Mt 18, 21-35 Unnachgiebiger Schuldner
Inhaltsverzeichnis
Vers 21 Maß der Vergebung
Mt 18,21: Da trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, der gegen mich sündigt? Bis siebenmal?
Kalkül
Wenn Petrus fragt, wie oft er seinem Bruder vergeben muss, wird deutlich, mit welcher Mentalität er an die Frage herantritt. Es ist eine Mentalität, die sich an den Bedürfnissen der Natur orientiert.
Eine Mentalität, die kalkuliert, was sie für andere tut und die dafür eine Gegenleistung erwartet.
Eine Mentalität, die nicht begriffen hat, dass sie bereit sein muss, wie das Weizenkorn zu sterben, um zu leben und viel Frucht zu bringen.
Pablo Rodríguez de la Gala
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich lernen, loszulassen und zu vergeben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten?
Vers 22 Siebenundsiebzigmal
Mt 18,22: Jesus antwortete ihm: Ich sage dir, nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmalsiebenmal!
Petrus geht weiter als üblich
Petrus hoffte angesichts dessen, was Jesus über Übereinstimmung und Einheit sagte, äußerst liebevoll zu klingen, indem er vorschlug, einem reumütigen Bruder bis zu sieben Mal zu vergeben, während dreimal die akzeptierte Grenze war, die von vielen jüdischen Rabbinern jener Zeit gelehrt wurde.
Die Rabbiner empfahlen, dreimal zu verzeihen. Petrus geht weiter als die Pharisäer und schlägt vor, siebenmal zu vergeben. Petrus dachte, er sage etwas Großes. Der Herr macht aber klar, dass wir die Vergebung nicht beschränken dürfen.
Bei der Vergebung geht es nicht um sentimentales Gutmenschentum, sondern um Leben und Tod. Darum sollen wir nach Jesus maßlos vergeben.
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens fällt es dir schwer, maßlos zu vergeben, und wie würde sich dein Herz öffnen, wenn du es tun würdest?
Vergebung ist schwer
Einander gerne vergeben ist nicht leicht, vor allem, wenn wir eine schwere Beleidigung erlitten haben. Manche Menschen tragen anderen das Leben lang erlittene Kränkungen nach und werden dabei selber krank.
Vieles kann uns beleidigen, uns Leid zufügen. Es kann ein kränkendes Wort sein, das alte Wunden in uns aufreißt. Jeder von uns hat seine empfindliche Stelle. Beleidigen kann auch ein Übergehen sein. Der andere beachtet uns gar nicht.
Viele fühlen sich mit dem Verzeihen überfordert. Seien wir uns im Klaren: nur in und mit Gottes Kraft ist uns das möglich. Und es ist oft ein langer Weg.
Seien wir uns auch im Klaren: Wenn wir uns dem Weg der Vergebung komplett verweigern, gehen wir daran selbst kaputt. Wenn wir Vergebung dagegen richtig verstehen, ist sie nicht nur ein Werk der Barmherzigkeit dem Beleidiger gegenüber, sondern auch uns selbst gegenüber. Es tut uns selbst gut.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich lernen, loszulassen und Vergebung zu schenken, um inneren Frieden zu finden?
Vergebung ist Leben
Bei der Vergebung geht es nicht um sentimentales Gutmenschentum, sondern um Leben und Tod. Darum sollen wir nach Jesus maßlos vergeben.
Nicht dass wir dann als ach so tolle Menschen vor ihm da stehen und dadurch Gottes Lob und Anerkennung erwarten, sondern weil wir selbst uns aus den Fesseln der Verurteilung lösen, in der Vergebung selbst unseren Frieden finden. "Wo aber Vergebung ist, da ist Leben" (Luther).
Jesus sagt nicht, dass Vergebung einfach ist und mal kurz und eben schnell geht. Der Weg zum Leben ist bisweilen eng und steinig.
Lass dir vergeben und vergebe. Lebe!
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die Kraft der Vergebung, die mich wirklich frei macht?
