Mt 13, 53-58 Unglaube in Nazareth
Inhaltsverzeichnis
Vers 53-54 Lehre in Nazareth
Mt 13,53: Und es geschah, als Jesus diese Gleichnisse beendet hatte, zog er von dort weg.
Mt 13,54: Und als er in seine Vaterstadt kam, lehrte er sie in ihrer Synagoge, sodass sie staunten und sprachen: Woher hat dieser solche Weisheit und solche Wunderkräfte?
Weisheit und Kraft
Die Menschen fragen: "Woher nimmt er diese Weisheit und Kraft". Diese Tugenden tauchen öfter gemeinsam auf, um Jesus zu beschreiben, und sie sind zwei der sieben Gaben des Heiligen Geistes. Sind diese auch für mich ein Ideal? Suche ich die Weisheit? Suche ich Kraft? Eric Briemle
Woher hat er das alles?
Die Frage „Woher hat er das alles?“ ist eine Einladung an all jene, die Jesus wirklich kennenlernen möchten. Für viele Menschen war genau diese Frage der Schlüssel, um ihn als den Messias zu erkennen. Doch das ist nur demjenigen möglich, der sein Herz für den Glauben öffnet.
Wer Jesus nur mit nüchternem Blick betrachtet, sieht in ihm oft weiterhin nur den Sohn des Zimmermanns. Doch was sehe ich, wenn ich auf ihn schaue? Erkenne ich in ihm nur Bekanntes, oder lasse ich zu, dass er sich mir immer wieder neu offenbart? Bin ich bereit, mich überraschen zu lassen?
Eva Gloserová
Frage: Wie offen bin ich wirklich, Jesus in seinem Wesen immer wieder neu zu begegnen und mich von ihm berühren zu lassen?
Das Staunen der Menschen
Die Menschen von Nazaret hören Jesus sprechen und staunen über seine Weisheit. Sie erkennen, dass etwas Besonderes an ihm ist. Doch ihr Staunen führt nicht zum Glauben. Statt sich zu öffnen, beginnen sie zu urteilen und Jesus auf menschliche Weise zu betrachten: "Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns?" Das ist eine Gefahr auch für uns. Man kann Jesus "kennen" und ihm dennoch innerlich fernbleiben. Die Menschen von Nazaret hatten Jesus viele Jahre gesehen. Gerade diese Gewohnheit machte sie blind für sein Geheimnis. Sie meinten bereits zu wissen, wer er sei, und deshalb konnten sie nicht mehr staunend glauben. Auch im geistlichen Leben kann Routine gefährlich werden. Vielleicht höre ich oft das Evangelium, bete täglich oder nehme regelmäßig an der heiligen Messfeier teil, und doch wird mein Herz kalt. Der Glaube lebt vom Staunen, das zum Glauben an Gott wird. P. João Paulo Jäger
Vers 55 Herkunft Jesu bezweifelt
Mt 13,55: Ist dieser nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria, und seine Brüder heißen Jakobus und Joses und Simon und Judas?
Der Sohn des Zimmermanns
In seiner Heimatstadt hat Jesus nur wenige Wunder gewirkt. Für die Menschen dort war er eben nur der Sohn des Zimmermanns, ein ganz gewöhnlicher Mensch.
Ein Zimmermann war ein Arbeiter, ein einfacher Mann, dem keine große Bildung eigen war, der aber seine Arbeit gewissenhaft und ordentlich auszuführen hatte.
Und jetzt kommt dieser Jesus daher, der ja lediglich der Sohn dieses Zimmermanns ist, geht in die Synagoge und will die Menschen belehren.
Diese Weisheit und die Kraft, Wunder zu tun, kann er unmöglich von seinem Vater Josef haben. Was für eine Anmaßung von ihm, er muss ein Betrüger sein! Was bildet er sich eigentlich ein, wer er ist?!
Sie lehnen ihn ab, weil sie meinen, er halte sich für etwas Besseres. Sie möchten nicht von seinen Lehren hören.
Ellen Petermann
Frage: Wie offen bin ich dafür, Weisheit und Erkenntnis von unerwarteten Quellen anzunehmen, auch wenn sie mein vertrautes Weltbild herausfordern?
Der Sohn des Zimmermanns (B)
Sohn des Zimmermanns ist offenkundig eine abwertende Bezeichnung für Jesus. Die Menschen wollen ihn nicht als Sohn Gottes sehen, sondern eben als Sohn des Zimmermanns, von dem eh noch nie viel zu erwarten war, wie denn dann von seinem Sohn.
Aber was hat Josef alles getan: Er stand zu Maria und verließ sie nicht, stand Maria bei der Geburt bei und rettete seine kleine Familie vor den Soldaten des Herodes.
Jesus, Sohn des Zimmermanns! Aber auch Jesus, Sohn der Maria und Jesus, Sohn Gottes, geboren von der Jungfrau Maria! Das ist schon etwas ganz Anderes.
Aber das wollen die Menschen nicht sehen, denn dann wäre es nicht mehr so einfach, ihn abzulehnen, dann hätte sich Gott tatsächlich unvorstellbar erniedrigt.
Ellen Petermann
Frage: Wie offen bist du dafür, das Göttliche in unerwarteten und scheinbar einfachen Lebensgeschichten zu entdecken?
Vers 56 Ablehnung durch Nachbarn
Mt 13,56: Und sind nicht seine Schwestern alle bei uns? Woher hat dieser denn das alles?
Der wahre Vater
Der Vater Christi ist aber der göttliche Zimmermann, welcher die Werkstätte der Welt zimmerte, die Arche des Noah anordnete, Moses das Gezelt bestimmte, die Bundes Bundeslade entwarf. Goldene Perle
Vers 57 Prophet ohne Ehre
Mt 13,57: Und sie nahmen Anstoß an ihm. Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nirgends verachtet außer in seinem Vaterland und in seinem Haus!
