Mt 14, 22-33 Gang auf dem Wasser: Auslegung
Mt 14, 22-33 im Überblick: Dieser Impuls legt die Geschichte vom Gang auf dem Wasser in Matthäus 14, 22 bis 33 fortlaufend aus. Entdecke die zentrale Aussage der Verse und ihre Anwendung für dein Leben.
Inhaltsverzeichnis
Vers 22 Jünger ins Boot geschickt
Mt 14,22: Und sogleich nötigte Jesus seine Jünger, in das Schiff zu steigen und vor ihm ans jenseitige Ufer zu fahren.
Mt 14,22: Jesus selbst blieb zurück, denn er wollte erst noch die Leute verabschieden.
Leute verabschieden
Wenn wir einen Besuch verabschieden, umarmen wir uns oder geben einander fest die Hand und schauen uns an. Meine Frau bekommt zum Abschied einen Kuss. Das ist wichtig: Man will einander noch einmal spüren, noch einmal nahe sein.
Auch mit den Verstorbenen machen wir das. Wir streicheln sie noch einmal, spüren die Nähe, erzählen von ihrem Leben.
Wo immer möglich, sollten Abschiede – sei es bei Todesfällen, Arbeitswechseln, Krankheit oder dem Auszug aus dem Elternhaus – langfristig so gestaltet sein, dass wir das, was war, umarmen, unabhängig davon, inwieweit es emotional gefärbt ist.
Das ist eine lebensbejahende, lebensannehmende Haltung.
Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Abschiede bewusst gestalten, um die Verbundenheit und Wertschätzung zu spüren, bevor etwas endet?
Andacht von Anselm Grün
Das Boot ist ein Bild für das Ego, in dem wir uns festmachen und an dem wir uns festhalten. Unser Weg geht ans andere Ufer. Wir müssen das Wasser überqueren, ein Bild für das Unbewusste, durch das wir hindurch müssen, wenn wir auf unserem inneren Weg weiterkommen möchten. Wasser kann auch ein Bild sein für Not und Bedrängnis, für die Angst, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Es ist Nacht. In der Nacht taucht vieles aus unserem Unbewussten auf, da sehen wir uns den inneren Stürmen ausgesetzt. Da entschwindet unter der Oberfläche eines erfolgreichen Lebens der feste Boden. Anselm Grün
Vers 23 Gebet auf dem Berg
Mt 14,23: Und nachdem er die Menge entlassen hatte, stieg er auf den Berg, um abseits zu beten; und als es Abend geworden war, war er dort allein.
Jesus zieht sich zurück
Matthäus 14,23 beschreibt, wie Jesus sich nach der Speisung der Fünftausend allein auf einen Berg zurückzieht, um zu beten. Diese Szene betont seine enge Verbindung zu Gott und zeigt, dass auch er Zeiten der Stille und des Gebets brauchte.
Die Verse lehren, wie wichtig es ist, sich bewusst zurückzuziehen, um Kraft zu schöpfen und geistlich zu wachsen. Jesus' Beispiel ermutigt Gläubige, inmitten hektischer Zeiten Gott zu suchen.
Zudem wird deutlich, dass wahre Führung geistliche Verwurzelung erfordert. Dieser Rückzug Jesu bereitet auf das darauffolgende Wunder – das Gehen auf dem Wasser – vor. Es zeigt, dass Gebet nicht nur Erholung, sondern auch eine Quelle der Kraft für kommende Herausforderungen ist.
Frage: In welchen Momenten deines Lebens könntest du bewusst innehalten, um Kraft aus der Stille und dem Gebet zu schöpfen?
Stärkung durch das Gebet
Wir sehen oft, dass Jesus betet. Manchmal betet er, bevor er sich aufmacht, manchmal zieht er sich zum Gebet zurück, nachdem er einen anstrengenden Tag hinter sich hatte. Jesus zeigt uns hiermit, dass unser aktives Leben im Alltag aus unserem inneren und geistlichen Leben fließen muss und von diesem genährt werden muss. Mit Gott in tiefer Freundschaft verbunden gehen wir in und durch den Tag mit all seinen Facetten. Das bewirkt in uns eine tiefe Innerlichkeit, in der Gott den Tag hindurch gegenwärtig ist in der Tiefe unseres Herzens.
