Mt 19, 16-22 Der reiche Jüngling
Inhaltsverzeichnis
Vers 16 Frage nach ewigem Leben
Mt 19,16: Und siehe, einer trat herzu und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich Gutes tun, um das ewige Leben zu erlangen?
Was muss ich Gutes tun?
Gleich dem älteren Bruder im Gleichnis vom barmherzigen Vater geht es dem Mann hier um Pflichterfüllung; ein Abhaken von Punkten „des Guten“ auf einer Liste, um sich das ewige Leben zu sichern. Vordergründig gut, doch Jesus möchte keine Lohnarbeiter. Franz Schmeink
Das ewige Leben – Zielpunkt
Der junge Mann macht es noch einmal richtig. Er fragt nach dem Wesentlichen. „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“
Und Jesus antwortet später ebenfalls mit dem Wesentlichen: „…einen bleibenden Schatz im Himmel“.
Nur wenn in unserem Leben die wesentlichen Koordinaten stimmen, kann alles andere auch stimmig werden. Nur wenn wir unser Dasein auf das ewige Leben hin ausrichten, können wir das Leben in dieser Welt in der rechten Gewichtung messen.
Dann kann ein junger Mensch sein Leben ganz Gott schenken – als Priester, Ordensmann oder Ordensfrau, als Gottgeweihte*r. Dann kann man auch auf Materielles verzichten, um Geistiges zu ernten. Dann kann man verzeihen, großzügig weggeben, sich selbst verschenken, andere ehren.
Baust du dein Leben auf das Ewige hin? Oder hängst du an dir und dem Zeitlichen, als ob das alles wäre – Geld, Erfolg, Anerkennung, Wertschätzung, Macht, Materielles…
Frage: Welche Prioritäten in meinem Leben spiegeln wirklich das Ewige wider, und wo könnte ich noch loslassen, um tiefer zu wachsen?
Vers 17 Nur einer ist gut
Mt 19,17: Er aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein! Willst du aber in das Leben eingehen, so halte die Gebote!
Was nennst du mich gut?
Damit leugnete Jesus seine eigene Güte nicht. Stattdessen fragte er den Mann: Verstehst du, was du sagst, wenn du mich gut nennst?
Es war, als ob Jesus sagte: Du kommst zu mir und fragst, was du Gutes tun kannst, um das ewige Leben zu ererben. Aber was weißt du wirklich über das Gute?
Das Argument ist klar: Entweder war Jesus gut, oder er hätte ihn nicht gut nennen sollen; aber da es nur Gott gibt, der gut ist, muss Jesus, der gut ist, Gott sein.
Frage: In welchen Momenten erkenne ich das Gute in mir selbst und in anderen, und wie öffnet mich das für das Göttliche?
Vers 18 Gebote halten
Mt 19,18: Er sagt zu ihm: Welche? Jesus aber sprach: Das »Du sollst nicht töten! Du sollst nicht ehebrechen! Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht falsches Zeugnis reden!
Ganz konkret
Der junge Mann will Klarheit. In jener Zeit befolgten die Schriftgelehrten und Pharisäer hunderte von Geboten, kleine und große.
Die Frage, welche die wichtigsten sind, war sehr klug. Vielleicht bräuchte ich auch manchmal in meinem Leben mehr Klarheit, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Vielleicht wäre es auch für mich hilfreich, manchmal über das Wesentliche zu reflektieren. Welches Echo erzeugen diese Worte Jesu in meinem Herzen?
Frage: Wo in meinem Leben sehne ich mich nach mehr Klarheit, und wie kann ich meinem inneren Wesentlichen näherkommen?
Vers 19 Nächstenliebe-Gebot
Mt 19,19: Ehre deinen Vater und deine Mutter! und Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!
Vers 20 Was fehlt mir noch?
Mt 19,20: Der junge Mann spricht zu ihm: Das habe ich alles gehalten von meiner Jugend an; was fehlt mir noch?
Was fehlt mir jetzt noch?
Er fragt noch einmal nach mehr. Wieso ist er nicht zufrieden, wo er doch alles richtig macht?
Wenn unser Herz lebendig ist, sehnt es sich nach mehr – wir wollen noch mehr lieben, noch mehr wachsen, Gott noch näher sein…
Jesus begegnet diese Sehnsucht mit großer Freude, aber auch mit großem Respekt. Hier gebietet er nicht, er lädt einfach ein. Er möchte, dass wir die Fülle des Lebens und der Freude erfahren, indem wir seine Liebe nachahmen.
