Mt 16, 21-23 Erste Leidensankündigung
Inhaltsverzeichnis
Vers 21 Ankündigung von Leiden
Mt 16,21: Von da an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, dass er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten, den obersten Priestern und Schriftgelehrten, und getötet werden und am dritten Tag auferweckt werden müsse.
Passionsgeschichten mit Einleitung
Die Evangelien sind letztlich Passionsgeschichten mit ausführlicher Einleitung. Christi Passionszeit beginnt nicht erst in der Leidenswoche, sondern mit dem ersten Tage seiner Predigt. Die eigentliche Passion dauert dann eine Woche. Wollten die Evangelisten mit dem Schema der einen Woche eine zweite Schöpfungsgeschichte andeuten? So wie Gott die Welt in sieben Tagen erschuf, so bewirkte Jesus mit seinem Leiden, Sterben und Auferstehen in einer Woche unsere Erlösung. Er ist diesen Weg für mich gegangen.
Frage: Welche Bedeutung hat es für mich persönlich, dass Jesus diesen Weg meines Lebenswegen vorgegangen ist?
Das Kreuz im Leben Jesu
Das Kreuz war im Leben Jesu kein Unfall oder Missgeschick, kein unglücklicher Verlauf der Dinge oder eine undichte Stelle im Erlösungsplan.
Jesus hat das Kreuz bewusst, frei und voller Liebe angenommen, obwohl er es kraft seiner göttlichen Vollmacht hätte vermeiden können.
Auch wenn die Umstände, die zur Kreuzigung führten – Verrat, falsche Aussagen, ungerechte Urteile – einzeln und für sich genommen natürlich nicht dem Willen Gottes entsprachen, so ließ er sie doch zu unserem Heil zu, denn Gott vermochte auch und gerade in diesen widrigen Umständen seine Liebe zu offenbaren und sein Heil zu wirken.
Martin Baranowski
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben widrige Umstände als Chancen sehen, durch die sich Liebe und Heil entfalten können?
Vers 22 Widerspruch des Petrus
Mt 16,22: Da nahm ihn Petrus zur Seite, um ihn von diesen Gedanken abzubringen: »Herr, das möge Gott verhindern! So etwas darf dir niemals zustoßen!«
Das Leiden nicht ausklammern
Ein Verständnis des christlichen Weges, der das Leiden ausklammert, geht an Jesus vorbei. Genau dies tut Petrus hier. Gerade noch ist Petrus der Fels, und gleich darauf zeigt sich in seiner menschlichen Schwachheit, dass er der Stein auf der Straße ist, über den man stolpern kann.
Hier tritt die Spannung deutlich hervor, die zwischen der Gabe des Herrn und den menschlichen Fähigkeiten besteht. Einerseits sind wir Licht und Salz, andererseits sind wir schwache Menschen, die nur durch ein Sich-Öffnen für Gott verwandelt werden können.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die Spannung zwischen göttlicher Gabe und meiner eigenen menschlichen Begrenzung?
Vers 23 Weiche, Satan!
Mt 16:23: Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Weiche von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du denkst nicht göttlich, sondern menschlich!
Mt 16:23: Doch Jesus drehte sich zu Petrus um und sagte: "Geh hinter mich! Satan! Du stellst mir eine Falle! Denn was du denkst, kommt nicht von Gott, sondern von Menschen."
Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen
Petrus hatte gute Absichten. Er wollte das Reich Gottes auf Erden errichten, allen Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit verhelfen und sich dafür einsetzen, dass Gott endlich die ihm gebührende Ehre empfängt. Das alles schien ihm unvereinbar mit Jesu Tod.
Wenn Petrus es doch gut meinte, warum war Jesus dann so streng mit ihm? Sieht sogar Satan selbst hinter dessen Einstellung?
Was ist dein Kriterium, Jesus, um zu unterscheiden, was der Sache Gottes dient und was nicht? Was ist meines? Habe ich „im Sinn, was Gott will [oder] was die Menschen wollen“?
Frage: Wie kann ich heute erkennen, ob meine guten Absichten wirklich dem Willen Gottes entsprechen?
Maßgebliche Kriterien
Schon erstaunlich, dass Petrus nur wenige Minuten, nachdem er von Jesus als "selig" bezeichnet worden ist, als "Teufel" hingestellt wird. Was bringt Jesus dazu, seine Sichtweise so radikal zu ändern?
Das Wichtigste für Jesus war es immer, den Auftrag seines Vaters zu erfüllen, d.h. konkret: genau die Botschaft zu verkünden, die der Vater ihm aufgetragen hat, und selber zum Erlösungsopfer zu werden, also sein Leben in einem grausamen Leiden und Sterben hinzugeben für uns, seine Freunde.
Leider hatte Petrus das noch nicht verstanden. Petrus träumte noch von einer Erlösung ohne Leiden. Er dachte in diesem Augenblick anders als Gott, sein Denken stand dem Willen Gottes entgegen, auch wenn ihm das in diesem Moment noch nicht klar war.
Die maßgeblichen Kriterien zur Beurteilung unseres Lebens kommen von Gott. Weise ist der, der sich nicht für klüger als Gott hält und die offenbarte Wahrheit annimmt.
Joachim Richter
Frage: Wo in meinem Leben halte ich mich vielleicht für klüger als Gott, und wie könnte ich lernen, mehr auf seine Führung zu vertrauen?
Andacht von Papst Franziskus
Denken wir einmal darüber nach: Passiert dasselbe nicht auch uns? Wir wiederholen das Glaubensbekenntnis, wir sprechen es voller Glauben, aber wenn wir mit den harten Prüfungen des Lebens konfrontiert werden, scheint alles ins Wanken zu geraten.
Wir neigen dazu, beim Herrn zu protestieren und ihm zu sagen, dass das nicht gerecht sei, dass es andere, direktere, nicht so mühsame Wege geben müsse.
Wir erleben die Zerrissenheit des Glaubenden, der einerseits an Jesus glaubt, ihm vertraut, gleichzeitig aber spürt, dass es schwierig ist, ihm zu folgen, und der versucht ist, andere Wege als die des Meisters zu suchen.
Papst Franziskus
Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich diese Zerrissenheit, und wie kann ich lernen, dem Weg des Herzens zu vertrauen, auch wenn er schwer erscheint?