Mt 19, 23-30 Reichtum und Nachfolge

Vers 23 Reiche im Himmelreich

‭Mt 19,23: Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher hat es schwer, in das Reich der Himmel hineinzukommen!‭

Der arme Reiche

Manchmal überrascht Jesus seine Jünger, um ihnen etwas Neues beizubringen. Viele Juden glaubten, dass der Reichtum ein Zeichen des Segens Gottes über einer Person wäre, wie ein Beweis für deren Gerechtigkeit und Frömmigkeit. Der würde es sicher in den Himmel schaffen!

Jesus sieht es ganz anders. Dabei ist das Vermögen wahrscheinlich nicht das Problem, sondern eher die selbstgenügsame Einstellung der Reichen: Ich habe viel, ich bin abgesichert, ich brauche niemanden, mir kann nichts passieren, weil ich genug Geld habe, um alle Probleme zu lösen.

Es stellt sich die Frage: Welche Rolle spielt Gott noch für solch einen Menschen?

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens habe ich vielleicht die Illusion von Sicherheit, die mich von einer tieferen Verbindung zu Gott oder zu anderen Menschen trennt?

Andacht von Benedikt XVI

Jesus kann also wirklich ein glückliches Dasein und das ewige Leben garantieren, allerdings auf eine andere Weise, als der reiche Jüngling es sich vorstellte: nämlich nicht durch ein gutes Werk, eine Gesetzeserfüllung, sondern in der Entscheidung für das Reich Gottes als »kostbare Perle«, für die es sich lohnt, alles zu verkaufen, was man besitzt (vgl. Mt 13,45–46).

Dem reichen Jüngling gelingt es nicht, diesen Schritt zu tun. Obwohl ihn der liebevolle Blick Jesu getroffen hatte (vgl. Mk 10,21), gelang es ihm nicht, sich in seinem Herzen von den vielen Gütern, die er besaß, zu trennen.

Das ist nun die Lehre für die Jünger: »Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!« (Mk 10,23). Die irdischen Reichtümer nehmen Geist und Herz in Beschlag und versetzen sie in Unruhe. Jesus sagt nicht, dass sie schlecht seien, aber dass sie von Gott wegführen, wenn sie nicht sozusagen »investiert« werden für das Himmelreich, das heißt also verwandt werden, um dem zu helfen, der in Armut lebt.

Frage: Welche Dinge in deinem Leben halten dich davon ab, dein Herz ganz für das Geistige und Spirituelle zu öffnen?

Vers 24 Kamel durchs Nadelöhr

Mt 19,24: ‭Und wiederum sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadel­öhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt!‭

Bild vom Kamel und Nadelöhr

Weil er mich liebt, will er mir – sozusagen dem „Kamel“ in dem Bild, das er benutzt – auch durch das Nadelöhr, ein Bild für eines der kleinsten Stadttore in Jerusalem, ins ewige Leben helfen.

Wenn das Kamel aber misstrauisch und bissig ist, wird das nicht gelingen. Nur wenn es seinem Führer vertraut, wird es die Enge und die Schmerzen in Kauf nehmen, die die Passage durch das Nadelöhr verursachen wird.

Ich spreche mit Jesus über mein Vertrauen.

Dorit Wilke-Lopez

Frage: Wo in meinem Leben fällt es mir schwer, Jesus voll zu vertrauen, und welche Schritte könnte ich gehen, um mich ihm mehr anzuvertrauen?

Nadelöhr

Das "Nadelöhr" war ein kleines Tor in der Stadtmauer von Jerusalem. Es war eigentlich für Menschen gedacht. Aber auch ein Kamel konnte das Tor passieren, wenn man vorher die Last entfernte und das Kamel dann mühsam auf Knien hindurchrutschte.

Der Himmel ist für Menschen gedacht, die Gott lieben und das, was Gott wichtig ist. Wer am Reichtum hängt, zeigt, dass er Gott nur halbherzig liebt. Um in den Himmel zu kommen, muss er sich zuvor von seinem Besitz loslösen und sich klein machen.

Joachim Richter

Frage: Welche Lasten oder Anhaftungen in meinem Leben halten mich vielleicht davon ab, innerlich klein und offen für das Wesentliche zu werden?