Gottes Nähe suchen
Jesus hätte nach der Speisung der 5000 den Zuspruch der Menge genießen können. Doch er ist gekommen, den Vater zu verherrlichen. So schickt er alle fort, um wieder bei seinem Vater zu sein, sich von ihm erfüllen zu lassen und sich ganz in seinen Willen zu fügen. Was der Vater für Jesus ist, sollte Jesus für uns sein: Quelle und Ziel! Wenn wir Jesus dienen möchten, muss unser Dienst von ihm ausgehen, von der Nähe zu ihm und von seinem Willen. Unser Dienst muss auch immer wieder zu ihm hinführen. Das gilt für uns selbst und auch für jene, denen wir in Jesu Namen dienen. Immer müssen sie in uns Jesus erkennen können, denn nur die Begegnung mit ihm heilt. Nähren wir uns von Jesus in der Eucharistie, in seinem Wort, im stillen, vertrauten Gebet. Angelika Knauf
Vers 24 Boot in Seenot
Mt 14,24: Das Schiff aber war schon mitten auf dem See und litt Not von den Wellen; denn der Wind stand ihnen entgegen.
Bilder in der Sturmstillung
Hier Jesus allein auf dem Berg und ruhig im Gebet. Dadurch lehrt er uns, dass die Einsamkeit gut ist, wenn man zu Gott beten soll.
Dort die Jünger allein gelassen im Boot auf dem See, verzweifelt gegen den Sturm ankämpfend. Der See symbolisiert unser gegenwärtiges Leben und die Unbeständigkeit der Welt. Der Sturm verweist auf jede Art von Schwierigkeit, die uns begegnet. Das Boot steht für die Kirche. Jesus sieht ihre Seenot und hilft dennoch erst einmal nicht.
Es ist die große, manchmal wirklich bedrückende Frage, die Menschen stellen, die großes Leid, schwere Prüfungen erlitten haben: Wo war Gott in dieser Not? Warum nicht Hilfe jetzt und sofort. Auch wenn es oft keine Antwort auf diese Frage im konkreten Fall gibt, so gilt doch eines: Jesus will die Jünger dazu erziehen, mutig die Widrigkeiten des Lebens zu ertragen und dabei auf Gott zu vertrauen.
Bedenke: Während die Jünger in Gefahr waren und beinahe umkamen, betete Christus für sie: so ist er immer noch für uns zur Rechten der Majestät in der Höhe.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich gespürt, dass Gottes Nähe mich trotz aller Stürme getragen hat?
Kommentar von Anselm Grün
Die Jünger geraten mit ihrem Boot in heftige Wellen. Ihr Boot wird vom Gegenwind hin- und hergeworfen. Sie versuchen, mit eigener Kraft zu rudern. Aber je mehr sie rudern, desto mehr geraten sie in Bedrängnis. Unsere erste Reaktion auf die Verunsicherung durch das Unbewusste, auf die Krisen unseres Lebens ist, dass wir die Zähne zusammenbeißen und mit eigener Kraft aus der Krise herausrudern möchten. Aber es gelingt uns nicht. Je mehr wir am Ego festhalten und es durch die Stürme hindurchführen möchten, desto mehr geraten wir in Bedrängnis. Anselm Grün
Herr Jesus, wenn Stürme und Gegenwind mein Leben erschüttern, lass mich nicht auf meine eigene Kraft vertrauen, sondern fest an dir festhalten. Amen.
Vers 25 Jesus geht auf dem Meer
Mt 14,25: Aber um die vierte Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See.
Vierte Nachtwache
In Matthäus 14,25 geht es um Jesus, der in der vierten Nachtwache auf dem Wasser zu seinen Jüngern kommt. Dies zeigt seine göttliche Macht über die Naturgesetze.