Reue ist eine Voraussetzung für Vergebung
Wer keine Erkenntnis der Schuld hat, der zeigt auch keine Reue. Wer keine Reue zeigt, dem kann auch nicht vergeben werden.
Das deutsche Wort Reue meint ursprünglich, traurig und betrübt zu sein. Es beschreibt den seelischen Schmerz über etwas, das wir getan oder unterlassen haben, verbunden mit dem Vorsatz, es zukünftig besser zu machen – Buße zu tun.
Reue bedeutet eine Veränderung des Herzens und die bewusste Entscheidung, umzukehren. Es geht nicht um eine oberflächliche und vorübergehende Umkehr, sondern um einen geistlichen Weg, der die Haltungen des Gewissens in der Tiefe betrifft und einen aufrichtigen Vorsatz zur Besserung verlangt.
In wahrer Reue und in einem demütigen Herzen erst wird die Hoffnung auf Verzeihung geboren.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die leise Stimme meines Gewissens, die mich zu einer inneren Umkehr einlädt?
Bitte um Vergebungsbereitschaft
Herr, wie oft fällt es uns schwer, einander zu vergeben, und wie oft hemmen uns Verletzungen, Egoismus und Stolz.
Hilf du uns, dass wir immer besser vergeben können und unser Herz nicht hart wird.
Schenke du uns dafür immer mehr deinen liebevollen Blick auf die anderen, den Mut, aufeinander zuzugehen und unserem Nächsten zu verzeihen.
Und schenke uns besonders dann deine Nähe und Gnade, diesen Schritt zu tun, wenn es schwer ist, weh tut oder uns unmöglich erscheint.
Frage: Wo in meinem Herzen fällt es mir am schwersten zu vergeben, und wie kann ich offen werden für Heilung und Gnade?
Vergebung im Übermaß
Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.
Weil Gott im Übermaß schenkt und im Übermaß vergibt, sind auch wir berufen, dies zu tun.
In der Natur sehen wir sein Übermaß, aber auch in seiner eigenen grenzenlosen Hingabe in der Menschwerdung und in seinem Tod am Kreuz.
Wenn ein Christ nach Jesu Vorbild leben möchte, ein Herz wie er haben möchte, kann er also die Dinge nicht nach dem Prinzip „Auge um Auge und Zahn um Zahn“ bemessen.
Eric Briemle
Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du Gottes Übermaß an Liebe, und wie kannst du diese Haltung in deinem eigenen Handeln widerspiegeln?
Was Vergebung eigentlich bedeutet
Vergeben beinhaltet vier Schritte, die alle wichtig sind.
1) Ich erkenne die Schuld der Person an, die mich verletzt hat, und relativiere nicht.
Du hast mich verletzt und das hat in mir seine negativen Folgen gehabt.
2) Ich bin mir der Folgen dieser Schuld des Anderen sehr bewusst.
Ich leide weiterhin darunter, dass du mich verletzt hast.
3) Ich entscheide mich dafür, dass ich das Wohl des Anderen will.
Ich will dir nicht schaden, will keine Rache; sondern ich will, dass du gedeihen kannst.
4) Ich vergebe und spreche es aus.
Daher vergebe ich dir deine Tat und lasse dich in Freiheit ziehen.
Klaus Einsle
Frage: Welche inneren Blockaden halten mich vielleicht noch davon ab, wirklich zu vergeben, und wie kann ich ihnen mit Mitgefühl begegnen?
Vers 23 Gleichnis vom Schuldner
Mt 18,23: Darum gleicht das Reich der Himmel einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte.
Vers 24 Unermessliche Schuld
Mt 18,24: Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war 10 000 Talente schuldig.
Gleichnis vom Schuldner
Er steht mit 10.000 Talenten beim König in der Kreide. Das ist eine gewaltige Summe, die sich umgerechnet auf mehrere Millionen Euro beläuft.
Das befiehlt er nicht aus Grausamkeit, sondern aus unaussprechlicher Zuneigung heraus. Er will ihn nämlich durch diese Drohung erschrecken, damit er um Gnade bittet und nicht verkauft wird. Und so geschah es dann auch.
