Mt 2, 13-18 Die Flucht nach Ägypten
Inhaltsverzeichnis
Vers 13 Flucht nach Ägypten
Mt 2,13: Als sie aber weggezogen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter mit dir und fliehe nach Ägypten und bleibe dort, bis ich es dir sage; denn Herodes will das Kind suchen, um es umzubringen!
Zum Abschnitt 2,13-23
Matthäus 2,13–23 berichtet von der Flucht nach Ägypten, dem Kindermord in Bethlehem und der Rückkehr Jesu nach Nazareth. Joseph gehorcht Gottes Anweisungen im Traum und schützt Jesus vor Herodes, der den Messias töten will.
Die Flucht nach Ägypten erinnert an Israels Geschichte und zeigt Jesus als den wahren Sohn Gottes, der aus Ägypten gerufen wird (Hos 11,1). Der Kindermord verdeutlicht die Grausamkeit von Herodes und erfüllt die Prophezeiung aus Jeremia 31,15 über das Weinen in Rama.
Die Rückkehr nach Nazareth zeigt Gottes Führung und erfüllt die Prophezeiungen, dass der Messias verachtet („Nazarener“) sein würde. Insgesamt zeigt die Passage Gottes Schutz, Jesu Rolle als neuer Israel und die Erfüllung alttestamentlicher Verheißungen.
Frage: Wie spürst du in deinem eigenen Leben Gottes Führung und Schutz, selbst in Zeiten, die unschuldig und schwer erscheinen?
Von Anfang an verfolgt
Schon von Geburt an schwebte immer die Todesdrohung über unserem Herrn. Es ist offensichtlich, dass er geboren wurde, um zu sterben, doch erst zu der festgesetzten Stunde sollte er den Tod erleiden. Jeder, der nach Gottes Willen wandelt, wird erst abgerufen, nachdem er seine Aufgabe erfüllt hat. MacDonald
Vertrauen auf die göttliche Vorsehung
Wir sollen für die Fahrt auf dem Meer der göttlichen Vorsehung weder Brot noch Ruder noch Segel noch Steuer noch irgendwelche Vorräte mitnehmen, sondern die Sorge um uns und unsere Angelegenheiten ganz dem Herrn überlassen, ohne Wenn und Aber, ohne Angst vor dem, was vielleicht vorkommen könnte.
Der Engel sagt ganz einfach: Nimm das Kind und seine Mutter und fliehe nach Ägypten! Er sagt nichts über den Weg, nichts von den Reisevorräten, nichts über das genaue Ziel, er sagt nicht, wer sie in Ägypten aufnehmen werde noch wovon sie dort leben sollten.
Aber nicht nur für das zeitliche Wohl müssen wir uns der göttlichen Vorsehung überlassen, sondern auch und besonders für unser geistliches Leben, für das Streben nach Vollkommenheit. Das übertriebene Sorgen um das eigene Ich bringt um den inneren Frieden, macht launisch und wetterwendisch.
Wir halten alles für verloren, wenn uns etwas gegen den Strich geht, wenn wir uns nicht ganz vollkommen sehen oder uns bei ganz geringen Fehlern ertappen. Ist es denn etwas so Besonderes, wenn wir auf dem Weg zur Vollkommenheit hin und wieder stolpern?
Aber ich bin so erbärmlich, so voller Fehler! Siehst du es ein? Dann danke Gott für diese Erkenntnis und jammere nicht so viel.
Frage: Wie kannst du heute lernen, dein eigenes Unvollkommensein liebevoll anzunehmen und dem göttlichen Plan zu vertrauen?
Sensibler, hörfähiger Josef
Josef sieht im Traum den Engel und hört seine Botschaft. Das lässt auf eine innere Sensibilität für Gott schließen, auf eine Fähigkeit, Gottes Stimme wahrzunehmen, auf die Gabe der Unterscheidung.
Josef kann unterscheiden zwischen bloßen Träumen und einer wirklichen Begegnung mit Gott. Er konnte es, weil er bereits innerlich unterwegs war, zum Wort als Person, zum Herrn, zum Heiland. Gott konnte ihn anreden, und er verstand: Dies ist kein Traum, dies ist die Wahrheit, es ist wirklich Gottes Engel, der erschienen ist.
