Mt 16, 24-28 Bedingung für Nachfolge
Inhaltsverzeichnis
Vers 24 Nachfolge und Kreuz
Mt 16,24: Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!
Selbstverleugnung
Jesus will uns auffordern, von unserem Ego zu lassen. Sich zu verleugnen meint: Widerstand zu leisten gegen die Herrschaft des Ego. Dieses Ego will immer im Mittelpunkt stehen, es will imponieren und sich im Vergleich immer besser darstellen als andere.
Wir sollen frei werden von diesem Zwang des Ego, damit wir ganz wir selber werden. Und zu unserer Selbstwerdung gehört, dass wir das Kreuz täglich auf uns nehmen. Das meint, dass wir täglich Ja sagen zu den Gegensätzen, die wir in uns vorfinden.
Wer seine Gegensätze annimmt, der kommt in ein realistisches Verhältnis zu sich selber. Er verabschiedet sich von seinem Ego, das sich dadurch auszeichnet, große Selbstbilder zu entwerfen, Bilder von einem perfekten und immer erfolgreichen Menschen.
Frage: Welche Gegensätze in mir könnte ich heute bewusst annehmen, um meinem wahren Selbst näher zu kommen?
Die täglichen Kreuze
Diese täglichen Kreuze sind die täglichen kleinen und auch großen Sorgen und Unannehmlichkeiten, das ganz normale Alltagsleben eben.
Da gibt es Aufgaben, die erledigt werden müssen, obwohl wir gar keine Lust dazu haben. Da gibt es Menschen, denen wir begegnen müssen, obwohl wir sie gerade jetzt eigentlich am liebsten gar nicht sehen möchten.
Da gibt es Fehler, die man an sich feststellt, gegen die man immer wieder ankämpft, die einen aber trotzdem immer wieder einholen. Da gibt es Gebrechen an Körper und Seele, die einen piesacken und ärgern, die zwar nicht lebensbedrohlich, aber doch unangenehm sind. Alles kleine Kreuze.
Für mich ein sehr hilfreicher Gedanke hierbei ist: Man soll Gott in dem finden und lieben, was er uns gerade gibt.
Frage: Wie kann ich in meinen alltäglichen kleinen Kreuzen den verborgenen Sinn oder die göttliche Gegenwart entdecken?
Mein Kreuz
Wer bekommt nicht erst einmal Bauchschmerzen bei dem Gedanken, dass Jünger Jesu zu sein bedeutet, ein Kreuz tragen zu müssen. Soll es nicht Freude machen, Jesus nachzufolgen?
Aber Jesus bittet uns nicht darum, irgendein willkürlich ausgewähltes Kreuz zu tragen, sondern er bittet mich darum, mein ganz persönliches zu tragen. Um wirklich frei zu werden, rät uns Jesus, die Schwierigkeiten unseres Lebens geduldig anzunehmen.
Wir müssen an unseren Kreuzen nicht verzagen, denn Jesus wird sie mit uns tragen. Jedes Kreuz und damit jede Schwierigkeit ist eine Einladung Jesu an uns, lieben zu lernen und uns von ihm lieben zu lassen. Es ist mein Schlüssel, lieben zu lernen.
Vergesse niemals, dass Jesus direkt hinter dir steht und jedes deiner Kreuze mit dir trägt und bei jedem Kreuz darauf wartet, dir in deinem Leid begegnen zu dürfen und dir beizustehen.
Frage: Wie könnte es dein Herz verändern, wenn du jedes deiner Herausforderungen als direkte Einladung Jesu zur Liebe siehst?
Andacht von Pater Pio
Schaut, alle kommen und wollen von ihrem Kreuz befreit werden. So wenige kommen und bitten um Kraft, es zu tragen!
Das Kreuz wird euch nicht zermalmen. Wenn es auch lastet, so gibt es Kraft und hält aufrecht.
Denken wir an das Leiden und den Tod Unseres Herrn und an sein Blut, das er für uns vergossen hat. Dann werden wir uns nicht mehr über unser Leiden beklagen.
Behüte meine Sinne und halte sie fest in der Betrachtung des leidenden Jesus, damit sie sich nicht von ihm entfernen.
