Mt 18, 10-14 Warnung vor Verachtung

Vers 10 Engel der Kleinen

Mt 18,10: Seht zu, dass ihr keinen dieser Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel schauen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.

Verachtet keinen

Die Unterweisung und auch das Beispiel des Herrn sind für uns eine Aufforderung, zu lieben, wie Er geliebt hat. Zuerst zu lieben, und die zu lieben, die nichts Liebenswürdiges besitzen – selbst die Undankbaren und die Bösen.

Wenn man daher unter den Brüdern solche findet, die wenig liebenswürdig, die arm, schwach, elend und verachtet sind, dann fordert uns der Herr Jesus auf, gerade an ihnen zuerst unsere Liebe zu betätigen.

Frage: Wie kann ich in meinem Leben bewusst diejenigen lieben, die mir am schwersten fallen, und was könnte dies in meiner Seele bewegen?

Wer sind die Kleinen?

Die Kleinen aber sind solche, welche kurz erst in Christus geboren wurden, oder solche, welche, gleich wie Neugeborne, keinen Fortschritt machen.

Der Herr durfte es aber nicht befehlen, die vollkommenen Gläubigen nicht zu verachten, wohl aber die Kleinen. Darum aber soll man sie nicht verachten, weil sie Gott so teuer sind, daß er Engel zu ihrem Schutze bestellte.

Denn groß ist die Würde der Seelen, daß eine jede von der Stunde ihrer Geburt an einen Engel zu ihrem Schutze erhält.

Frage: Wie kannst du in deinem Alltag die Fürsorge und den Schutz, den Gott den „Kleinen“ schenkt, in deinem eigenen Leben oder im Umgang mit anderen wahrnehmen?

Engel als unsere Helfer

Eine Hilfe, die Gott uns auf unserem Weg schenkt, ist die persönliche Begleitung unseres Schutzengels. Als reines Geistwesen ist er wie dafür gemacht, uns im geistlichen Kampf unseres Lebens zur Seite zu stehen und für uns zu kämpfen.

Er erkennt mit mehr Klarheit als wir selbst, wo in unserem Leben das Gute bzw. das Böse aktiv ist. So kann er uns schützen und führen. Die Engel sehen stets das Angesicht Gottes. Von dort kommt ihre Kraft: von der Einheit mit Gott und mit seinem Willen.

Unser Schutzengel erinnert uns daran, dass auch wir für diese Vereinigung mit Gott gemacht sind und er möchte uns dahin führen.

Michael Hemm

Frage: Wie spüre ich die Führung meines Schutzengels in meinem eigenen Leben und welche Schritte kann ich gehen, um bewusster in der Verbindung mit Gott zu leben?

Die Engel

Die Engel sehen also immer das Angesicht des Vaters, und kommen doch zu uns; weil sie zwar zu uns in geistiger Gegenwart hervortreten, aber sich doch daselbst, woher sie hervorgingen, durch die innere Betrachtung erhalten.

Denn sie entfernen sich nicht so von der göttlichen Anschauung, daß sie der Freuden der inneren Betrachtung beraubt werden.

Goldene Perle

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Momente finden, in denen du gleichzeitig mit der Welt verbunden bist und dennoch die Nähe des Göttlichen spürst?

Vers 11 Retten des Verlorenen

Mt 18,11: Der Sohn des Menschen ist gekommen, um das Verlorene zu retten.

Um das Verlorene zu retten

Die Aussage betont Gottes Liebe und Barmherzigkeit, besonders gegenüber den Schwachen und Verlorenen. Sie steht im Kontext des Gleichnisses vom verlorenen Schaf (Mt 18,12–14), das zeigt, dass Gott jedem Einzelnen nachgeht.

Dies widerspricht einem elitären Denken und ruft zu Demut auf. In der Praxis bedeutet das: Christen sollen sich um Außenseiter kümmern und niemanden aufgeben, denn Jesus selbst kam, um jeden Menschen zur Umkehr und Rettung zu führen.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens kann ich bewusst Gottes Barmherzigkeit widerspiegeln und mich um Menschen kümmern, die oft übersehen werden?