Die vierte Nachtwache, zwischen drei und sechs Uhr morgens, symbolisiert eine Zeit der Dunkelheit und Angst, in der Jesus rettend eingreift. Die Jünger, die im Sturm kämpfen, stehen für die Herausforderungen des Glaubens.
Jesus erscheint mitten in ihrer Not – ein Bild für Gottes Gegenwart in schweren Zeiten. Die Szene lehrt Vertrauen und Glauben: Trotz Angst sollen Christen auf Jesus blicken, der selbst über Chaos und Naturkräfte herrscht. Seine Macht und Nähe ermutigen, in Krisen auf ihn zu vertrauen.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens könnte ich die Gegenwart und Stärke Jesu bewusster wahrnehmen, besonders in Zeiten der Unsicherheit oder Angst?
Vers 26 Angst vor Gespenst
Mt 14,26: Und als ihn die Jünger auf dem See gehen sahen, erschraken sie und sprachen: Es ist ein Gespenst!, und schrien vor Furcht.
Warum kam Jesus nicht früher?
Bedenke: Während die Jünger sich in Seenot abmühen, ist Jesus nicht untätig. Er betet. Er betet auch für die Jünger. Er betet auch für uns in unserer Not.
Er steht uns bei, nicht allein durch die Tat, sondern durch das Gebet. Aber hilft das konkret? Wir können die Wirkung des Gebets nicht messen. Es hat vor allem mit Vertrauen zu tun. Immer kann ich darauf vertrauen, dass Gott helfen kann.
Beten stärkt das Gottvertrauen. Und Gottvertrauen hilft, auch in den Stürmen des Lebens nicht mutlos zu werden, sondern an Jesus und seine Auferstehung zu glauben.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben lernen, dem Gebet zu vertrauen, selbst wenn ich die Wirkung nicht direkt sehe?
Fingerzeig auf die Auferstehung
Die vierte Nachtwache meinte die frühen Morgenstunden. Das ist allerdings weit mehr als eine historische Zeitangabe, sondern vielmehr schon ein Fingerzeig auf die Auferstehung, die ebenso in den frühen Morgenstunden statt gefunden hat.
Vers 27 Ich bin’s, fürchtet euch nicht
Mt 14,27: Jesus sprach sie sofort an: Habt keine Angst! Ich bin es doch, fürchtet euch nicht!
Fürchtet euch nicht
Vor dem Sturmerlebnis steht in den Evangelien das Wunder der Brotvermehrung. Gerade noch waren die Jünger voller Freude und Verwunderung, nun im Sturm voller Angst.
Wenn dies zusammen gedacht wird, ist es ein Bild für unser Glaubensleben. Eben haben wir zum Beispiel eine überwältigende Glaubenserfahrung gemacht, sind voller Freude und Begeisterung, spüren Gott ganz nah, da vergeht nur kurze Zeit, und wir stehen mitten im Sturm, geraten in die Dunkelheit schwieriger Situationen, und Gottes Nähe scheint ganz fern.
Und doch klingen in den Worten Jesu „Ich bin es“ die gewaltigen Worte Gottes aus dem brennenden Dornbusch im Buch Exodus. Beten wir daher, dass wir inmitten so vieler Sorgen, Probleme und Schwierigkeiten, die das Meer unseres Lebens aufwühlen, im Herzen das beruhigende Wort Jesu erklingen hören, der auch uns zuruft: Habt Vertrauen, ich bin es, fürchtet euch nicht!
Frage: Wann habe ich zuletzt im Sturm meines Lebens die Gegenwart Gottes gespürt, und wie kann ich lernen, in solchen Momenten auf sein beruhigendes Wort zu hören?
Bei Jesus bleiben
Es geht darum, bei Jesus zu bleiben, in Liebe. Das ist eigentlich das Wichtigste in allem.
Dann werden wir auch die Gnade und das Erbarmen empfangen, denn du und ich sind von ihm erwählt. Er hat uns zuerst geliebt. Wir können ihm vertrauen, weil er am Kreuz bewiesen hat, dass er uns liebt – er hat uns immer zuerst geliebt, auch davor.