Das Gleichnis von dem Knecht, der zehntausend Talente schuldete, spiegelt treffend unsere Situation vor Gott wider. Auch wir verfügen über nichts, womit wir unsere Schuld begleichen könnten, die schon unermeßlich ist wegen der vielen göttlichen Wohltaten und die noch gesteigert wird durch unsere Sünden.
Frage: Welche unermessliche Gnade könnte dein Herz heute dazu bewegen, Mitgefühl und Vergebung auch gegenüber dir selbst zu üben?
Entweder – oder
Das Gleichnis vom Schuldner macht deutlich: Durch die innere Haltung, die wir gegenüber unseren Mitmenschen einnehmen, entscheiden wir uns zwischen zwei Leitbildern, die einst auf uns angewandt werden: dem maßlos weiten, offenen und lebendigen der Barmherzigkeit und dem engen und streng geschlossenen der Gerechtigkeit.
Beim ersteren schaut man auf die Person und deren Bedürfnisse. Man ist nicht berechnend. Beim zweiten schaut man auf die Leistung, auf offene Rechnungen und aufs Kalkül.
Welches dieser beiden Leitbilder wir auf uns angewandt haben möchten, ist klar…
Herr, nimm mein Herz, und lass es offen und warm werden! Lass mich im Rhythmus seines pulsierenden Schlagens immer wieder kleine Akte der Nächstenliebe setzen und heute damit beginnen.
Thomas Fox
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich bewusst mein Herz öffnen, um Barmherzigkeit statt strenger Abwägung zu leben?
Bilder in dem Gleichnis
Gott aber heißt König, weil er Alles, was er schuf, leitet und regiert.
Diese Knechte aber sind hier, wenigstens in diesem Gleichnisse, die Verwalter des Wortes, denen es übergeben ist, zu handeln und zu wuchern.
Wir müssen aber von unserm ganzen Leben vor dem Könige Rechenschaft ablegen, wenn wir Alle vor dem Richterstuhle Christi erscheinen müssen.
Goldene Perle
Frage: Wie gestalte ich mein Leben so, dass ich vor dem König Rechenschaft ablegen kann, und welche Schätze meines Lebens möchte ich geistlich vermehren?
Andacht von Papst Franziskus
Dieses Gleichnis hilft uns, die Bedeutung dieses Satzes, den wir im Gebet des Vaterunser sprechen, voll zu erfassen: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ (Mt 6,12).
Diese Worte enthalten eine entscheidende Wahrheit. Wir können nicht erwarten, dass Gott uns vergibt, wenn wir nicht auch unsererseits unserem Nächsten Vergebung gewähren.
Es ist eine Bedingung: denk an das Ende, an Gottes Vergebung, und hör auf zu hassen; vertreibe den Groll, diese lästige Fliege, die immer wieder zurückkommt.
Wenn wir uns nicht um Vergebung und Liebe bemühen, wird auch uns nicht vergeben und keine Liebe zuteil werden.
Frage: In welchen Momenten halte ich selbst noch an Groll fest, und wie könnte ich diesen loslassen, um Heilung und Liebe zu erfahren?
Vers 25 Befehl zum Verkauf
Mt 18,25: Weil er aber nicht bezahlen konnte, befahl sein Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und so zu bezahlen.
Vers 26 Bitte um Geduld
Mt 18,26: Da warf sich der Knecht nieder, huldigte ihm und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, so will ich dir alles bezahlen!
Reue des Sünders und Güte Gottes
Durch diese Worte aber wird die Demütigung und Genugtuung des Sünders gezeigt, da es heißt: Er fiel nieder. Wenn es aber heißt: Habe Geduld mit mir, so wird die Stimme des Sünders vernommen, welcher um eine Zeit zu leben und eine Gelegenheit sich zu bessern bittet.
Groß ist aber die Güte und Nachsicht Gottes gegen die bekehrten Sünder, weil er immer bereit ist, entweder durch die Taufe oder die Buße die Sünden nachzulassen.