O mein Jesus, möge mein Herz an Deinem durchbohrten Herzen ruhen in den Prüfungen und Schmerzen des Lebens.
Pater Pio
Frage: Welche Prüfungen in meinem Leben könnten mir heute helfen, tieferes Vertrauen und innere Stärke zu finden?
Worte der goldenen Perle
Sodann sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn Jemand mir Nachfolgen will, als wollte er sagen: Du sagst mir: Verschone deiner, ich aber sage dir: Nicht nur mich von dem Leiden abzuhalten, ist dir schädlich, sondern du kannst selbst nicht selig werden, wenn du nicht leidest und stirbst und immer dem Leben entsagst.
Sodann also verlassen und verleugnen wir uns selbst, wenn wir das vermeiden, was wir nach dem alten Menschen waren, und nach dem streben, was wir nach dem neuen heißen.
Sich selbst verleugnet auch der, welcher sich in Besseres umgestaltet, und zu sein anfängt, was er nicht war, und zu sein aufhört, was er war.
Goldene Perle
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich bereit sein, alte Sicherheiten loszulassen, um wahrhaft zu wachsen und meinem inneren Ruf zu folgen?
Das Kreuz ist ein fester Wegbegleiter
Entweder hast du einen körperlichen Schmerz oder die Psyche macht dir zu schaffen. Mal fühlst du dich von Gott verlassen, mal macht dir ein Mitmensch zu schaffen und oft bist du dir selbst eine Last.
Und so wirst du überall ein Kreuz finden. Bitten wir den Herrn darum, uns die Kraft zu geben, die Kreuze zu tragen.
Am Kreuze ist alles gelegen. Es führt kein anderer Weg zum Leben, zum wahren, inneren Frieden, als der Weg des Kreuzes, des täglichen Sterbens.
Frage: Wo spüre ich heute ein Kreuz in meinem Leben – und wo kann ich darin Gottes Nähe erahnen?
Gott hat Pläne des Heils
Gott hat Pläne des Heils für jeden von uns und möchte, dass wir schon in diesem Leben froh und glücklich leben.
Tatsächlich haben die täglichen Kreuze meistens mit uns selbst oder einem Familienmitglied zu tun, mit einem Arbeitskollegen, der unsere Geduld ständig herausfordert, oder mit unserem Gebetsleben, das häufig zäh und trocken ist und uns so viel Überwindung kostet.
Das sind die täglichen Kämpfe, zu denen Jesus uns einlädt, und wenn wir in diesen kleinen Dingen immer wieder die Nähe und Hilfe Gottes erfahren, werden wir auch fähig sein, sie in den wenigen wirklich schweren Momenten unseres Lebens zu erkennen und anzunehmen.
Bertalan Egervári
Frage: Wie kann ich heute bewusst die Nähe Gottes in den kleinen Herausforderungen meines Alltags wahrnehmen und mich von ihr stärken lassen?
Vers 25 Leben verlieren/gewinnen
Mt 16,25: Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.
Das Leben verlieren
Jesus wählt die Worte derart massiv und absolut, weil er weiß, dass sich unser menschliches Ego viel zu häufig auf Rollen und ausgetüftelte Selbstbilder fixiert. Er möchte uns unmissverständlich klar machen, dass all dies vergängliche Konstrukte sind.
Das Wesen dieser Welt vergeht (1 Kor 7,31). Diese Fixierungen müssen sterben und ja, sie sterben nicht leicht, weil wir sie zu oft für unser wahres Selbst halten.
Wenn diese Fixierungen sterben, bevor wir leiblich sterben, dann begegnen wir dem Einssein mit Gott, dann treten wir schon jetzt ein in das ewige Leben in Jesus Christus, dann können wir bekennen: Ich werde nicht sterben, sondern leben und die Taten des Herrn verkünden. Ps118:17
Frage: Welche Rollen oder Selbstbilder halte ich vielleicht noch fest, die mich daran hindern, das Einssein mit Gott wirklich zu erfahren?
Erwartungen
Jesus führt uns den sehr drastischen Vergleich vor Augen, dass wir unser Leben verlieren, wenn wir nur der Welt gefallen wollen.
Wir verlieren uns im Alltag so oft selbst in weltlichen Gedanken und stressen uns zu Tode, um dazuzugehören und es allen recht zu machen.