Vor aller Zeit hat Gott an uns gedacht und uns geliebt.
Nochmal: Es geht darum, bei Jesus zu bleiben, in Liebe. So wie die frisch Verliebten jede Gelegenheit finden, um dem Geliebten zu begegnen, so versuchen wir, erfinderisch zu werden, Jesus zu begegnen.
Jesus alles im Vertrauen schenken, denn er ist größer als alles, und die Liebe ist es immer wert.
Frage: Wie kann ich heute bewusst Momente gestalten, um in Liebe bei Jesus zu bleiben und seine Gegenwart in meinem Alltag zu spüren?
Worte von Anselm Grün
Jesus spricht die Jünger an: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Gegen die Angst setzt er das Vertrauen. Er sagt das gleiche Wort, mit dem Jahwe sich dem Volk Israel in seiner Bedrängnis kundgetan hat: Ich bin es. Gott allein kann die Angst des Menschen bannen. Die Nähe Gottes mitten im Sturm schenkt Vertrauen, dass Gottes rettende Macht stärker ist als alle Bedrohung. Anselm Grün
Jesus, du bist mitten in unseren Stürmen gegenwärtig. Schenke uns Vertrauen in deine Nähe und vertreibe alle Angst aus unseren Herzen.
Dreimal Gnade
Der See Genezareth tobt und schäumt. Die Wellen schlagen hoch und bringen die Jünger im Boot an den Rand der Verzweiflung. Da taucht in der Dunkelheit eine Gestalt auf. Die Reaktion der Jünger ist dreifach (Mt 14,26):
Sie sind bestürzt.
Sie sagen: „Es ist Gespenst!“
Sie schreien vor Frucht.
Als der Herr Jesus das hört, tadelt er sie nicht, sondern redet Worte der Gnade, die exakt ihren Befürchtungen begegnen (Mt 14,27):
Seid gutes Mutes!“ (Das steht im Gegensatz zur Bestürzung.)
„Ich bin es“ (Das steht im Gegensatz zur Vermutung, er sei ein Gespenst.)
„Fürchtet euch nicht!“ (Das steht im Gegensatz zum Schrei der Furcht.)
Auch heute geht der Herr perfekt auf unsere Situation ein und lässt uns die Worte hören, die wir gerade brauchen. Das ist Gnade!
Gerrid Setzer
Vers 28 Petrus will entgegengehen
Mt 14,28: Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, zu dir auf das Wasser zu kommen!
Herr, wenn du es bist
Diese Stelle zeigt sowohl Petrus’ Glauben als auch seine Unsicherheit. Er erkennt Jesus, doch er fordert eine Bestätigung. Seine Bitte ist ein Ausdruck des Vertrauens, aber auch des Wunsches nach Sicherheit.
Die Szene verdeutlicht ein zentrales Motiv des christlichen Glaubens: Vertrauen auf Jesus ermöglicht scheinbar Unmögliches. Petrus wagt den Schritt, doch später zweifelt er und beginnt zu sinken.
Dies lehrt, dass der Glaube an Jesus uns trägt, aber Zweifel und Ängste uns ins Wanken bringen können. Der Vers ermutigt, auch in stürmischen Zeiten den Blick fest auf Christus zu richten.
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens fällt es dir schwer, den Blick fest auf Vertrauen zu richten, und wie könnte ein Schritt des Glaubens dich stärken?
Vers 29 Gang auf dem Wasser
Mt 14,29: Da sprach er: Komm! Und Petrus stieg aus dem Schiff und ging auf dem Wasser, um zu Jesus zu kommen.
Vorausbild für die Prüfung Petrus
Dieses Ereignis ist ein Vorzeichen der Prüfung, die Petrus bei der Passion Christi durchmachen sollte.
Als Jesus gefangengenommen wurde, hatte Petrus Angst und verleugnete ihn dreimal. Er wurde vom Sturm überwältigt.