Nur indem Josef unterscheiden konnte, konnte er auch entscheiden. Diese Aufnahmefähigkeit für Gott ist auch für uns wichtig, das Vermögen zu spüren, wenn Gott mit mir spricht, die Gabe der Unterscheidung.
Natürlich redet Gott normalerweise nicht so mit uns, wie er durch den Engel mit Josef geredet hat. Gott hat seine ganz eigene Weise, zu uns zu sprechen. Zarte Gesten sind es, die uns nicht entgehen dürfen, wenn wir Freude und Trost finden wollen.
Er lädt uns ein, er spricht Worte der Liebe, und manchmal formuliert er auch seinen Anspruch an uns, wenn wir Menschen begegnen, die leiden, die etwas brauchen, ein freundliches Wort oder konkrete Hilfe. In diesen Momenten kommt es darauf an, sensibel zu sein, die Stimme Gottes zu erkennen, zu verstehen, was er mir sagt – und zu antworten.
Benedikt XVI
Frage: Wie achtsam bin ich gegenüber den feinen Zeichen, in denen Gott mich leise anspricht, und wie reagiere ich darauf in meinem Alltag?
Gott ist der Handelnde
Der heilige Josef wird in der christlichen Tradition als ein Mann von tiefer Verbindung zu Gott dargestellt. Seine Aufgabe, den Gottessohn und seine Mutter zu schützen, ist gewaltig, und doch wird betont, dass er diese nicht allein aus eigener Kraft bewältigt.
Vielmehr offenbart sich in dieser Fluchtgeschichte die überwältigende Hand Gottes, der im Traum Josef die notwendige Führung zuteilwerden lässt. Diese Erzählung unterstreicht daher auch das Vertrauen, das Josef rückhaltlos in Gott setzt, und die tiefe Verbindung, die ihn mit dem Göttlichen verbindet.
Diese Aspekte prägen das Verständnis und die Verehrung des heiligen Josef in der christlichen Tradition und spiegeln sich in der Betrachtung seiner Rolle als Beschützer der Heiligen Familie wider.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben lernen, mein Vertrauen in das Göttliche so tief zu verankern wie der heilige Josef?
Vers 14-15 Aufenthalt in Ägypten
Mt 2,14: Da stand er auf, nahm das Kind und seine Mutter bei Nacht mit sich und entfloh nach Ägypten.
Josef, der starke Mann
Auch wenn es ein Traum war, durch den Gott in sein Leben getreten ist, war Josef kein Träumer: Er war ein praktischer und nüchterner Mann, entscheidungsstark, überlegt.
Ich stelle mir vor, dass es gar nicht so leicht war, im überfüllten Betlehem wenigstens noch einen Stall zu finden, abgelegen, geschützt und bei aller Ärmlichkeit würdig genug für die Geburt des Heilands.
Auch die Flucht nach Ägypten zu organisieren, unterwegs Nacht für Nacht einen Schlafplatz zu finden und über einen längeren Zeitraum genug zum Leben aufzutreiben: Auch das vermochte nur ein Mann der Praxis mit einem Sinn für das Machbare, stark genug, Herausforderungen zu meistern und schlicht zu überleben.
Oder dann, nach seiner Rückkehr, sein Entschluss, nach Nazareth zurückzukehren, es als Heimat für den Sohn Gottes auszuwählen – auch das lässt den handfesten Mann erkennen, der als Arbeiter, als Zimmermann sein Auskommen hat und den Alltag bestehen kann.
Benedikt XVI
Frage: Welche Herausforderungen in meinem Leben verlangen praktische Stärke und zugleich Vertrauen in eine höhere Führung?
Josef - ein Mann der Stärke und Demut
Die Flucht nach Ägypten muss beschwerlich und anstrengend gewesen sein, ein ermüdender Marsch durch die Wüste. Der himmlische Vater ersparte auch denen, die er besonders liebte, diese Mühsal nicht.
Die Nähe Gottes ‐ sie befreit nicht von Sorgen und Nöten. Auch in meinem Leben bin ich immer wieder konfrontiert mit Umständen, die ich nur schwer akzeptieren kann, mit Menschen, die mich persönlich herausfordern, mit Fragen, auf die ich (noch) keine Antwort geben kann.
Ich blicke auf Josef, er zögert, zaudert, hadert nicht, sondern macht sich in Treue und voller Zuversicht auf den Weg. Josef hält keine langen Reden, er handelt einfach, tut.
