Mt 18, 1-5 Rangstreit der Jünger
Inhaltsverzeichnis
Vers 1 Rangstreit der Jünger
Mt 18,1: Zu jener Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist wohl der Größte im Reich der Himmel?
Wer ist der Größte?
Wir ertappen uns häufig dabei, dass wir, ebenso wie die Jünger, danach trachten, der oder die Größte zu sein. Die Gesellschaft ermutigt uns, alles zu tun, was verspricht, erfolgreich zu sein, Spitze zu sein.
Häufig verlieren wir in dem Kampf um Erfolg die Sicht auf Christus und schieben ihn schließlich auf den zweiten Platz ab.
Wenn mir wirklich daran gelegen ist und ich mich ehrlich mühe, kann Christus zur wichtigsten Person in meinem Leben werden. Trotz meiner schwachen Neigungen kann er die Nummer Eins in meinem Leben werden.
Christopher Scroggin
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag Raum schaffen, damit Christus wirklich die zentrale Rolle in meinem Leben einnimmt?
Himmelreich
Die Jünger fragen Jesus nach dem Kern seiner Botschaft: das Himmelreich. Wenn wir von Königreichen sprechen, ist es für uns klar, dass es um Macht und Stärke geht. Wir erkennen darin vorrangig menschliche und weltliche Herrschaftsformen.
Ahnen die Jünger etwa, dass bei Gott andere Kriterien an erster Stelle stehen? Sie haben sicher schon erfasst, dass Jesus ein neues Reich aufbauen will, bei dem vieles ungewohnt und neu ist.
Aber worum geht es im Wesentlichen?
Frage: Welche inneren Haltungen oder Werte könnten in deinem Leben einem „neuen Reich“ entsprechen, das auf Liebe und Vertrauen statt auf Macht basiert?
Vers 2 Beispiel eines Kindes
Mt 18,2: Und Jesus rief ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte
Schaut auf dieses Kind!
Damit, dass Jesus das kleine Kind in die Mitte seiner Jünger stellt, stellt er ihnen eigentlich sich selbst vor Augen. Im Kind sollen sie ihn erkennen, die Haltung, mit der er sich seiner Größe und Vorrechte entledigte, dem Vater gehorsam den Himmel verließ, auf Erden herabstieg, um uns zu erlösen.
Jedes Kind spiegelt etwas von diesem Geheimnis wider und deshalb sagt Jesus auch: „Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.“
Thomas Fox
Frage: In welchem Moment meines Lebens kann ich die Demut und Offenheit eines Kindes spüren und wie kann mich dies meinem Glauben oder inneren Frieden näherbringen?
Vers 3 Umkehr wie Kinder
Mt 18,3: und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel kommen!
Beispiel des Kindes
Jesus hätte vielleicht die Frage beantwortet: Wer ist der Größte? indem er auf sich selbst zeigt. Stattdessen lenkte Jesus ihre Aufmerksamkeit auf sein Wesen, indem er sie ein Kind als Beispiel betrachten ließ.
Ein Kind war eine Person ohne Bedeutung in der jüdischen Gesellschaft, der Autorität seiner Ältesten unterworfen, nicht ernst genommen, außer als Verantwortung, eine Person, um die man sich kümmern musste, nicht eine, zu der man aufschauen musste.
Frage: Welche unbedeuteten oder unscheinbaren Menschen in deinem Leben könnten dir heute spirituelle Einsichten schenken?
Kehre um und werde wie ein Kind
Klein werden wie ein Kind ist ein Herzstück des Lebens Jesu. Gott ist Mensch geworden und ist nicht als "Superhero" auf die Erde gekommen, sondern als kleiner, armer und hilfsbedürftiger Säugling.
Bevor Jesus in seinem öffentlichen Leben lehrte, dass wir klein werden sollten, hatte er es schon 30 Jahre lang vorgelebt. Welcher Schatz ist im Kleinwerden verborgen? Jesus benutzt die Worte: "Kehre um!" Warum? Weil er weiß, dass es eine wirkliche Umkehr ist – für jeden von uns.
Wir sind in unserem menschlichen Leben nicht auf das Kleinwerden ausgerichtet, sondern auf das Großwerden. Auf die Reifung und auf die Unabhängigkeit. Niemand sagt zu uns: "Dreh dich um und werde wieder klein." Es würde uns wie ein Rückschritt erscheinen. Jesus hingegen sagt es in diesem Evangelium! Wozu will er einladen?
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich bewusst klein werden, um näher an das Herz Gottes zu gelangen?
Wesenszüge eines Kindes
Welche Wesenszüge eines Kindes können dir in deinem Glaubensleben helfen? Mich begeistert ihre Offenheit, ihre Fähigkeit und ihr Drang, Neues zu lernen, ohne Angst Altes aufzugeben.
Sie sind wie Lehm, den man leicht formen kann, ohne dass er bricht. Uns Erwachsenen fällt es schwer, diese Haltung des "Lernen Wollens" zu behalten.
Doch Gott ruft uns auf, wie Kinder zu werden und diese Offenheit und "Biegsamkeit" in der Beziehung zu ihm wieder zu erlernen. Gott darf unsere Pläne und Einsichten verändern. Wenn er es tut, dann zu unserem Nutzen, damit wir ihm ähnlicher werden und in der Liebe wachsen.
Melanie Zoll
Frage: Welche Haltung eines Kindes könntest du heute in deinem Glaubensleben bewusst wieder zulassen, um offener für Gottes Führung zu sein?
Stellung eines Kindes einnehmen
Um ein echter Gläubiger zu sein, muss der Mensch die Gedanken an persönliche Größe ablegen und die niedrige Stellung eines Kindes einnehmen. Das beginnt, wenn er seine Sündhaftigkeit erkennt und einsieht, dass er von sich aus vor Gott kein Verdienst hat, und Jesus Christus als seine einzige Hoffnung annimmt.