Als sich aber sein Blick mit dem Blick Christi kreuzte, erfasste ihn Gottes Barmherzigkeit, ließ ihn in Tränen ausbrechen und richtete ihn nach seinem Sturz wieder auf.
Frage: Welche Momente in deinem Leben haben dich geprüft, und wie hast du Gottes Barmherzigkeit in diesen Zeiten erlebt?
Der Ruf Jesus: Komm
Wenn Jesus ruft, meint er es ernst! Es gibt hier nur Gehorsam oder Ungehorsam. Sich auf sein Wort verlassen und nicht auf alle Sicherheiten der Welt.
Der konkrete Ruf Jesu und der einfältige Gehorsam des Nachfolgers, der dann folgt und den ersten Schritt tut, darauf kommt es an. Nicht zurück, aber auch nicht in unübersehbare Fernen schaut der Mensch, der den Pflug führt, sondern auf den nächsten Schritt, den er tun muss.
Rückblicke sind keine christliche Sache. Lasst dahinten Angst, Kummer, Schuld. Du aber sieh auf den, der dir einen neuen Anfang gegeben hat.
Bonhoeffer
Frage: Welche Schritte in meinem Leben könnten heute den Ruf Jesu widerspiegeln, wenn ich bereit wäre, ihm ohne Zögern zu folgen?
Vertrauen haben
Und Petrus begriff, dass es zum Vertrauen dazugehört, Entscheidungen zu fällen. Intuitiv fällte er den Entschluss, den Schritt des Vertrauens zu setzen und auf das Wasser hinauszugehen. Und Jesus war zufrieden mit seiner Entscheidung!
Wie oft wissen wir intuitiv, welchen Schritt des Vertrauens wir setzen müssten, tun es aber nicht? Zieht nicht so manche Chance, um im Glauben und im Vertrauen zu wachsen, an uns vorüber, weil wir das bisschen Glaube und Vertrauen nicht aufbringen und keine Entscheidung fällen wollen?
Frage: Welche kleinen Schritte des Vertrauens könnte ich heute wagen, um meinem inneren Glauben mehr Raum zu geben?
Gespalten sein
Jesus weiß um unseren bisweilen schwachen Glauben und so spricht er auch zu uns: Komm! Kraft der göttlichen Gnade und nicht aus eigener Kraft geht Petrus auf dem Wasser. So ist es auch bei uns. Ohne ihn sind wir zu nichts imstande.
Dann fängt Petrus zu sinken an. Auch wir laufen Gefahr, im Meer des Lebens unterzugehen, wenn wir uns innerlich von Jesus entfernen, unseren Blick nicht mehr fest an ihn heften, uns von Zweifel überwältigen lassen und seinen Worten nicht vertrauen. Wenn wir uns zu sehr auf unsere Probleme und Ängste fixieren – der starke Wind –, bekommen diese eine solche Macht, dass wir darin untergehen.
Es ist dieses Gespaltensein zwischen dem Vertrauen auf den Herrn und dem angstvollen Starren auf die Gefahr, das letztlich in jedem von uns steckt. Ich kenne das von mir sehr gut. Wir können uns die Worte von Petrus zu eigen machen: Herr, rette mich.
Die Goldene Perle von Thomas von Aquin schreibt dazu: Auch wurden in dem Einen Apostel, d.h. Petrus, welcher unter den Aposteln der erste und vorzüglichste war, in dem die Kirche vorgebildet wurde, zweierlei Menschen vorgestellt, nämlich die Starken dadurch, dass er auf dem Wasser wandelte, die Schwachen dadurch, dass er zweifelte; denn für Jeden ist seine Begierlichkeit ein Sturm. Liebst du Gott, so wandelst du auf dem Meere, unter deinen Füßen ist die Furcht der Welt. Liebst du die Welt, so verschlingt sie dich. Wenn aber dein Herz in der Begierlichkeit hin und her schwankt, rufe die Gottheit Christi an, um die Begierlichkeit zu besiegen.