Rettung durch Christus

Verachtet die Kleinen nicht, weil ich für die Menschen Mensch werden wollte. Unter den Worten: Was verloren war, hat man das menschliche Geschlecht zu verstehen.

Vers 12 Gleichnis vom Schaf

Mt 18,12: Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hat, und es verirrt sich eines von ihnen, lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte?

Das eine Schaf ist der Mensch

Unter dem Einen Schafe hat man aber den Menschen zu verstehen, und unter dem Einen Menschen die Gesamtheit. Daher ist der, welcher den Menschen sucht, Christus, und die neunundneunzig zurückgelassenen Schafe sind die Scharen der himmlischen Herrlichkeit. Goldene Perle

Gott sucht mich

Bin ich gerade bei Gott oder bin ich ihm heute vielleicht verloren gegangen? Habe ich mich im Gestrüpp irgendwelcher Sünden und Süchte verfangen? Jesus sieht mich da und ruft nach mir. Er kommt zu mir in meine Dunkelheit und holt mich da heraus. Leonhard Maier

Andacht von Papst Franziskus

Brüder und Schwestern, so ist Gott: er ist nicht ruhig, wenn wir uns von ihm abwenden. Er ist betrübt, er bebt innerlich, und er macht sich auf den Weg, um uns zu finden, bis er uns wieder in seine Arme schließt.

Der Herr kalkuliert nicht die Verluste und die Risiken. Er hat das Herz eines Vaters und einer Mutter und leidet angesichts der Abwesenheit seiner geliebten Kinder.

Aber warum leidet er, wenn dieser Sohn, der verschwunden ist, ein missratener Sohn ist? Er leidet, er leidet. Gott leidet über die Distanz, auf die wir gegangen sind, und wenn wir in die Irre gehen, wartet er auf unsere Rückkehr.

Erinnern wir uns: Gott wartet immer mit offenen Armen auf uns, in welchen Lebenssituationen wir uns auch immer verloren haben mögen. Wie ein Psalm sagt, schläft er nicht, er wacht immer über uns (vgl. 121,4-5).

Frage: In welchen Momenten habe ich Gottes Liebe und Geduld besonders gespürt, auch wenn ich mich von ihm entfernt fühlte?

Der gute Hirte

Christus ist wahrlich ein guter Hirte, ein besonders großherziger, selbstloser, der uns nie verlässt. Es scheint für ihn normal zu sein, die neunundneunzig Schafe zurückzulassen, um das verirrte zu suchen.

Für viele von uns wäre es wohl normal, sich auf die große Mehrheit zu konzentrieren, als auf das eine, das – aus welchem Grund auch immer – einen anderen Kurs eingeschlagen hat. Doch der gute Hirt geht seinem Schaf nach. Er sucht es, er nimmt alle Unannehmlichkeiten auf sich, lässt nicht locker, bis er es findet.

Michaela Weimann

Frage: Wann habe ich zuletzt gespürt, dass ich von dieser Fürsorge gehalten werde, selbst wenn ich vom Weg abgekommen bin?

Der gute Hirte

Kinder fühlen sich in den Armen ihrer Eltern sicher. Dort finden sie Liebe, Fürsorge und Geborgenheit.

Die frühen Christen brachten dieses Gefühl, das sie als Kinder Gottes erfuhren, durch das Bild des Guten Hirten zum Ausdruck. Es gehört zu den ersten Symbolen, die überhaupt verwendet wurden, um die Liebe Gottes darzustellen: die bekannte Darstellung eines jungen Mannes, der ein Lamm auf seinen Schultern trägt.

Dieses Bild vermittelt auf eindrucksvolle Weise, was jeder Christ in Christus findet: Liebe, Fürsorge und Sicherheit. Als der Gute Hirte nimmt Christus uns auf seine Schultern, rettet uns aus Gefahr und führt uns auf grüne Weiden – zu den wahren Quellen von Frieden und Glück, die wir so sehr ersehnen.