Mit diesem klugen und zupackenden Gehorsam eines Josef möchte auch ich Gottes Willen für mich erkennen und leben. Gütiger Vater, deine Gnade sei mit mir.
Frage: Wo in meinem Leben darf ich mutig handeln, auch wenn der Weg mühsam und ungewiss erscheint?
Gehorsam des Josefs
O, wie bewunderungswürdig ist doch auch der vollkommene Gehorsam des hl. Josef! Der Engel sagt nicht, wie lange er in Ägypten zu bleiben habe, und Josef fragt nicht. Er bleibt dort fünf Jahre lang, wie die meisten annehmen, und kümmert sich auch nicht um die Heimkehr, denn er weiß gewiss, dass der, der ihn fortziehen hieß, auch sagen werde, wann er heimzukehren habe; und so war er ständig bereit zu gehorchen.
Ägypten war für den hl. Josef nicht nur ein „fremdes Land“ 11,9), es war auch ein feindliches, denn die Ägypter hatten es nicht verwinden können, dass die Juden einst aus ihrem Land fortgezogen und so viele Ägypter bei ihrer Verfolgung zugrunde gegangen waren. Dass der hl. Josef bei dieser fortwährenden Angst vor den Ägyptern nur zu gerne wieder heimgewandert wäre, das könnt ihr euch denken. Die Ungewissheit der Rückkehr musste auf seinem Gemüt lasten und ihm das Herz schwer machen.
Und doch bleibt er immer derselbe, immer gleich sanft, immer gleich gelassen, immer beharrlich dem göttlichen Wohlgefallen zu Willen, immer bereit, sich in allem von Gott führen zu lassen.
Frage: Wie könntest du in deinem eigenen Leben lernen, in Zeiten der Ungewissheit und Herausforderung ebenso geduldig und vertrauensvoll zu handeln wie der heilige Josef?
Mutter Maria
Maria, Königin der Märtyrer
Kaum hattest du Jesus zum Zentrum deines Lebens werden lassen, hast du Widerspruch und Verfolgung erlitten, die ihm galten. Gott hat dich mit seinem Sohn in die Geschichte seines Volkes gestellt, die du mitgelebt und auch mitgelitten hast. Du musstest mit Josef alles Vertraute zurücklassen, um Jesus zu retten. Äußerlich heimatlos geworden, hast du die Mitte deines Seins, Jesus, vor aller äußeren Gefahr bewahrt.
Maria, Königin der Bekenner
Je mehr wir Jesus in unser Leben nehmen und aus seinem Wort leben, stoßen wir um seinetwillen auch auf Ablehnung. Wir entwickeln mit Jesu Eintreten in unser Leben auch in uns selbst Ablehnung gegen Umstände, die seiner Gegenwart nicht mehr entsprechen. Der neue Mensch in uns wird von außen bedrängt und liegt innerlich im Widerstreit mit dem alten.
Maria, Hilfe der Christen
Auch du kennst den Schmerz, Jesus allen Kräften vorziehen zu müssen, die gegen ihn stehen. Du hast dich in äußerer Bedrängnis auf Gottes Führung verlassen und dich Josef anvertraut, den Gott dir zur Seite gestellt hatte.
Bitte Jesus um Heilung unserer Wunden, die uns um seinetwillen bis in unsere engsten Beziehungen geschlagen wurden. Um Heilung auch der Wunden, die wir uns selbst zufügten, wenn wir Jesus aus der Mitte unseres Seins verdrängt haben.
Hilf uns, Jesu Macht und Liebe zu vertrauen, wenn er uns Schritte und Trennungen abverlangt oder bestimmten Menschen anvertraut, damit sein Leben in uns bewahrt bleiben kann.
Regnum Christi
Frage: Welche inneren Wunden bitte ich Jesus heute, zu heilen, damit ich wieder ganz in seiner Liebe verwurzelt bin?
Mt 2,15: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
Hosea - Zitat
Dies zitiert Hosea 11,1, wo Israel als „Sohn Gottes“ bezeichnet wird. Matthäus zeigt hier eine Parallele zwischen Israels Geschichte und Jesu Leben. Wie Israel aus Ägypten befreit wurde, so kommt auch Jesus aus Ägypten zurück, um die endgültige Erlösung zu bringen.