Goldene Perle
Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich schon die Geduld und Nachsicht Gottes besonders gespürt, und wie kann ich diese Erfahrung heute bewusster in meinem Handeln leben?
Das Versprechen des Dieners ergab keinen Sinn
Er sprach, als brauche er nur Geduld; dass er diese massiven Schulden tatsächlich bezahlen könnte, wenn ihm genug Zeit gegeben würde.
Die Jünger, die Jesus zuhörten, würden das für witzig halten.
Mancher arme Sünder ist sehr reich an Vorsätzen.
Dieser Diener-Schuldner meinte, er brauche nur Geduld; aber er brauchte wirklich Vergebung!
Spurgeon
Frage: Wo in meinem Leben vertraue ich auf Geduld, obwohl Vergebung und innere Wandlung das Wesentliche wären?
Demut
Der Diener fällt vor dem König auf die Knie und bittet um Geduld. Und der König hat Mitleid.
Diese Haltung einzunehmen – auf die Knie zu gehen, sich selbst klein zu machen und sich einzugestehen, dass man es gerade nicht alleine schafft – erleben wir oft als eine schwierige Situation.
Aber das Bekenntnis und das Kleinmachen erweckt beim König Mitleid und veranlasst ihn, die Schulden zu erlassen. Daran dürfen wir erkennen, dass es nicht schlimm ist, wenn wir einmal überhaupt nicht weiterwissen. Und dass es nicht unbedingt Schwäche bedeutet, auf die Knie zu gehen.
Dem Diener war es sicher auch sehr unangenehm, dennoch sah er darin seine einzige Möglichkeit – und der König erhörte ihn.
Sophie Frank
Frage: Wann habe ich zuletzt den Mut gehabt, mich selbst klein zu machen, um Hilfe zu bitten, und was hat mir diese Erfahrung über Vertrauen und Demut gezeigt?
Vers 27 Gnädiger Erlass
Mt 18,27: Da erbarmte sich der Herr über diesen Knecht, gab ihn frei und erließ ihm die Schuld.
Mt 18,27: Da hatte der König Mitleid. Er gab ihn frei und erließ ihm seine Schulden.
Der König und der Diener
Der König ist nicht naiv. Er weiß genau, dass der Diener eine so hohe Schuld niemals mit seinen Mitteln zurückzahlen kann. Und er lässt es ihn auch wissen.
Aber gleichzeitig leidet er mit dem Diener, und nach dessen ehrlicher Bitte schenkt er ihm die Freiheit und Würde zurück. Mehr noch, er schenkt ihm auch seine Barmherzigkeit und sein Vertrauen, ja, seine Liebe, damit sie ihm als Beispiel dienen.
Wie traurig, dass das den Diener in seiner Beziehung zum eigenen Schuldner gar nicht berührt hat!
Ich bleibe einen Moment bei diesem Gleichnis und lasse es zu mir sprechen.
Eva Gloserov
Frage: Welche Art von Barmherzigkeit oder Vertrauen fällt dir in deinem eigenen Leben schwer zu schenken, und was könnte es bewirken, wenn du es dennoch tust?
Sieh aber das Überfließen der göttlichen Liebe
Der Diener bittet allein um einen Aufschub. Doch er gibt ihm mehr als er erbeten hat: er vergibt ihm und erläßt ihm das ganze Darlehen.
Das wollte er von Anfang an tun, aber er wollte nicht, dass es allein sein Geschenk sei, sondern auch, dass der andere darum bittet, so dass er nicht ohne Lohn davongeht. Darum hat er ihm die Schuld auch nicht nachgelassen, noch bevor er Rechenschaft verlangte, denn er wollte ihm bewusst machen, von wie vielen Schulden er ihn befreit hat, sodass er dadurch mit seinen Mitdienern sanftmütiger umgehe.
Und bis hierher zeigte er sich auch dessen würdig, was ihm versprochen worden war, denn er gestand seine Schuld ein, versprach, sie zurückzuzahlen, und bat auf Knien um Erbarmen. Er erkannte also die Größe seiner Schuld.