Wie viel Kraft und Energie verwende ich in meinem Leben, um anderen zu gefallen und es anderen recht zu machen? Bin ich nicht häufig von den Erwartungen und Vorstellungen anderer getrieben?
Doch halte ich auch immer wieder inne und frage mich im Gebet, wie Gott eigentlich auf das schaut, was ich gerade tue? Worum bittet mich Gott, was soll ich für ihn zu tun? Wie kann ich eine Antwort auf Gottes Liebe sein?
Antonia Hornstein
Frage: Wie kann ich heute bewusst einen Schritt aus dem Drang, anderen zu gefallen, zurücktreten und auf Gottes Blick für mich achten?
Andacht von Johannes vom Kreuz
Aus freier Wahl verlor ich mich und ward gewonnen. So handelt die von Liebe zu Gott ergriffene Seele; sie verlangt keinen Gewinn und keine Belohnung, sondern hat nur den einen Wunsch, alles und sich selbst zu verlieren, um Gott anzugehören.
Und dieses Verlieren hält sie für Gewinn. Dies ist der Sinn des Ausspruches des heiligen Paulus, der da sagt: Mori lucrum. D.h. geistiger Weise allen Dingen und mir selbst absterben für Christus, das ist mein Gewinn (vgl. Phil 1,21).
Darum ruft die Seele aus: „Ich ward gewonnen“. Wer sich nicht so zu verlieren weiß, der gewinnt sich nicht, sondern verliert sich, wie unser Herr im Evangelium spricht: „Wer seine Seele gewinnen will, wird sie verlieren, wer sie aber verliert um meinetwillen, wird sie gewinnen“ (Mt 16,25).
Johannes vom Kreuz
Frage: Welche Bereiche meines Lebens könnte ich loslassen, um innerlich frei zu werden und Gott näher zu erfahren?
Vers 26 Wert der Seele
Mt 16,26: Was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er selbst dabei unheilbar Schaden nimmt? Oder was kann ein Mensch als Gegenwert für sein Leben geben?
Was nützt es mir?
Das ist eine gute Frage. Eine ausgezeichnete Frage, eine Frage, die manchmal beängstigend ist – was nützt mir das, wenn ich meine Seele verliere?
Herr, was nützt es mir, die Welt zu gewinnen, wenn ich dich dabei für immer verliere?
Was nützen mir Geld und Kontrolle, wenn meine Seele zugrunde geht, weil ich dich nicht habe?
Gib mir Mut, damit ich dir folge und niemandem und nichts anderem.
Pedro Cadena
Frage: Welche inneren Stimmen oder Sehnsüchte in dir rufen dich dazu auf, deiner wahren Essenz zu folgen?
Was hilft es dem Menschen?
Alle Jagd nach Reichtum, alles Streben nach Macht und Glanz ist nichts, wenn die Seele Schaden nimmt.
Wenn meine Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen gestört ist. Wenn ich in meinem Innersten nicht eins bin mit mir selber.
Ein Satz, der befreit. Und der entschleunigt. Ich muss nicht überall der Erste sein. Ich muss nicht überall mithalten wollen. Ich kann auch mal innehalten.
Ich kann etwas für meine Seele, für mein inneres Gleichgewicht tun. Ich kann abgeben – und dabei reicher werden. Ich kann für andere da sein – und Freude gewinnen für mein Leben.
Hans-Hermann Jantzen
Frage: Wann habe ich zuletzt wirklich innegehalten, um die Stimme meiner Seele zu hören?
Was kann der Mensch geben?
Jesus Christus weist uns mit seinen Worten auf die Vergeblichkeit unserer Bemühungen hin und gibt doch auch gleichzeitig die Antwort darauf, wie wir zu wahrer Erfüllung und ewigem Leben gelangen.
Er sagt: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.“ (Johannes 3, 36)
Sollten wir also nicht viel mehr unserer Zeit, unserer Kraft und unserer Mittel darin investieren, um aus den Quellen zu schöpfen, die unseren Glauben erhalten.
Jesus selbst hatte die Gelegenheit, die ganze Welt zu gewinnen, indem er Satan anbete ( Lukas 4:5-8 ), aber stattdessen fand er Leben und Sieg im Gehorsam.