Frage: Wo in meinem Leben darf ich Jesus heute neu vertrauen, um nicht im eigenen Sturm unterzugehen?
Impuls von Anselm Grün
Jetzt hält er sich nicht mehr an sich fest, er schaut auf Jesus. Und indem er seine Augen auf Jesus richtet, kann er über das Meer gehen. Da verliert das Wasser, das Unbewusste, das Gefährliche, das Dunkle und Bedrohliche seine Macht. Petrus kann über das Wasser schreiten, aber nur so lange, wie er auf Jesus sieht. Sobald er auf den Wind und das Wasser sieht, sobald er die Probleme anschaut, die Stürme in seinem Innern, die Gefahren um sich herum, bekommt er wieder Angst und geht unter. Nur die Beziehung zu Jesus Christus kann ihm das Vertrauen schenken, über das Schlüpfrige des Meeres zu gehen, durch das Unbewusste hindurch zu schreiten, ohne davon verschlungen zu werden. Anselm Grün
Vers 30 Sinken durch Kleinglauben
Mt 14,30: Als er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich, und da er zu sinken anfing, schrie er und sprach: Herr, rette mich!
Glaube und Vertrauen
Auch wenn bei mir Glaube und Vertrauen klein sind, gibt es eine Lösung. Petrus zeigt uns, wie man es macht: indem man auf Jesus schaut. In seiner Not drehte Petrus sich nicht um, um bei seinen Gefährten Hilfe zu suchen. Er rief Jesus an.
Jesus wird uns aus aller Gefahr, Ungewissheit, Bedrohung und Verlust retten, solange wir das bisschen Glauben und Vertrauen aufbringen und ihn um Hilfe anrufen. Denn auch wenn Glaube und Vertrauen klein sind wie ein Senfkorn, können sie dennoch Berge versetzen.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens könnte ich mein kleines Senfkorn an Glauben und Vertrauen heute mutig wachsen lassen?
Herr rette mich
Nur drei kleine Worte enthielt die Bitte, die Petrus in seiner Angst ausstieß. Aber sie genügten für seine Rettung.
Nur nicht lang und lahm, sondern kurz und kräftig, das ist wahrhaft unerlässlich. Die Not ist ein gewaltiger Lehrer, wie man sich kurz zu fassen hat.
Wortkram ist im Gebet wie Spreu im Weizen. Geschmeide liegen in knappen Kästchen.
Was in mancher langen Anrede an Gott wahrhaft Gebet ist, könnte vielleicht mit ebenso kurzen Worten gesagt werden wie im Ausruf des Petrus.
Unsere höchsten Nöte sind des Herrn Augenblicke.
Spurgeon
Frage: Welche kurzen, kraftvollen Worte könnten in deinem Leben in einem Moment der Not echte Verbindung oder Rettung bringen?
Andacht von Franz von Sales
Nein, fürchten Sie sich nicht; Sie schreiten wohl über das Meer inmitten von Winden und Wellen, aber mit Jesus. Was braucht man da noch zu fürchten?
Wenn Sie aber die Angst packt, dann rufen Sie laut: „Herr, rette mich!“ Er wird Ihnen die Hand hinstrecken; ergreifen Sie diese fest und gehen Sie freudig weiter.
Kurz, philosophieren Sie nicht über Ihr Übel, geben Sie ihm keine Antwort, gehen Sie tapfer voran!
Möge die Welt einstürzen, alles in Finsternis, Rauch und Getöse gehüllt sein: Gott ist doch mit uns. Leben Sie denn ganz in Gott und fürchten Sie den Tod nicht!
Der gute Jesus ist ganz unser, seien wir auch ganz sein.
Franz von Sales
Frage: Welche Ängste in meinem Leben darf ich heute loslassen, weil ich spüre, dass ich nicht allein gehe?
Vers 31 Rettung durch Jesus
Mt 14,31: Sofort streckte Jesus ihm die Hand entgegen, hielt ihn fest und sagte: Vertraust du mir so wenig, Petrus? Warum hast du gezweifelt?