Chrysostomus
Frage: Welche Schuld oder Bürde in deinem Leben könntest du heute bewusst loslassen, um inneren Frieden zu erfahren?
Mitleid
Mitleid empfinden kann man nur, wenn man sich in einen Menschen hineinversetzt und einfühlsam ist. Wie oft dürfen wir auch in der Bibel lesen, dass Jesus Mitleid mit jemandem hatte.
Ihm ist es nicht egal, wie es uns geht, und er möchte, dass wir alles zu ihm bringen, was uns beschäftigt. Er interessiert sich für uns und fühlt mit uns.
Und gerade, wenn es uns mal nicht so gut geht, hat auch er Mitleid mit uns. So wie der König Mitleid mit dem Diener hat, so hat auch Jesus Mitleid mit uns, wenn wir mal nicht weiterwissen, uns in einer schwierigen Situation befinden, vor ihm auf die Knie fallen und ihn daran teilhaben lassen.
Sophie Frank
Frage: Wann habe ich zuletzt gespürt, dass jemand mein inneres Leiden wirklich versteht und wie kann ich diese Erfahrung mit meinem eigenen Mitgefühl für andere verbinden?
Vers 28 Erbarmungsloser Knecht
Mt 18,28: Als aber dieser Knecht hinausging, fand er einen Mitknecht, der war ihm 100 Denare schuldig; den ergriff er, würgte ihn und sprach: Bezahle mir, was du schuldig bist!
Die Schulden waren echt
100 Denare entsprachen ungefähr 100 Tageslöhnen. Das war kein unbedeutender Betrag, aber es war fast nichts im Vergleich zu den Schulden, die ihm sein Herr erlassen hatte. Es war tatsächlich 1/600.000 der Schuld, die der erste Diener dem Herrn schuldete
Enge des Herzens
Der Knecht, gerade von einer übergroßen Schuld befreit, hat kein Erbarmen mit seinem Mitknecht, der ihm kaum hundert Denare schuldet. Da zeigt sich die Enge seines Herzens. Für sich genommen, kann man ihm das Recht, sein Eigentum einzufordern, nicht bestreiten. Und doch empört sich etwas in uns, und wir fühlen, dass solche Unnachgiebigkeit nicht zum wahren Gerechtsein gehören kann.
Es ist nicht recht, wenn jemand, der soeben barmherzige Güte und Verständnis erfahren hat, seinem Schuldner gegenüber nicht die geringste Spur von Geduld zeigt. Nehmt es in euch auf: Gerechtigkeit erschöpft sich nicht im bloßen Abmessen von Rechten und Pflichten, sie ist kein arithmetisches Verfahren von Addieren und Subtrahieren.
Frage: In welchen Momenten deines Lebens könntest du mehr Barmherzigkeit und Geduld zeigen, auch wenn es deinem eigenen Recht entspricht, hart zu bleiben?
Betrachte die Liebe des Herrn und die Grausamkeit des Knechtes
Dieser bat um zehntausend Talente, jener um hundert Denare, der Eine den Herrn, der Andere den Mitknecht. Der Erstere erhielt die vollkommene Nachlassung, der Letztere bat nur um den Aufschub, aber erhielt diesen nicht. Goldene Perle
Die Mitknechte
Wie sehen mich meine "Mitknechte"?
Fürchten sie sich davor, mir nahe zu treten, weil sie aus Erfahrung die heftigen Reaktionen kennen, zu denen ich bisweilen fähig bin, oder kommen sie gern zu mir?
Wer zu Jesus kam, verließ ihn immer mit der Gewissheit, unglaublich geschätzt, ja persönlich geliebt zu sein. So trat auch die Sünderin vor ihn hin und zog sich nicht zurück, ohne unendlich dankbar zu sein und den Klang seiner Worte im Herzen zu tragen: "Deine Sünden sind dir vergeben."
Ja, das gilt auch heute noch: Wer Jesus wahrhaft begegnet, möchte nichts anderes mehr tun, als diese Erfahrung immer wieder zu wiederholen.
