Mt 16, 13-20 Petrus Christus-Bekenntnis

Vers 13 Frage nach Menschensohn

Mt 16,13: Für wen halten die Leute mich, den Sohn des Menschen?

Wofür halten die Menschen mich?

Jesus stellt sie im Hinblick auf sein Sein, sein Messias-Sein und somit auf seine Bedeutung für die Menschen im Hinblick auf die Erlösung und das Reich Gottes.

Wir stellen uns die Frage hingegen eher innerweltlich im Sinne von: Bin ich wichtig? Die Frage ist nicht unwichtig.

Die Antwort, die ich auf die Frage gebe, wer Jesus für mich ist, kann die Bedeutung der Frage, wofür ich gehalten werde, in gutem Maße beeinflussen und relativieren. Wenn er mein Erlöser ist, dann wird mein Leben gut enden, wie es auch war und wofür man mich auch gehalten hat.

Frage: Was bedeutet Jesu Erlösersein ganz persönlich für mein Selbstbild und meine Hoffnung?

Andacht von Paul VI

Er ist der Lehrer der Menschheit und ihr Erlöser. Er wurde geboren, er starb und er ist auferstanden für uns.

Er ist der Mittelpunkt der Geschichte und der Welt; er ist es, der uns kennt und der uns liebt; er ist der Gefährte und Freund unseres Lebens.

Er ist der Mann voller Schmerzen (Jes 53,3) und der Hoffnung. Er ist es, der kommen und eines Tages unser Richter sein wird und – darauf vertrauen wir – die unendliche Erfüllung unseres Seins und unsere Seligkeit.

Ich könnte ohne Ende von ihm sprechen: Er ist das Licht und die Wahrheit, ja, er ist der Weg und die Wahrheit und das Leben (Joh 14,6).

Er ist das Brot und die Quelle lebendigen Wassers, um unseren Hunger und Durst zu stillen. Er ist unser Hirte, unser Führer, unser Vorbild, unser Trost, unser Bruder.

Wie wir, und mehr noch als wir, war er klein, arm, gedemütigt; er war ein Arbeiter; er hat Unglück erfahren und war geduldig.

Paul VI

Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du seine Nähe und Liebe am stärksten, und wie verändert das dein Handeln und Denken?

​Vers 14 Meinung des Volkes

Mt 16,14: ‭Sie sprachen: Etliche für Johannes den Täufer; andere aber für Elia; noch andere für Jeremia oder einen der Propheten.‭

…noch andere für Jeremia oder einen der Propheten.

Interessant ist, dass Matthäus als einzige neutestamentliche Schrift den Propheten Jeremia explizit erwähnt. Dies könnte in der grundsätzlich kritischen Haltung des Propheten gegenüber den religiösen Führern seiner Zeit begründet sein.

Der Evangelist Matthäus setzt in seiner Darstellung der Jesusgeschichte einen besonderen Akzent auf die Auseinandersetzung Jesu mit ebendiesen Autoritäten seiner Zeit. So wie Jeremia die schlechte Führung Israels durch die falschen Hirten bemängelt (Jeremia 10,21), so spricht Jesus von den erschöpften und orientierungslosen Menschen (Mt 9,36).

Kristell Köhler

Frage: Welche „erschöpften und orientierungslosen“ Anteile in deinem eigenen Leben brauchen heute Aufmerksamkeit und Fürsorge?

Vers 15 Frage an Jünger

Mt 16,15: ‭Da spricht er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?‭

Ihr aber

Wieder werden wir Zeugen einer göttlichen Didaktik: Wenn ich nach meiner Meinung gefragt werde, zu welchem Thema auch immer, dann komme ich oft nicht umhin, mir auch darüber Gedanken zu machen, was denn die "allgemeine Meinung" zu dem Thema ist. Da spielt Menschenfurcht eine große Rolle.

Jesus nimmt diesen Schritt hier einfach vorweg, um es transparent zu machen: "Für wen halten die Leute mich?" um dann anschließend zu fragen: "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?"

Hier wird von den Jüngern eine Positionierung verlangt: Wie verhalte ich mich gegenüber einer Mehrheitsmeinung?

Felix Honekamp

Frage: In welchen Momenten deines Lebens stellst du dich bewusst hinter deine eigene Überzeugung, auch wenn sie von der Mehrheit abweicht?

Wer bin ich für dich?

Wer bin ich für dich, der du den Glauben angenommen hast, aber immer noch Angst hast, auf mein Wort hin aufzubrechen?
Wer bin ich für dich, der du schon so lange Christ bist, aber, von der Gewohnheit ermattet, deine erste Liebe verloren hast?
Wer bin ich für dich, wenn du eine schwierige Zeit durchmachst und dich aufrütteln musst, um neu anzufangen?