Mt 14,31: Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
Immer neu das Vertrauen wagen
Es ist leicht zu sagen, dass wir Christus völlig vertrauen. Und doch gelingt es uns oft nicht völlig und wir vertrauen dann mehr auf uns und unsere Kraft.
Daher lässt Gott durchaus auch Stürme in unserem Leben zu, die als Reinigung dienen und alles wegschwemmen, was nicht auf ihn baut. Hier dann reicht er uns die Hand, die hält und trägt.
Allein aus eigenen Kräften bist du nicht imstande, dich zu erheben. Richten wir immer wieder unseren Blick auf ihn und strecken wir die Hände nach ihm aus. Lassen wir seine Hand uns ergreifen, dann werden wir nicht untergehen, sondern dem Leben dienen.
Jesus sorgt weit mehr für mich, als ich selbst für mich sorgen kann. Wer nicht all seine Sorgen in seinen Schoß legt, der steht auf einem schwankenden Grund.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich, dass ich loslassen und Christus mehr vertrauen darf?
Du Kleingläubiger
Darum aber gebot er den Winden nicht sich zu legen, sondern er streckte die Hand aus und ergriff ihn, weil es seines Glaubens bedurfte.
Denn wenn das Unsrige wankt, alsdann steht das Göttliche fest.
Um zu zeigen, dass nicht der Wind, sondern seine Kleingläubigkeit ihm Gefahr bereite, setzt er hinzu: Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Dadurch zeigt er, dass ihm auch der Wind nicht hätte schaden können, wenn sein Glaube standhaft gewesen wäre.
Goldene Perle
Frage: Wo in meinem Leben habe ich zulassen müssen, dass mein Zweifel stärker ist als mein Vertrauen, und wie könnte ich meinem inneren Glauben wieder Raum geben?
Der Herr streckt uns die Hand entgegen
Der Herr streckt auch uns immer wieder seine Hand entgegen.
Er tut es durch die Schönheit eines Sonntags, er tut es durch die festliche Liturgie, er tut es im Gebet, mit dem wir zu ihm kommen, er tut es in der Begegnung mit Gottes Wort, er tut es in vielfältigen Situationen des Alltags – er streckt uns die Hand entgegen.
Und wir gehen dann gut und recht, wenn wir die Hand des Herrn nehmen und uns von ihm führen lassen. Darum wollen wir ihn bitten, dass wir seine Hand immer wieder finden.
Gleichzeitig liegt darin eine Aufforderung: dass wir in seinem Namen anderen die Hand hinreichen, die dessen bedürfen, und sie über die Wasser unserer Geschichte hinführen.
Benedikt XVI
Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich die Hand Gottes, und wie kann ich in seinem Geist anderen meine Hand reichen?
Worte von Anselm Grün
Er fragt ihn, warum er gezweifelt hat. Zweifeln heißt, dass man nach zwei Seiten hin sieht oder hintritt, dass man auf zwei Wegen zugleich gehen möchte. Solange wir hin- und hergerissen werden zwischen dem Meer und Jesus Christus, solange werden wir im Wasser versinken. Nur die eindeutige Beziehung zu Jesus Christus schützt uns vor dem Untergang. Die Krisen, in die uns das Leben stürzt, sobald das Unbewusste sich meldet und die Sicherheit des Ego bedroht, können nur bewältigt werden, wenn wir unsere ganze Person und alle Kräfte in uns auf Christus beziehen, wenn wir aus dem Boot des Ego aussteigen, die Sicherheit des Ichs aufgeben, um uns an Christus festzuhalten. Anselm Grün
Jesus, wenn Zweifel mein Herz teilen und ich zu versinken drohe, strecke mir deine Hand entgegen. Stärke mein Vertrauen und halte mich fest in deiner Liebe. Amen.
Vers 32 Der Wind legt sich
Mt 14,32: Dann stiegen beide ins Boot und der Sturm legte sich.