Habe ich einmal solch eine Einladung nach mehr in mir vernommen? Wie habe ich reagiert? Welche Früchte hat es in meinem Leben gebracht?
Eva Gloserová
Frage: Welche Sehnsucht in meinem Herzen lädt mich heute ein, einen Schritt näher zu mir selbst und zu Gott zu gehen?
Vers 21 Reichtum verkaufen, Nachfolge
Mt 19,21: Jesus antwortete: Wenn du vollkommen sein willst, dann geh, verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen. Damit wirst du im Himmel einen Reichtum gewinnen, der niemals verloren geht. Und dann komm und folge mir nach!
Die Antwort Jesus
Jesus blickt ihn an, und der Mann darf die Erfahrung der Liebe Gottes machen. Er spürt in sich den Drang nach mehr, bringt ihn zum Ausdruck und Jesus fordert ihn zu einer vollkommeneren Hingabe auf. Doch da geht der Mann traurig weg. Er ist jetzt nicht fähig, diesem Ruf zu folgen, sich ganz und gar auf Jesus einzulassen.
Der Blick Jesu trifft auch mich, jeden Tag, jede Sekunde meines Lebens. Er will mir jetzt persönlich begegnen. Er blickt mich an, voller Liebe. Wie reagiere ich auf seinen Blick? Bin ich bereit, mein ganzes Wesen dem Blick Gottes auszusetzen?
Wie ist mein Blick auf ihn? Voller Hoffnung, voller Vertrauen? Lasse ich – wie Petrus bei seiner Berufung – alles stehen und liegen und folge ihm nach? Oder bin ich jetzt nicht fähig, ihm zu folgen, lasse mich aber von seinem Blick begleiten, um zu lernen, was ich um seinetwillen loslassen muss?
Marita Grötsch
Frage: Welche innere Haltung möchte ich heute einnehmen, um dem Blick Gottes mit offenem Herzen zu begegnen?
Alles verkaufen
Hier kann jeder darüber nachdenken, was es für ihn heißt, für Christus alles zu verkaufen und ihm nachzufolgen.
Es kann bedeuten, Gott sein ganzes Leben zu schenken, jeden Tag aufs Neue etwas von uns herzugeben, damit unser Herz weit wird.
Es kann bedeuten, dass wir etwas, woran wir festhalten, hergeben oder revidieren: unsere Meinung, unser Urteil, unseren Egoismus.
Jeder kennt einen Bereich, in dem er dem Herrn sein Herz ein Stück weiter öffnen kann. Legen wir ihm diese Dinge nun in die Hände.
Jonathan Fuhr
Frage: Welcher Bereich meines Lebens sehnt sich danach, von Gott geöffnet und transformiert zu werden?
Folge mir nach – Wegstrecke
Jesus lädt dich und mich ein, ihm zu folgen. Es ist ein Weg. Ein lebenslanger Weg. Mit Kurven, Steigungen, schönen Streckenteilen, Gefahren, Ruheplätzen.
Wir können nicht voraussehen, wie dieser Weg verläuft. Wir können ihn nur im Vertrauen gehen – oder in Sorge.
Jesus lädt uns ein, IHM zu folgen. Er geht den Weg schon mal ab, damit er ihn kennt. Und dann lädt er uns ein, ihm zu folgen.
Vertraust du Jesus? Bist du ängstlich? Besorgt? Oder frei wie ein Kind, das mit Papa wandern geht?
Klaus Einsle
Frage: Welche Schritte könntest du heute tun, um deinem Leben mehr Vertrauen und kindliche Freiheit zu schenken?
Vers 22 Betrübtes Weggehen
Mt 19,22: Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg, denn er besaß ein großes Vermögen.
Gefahr, dem Geld anzuhängen
Darin versagte der wohlhabende Frager ganz und gar. Geld war sein Gott; er war des Götzendienstes schuldig. Deshalb forderte Jesus, der das Herz des Mannes kannte, ihn auf, auf seinen Besitz zu verzichten.
Reichtümer sind ein Problem, weil sie dazu neigen, uns mit diesem Leben zufrieden zu stellen, anstatt uns nach dem kommenden Zeitalter zu sehnen.
