Mt 18, 15-20 Umgang mit sündigen Gläubigen
Inhaltsverzeichnis
Vers 15 Zurechtweisung unter Brüdern
Mt 18,15: Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht.
Mt 18,15: Wenn dein Bruder oder deine Schwester Schuld auf sich geladen hat, dann geh zu dieser Person hin und stell sie unter vier Augen zur Rede. Wenn sie auf dich hört, hast du deinen Bruder oder deine Schwester zurückgewonnen.
Ansprechen oder Schweigen
Es wäre falsch, wenn jemand das Wort Jesu hier als Befehl nehmen würde, Ihren Bruder mit jeder Sünde zu konfrontieren , die er gegen Sie begeht. Die Bibel sagt, wir sollten einander ertragen und langmütig gegeneinander sein. Dennoch gibt es eindeutig einige Dinge, mit denen wir nicht lange leiden können und die wir ansprechen müssen.
Wie weise ich den anderen zurecht?
Sündigen heißt im Griechischen hamartanein, das bedeutet, den Weg zu verfehlen. Wer seinen Weg verfehlt, braucht jemanden, der ihm den Weg zeigt, einen Wegweiser. Der Wegweiser stellt sich nicht über den anderen. Er begleitet ihn ein Stück, damit er den Weg zum Ziel findet.
Es geht nicht um ein Gefälle: Ich bin nicht der Besserwisser und auch nicht der Tugendsamere. Ich bin genauso auf dem Weg wie der Irrende. Und auch ich kann mich auf meinem Weg verirren. Dann brauche auch ich Menschen, die mir den Weg zeigen.
Nun gibt es freilich verschiedene Motivationen, dem Mitmenschen einen Fehler vorzuhalten. Nicht selten geschieht es aus Kritiksucht, Groll oder Rechthaberei. Das wäre dann verkehrt! Zurechtweisung fällt nicht leicht, besonders bei Menschen, die uns sehr vertraut sind.
Zurechtweisung sollte immer in Bescheidenheit und ohne Zorn geschehen. Aufgepasst – nicht hochmütig sein! Eine sanfte, gütige Zurechtweisung ist auch eine Form gelebter Nächstenliebe.
Sprich weder noch antworte noch denke nach noch geh umher noch tue irgendetwas sonst, ohne zuvor bedacht zu haben, ob es Gott gefällt und dem Nächsten zu Beispiel und Erbauung gereicht. Ignatius von Loyola
Frage: In welchen Momenten auf deinem Weg könntest du selbst ein Wegweiser für andere sein, ohne dich über sie zu stellen?
Aus welchem Grund verbesserst du deinen Nächsten?
Weil dir die Sünde, die er gegen dich beging, wehtut? Das soll nicht sein!
Wenn du es nur aus Liebe zu dir selbst tust, tust du nichts Gutes; handelst du aber aus Liebe zu ihm, dann tust du sehr gut.
Unser Herr mahnt uns, nicht gegenseitig über unsere Sünden hinwegzusehen. Er verlangt aber nicht, dass du nach etwas suchst, was du tadeln kannst, sondern dass du siehst, was du verbessern kannst.
Wir sollen nämlich in Liebe zurechtweisen, und nicht weil wir begierig sind, dem anderen zu schaden, sondern weil wir ihn besser machen wollen.
Wenn du darin nachlässig bist, dann bist du schlechter als der, den du zurechtweisen sollst.
Augustinus
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich liebevoll korrigieren, anstatt nur zu urteilen, und was würde das für mein Herz verändern?
Störungen ansprechen
Lerne, Störungen in den verschiedenen Lebensbereichen rechtzeitig anzusprechen und zu klären, um Konflikten vorzubeugen. Wir können deswegen ausbrennen, weil wir Dingen zu lange ihren Lauf gelassen haben. Das Ergebnis ist oft eine Scheinharmonie, und der schwellende Konflikt schlägt später umso stärker zurück.
Lösungsorientiertes Denken ist da mein Lieblingswort. Häufig ist es meine eigene Überzeugung, dass eine Lösung unmöglich erscheint. Glaube dennoch an eine Lösung. Der Weg dahin führt nur über echte und klare Kommunikation, ob nun im Beruf, in der Beziehung oder anderswo, und über das Gebet zum heiligen Geist um Lenkung.
Atme in mir, heiliger Geist!
Frage: Welche inneren Blockaden halte ich noch fest, die eine klare Kommunikation oder ein Lösen von Konflikten verhindern könnten?