Das ist es, was den Herrn interessiert: im Zentrum unserer Gedanken zu stehen, der Bezugspunkt unserer Zuneigung zu werden; kurz gesagt, die Liebe unseres Lebens zu sein.
Papst Franziskus

Frage: Wie kann ich heute meinem Glauben und meiner inneren Liebe mehr Raum geben, um wirklich im Zentrum meines Lebens zu stehen?

Andacht von Benedikt XVI

So spornt die Frage Jesu die Jünger dazu an, hinsichtlich der Beziehung zu ihm eine persönliche Entscheidung zu treffen.

Glaube und Nachfolge Christi hängen eng zusammen.

Da der Glaube voraussetzt, dass man dem Meister nachfolgt, muss er gefestigt werden und wachsen, tiefer und reifer werden in dem Maße, in dem die Beziehung zu Jesus, die Vertrautheit mit ihm, intensiver und stärker wird.

Benedikt XVI

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben meine Beziehung zu Jesus vertiefen und meinen Glauben bewusst wachsen lassen?

Vers 16 Bekenntnis des Petrus

Mt 16,16: Da antwortete Simon Petrus: »Du bist der Christus, der von Gott gesandte Retter! Du bist der Sohn des lebendigen Gottes.

Die Antwort positioniert dich im Leben

Warum ist diese Frage so entscheidend? Wenn Jesus wirklich Gott ist und in deinem Leben Gott sein darf, dann werden seine Worte und seine Wünsche für dich zum Wichtigsten in deinem Dasein.

Nicht das, was die anderen über dich sagen, wird dich dann beeinflussen, sondern vor allem das, was Jesus über dich sagt. Nicht das, was die anderen von dir wollen, wird dich beschäftigen, sondern vor allem das, was Jesus von dir will.

Die Frage, wer Jesus wirklich für dich ist, ist von entscheidender Bedeutung für dein Leben.

Klaus Einsle

Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du, dass die Worte und Wünsche von Jesus wichtiger für dich sind als die Meinungen anderer?

Die Folgen

Wenn Jesus für mich wirklich der Sohn Gottes ist, dann muss diese Überzeugung konkrete Auswirkungen darauf haben, wie ich lebe. An meinem Lebensstil muss sichtbar werden, dass ich an Jesus glaube.

Die ersten Christen wurden vor allem an dem hohen Maß ihrer Nächstenliebe erkannt. Was ist mein Erkennungszeichen? Wo macht es einen Unterschied, dass ich glaube: Jesus ist Gottes Sohn?

Frage: Wie spiegelt sich mein Glaube im Alltag in Liebe, Mitgefühl und authentischem Handeln wider?

Petrus

Petrus glaubt tief in seinem Inneren, dass Jesus der Christus ist, der Sohn des lebendigen Gottes. Zu diesem tiefen Glauben kann auch ich gelangen – und trotzdem immer wieder fallen, so wie Petrus schon wenige Zeilen später, wenn er von Jesus zurechtgewiesen wird, weil er nicht möchte, dass Jesus leiden und sterben muss (Mt 16,21-23).

Die Geschichte berührt vor allem deshalb, weil sie Petrus so menschlich darstellt, wie er eben war – und wie auch ich sein kann, selbst wenn ich glaubend gewiss bin, dass Jesus der Sohn Gottes und mein Erlöser ist.

Der Verfasser des Evangeliums hätte diese Stelle einfach weglassen können, um eine "Erfolgsgeschichte" des Petrus zu erzählen. Er berichtet aber davon, weil er die Erfolgsgeschichte Jesu mit Petrus erzählen und so einen Ausblick auf meine Geschichte mit Jesus geben möchte.

Kann ich mich so in Petrus wiederentdecken?

Frage: Wo in meinem Leben erlebe ich Momente, in denen mein Glaube stark ist, aber mein Handeln noch menschlich wankt?

Andacht von Benedikt XVI

Auch wir wollen heute mit tiefer Überzeugung ausrufen: Ja, Jesus, du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Wir tun dies in dem Bewusstsein, dass Christus der wahre Schatz ist, für den es sich lohnt, alles zu opfern; er ist der Freund, der uns nie verlässt, da er die tiefsten Sehnsüchte unseres Herzens kennt.

Jesus ist der Sohn des lebendigen Gottes, der verheißene Messias, der in die Welt gekommen ist, um der Menschheit das Heil anzubieten und den Durst nach Leben und Liebe zu stillen, den jeder Mensch in sich trägt. Welch großen Nutzen würde die Menschheit daraus ziehen, nähme sie diese Botschaft auf, die Freude und Frieden mit sich bringt!