Tino Bahl
Frage: In welchen Momenten spüre ich, dass mein Glaube mich trägt, und wie kann ich diesen Momenten mehr Raum in meinem Leben geben?
Vers 27 Gericht nach Taten
Mt 16,27: Denn der Sohn des Menschen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln kommen, und dann wird er jedem Einzelnen vergelten nach seinem Tun.
Wenn Jesus wiederkommt
Wenn er selbst als Menschensohn am Ende der Zeit wiederkommt, um Gericht zu halten, dann werden die Taten entscheidend sein. Und dann gilt: Wer hat versucht, sein irdisches Leben um jeden Preis zu bewahren, und wer war bereit, sein irdisches Leben mit Blick auf das ewige Leben nicht an die erste Stelle zu setzen. Kristell Köhler
Vergelt’s Gott!
Gott möge es dir vergelten!
Jesus, du sagst, dass du jedem Menschen vergelten wirst, wie es seine Taten verdienen. Wie wirst du mir meine Taten vergelten? Vergelte mir nach deiner Barmherzigkeit.
Ich will Werke der Liebe tun, Herr. Ich sehne mich danach, dich immer zu lieben, mich immer zu lieben, meinen Nächsten immer zu lieben.
Heute möchte ich es noch einmal versuchen. Vergelte mir das, Herr Jesus! Gib mir das Licht, um diesen Weg zu sehen und zu erkennen, und die Kraft, um ihn zu gehen.
Pedro Cadena
Frage: Wo in meinem Leben sehne ich mich danach, Liebe und Licht zu wirken, und wie kann ich heute einen ersten Schritt in diese Richtung tun?
Vertrauen auf seine Barmherzigkeit
Der Tag, an dem der Menschensohn wiederkommt und jedem Menschen nach seinen Taten vergilt, sollte er mir nicht Angst bereiten? Denn kein Mensch ist ohne Schuld vor dem Herrn.
Doch etwas, das in den Augen des Herrn große Verdienste erwirbt, ist das Vertrauen auf seine Barmherzigkeit. Jesus ist Mensch geworden, um mir die Nähe seines Herzens zu offenbaren. Deswegen darf ich mich ihm ohne Angst und mit Zuversicht nähern.
Mit meinen Taten will ich ihm meine Nähe bezeigen. Deshalb sind ein aufrichtiges Leben und der ehrliche Versuch, die Sünde aus dem eigenen Leben zu verbannen, so wichtig. Jesus beklagt sich, dass es Menschen gibt, die nur „Herr, Herr!“ sagen, sich aber keine Mühe geben, ein Leben zu führen, das die Vertrautheit mit ihm kennt.
Dieses „Leben mit ihm“ ist ein Leben in seiner Gnade und Freundschaft.
Frage: Wie kann ich heute in kleinen Momenten die Nähe zu Jesus spüren und mein Leben bewusst in seiner Gnade gestalten?
Vers 28 Kommen des Reiches
Mt 16,28: Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie den Sohn des Menschen haben kommen sehen in seinem Reich!
Bezug auf die Verklärung
Was also hier gesagt wird, ging an den drei Jüngern in Erfüllung, denen der Herr bei seiner Verklärung auf dem Berge die Freuden der ewigen Verheißung zeigte. Diese sahen ihn in sein Reich kommen, d.h. in der Herrlichkeit glänzen, in der er nach dem Gericht von allen Heiligen gesehen werden wird. Goldene Perle
Das Wesen des Lebens
Was dieses Leben aber in sich birgt, hören wir am Ende dieses Evangeliums: dass wir den Menschensohn in seiner königlichen Macht kommen sehen.
Neben dem apokalyptischen Aspekt, der hier aufscheint, die Wiederkunft Christi, möchte diese Stelle auch etwas über das Wesen des Himmels selbst offenbaren. Der Himmel besteht für den Menschen in der Erkenntnis Gottes, in der Gottesschau.
Diese Schau bringt ihm die größte Erfüllung, denn sie bedeutet, dass der Mensch ganz in Gott und durch Gott lebt.
Nikolaus Klemeyer
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag Momente der göttlichen Erkenntnis wahrnehmen und zulassen, dass sie mein Leben erfüllen?
Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Mt 16. Kap.
Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 16. Kap.