Persönliche Zurechtweisung
Was für eine große Kunst ist es doch, unsere Mitmenschen auf eine gute Art und Weise zurechtzuweisen und sie auf kleine Fehler aufmerksam zu machen.
Es kommt insbesondere darauf an, einander nicht zurechtzuweisen, um den Anderen schlecht zu machen oder zu verletzen, sondern um ihn sanft auf etwas hinzuweisen und das Gute in ihm/ihr zu fördern.
Nur so können wir Unterstützer auf dem Weg der Heiligkeit sein.
Sophie Frank
Frage: Wie kann ich heute jemandem auf eine sanfte und unterstützende Weise begegnen, sodass er oder sie das Beste in sich entfalten kann?
Zwei Extreme
Die Anleitung, die uns Jesus zum Umgang mit den Sünden anderer gibt, liegt zwischen den beiden Extremen, zu denen wir uns oft verleiten lassen können; beide sind auf ihre Art komfortabler als der Weg, den Jesus vorschlägt.
Auf der einen Seite gibt es die Möglichkeit, die Sünde gar nicht anzusprechen; auf der anderen Seite die Möglichkeit, sie direkt in die große Runde zu tragen.
Jesus hingegen schlägt den Weg vor, der ehrlich ist und die gute Absicht hat. Dieser Weg der Mitte ist nicht eine Grauzone zwischen zwei Extremen, ein simpler Kompromiss, sondern beruht auf Prinzipien.
Es ist die Liebe, die das Wahre und das Gute sucht, die zum rechten Maß führt.
Frage: In welchen Situationen fällt es dir schwer, den Weg der Mitte zu wählen, und wie könntest du dich darin von der Liebe leiten lassen?
Vers 16 Zeugen hinzuziehen
Mt 18,16: Hört er aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruht.
Prinzip der Zeugenschaft
Diese Stelle betont das Prinzip der Zeugenschaft nach dem mosaischen Gesetz (5. Mose 19,15). Jesus lehrt hier über den Umgang mit Konflikten in der Gemeinde.
Falls eine persönliche Ermahnung erfolglos bleibt, soll der Konflikt unter Zeugen geklärt werden. Dies dient nicht nur der Gerechtigkeit, sondern schützt auch beide Seiten vor falschen Anschuldigungen.
Die Zeugen sollen helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen und zur Versöhnung beizutragen. Dieser Vers zeigt die Bedeutung von Gemeinschaft, Rechenschaft und einem gerechten Verfahren im zwischenmenschlichen Umgang.
Frage: Wie kannst du in deinem Leben dazu beitragen, dass Konflikte ehrlich und respektvoll gelöst werden, ohne dass jemand zu Schaden kommt?
Vers 17 Vor die Gemeinde
Mt 18,17: Hört er aber auf diese nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und ein Zöllner.
Was bedeutet das?
Diese Anweisung bedeutet nicht zwingend Ausschluss, sondern spiegelt Jesu Umgang mit Zöllnern und Heiden wider: Er suchte sie in Liebe, aber sie standen außerhalb der Gemeinschaft.
Die Gemeinde soll den Unbußfertigen nicht hassen, aber klar machen, dass seine Haltung ihn von der geistlichen Gemeinschaft trennt.
Ziel bleibt Umkehr und Versöhnung, denn Gottes Barmherzigkeit steht über allem.
Frage: Wie kann ich in meinem Leben Liebe und Grenzen gleichzeitig leben, ohne jemanden zu verurteilen?
Vers 18 Binden und Lösen
Mt 18,18: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein.
Binden und Lösen
Dieser Vers betont die Autorität der Jünger in geistlichen Angelegenheiten. Binden und Lösen waren Begriffe aus dem jüdischen Recht und bezogen sich auf das Erlauben oder Verbieten bestimmter Handlungen. Jesus gibt seinen Nachfolgern die Vollmacht, Entscheidungen zu treffen, die göttlich bestätigt werden.
Dies betrifft besonders Gemeindezucht und Vergebung. Im Kontext (Mt 18,15–17) geht es um den Umgang mit Sünde in der Gemeinschaft. Die Kirche soll mit Verantwortung und Weisheit handeln, stets in Übereinstimmung mit Gottes Willen.
Diese Vollmacht zeigt die enge Verbindung zwischen Himmel und Gemeinde.
Frage: Wie spürst du in deinem Leben die Verantwortung, Entscheidungen im Einklang mit deinem spirituellen Gewissen zu treffen?