Frage: Wie offen bin ich dafür, Jesus als den wahren Schatz meines Lebens zu erkennen und ihm mein Herz vollständig zu übergeben?

Vers 17 Offenbarung des Vaters

Mt 16,17: ‭Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Sohn des Jona; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel!‭

Sondern mein Vater im Himmel!‭

Diese Stelle unterstreicht die zentrale Rolle der göttlichen Offenbarung im Glauben und die besondere Stellung des Petrus in der frühen Kirche. Sie zeigt, dass Erkenntnis über Jesus nicht durch eigene Anstrengung, sondern durch Gottes Gnade möglich ist.

Damit wird die göttliche Führung und Erwählung der Jünger für die Verkündigung des Evangeliums hervorgehoben.

Frage: Wie öffnest du dein Herz, um Gottes Führung in deinem eigenen Leben wahrzunehmen?

Vers 18 Fels und Gemeinde

Mt 16,18: ‭Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen.‭

Petrus, der Fels

Im letzten Teil dieses Evangelienabschnitts geschieht etwas für uns Katholiken Wichtiges: Jesus setzt das Petrusamt ein.

Petrus ist rein menschlich betrachtet ein Draufgänger, aber das ist nicht das Entscheidende für Jesus: Er setzt dieses Amt, Fels der Kirche zu sein, in Petrus ein. Auf ihm baut er seine Glaubensgemeinschaft – die Kirche – auf.

Auf dieser Schriftstelle gründet ein Teil unseres Verständnisses des Papstes: Für uns ist der Papst derjenige, der von Gott die Gnade hat, uns wirksam auf sicheren Glaubenswegen zu führen. So ist er der Fels, der in dieser Welt die Antwort auf die wichtigste Frage des Lebens lebendig verkündet.

Nähe und Treue zu seinem Lehramt in der Kirche helfen uns, bei Jesus zu bleiben.

Klaus Einsle

Frage: Wie kann ich im Alltag die Treue zu dem, was Jesus durch seine Kirche lehrt, spürbar in meinem Leben umsetzen?

‭Die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen

Was für ein starker Satz. Hast du schon einmal darüber nachgedacht?

In der heutigen Zeit denken viele Menschen, dass die Kirche überholt wäre oder zugrunde ginge.

Was aber hat Jesus gesagt? Selbst die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen und was auf der Erde gelöst oder gebunden wird, hat selbst im Himmel Bestand.

Die Kirche auf Erden ist direkt verbunden mit dem Himmel. Ist uns das bewusst?

Svenja Nonnenmacher

Frage: Wie spürst du die Verbindung zwischen deinem Leben auf Erden und dem, was im Himmel Bestand hat?

Vers 19 Schlüssel des Himmelreichs

Mt 16,19: ‭Und ich will dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein; und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.‭

Verantwortung

Petri Offenheit für das Wirken der Gnade Gottes und seine Erkenntnis Christi als Gott führt zu einer Verantwortung. Petrus werden die Schlüssel zum Himmelreich gegeben. Er bekommt die Aufgabe, die Schafe zu hüten und die Kirche aufzubauen.

Wie bei Petrus bringt auch meine Erkenntnis Christi eine Verantwortung mit sich. Gott gibt mir die Gabe des Glaubens und damit die Verantwortung, das Evangelium zu verbreiten. Ich muss diese Verantwortung ernst nehmen. Ich habe mich dafür einzusetzen, dass die gute Nachricht vom Reich Gottes allen Menschen verkündet wird.

Frage: Wie kann ich in meinem täglichen Leben meine Verantwortung, die gute Nachricht weiterzugeben, bewusst und liebevoll wahrnehmen?

Vers 20 Schweigegebot

Mt 16,20: ‭Da gebot er seinen Jüngern, dass sie niemand sagen sollten, dass er Jesus der Christus sei.‭

Niemand sagen sollten, dass er Jesus der Christus sei

Jesus verbietet es den Jüngern, dies öffentlich bekannt zu machen, weil das Volk falsche Erwartungen an den Messias hatte – viele erwarteten einen politischen Befreier. Jesus wollte nicht, dass seine Mission missverstanden wurde.

Erst nach seinem Leiden, Tod und seiner Auferstehung konnte seine wahre Bestimmung als leidender Messias offenbart werden. Diese „Messias-Geheimhaltung“ zeigt, dass Gottes Heilsplan nicht menschlichen Erwartungen entspricht.

Erst durch das Kreuz und die Auferstehung wurde Jesu wahre Sendung vollständig verständlich. Damit fordert der Vers auch heute heraus, Jesus nicht nach eigenen Vorstellungen, sondern gemäß seinem wahren Auftrag zu erkennen.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich aufhören, eigene Vorstellungen aufzudrängen, und stattdessen offen sein für den tieferen Plan Gottes?