Könnte es mir helfen, Jesus ähnlicher zu werden, wenn ich immer wieder darauf schaue, wie zufrieden meine Mitmenschen aus der Begegnung mit mir hervorgehen?
Frage: Welche Spuren der Liebe und Wertschätzung hinterlasse ich bei den Menschen, denen ich begegne, und wie fühle ich mich selbst dabei?
Vers 29 Flehen des Mitknechts
Mt 18,29: Da warf sich ihm sein Mitknecht zu Füßen, bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, so will ich dir alles bezahlen!
Vers 30 Unbarmherzige Haft
Mt 18,30: Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war.
Die Mitmenschen
Nachdem ihm vergeben worden war, behandelt der Diener seinen Kollegen, der ihm Geld schuldet, nicht auf dieselbe barmherzige Weise. Er wirft ihn ins Gefängnis. Er hatte das Recht dazu. Dem Recht nach schuldete ihm sein Kollege Geld; weil er ihm aber nicht vergibt, missbraucht er die Freiheit, die ihm eben erst gegeben worden war.
Er hält nicht inne und erinnert sich daran, dass er in diesem Augenblick dem Recht nach ein Sklave wäre, verkauft zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern, um für seine Schuld zu bezahlen. Es fällt ihm nicht ein, dass er seinem Kollegen nur deshalb begegnen kann, weil der König zuerst mit ihm Mitleid hatte und ihm die Freiheit gegeben hatte.
Die Verstöße, die wir von unseren Mitmenschen erleiden, sind wirkliche Verstöße, aber bevor wir Gerechtigkeit fordern, sollten wir innehalten und daran denken, dass wir nur deshalb frei sind und Wiedergutmachung von unseren Mitmenschen verlangen können, weil Gott uns zuerst unsere Sünden vergeben hat.
Diese Überlegung muss uns dazu führen, unseren Mitmenschen dasselbe Erbarmen zu schenken, das wir von Gott empfangen haben.
Daniel Polzer
Frage: In welchen Momenten fällt es dir schwer, anderen zu vergeben, obwohl dir selbst Vergebung geschenkt wurde?
Andacht von Papst Franziskus
In dem Gleichnis stoßen wir auf zwei unterschiedliche Haltungen: die Haltung Gottes – repräsentiert durch den König – der so viel vergibt, weil Gott immer vergibt, und jene des Menschen.
In der göttlichen Haltung ist die Gerechtigkeit von Barmherzigkeit durchdrungen, während die menschliche Haltung auf die Gerechtigkeit beschränkt ist. Jesus drängt uns, uns mutig der Kraft der Vergebung zu öffnen, denn wir wissen, dass sich im Leben nicht alles durch Gerechtigkeit lösen lässt.
Wie viel Leid, wie viel Zerrissenheit, wie viele Kriege könnten vermieden werden, wenn Vergebung und Barmherzigkeit der Stil unseres Lebens wären! Auch in der Familie: wie viele zerstrittene Familien, die nicht wissen, wie man einander verzeiht, wie viele Brüder und Schwestern, die diesen Groll in sich tragen.
Es ist notwendig, die barmherzige Liebe in allen zwischenmenschlichen Beziehungen anzuwenden: zwischen Ehepartnern, zwischen Eltern und Kindern, innerhalb unserer Gemeinschaften, in der Kirche und auch in Gesellschaft und Politik.
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich heute bewusst Vergebung üben und Barmherzigkeit leben, um Heilung und Frieden zu fördern?
Vers 31 Meldung beim Herrn
Mt 18,31: Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt, kamen und berichteten ihrem Herrn den ganzen Vorfall.
Andacht von Remigius
Vielleicht sind unter den Mitdienern auch die Engel zu verstehen, oder die Prediger der heiligen Kirche, oder alle Gläubigen, die einen Bruder sehen, der nach Erlangung der Vergebung der Sünden kein Mitleid mit seinen Mitdienern haben will, und über sein Verlorensein traurig sind.
