und den Menschen zu vollziehen; denn Gott spricht zu dem, der sein Herz demütig vor ihm hält, und er beschenkt ihn reich mit seinen Gaben.

Wenn Gott die Leiden seines Sohnes für dich bereithält und dich deine eigene Schwachheit mit Händen greifen lässt, dann ist es besser, Akte der Demut zu vollziehen, als den Mut zu verlieren.

Lass ein Gebet der Hingabe und der Hoffnung zu Gott aufsteigen, wenn deine Schwäche deinen Fall verursacht, und danke dem Herrn für alle Gnaden, mit denen er dich beschenkt.

Pater Pio

Frage: Wie kannst du heute in kleinen Momenten Demut und Liebe leben, um dich Gottes Gegenwart bewusster zu öffnen?

Lieben Sie Ihre Erniedrigung

Aber, so sagen Sie, was heißt das: seine Erniedrigung lieben? Denn mein Verstand ist dunkel und ohnmächtig für alles Gute.

Nun, meine Tochter, das ist es: Wenn Sie demütig ruhig, sanftmütig vertrauend bleiben inmitten dieser Dunkelheit und Ohnmacht, wenn Sie nicht ungeduldig werden, wenn Sie sich nicht ab-hasten, wenn Sie wegen alldem nicht der Aufregung verfallen, sondern gerne (ich sage nicht „fröhlich“, aber ehrlich und fest) dieses Kreuz umfassen und in diesen Dunkelheiten bleiben, dann lieben Sie Ihre Erniedrigung.

Denn was heißt erniedrigt sein anderes, als in Dunkelheit und Ohnmacht sein? Lieben Sie sich so aus Liebe zu dem, der Sie so haben will, und Sie werden Ihre eigene Erniedrigung lieben.

Franz von Sales

Frage: Wie kann ich in meinen eigenen Momenten der Schwäche oder Dunkelheit lernen, mit offenem Herzen zu bleiben und das anzunehmen, was mir widerfährt?

Zur Demut

Letzter sein und doch gewinnen, sich klein machen und darin wirkliche Größe erlangen – all das erscheint widersprüchlich, wenn wir es nach weltlichen Maßstäben betrachten.

Doch in der Nachfolge Christi erleben wir, dass die Loslösung vom Zwang, der Erste sein zu müssen, eine tiefe Befreiung mit sich bringt. Wir entdecken die Schönheit der Demut, die uns befähigt, uns selbst so zu sehen und anzunehmen, wie wir wirklich sind.

Wenn wir unsere eigene Armseligkeit begreifen, öffnen wir uns zugleich für die Größe Gottes. Genau darin liegt unsere wahre Größe. Gott wünscht unsere Demut, um uns von der Enge des eigenen Ichs zu befreien und uns ganz mit seiner Gegenwart zu erfüllen.

Durch die Stufen der Demut steigt man auf zu den Höhen des Himmels. Augustinus

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich mich mehr loslassen, um Gottes Größe in mir wirken zu lassen?