Vers 19 Gebet in Einigkeit
Mt 18,19: Weiter sage ich euch: Wenn zwei von euch auf Erden übereinkommen über irgendeine Sache, für die sie bitten wollen, so soll sie ihnen zuteilwerden von meinem Vater im Himmel.
Wert des gemeinsamen Gebets
Das gemeinsame Gebet ist für Gott besonders gehalt- und kraftvoll. Worin besteht der Wert des gemeinsamen Gebets?
– in der Einheit der Herzen.
Das ist eines der großen Ziele Gottes in dieser Welt. Denn er ist drei und eins. Da wir sein Abbild sind, sollen auch wir eins sein.
– in der Offenheit der Herzen.
Auch das ist eines der großen Ziele, dass wir uns einander öffnen. Denn darin liegt die Fähigkeit zu lieben. Gott ist die Liebe. Wir sind sein Abbild. Daher sollen wir einander lieben und vertrauen, indem wir unsere Herzen voreinander im Gebet öffnen.
– in der Suche nach dem Willen Gottes.
Wenn drei um etwas bitten, wird es wohl objektiver etwas sein, was dem Willen Gottes entspricht, als wenn wir alleine beten. Im persönlichen Gebet stehen oft auch unsere persönlichen Anliegen im Mittelpunkt. Wenn wir "zu dritt" beten, öffnen wir uns für die Nöte der anderen. Dein Wille geschehe.
Betest du gemeinsam mit deinem/r Vertrautesten? Mit dem Ehepartner, Freund, Geliebten, Kollegen, Kind…? Beginne heute damit oder tue es wieder.
Klaus Einsle
Frage: Wie kannst du dein Herz heute bewusst öffnen, um die Einheit und Liebe Gottes in deinem Leben und in der Gemeinschaft zu erfahren?
Die Kraft des Gebets
Zwischenmenschliche Konflikte können zu den schwersten Kreuzen gehören, die wir zu tragen haben. Wenn Verletzungen und Kränkungen so zahlreich geworden sind, dass Vergebung schwer zu gewähren oder zu erhalten ist, was bleibt dann zu tun?
Der Herr will uns sagen: „Betet! Ermuntert auch andere dazu, mit und für uns zu beten.” „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind...” Der Herr will in unserem Gebet und durch dieses handeln.
Als Katholiken, die an das Evangelium glauben, wissen wir, dass Wunder geschehen können. Manchmal mag es scheinen, als könne nur ein Wunder Versöhnung bringen. Wunder geschehen aber nur denen, die darum bitten.
Frage: Wie kann ich mein eigenes Herz öffnen, um Heilung und Versöhnung durch Gebet zu empfangen und zu schenken?
Vers 20 Jesus in der Mitte
Mt 18,20: Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.
Sich in seinem Namen versammeln
Sich in Seinem Namen zu versammeln bedeutet, dass wir von Ihm und seinem Namen bekannt sind.
Sich in Seinem Namen zu versammeln bedeutet, dass Er unser Sammelpunkt ist; wir versammeln uns um Jesus.
Sich in Seinem Namen zu versammeln bedeutet, sich gemäß dem Charakter und Wesen Jesu zu versammeln.
Sich in Seinem Namen zu versammeln bedeutet, sich auf eine Weise zu versammeln, die Jesus gutheißen würde.
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag bewusst Räume schaffen, in denen sich Jesu Gegenwart und Sein Charakter widerspiegeln?
Gottes Allgegenwart
Niemand außer Gott könnte diese Worte sagen, um sie wahrheitsgemäß zu sagen, denn Gott allein ist überall gegenwärtig, und diese Worte beziehen sich auf seine Allgegenwart.
Es sei darauf hingewiesen, dass Jesus nicht unter ihnen ist, um ihre Sünden auszuspionieren oder die Unvollkommenheiten ihrer Anbetung zu markieren, sondern um sie zu erleuchten, zu stärken, zu trösten und zu retten.
Frage: Wo in meinem Leben kann ich die Gegenwart Gottes bewusster wahrnehmen und mich von seiner Führung stärken lassen?
Gespräch mit Christus: Jesus, du definierst, was Kirche ist. Schon wenn zwei oder drei in deinem Namen versammelt sind, bist du gegenwärtig. Du bist unter uns und lebst mit uns. Herr, lass uns auch immer mehr mit dir leben. Lass mich jedes Treffen, jedes Gespräch, ja auch jeden Kontakt über die digitalen Medien mit einem Bruder oder einer Schwester im Glauben in deinem Namen beginnen, damit du stets unter uns bist. Ilka Haiberger