Es folgt: "Sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war." Sie kommen freilich nicht physisch, sondern mit ihrem Herzen. Dem Herrn berichten aber bedeutet, Schmerz und Traurigkeit des Herzens in seinem Gefühl zeigen.
Weiter folgt: Da ließ ihn sein Herr rufen. Er rief ihn aber, indem er ihm den Tod ansagte und ihn hieß, aus dem Leben zu scheiden. Und er sagte ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast.
Sie kommen freilich nicht physisch, sondern mit ihrem Herzen.
Remigius
Frage: Wie kannst du in deinem Alltag das Mitgefühl deines Herzens spürbar werden lassen, um anderen in ihrer Traurigkeit beizustehen?
Vers 32 Vorwurf der Bosheit
Mt 18,32: Da ließ sein Herr ihn kommen und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest;
Vers 33 Pflicht zum Erbarmen
Mt 18,33: solltest denn nicht auch du dich über deinen Mitknecht erbarmen, wie ich mich über dich erbarmt habe?
Wichtigkeit der Vergebung
Wie wichtig ist Barmherzigkeit! Wie wichtig ist das Vergeben können! Das Nicht-Vergeben baut so viele Hindernisse im Herzen auf.
Ringen wir uns aber zur Vergebung durch (und dieses Ringen ist oft ein innerer Kampf), dann werden diese Hindernisse niedergerissen und es kann Heilung, Frieden und Freude wiederhergestellt werden, wo davor Verurteilung und Bitterkeit war.
Vergebung heilt Beziehungen. Dazu ist der Herr gekommen, um das Heil zu bringen, Heil auch in unseren Beziehungen. Indem wir vergeben, machen wir dabei mit.
Vergebung ist die Macht, welche die Ketten der Bitterkeit und die Fesseln der Selbstsucht zerbricht. Corrie ten Boom
Frage: Wo in meinem Herzen braucht es heute Vergebung, um Heilung und Frieden zuzulassen?
Vers 34 Strafe des Herrn
Mt 18,34: Und voll Zorn übergab ihn sein Herr den Folterknechten, bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war.
Der gottlose Sklave
Trotz der großen Liebe, die wir empfangen haben, sind wir unseren Nächsten gegenüber manchmal unnachsichtig, genau wie der Sklave, dessen Schuld vergeben worden war.
Der Sklave, dem vergeben wurde, wird zum gottlosen Sklaven in dem Moment, indem er nicht „vergibt, wie ihm vergeben wurde.”
Wie leicht vergessen wir Gottes Liebe, wenn wir den Druck verspüren, etwas „produzieren” zu müssen! Wir werden der gottlose Sklave, indem wir Gott vergessen und eine rein menschliche Gerechtigkeit von unseren Mitmenschen – unserer Familie, unseren Freunden und Kollegen – verlangen.
Frage: In welchen Momenten fällt es mir am schwersten, die Liebe, die ich empfangen habe, auch weiterzugeben?
Vers 35 Bedingung der Herzensvergebung
Mt 18,35: So wird auch mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn ihr nicht jeder seinem Bruder von Herzen seine Verfehlungen vergebt.
So wird es auch Mein himmlischer Vater mit euch tun
Das Prinzip ist klar. Gott hat eine so große Schuld vergeben, dass jede Schuld, die uns geschuldet wird, im Vergleich dazu absolut unbedeutend ist.
Kein Mensch kann mich in dem Maße beleidigen, wie meine Sünden Gott beleidigt haben.
Dieses Prinzip muss bei den kleinen Dingen angewendet werden, die uns angetan werden, aber auch bei den großen Dingen, die uns angetan werden.
Frage: Wie würde sich mein Herz verändern, wenn ich die Verletzungen anderer im Licht von Gottes unendlicher Vergebung betrachte?
Gott sagt: Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden
Ich habe zuerst vergeben, vergib nachher auch du.
Denn wenn du nicht vergibst, versetze ich dich in den früheren Stand zurück, und was immer ich dir erlassen habe, erlege ich dir wieder auf.
Christus täuscht nämlich weder noch wird er getäuscht, und er fügt hinzu: Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.