Dies unterstreicht, dass Jesus der wahre Sohn Gottes ist, der den göttlichen Heilsplan erfüllt. Die Flucht nach Ägypten und die Rückkehr betonen Gottes Schutz und Führung über seinen Sohn, während Herodes ihn zu vernichten sucht. Damit wird Jesus als der neue, vollkommene Erlöser Israels offenbart.
Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Gottes Führung und Schutz erkennen, selbst in Zeiten der Bedrängnis?
Erfüllung der Prophetie
In ihrem ursprünglichen Zusammenhang bezog sich diese Aussage auf die Befreiung Israels aus Ägypten zur Zeit des Auszugs. Aber diese Aussage kann zwei Bedeutungen haben. Die Prophetie erfüllte sich im Leben Christi, als er aus Ägypten nach Israel zurückkehrte. MacDonald (zu Mt 2,15)
Vers 16 Kindermord in Bethlehem
Mt 2,16: Als sich nun Herodes von den Weisen betrogen sah, wurde er sehr zornig, sandte hin und ließ alle Knaben töten, die in Bethlehem und in seinem ganzen Gebiet waren, von zwei Jahren und darunter, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erforscht hatte.
Widerstand gegen das Licht
Die Flucht nach Ägypten und die Ermordung der unschuldigen Kinder zeigen den Widerstand der Finsternis gegen das Licht: Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Das ganze Leben Christi wird unter dem Zeichen der Verfolgung stehen.
In der Tiefe der Nacht
An dieser Begebenheit sieht man, in welch tiefe Dunkelheit Gott seinen Sohn gesandt hat. Die Verschlagenheit, der Machtwille und die Grausamkeit des Herodes sind kaum zu überbieten. Doch letztlich ist er nur getrieben von seiner Angst. Auch er ist erlösungsbedürftig.
All seine listigen Maßnahmen können Gottes Heil nicht verhindern und den Gottessohn nicht vernichten. „Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes.“
Das gilt auch für die ermordeten Kinder, die an Jesu Stelle sterben, denn sie erwartet die Auferstehung.
Dorit Wilke-Lopez
Frage: Wie spürst du in deinem eigenen Leben das Licht, das selbst in tiefster Dunkelheit Hoffnung schenkt?
Vers 17-18 Rahels Wehklagen
Mt 2,17: Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia gesagt ist, der spricht:
Jeremia - Zitat
Matthäus 2,17 verweist auf die Erfüllung einer Prophezeiung aus Jeremia 31,15: „Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia gesagt ist.“ Dies bezieht sich auf den Kindermord in Bethlehem durch König Herodes.
Jeremia spricht von Rahel, die um ihre Kinder weint – ein Bild für das Leid Israels, das auch hier auf die ermordeten Kinder Bethlehems angewandt wird. Diese Tragödie zeigt die Finsternis der Welt, in die Jesus hineingeboren wurde, aber auch die Erfüllung der Schrift.
Während Herodes Angst um seine Macht hat, führt Gottes Plan weiter: Jesus entkommt und wird später als Retter der Welt offenbart. Das Leid wird nicht das letzte Wort haben – Hoffnung und Erlösung stehen bevor.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben Vertrauen in Gottes Plan finden, auch wenn ich Leid und Dunkelheit erlebe?
Mt 2,18: Eine Stimme ist in Rama gehört worden, viel Jammern, Weinen und Klagen; Rahel beweint ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen, weil sie nicht mehr sind.
Weinende und klagende Mütter
Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind ist eine der reinsten und schönsten Formen der Liebe, in der wir Menschen auch ein wenig von der unendlichen und bedingungslosen Liebe von Gott zu uns erfahren können.
So gehört auch das Leiden einer Mutter über den Tod ihres Kindes zum Traurigsten, was wir uns vorstellen können. Jeremiah sagt uns, sie seien untröstlich. Die leidenden Mütter von Betlehem weisen dabei hin auf eine andere Betlehemer Mutter, die einst ihr eigenes, unschuldig dahingeschlachtetes Kind in ihren Armen halten wird.
Aber Maria unter dem Kreuz ist nicht untröstlich! Sie weiß, dass der Tod nicht das letzte Wort haben wird.
László Erffa
Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben die Gewissheit spüren, dass Liebe und Hoffnung stärker sind als Trauer und Verlust?