Frage: Wann habe ich zuletzt bewusst die Geborgenheit und Fürsorge Gottes in meinem Leben gespürt, und wie kann ich diese Erfahrung heute in meinem Alltag stärker wahrnehmen?

Vers 13 Freude über das Eine

Mt 18,13: Und wenn es geschieht, dass er es findet, wahrlich, ich sage euch: Er freut sich darüber mehr als über die neunundneunzig, die nicht verirrt waren.

Ich bin die Freude Gottes

Das „Bei-Gott-sein“ nennen wir auch Leben im Stand der Gnade: leben im Einklang mit meinem Schöpfer, existieren in seinem Sinne. Es ist nicht notwendig, dass ich produktiv und erfolgreich bin, dass ich Geld verdiene und beliebt bin.

Ich erreiche das Ziel meines Lebens, wenn ich Gott heute tiefer kennenlerne und mich ihm hingebe: durch Gebetszeit, durch Schriftlektüre und indem ich mich an die Menschen um mich herum verschenke.

Leonhard Maier

Frage: Wie kann ich heute Momente des „Bei-Gott-seins“ bewusst in meinen Alltag einladen?

Die wahre Freude des Herrn

Eine der schönsten Freuden, die wir dem Herrn bereiten können, liegt wohl darin, ihn schalten und walten zu lassen, wie es ihm beliebt.

Mich von ihm lieben zu lassen, mich von ihm vertrauensvoll führen zu lassen, mich Schwachen und Irrenden von ihm suchen und finden zu lassen.

Oft wollen wir auf seine Liebe mit unserem Tun antworten, doch geht es ihm weniger darum, dass wir etwas mit eigener Kraft für ihn leisten, als dass wir bei ihm sind, einfach nur so.

Ich bin die Liebe, die Gott zu mir hat.

Machen wir ihm in diesen Tagen eine große Freude, indem wir uns von ihm ganz lieben lassen!

Frage: Wie offen bin ich wirklich dafür, mich von Gottes Liebe ohne Bedingungen tragen zu lassen?

Vers 14 Gottes Wille zum Heil

Mt 18,14: So ist es auch nicht der Wille eures Vaters im Himmel, dass eines dieser Kleinen verlorengeht.

Keiner soll verloren gehen

Das verlorene Schaf von hundert Schafen, das bin ich, das bist du. Christus geht dem Schaf nach, bis er es findet. Ohne Zeiteinschränkung sucht er uns, bis er uns gefunden hat!

Auf der Suche ist er unterwegs in Wildnis und Wüste, dies aber ist ein Hinweis auf seine Passion, sein Leiden für uns am Kreuz.

Ist die Suche erfolgreich, ist da tiefe Freude bei ihm. Er legt das Schaf auf seine Schultern. Dies bedeutet, dass er durch die eigene Annahme der menschlichen Natur unsere Sünden getragen hat bis hin auf Golgotha.

Als er das Schaf gefunden hat, geht er zum Haus zurück. Das bedeutet, dass Jesus nach seinem Erlösungswerk wieder ins himmlische Reich zurückkehrte und von dort aus auf ganz neue Art und Weise nun auch gleichzeitig unter uns weilt als unser ewiger Hirte.

Frage: Wo spüre ich in meinem Leben, dass Christus mir nachgeht, und wie kann ich seine Nähe bewusster wahrnehmen?

Gott will Lebensgemeinschaft mit mir

Es wäre eine sehr eindimensionale Ehe, wenn sich die Partner nur treffen würden, um intim zu werden.
Da gehört auch die Hingabe im Alltag dazu, in der Arbeit und in den Schwierigkeiten, in den aufregenden Momenten und in den langweiligen.

Genauso will Gott Teil meines „grauen Alltags“ sein.
Er will mich schützen und pflegen, wie das eine Henne mit ihren Küken unter ihren Flügeln tut.
Gott will ein Team sein mit mir!

Leonhard Maier

Frage: Wie kann ich Gott heute in den kleinen Momenten meines Alltags bewusst als Partner und Begleiter erleben?