Diese Haltung sollte sich durch sein gesamtes Leben als Gläubiger ziehen. Der größte Mensch im Reich der Himmel ist derjenige, der sich selbst wie ein kleines Kind erniedrigt. Offensichtlich sind die Maßstäbe und Werte im Reich der Himmel denen der Welt direkt entgegengesetzt.
Unsere ganze Denkweise muss verändert werden, damit wir die Gedanken Christi nachdenken.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich lernen, mich wie ein Kind vor Gott zu erniedrigen und seine Werte über meine eigenen zu stellen?
Andacht von Franz von Sales
Solange die kleinen Kinder spüren, dass ihre Mutter sie an der Hand hält, gehen sie tapfer darauf los, tollen herum und geraten über kleines Stolpern, das von der Schwäche ihrer Füßchen herrührt, nicht außer sich.
So gehen auch Sie tapfer Ihren Weg. Sie wissen, dass Gott Sie hält durch den guten Willen und Entschluss, den er Ihnen eingegeben hat, ihm zu dienen. Wundern Sie sich nicht über diese kleinen Erschütterungen und Stolpereien. Sie dürfen sich nicht darüber ärgern, vorausgesetzt, dass Sie sich von Zeit zu Zeit in seine Arme werfen und ihn liebevoll umarmen.
Gehen Sie Ihren Weg fröhlich und mit möglichst aufgeschlossenem Herzen, und wenn Sie schon nicht immer fröhlich gehen, so tun Sie es doch immer mutig und vertrauensvoll.
Solange ein Kind noch ganz klein ist, ist es ganz Einfachheit, es hat nur eine einzige Erkenntnis: Die Mutter; nur ein Verlangen: die Brust der Mutter. An diese Brust gelegt und gebettet, ist es wunschlos.
Die vollkommen einfache Seele hat auch nur eine Liebe: Gott. Und diese Liebe hat wiederum nur ein Verlangen: Ruhen an der Brust des himmlischen Vaters, dort als wahrhaft liebendes Kind wohnen, dem guten Vater alles Sorgen um das eigene Wohl überlassen. Sie ist nur noch auf eines bedacht: Sich dieses heilige Vertrauen zu erhalten.
Franz von Sales
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag Momente finden, in denen ich mich wie ein Kind in den Armen Gottes geborgen fühle und ihm mein Vertrauen schenken kann?
Vers 4 Demut als Maßstab
Mt 18,4: Wer nun sich selbst erniedrigt wie dieses Kind, der ist der Größte im Reich der Himmel.
Wahre Größe
Ein kleines Kind ist die Antwort Jesu auf die Frage, wer der Größte im Himmelreich sei. Er stellt unsere menschlichen Maßstäbe auf den Kopf.
Was aber macht ein Kind aus, dass Jesus es als Beispiel vorschlagen kann? Ein Kind weiß, dass es seine Eltern braucht. Es fühlt sich bei ihnen wohl. Es lässt sich helfen. Das können wir direkt auf unser geistliches Leben übertragen.
Je mehr ein Kind wächst, desto mehr lernt es, selbstständig zu sein. Im geistlichen Leben ist es umgekehrt: Je mehr wir im geistlichen Leben voranschreiten, desto mehr merken wir, dass wir ohne Gott nichts können, dass wir ihn brauchen und dass wir ihm vertrauen können und müssen.
Wahre Größe besteht darin, diese kindliche Abhängigkeit anzuerkennen und zu leben.
Michael Hemm
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich lernen, Gott so zu vertrauen wie ein Kind seinen Eltern?
Demütige Umkehr
Im christlichen Glauben und der christlichen Moral geht es also nicht um Perfektionismus, das heißt darum, fehlerlos zu sein und das auch noch aus eigener Kraft. Vielmehr geht es darum, immer wieder demütig umzukehren.
Ein Kind, das laufen lernt, wird immer wieder fallen. Aber es steht immer wieder auf, lässt sich von seinen Eltern aufhelfen oder sogar tragen. Auch im geistlichen Leben geht es mehr darum, wieder aufzustehen und zu gehen, als stehen zu bleiben.
Die Demut ist die Grundlage für diesen Kampf. Sie lässt uns bei anderen Menschen und bei Gott Hilfe suchen. Demut ist das Fundament des geistlichen Lebens, weil wir uns dank dieser Tugend eingestehen, dass unsere eigenen Kräfte nicht ausreichen, um das Ziel zu erreichen.
Frage: Wie zeigt sich Demut in meinem Leben und wie offen bin ich, Hilfe von anderen oder von Gott anzunehmen?
Vers 5 Kinder aufnehmen
Mt 18,5: Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.
Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt
Diese Aussage Jesu betont die Wertschätzung der Schwachen und Schutzlosen, insbesondere der Kinder. Im Kontext von Matthäus 18 fordert Jesus Demut und kindliches Vertrauen als Voraussetzung für das Himmelreich.
Wer ein Kind – im wörtlichen oder übertragenden Sinn als demütigen, hilfsbedürftigen Menschen – annimmt, begegnet Christus selbst. Dies unterstreicht die christliche Verantwortung für Nächstenliebe und Fürsorge.
Kinder stehen hier auch symbolisch für Menschen mit schwachem sozialen Status. Die Aussage fordert Gläubige auf, mit Liebe und Respekt allen zu begegnen, besonders den Bedürftigen, denn in ihnen zeigt sich Gottes Gegenwart.
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag die Schwachen und Bedürftigen bewusst wahrnehmen und ihnen mit Liebe begegnen?