Vers 25 Entsetzen der Jünger

Mt 19,25: Darüber waren die Jünger entsetzt und fragten: Wer kann dann überhaupt gerettet werden?

Entsetzen der Jünger

Das große Entsetzen der Jünger beruhte auf der Annahme, dass Reichtum immer ein Zeichen von Gottes Segen und Gunst sei.

​Vers 26 Bei Gott ist alles möglich

Mt 19,26: Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist es unmöglich, aber für Gott ist alles möglich!

Für Menschen ist das unmöglich

Die Jünger fragen: Wer kann dann noch gerettet werden?

Seine Antwort erinnert uns daran, dass die Erlösung ein aus freien Stücken gegebenes Geschenk Gottes ist. Ab und zu sind wir versucht, uns selbst erlösen oder uns die Liebe Gottes verdienen zu wollen. Bei manchen kann auch die Versuchung auftauchen, dass sie meinen, zu schlecht zu sein, um von Gott geliebt zu werden.

Auf beide Versuchungen antwortet Jesus: Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich.
Eva Gloserová

Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich, dass Gottes Liebe mich übersteigt und dennoch erreicht?

Für Gott aber ist alles möglich

Gott sei Dank! Für dich, Herr, ist alles möglich. Selbst wenn mir die Dinge unmöglich, erschreckend, rätselhaft und aussichtslos erscheinen, gibt es Hoffnung!

Möge ich wie Maria mein Fiat geben, wenn sich in meinem Leben etwas ergibt, was ich nicht ganz begreife.

Möge ich wie Mose die Kühnheit haben, auf meinem Weg weiterzugehen, denn du kannst das Meer vor mir teilen.

Möge ich in schweren, sorgen- und angstvollen Stunden die Worte des Propheten Jesaja vor Augen behalten: "Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir!"

Danke, ich bin nie allein. Dir ist nichts unmöglich! Jesus, stärke mein Vertrauen.

Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute meinem Herzen und Gott vertrauen, auch wenn ich den Weg noch nicht ganz verstehe?

Für Gott ist alles möglich

Wir haben alle schon die Erfahrung gemacht, dass es nicht einfach ist, die Botschaft Jesu umzusetzen, sich ganz zurückzunehmen, Gott in den Mittelpunkt zu stellen und den Nächsten zu lieben wie sich selbst.

Haben wir überhaupt eine Chance? Ja, denn für Gott ist nichts unmöglich. Er schenkt uns seine Gnaden, er befreit uns von unserer Schuld, er tritt für uns ein.

Wir haben alle Chancen. Denn er hat uns erlöst! Er hat uns zuerst geliebt und seine Liebe mit seinem Blut bezeugt. Unsere Rettung wirken wir nicht aus eigener Kraft, Gott ist unser Retter.

Marita Grötsch

Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute Gottes Liebe und Führung bewusster zulassen, um mehr Frieden und Mitgefühl zu leben?

Vers 27 Wir haben alles verlassen

‭Mt 19,27: Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür zuteil?‭

Die ehrliche Frage von Petrus

In unserer persönlichen Frömmigkeit fällt es uns bisweilen schwer, ganz ehrlich und offen mit Gott zu sein. Wir kaschieren unsere Haltungen mit frommen Worten, die schön klingen, aber abgedroschen oder leer sein können.

Das könnte dann so lauten: "O mein Gott, ich liebe dich über alles und gehöre ganz dir." Aber bei den wenigsten ist das wirklich so. Oder wir bitten nicht konkret, aus Angst davor, etwas nicht zu erhalten.

Petrus hat da eine andere Art, mit Jesus umzugehen: Er ist ganz ehrlich und ganz echt. Also, jetzt haben wir so viel für dich getan; was bekommen wir eigentlich dafür? An anderer Stelle sagt er: "Herr, wenn du es bist, lass mich übers Wasser zu dir gehen."

Wie ehrlich bist du mit Gott im Gebet, im Alltag? Wie echt?

Frage: Wo spürst du in deinem Leben, dass du Gott noch offener begegnen könntest?