Deshalb fügt der Herr hinzu von ganzem Herzen, damit die Milde nicht aus eurem Herzen weiche.
Frage: Wo in meinem Leben fällt es mir am schwersten, von ganzem Herzen zu vergeben, und was könnte geschehen, wenn ich es tatsächlich tue?
Von ganzem Herzen vergeben
Im letzten Satz der Bibelstelle fordert Jesus auf, "von ganzem Herzen" zu vergeben.
Was macht dieses Von-ganzem-Herzen-Vergeben aus: Ein Herz, das erkannt hat, wie viel Schuld es selbst auf sich geladen und wie viel Vergebung es erfahren hat; ein Herz, das die Verletzung anerkennt, aber den Mut und die Liebe hat, diese Schuld zu vergeben.
Eric Briemle
Frage: In welchen Momenten fällt es dir besonders schwer, von ganzem Herzen zu vergeben, und welche innere Heilung könnte daraus entstehen, wenn du es dennoch tust?
Entweder – oder
Das Gleichnis vom Schuldner macht deutlich: Durch die innere Haltung, die wir gegenüber unseren Mitmenschen einnehmen, entscheiden wir uns zwischen zwei Leitbildern, die einst auf uns angewandt werden: dem maßlos weiten, offenen und lebendigen der Barmherzigkeit und dem engen und streng geschlossenen der Gerechtigkeit.
Beim ersteren schaut man auf die Person und deren Bedürfnisse. Man ist nicht berechnend. Beim zweiten schaut man auf die Leistung, auf offene Rechnungen und aufs Kalkül.
Welches dieser beiden Leitbilder wir auf uns angewandt haben möchten, ist klar…
Herr, nimm mein Herz, und lass es offen und warm werden! Lass mich im Rhythmus seines pulsierenden Schlagens immer wieder kleine Akte der Nächstenliebe setzen und heute damit beginnen.
Thomas Fox
Frage: Wie kann ich heute bewusst mein Herz öffnen und Barmherzigkeit in meinen Begegnungen leben?
Andacht von Chrysostomus
Christus verlangt von uns zweierlei: die eigenen Sünden zu verurteilen und die der anderen zu vergeben. Wir sollen das erste um des zweiten willen tun, das uns dann leichter fällt; denn wer sich seiner Sünden bewusst ist, wird weniger streng gegen seinen Leidensgenossen sein.
Und gemeint ist nicht bloß Vergebung mit dem Mund, sondern aus tiefstem Herzen, damit wir die Klinge, mit der wir andere zu durchbohren glauben, nicht gegen uns selbst richten. Welchen Schaden kann dein Feind dir zufügen, der vergleichbar wäre mit dem, was du dir durch deine Verbitterung selber antust?
Bedenke also, welchen Nutzen du aus einer Kränkung ziehst, die du demütig und sanft annimmst: Als erstes – und das ist das Wichtigste – verdienst du dir so die Vergebung deiner Sünden. Sodann übst du dich in Geduld und Unerschrockenheit. Drittens gewinnst du an Sanftheit und Nächstenliebe; denn wer schon denen nicht grollen kann, die ihm Unrecht zugefügt haben, wird umso barmherziger mit denen umgehen, die ihn lieben. Viertens rottest du den Zorn mit der Wurzel aus deinem Herzen aus, was ein unvergleichlich hohes Gut ist.
Wer seine Seele von Zorn befreit, befreit sie gleichzeitig auch von Traurigkeit: Er reibt sich nicht auf durch Gram und fruchtlose Sorgen. Also strafen wir uns selber, wenn wir andere hassen; und wir tun uns selbst Gutes, wenn wir sie lieben. Außerdem werden alle Respekt vor dir haben, sogar deine Feinde, auch wenn es Dämonen sind. Besser noch: Wenn du dich so verhältst, wirst du gar keinen Feind mehr haben.
Chrysostomus
Frage: Welche inneren Lasten könntest du loslassen, wenn du mit tiefstem Herzen vergibst und Liebe statt Groll wählst?
Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Mt 18. Kap.
Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 18. Kap