Der Sturm legte sich
Diese Szene zeigt Jesu Macht über die Natur und verdeutlicht, dass er die Kontrolle über chaotische Situationen hat. Die Jünger, die zuvor von Angst erfüllt waren, erleben Frieden durch seine Gegenwart.
Das Ereignis lehrt uns, dass der Glaube an Jesus uns in den Stürmen des Lebens Halt gibt. Petrus, der zunächst auf dem Wasser ging, aber aufgrund seines Zweifels sank, wird wieder von Jesus gerettet – ein Zeichen für Gottes Geduld und Barmherzigkeit.
Die Stillung des Sturms symbolisiert auch die Ruhe, die Christus jedem bringt, der ihm vertraut. Der Vers lädt dazu ein, auf Jesus zu vertrauen, selbst in schwierigen Zeiten.
Frage: Wo in meinem Leben brauche ich heute das Vertrauen, das mich durch stürmische Zeiten trägt?
Worte von Anselm Grün
Jesus steigt nun zusammen mit Petrus ins Boot, und sofort legt sich der Wind. Wenn wir Christus in unser eigenes Leben lassen, wenn wir ihn in unser Leben einlassen, dann legt sich der Wind, dann kommt unser Herz zur Ruhe. Wenn Jesus in mein Boot steigt, dann werde ich ruhig, dann verwandelt sich mein Leben, dann verliert sich die Angst vor den Stürmen und Wogen meines Lebens. Dann erfahre ich Frieden mitten in der äußeren Unruhe. So ist diese Geschichte eine helfende Geschichte, die uns mitten in unseren Turbulenzen anspricht. Der Glaube hilft uns, mitten in den Schwierigkeiten ruhig unseren Weg zu gehen. Wer glaubt, den trägt auch das Wasser. Er geht nicht unter, wenn die Wellen um ihn toben. Anselm Grün
Vers 33 Bekenntnis als Gottes Sohn
Mt 14,33: Da fielen sie alle vor Jesus nieder und riefen: Du bist wirklich der Sohn Gottes!
Ewiger Frieden und Ruhe
Dass ferner bei dem Einsteigen des Herrn in das Schiff Wind und Meer sich legten, bedeutet den ewigen Frieden und die ewige Ruhe der Kirche nach der Rückkehr seiner Klarheit. Und weil er sodann offenbarer kommt, so sprechen mit Recht Alle voller Verwunderung: Wahrhaftig, du bist der Sohn Gottes.
Denn sodann wird das Bekenntnis Aller allgemein und öffentlich sein, dass der Sohn Gottes jetzt nicht in leiblicher Niedrigkeit, sondern in himmlischer Herrlichkeit der Kirche den Frieden verliehen habe.
Goldene Perle
Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Momente der inneren Ruhe und des Friedens erkennen, die über äußere Umstände hinausgehen?
Ruhiges Herz
Wenn Jesus zu uns ins Boot kommt, legt sich der Sturm, vergeht die Unruhe, findet unser Herz zur Ruhe. Eine Herzensruhe, die durch den Sturm erprobt wurde. Denn eine Ruhe, die nicht durch den Sturm erprobt wurde, ist eine trügerische Ruhe.
Jesus stellt uns nicht auf einmal auf die Spitze des Berges, sondern es ist ein ständiges Aufwärts- und Abwärtsgehen. Das Wachsen im Glauben hat niemals eine Grenze erreicht, genauso wenig wie eine Ehe mit der Trauzeremonie aufhört. Es ist ein Prozess täglich neuer Hingabe, täglicher Übung im Glauben und im Gehorsam.
Glaube ist zuallererst Sich-Anvertrauen an Gott, eine lebendige Beziehung zu ihm. Im Glauben schwingt die ewige Gegenwart Gottes mit, die über die Zeit hinausreicht und dennoch von uns nur in unserem unwiederholbaren Heute aufgenommen werden kann.
Frage: Wo spüre ich in meinem Leben die Einladung, mich dem Vertrauen auf Gott hinzugeben und loszulassen, selbst mitten im Sturm?