An Gott sich binden und ihm nachfolgen

Wir sind Bindungswesen. Wir brauchen die Bindung an andere Menschen, aber letztendlich brauchen wir die Bindung an Gott.

Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, Herr, hat Augustinus gesagt.

Jesus will uns zeigen, wie erfüllend und lohnend es ist, wenn wir uns an ihn binden statt an die Menschen. Wenn wir uns nämlich an die Menschen binden, plagen wir uns mit Menschenfurcht, Eifersucht, Ehrgeiz, Eitelkeit und Abhängigkeit.

Nur wenn wir uns an Gott binden, aus ihm unsere Sicherheit schöpfen und von ihm unser Liebesbedürfnis stillen lassen, können wir die anderen in Freiheit lieben – nicht, weil wir zurückgeliebt werden wollen.

Dorit Wilke-Lopez

Frage: Wie würde sich mein Leben verändern, wenn ich mein Herz zuerst Gott anvertraue, bevor ich es anderen schenke?

Alles im Fluss

Die Frage nach dem, was wir verlassen müssen, stellt sich nicht nur für Jesu Jünger, sondern für alle Menschen. Auch heute wird jeder von uns etwas hinter sich lassen: eine Begegnung, eine Arbeit, eine Freude, einen Schmerz, irgendeinen schmerzhaften oder kostbaren Moment.

Das Leben ist im Fluss und kann nur gelebt werden, wenn man es fließen lässt, indem man alle Bewegung, alle Abschiede, alle Veränderung vertrauensvoll aus Gottes Händen annimmt. Wie kann ich aber in einer Welt, die sich ständig verändert, festen Halt finden?

Gott, du bist der Fels, auf den ich mein Leben baue. Ich werde mich immer an dir festhalten. Ich werde den Saum deines Gewandes nicht loslassen, egal, welche Stürme meine Tage durchschütteln. Ganz gleich, welche Veränderungen mir Angst oder Hoffnung bereiten. Ich werde in kleinen Dingen sowie auch am Ende des Lebens auf das Licht der Auferstehung hoffen. Stärke meine Hoffnung.

Dorit Wilke-Lopez

Frage: Welche Dinge in meinem Leben halte ich fest, die vielleicht losgelassen werden sollten, um Platz für Neues und für Gottes Führung zu schaffen?

Vers 28 Lohn der Zwölf

Mt 19,28: ‭Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen wird, auch auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.‭

Auf Thronen sitzen

Jesus verspricht seinen Aposteln, auf Thronen zu sitzen. Auf Thronen sitzen nur jene, die Freunde und Berufene des Königs sind.

Seit meiner Taufe bin ich Mitglied deiner Familie. Ich bin Tochter/Sohn des Königs.

Was bedeutet das für dich, Jesus? Wie siehst du mich als deine Tochter/deinen Sohn? Was bedeutet es für mich, dass ich wahrhaftig berufen bin, ganz nah bei dir zu wohnen?

Patricia Klein

Frage: Wie erlebst du in deinem Alltag die Nähe und Berufung, die Jesus dir zuspricht?

Die Großzügigkeit Gottes

Jesu Antwort hätte ganz gut so lauten können: "Petrus, du darfst dankbar sein, dass ICH dich erwählt habe. Und du kannst auch damit zufrieden sein, dass ich dich eines Tages in den Himmel hole. Das ist ja wohl genug, oder?" Und er hätte Recht damit gehabt.

Aber nein; die Antwort Jesu spricht eine ganz andere Sprache – nämlich die der unendlichen Großzügigkeit Gottes: Ihr werdet auf Thronen sitzen. Ihr werdet das Hundertfache hier auf der Erde erhalten. Und ihr werdet das ewige Leben gewinnen.

Gott ist groß genug, reich genug und selbstlos genug, um uns Menschen unendlich zu beschenken; jetzt schon und in der Ewigkeit erst recht.

Ist das der Gott, zu dem du betest? Oder hast du das Gefühl, dass er dir nichts gönnt, dir das Leben schwer macht usw.?

Frage: Wie offen bist du wirklich dafür, Gottes unendliche Großzügigkeit in deinem Leben zu empfangen?