Außerdem wird manchmal auf Kosten der Suche nach Gott nach Reichtum gestrebt.
Frage: In welchem Bereich meines Lebens halte ich vielleicht an etwas fest, das mich von einer tieferen Verbindung zu Gott oder zu meinem inneren Selbst ablenkt?
Loslassen
Der heilige Paulus sagt, dass nichts über Christus gehen sollte. Im Fall des jungen Mannes hatte dieser aber etwas anderes Christus vorgezogen. Der Komfort, die Sicherheit und die materiellen Dinge waren ihm wichtiger als die persönliche Einladung Christi zur Vollkommenheit.
Abhängigkeit führt zur Traurigkeit; in einem Herzen, das mit den Dingen dieser Welt ganz erfüllt ist, gibt es keinen Platz für Gott. Nur das Loslassen führt zu wahrer Freude.
Gott gibt sich dem, der ihn ohne Bedingungen sucht.
Todd Belardi
Frage: Welche Dinge halte ich vielleicht noch fest, obwohl sie mich von der Tiefe meiner Beziehung zu Gott abhalten?
Wo dein Schatz ist, ist auch dein Herz
Der Schatz des jungen Mannes ist sein Reichtum. Dort hat er sein Herz verankert, und diesen Anker kann er nicht lösen. Er ist gebunden.
Wie ist das bei mir? Wo habe ich Anker geworfen? In meinen liebsten Menschen, im Besitz, in der Arbeit, im Sport, in meiner Leistung? Welche Bindungen habe ich? Kommt Gott dabei vor?
Ich bespreche das mit dem guten Meister.
Dorit Wilke-Lopez
Frage: Welche Anker halte ich fest, die mich vielleicht davon abhalten, meinem wahren inneren Weg zu folgen?
Fehlende Großzügigkeit
Der reiche Jüngling ist nicht fähig, diesen Schritt zu tun. Obwohl der liebende Blick Jesu auf ihm ruht, ist sein Herz nicht fähig, sich von den vielen Reichtümern loszulösen, die er besitzt, sagt Papst Benedikt XVI.
Auch wir gehen zu Jesus in der Hoffnung, dass er uns hilft, das Glück zu finden, und auch uns sieht Jesus liebevoll an und möchte uns an sein Herz ziehen.
Leider knüpfen wir allzu oft unsere eigenen Bedingungen und Erwartungen an die Nachfolge Jesu. Wir haben Angst vor einer Liebe, die in ihrem Ruf nach völliger Hingabe verlangt. Und so hängen wir weiter an unserer Art und Weise, Gott zu folgen, und rechtfertigen uns selbst wie der junge Mann, indem wir Gott die Einhaltung der Gebote anbieten.
Bertalan Egervári
Frage: Welche „Reichtümer“ in meinem Leben halten mich davon ab, mich ganz der Liebe Gottes hinzugeben?
Andacht von Papst Franziskus
Was ist der Glaube für mich? Wenn er in erster Linie eine Pflicht oder ein Tauschwert ist, dann sind wir auf dem Holzweg, denn das Heil ist ein Geschenk, nicht aber eine Pflicht. Es ist unentgeltlich und es kann nicht gekauft werden.
Als Allererstes müssen wir uns von einem kommerziellen und mechanischen Glauben befreien, der das falsche Bild eines buchhaltenden, kontrollierenden Gottes vermittelt, der kein Vater ist.
Ist dein Glaube müde? Willst du ihn wiederbeleben? Suche den Blick Gottes: versetze dich in Anbetung, lass dir in der Beichte vergeben, steh vor dem Gekreuzigten. Kurzum: lass dich von ihm lieben. Das ist der Anfang des Glaubens.
Wie oft begnügen wir uns mit den Pflichten – den Geboten, ein paar Gebeten und vielen derartigen Dingen –, während Gott, der uns das Leben schenkt, uns um ein wenig Lebenselan bittet! Ein Glaube ohne Gabe, ohne Unentgeltlichkeit, ohne Werke der Nächstenliebe macht uns am Ende traurig, wie diesen Mann, der, obwohl er von Jesus selbst mit Liebe betrachtet wurde, betrübt und traurig nach Hause ging.
Frage: Welche kleinen Gesten der Liebe oder Hingabe könntest du heute zulassen, um deinen Glauben lebendig zu halten?