Vers 29 Hundertfältiger Ersatz

Mt 19,29: Jeder, der sein Haus, seine Geschwister, seine Eltern, seine Kinder oder seinen Besitz zurücklässt, um mir zu folgen, wird dies alles hundertfach zurückerhalten und das ewige Leben empfangen.

Jesus nachfolgen schenkt eine tiefe Freude

Ein Leben mit Gott ist ein Leben, in dem die Liebe den zentralen Ort in unserem Herzen einnimmt. Wie schön ist es, Jesus die erste Stelle in unserem Leben zu geben!

Natürlich ist es oft nicht leicht, das im Alltag auch so beizubehalten. Oft rücken andere Dinge an die für Jesus reservierte Stelle und füllen unser Herz aus.

Doch die wahre Freude erleben wir in den Momenten, in denen wir Jesus die Zügel unseres Herzens in die Hand geben, ihm einen Blankoscheck unterschreiben und ihm sagen: Führe du mich, ich will dir nachfolgen!

Nur Jesus kann uns tiefe Ruhe, Gelassenheit und Freude schenken.

Frage: Welche Bereiche meines Lebens halte ich noch zurück, obwohl ich spüre, dass Jesus dort die Führung übernehmen möchte?

Jesus Versprechen an die Jünger

Jesus verspricht den Jüngern für ihre Nachfolge das Hundertfache von dem, was sie verlassen haben. Und tatsächlich, am Ende ihres Lebens hatten die Jünger durch die Ausbreitung des Leibes Christi, der Kirche, „hunderte“ von Häusern, „hunderte“ von Äckern und „hunderte“ von geistlichen Kindern.

Aber war das alles? Der junge Mann im Evangelium wollte das ewige Leben gewinnen. Darum geht es letztendlich und das verspricht Jesus seinen Jüngern obendrein („und in der kommenden Welt das ewige Leben“). Gott will seine Herrlichkeit und seine Gottheit mit uns teilen!

Aber Voraussetzung für das Hundertfache und das ewige Leben ist unsere Entscheidung für die Nachfolge und unser Vertrauen in Gott und seine Verheißung. Die Jünger haben eine Entscheidung getroffen, sie sind Jesus nachgefolgt. Der junge Mann konnte das nicht, er ging traurig weg.

Was wollte der Mann wirklich? Was will ich wirklich?

Frage: Welche Entscheidung für mein Leben könnte mich heute dem näherbringen, was Jesus verspricht – sowohl im Hier und Jetzt als auch darüber hinaus?

Gebet

Jesus, danke für dein Versprechen, dass ich dir nicht umsonst nachfolge, sondern dass ich das Hundertfache erhalte, wenn ich mich von lieben Menschen und Dingen um deinetwillen löse. Lass mich in der Erkenntnis wachsen, dass bei aller Liebe zu den Menschen in meiner Familie und zu meinen Freunden doch immer du noch wichtiger bist und mich noch mehr liebst. Dann werde ich innerlich unabhängiger und kann dir und den Menschen besser dienen, weil du in mir wächst und mein zerbrechliches Ego abnimmt. Dorit Wilke-Lopez

Vers 30 Erste und Letzte

Mt 19,30: ‭Aber viele von den Ersten werden Letzte, und Letzte werden Erste sein.‭

Letzte werden Erste sein

Dies weist auf eine Umkehrung menschlicher Maßstäbe im Reich Gottes hin. Jesus lehrt, dass irdische Rangordnungen nicht für die Ewigkeit gelten. Wer sich hier als Erster sieht, weil er Reichtum oder Macht besitzt, kann im Himmel der Letzte sein, wenn er nicht Gottes Willen tut.

Umgekehrt erhalten die Demütigen und Benachteiligten oft einen bevorzugten Platz bei Gott. Diese Aussage steht im Zusammenhang mit Jesu Belehrung über Nachfolge, Verzicht und Belohnung im Himmel. Sie ermutigt zu Demut und Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit, anstatt sich auf weltliche Privilegien zu verlassen.

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1–16) illustriert diese Wahrheit.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben Platz für Demut und Gottes Gerechtigkeit schaffen, anstatt mich von äußeren Erfolgen leiten zu lassen?

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Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 19. Kap

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