Vertrauen und Nichtvertrauen
In Nazaret wird Jesus nicht geglaubt; man lehnt ihn ab, nimmt Anstoß an ihm. Unglauben ist hier die Übersetzung des griechischen apistia, was auch Nichtvertrauen bedeutet: Jesus wird nicht anerkannt, den Menschen fehlt das Vertrauen in ihn.
Die Antwort Jesu und die Begründung dafür ist in der Zwischenzeit tatsächlich auch außerhalb christlicher Kreise sprichwörtlich: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land. So kann es auch mir mit Jesus gehen: Ich glaube, dass er der Sohn Gottes ist, aber vertraue ich ihm, dass er am Ende alles gut machen wird? Oder hänge ich an meiner vermeintlichen Lebenserfahrung und meine, dass ich für mich selbst sorgen muss? Traue ich Jesus wirklich alles zu?
Felix Honekamp
Frage: Wo in meinem Leben fällt es mir schwer, Jesus wirklich zu vertrauen, und welche Ängste oder Erfahrungen halten mich davon ab?
Sie nahmen Anstoß an ihm
Jesus war nicht so, wie die Menschen ihn erwartet hatten. Sie wollten vielleicht einen mächtigen und außergewöhnlichen Messias, doch Gott kam in Einfachheit und Demut. Deshalb nahmen sie Anstoß an ihm. Auch wir geraten manchmal innerlich in Widerstand gegen Gottes Wege. Vielleicht akzeptieren wir Christus, solange er unsere Pläne bestätigt. Doch wenn er Opfer verlangt, Demut fordert oder unser Kreuz nicht sofort wegnimmt, beginnen wir zu zweifeln oder uns zu verschließen. Stolz macht den Glauben schwer. Ein demütiges Herz dagegen erkennt Gott auch im Verborgenen: in der Eucharistie, im stillen Gebet, in einer einfachen Korrektur oder in den kleinen täglichen Pflichten. Jesus kommt oft unscheinbar in unser Leben. Wer nur das Außergewöhnliche sucht, übersieht seine Gegenwart. P. João Paulo Jäger
Andacht von Papst Franziskus
Warum erkennen die Mitbürger Jesu ihn letztendlich nicht und glauben nicht an ihn? Warum? Was ist der Grund dafür?
Wir können mit wenigen Worten sagen, dass sie den Skandal der Menschwerdung nicht akzeptieren und sie finden es skandalös, dass sich die Unermesslichkeit Gottes in der Kleinheit unseres Fleisches offenbaren soll, dass der Sohn Gottes der Sohn des Zimmermanns ist, dass die Gottheit in der Menschheit verborgen ist, dass Gott im Antlitz, in den Worten, in den Gesten eines einfachen Menschen wohnt.
Hier liegt der Skandal: die Menschwerdung Gottes, seine Konkretheit, seine „Alltäglichkeit“. Und Gott ist in einem Menschen, Jesus von Nazareth, konkret geworden, er ist ein Weggefährte geworden, er ist einer von uns geworden.
Zu Jesus sagen: „Du bist einer von uns.“ Das ist ein schönes Gebet! Und weil er einer von uns ist, versteht er uns, begleitet er uns, vergibt er uns, liebt er uns sehr.
In Wirklichkeit ist ein abstrakter, ferner Gott bequemer, der sich nicht in die Situationen einmischt und einen Glauben akzeptiert, der dem Leben, den Problemen, der Gesellschaft fern steht. Oder wir glauben gerne an einen Gott „mit Spezialeffekten“, der nur außergewöhnliche Dinge tut und immer große Gefühle schenkt.
Stattdessen, liebe Brüder und Schwestern, ist Gott Mensch geworden: Gott ist demütig, Gott ist zärtlich, Gott ist verborgen, er kommt uns nahe, indem er in der Normalität unseres täglichen Lebens wohnt.
Und so ergeht es uns wie den Mitbürgern Jesu: Wir laufen Gefahr, dass wir ihn nicht erkennen, wenn er vorübergeht.
Papst Franziskus
Frage: Wie kann ich lernen, das Göttliche in den kleinen, alltäglichen Momenten und Menschen um mich herum bewusster wahrzunehmen?
Vers 58 Unglaube verhindert Wunder
Mt 13,58: Und er tat dort nicht viele Wunder um ihres Unglaubens willen.
Wegen ihres Unglaubens tat er wenige Wunder
Wunder werden in der Bibel oft an den Glauben geknüpft. Diese Bibelstelle geht sogar so weit zu sagen, dass Gott in Nazaret wegen mangelnden Glaubens wenige Wunder tut.
Warum benötigt Gott den Glauben, damit er Wunder tut? Vielleicht kann Glaube als ein Schritt des Menschen gesehen werden, der Beziehung schafft, der Gott bejaht, sein Vertrauen in ihn vom Menschen aus bestätigt und die Augen auf Gott richten lässt.
Erst dann wird das Wunder, das Gott wirkt, nicht mehr als unpersönliches, wissenschaftliches Phänomen, sondern als Gottes Schritt auf den Menschen zu und als Antwort innerhalb dieser Beziehung wahrgenommen.
Frage: Wie offen bist du für die Begegnung mit dem Göttlichen in deinem Leben, und wo könnte dein Vertrauen den Raum für ein Wunder schaffen?
Wegen ihres Unglaubens
Zu unserer Unterweisung endet das Evangelium traurig: Jesus wirkte dort nicht viele Machttaten wegen ihres Unglaubens. Nicht weil seine Macht begrenzt gewesen wäre, sondern weil ihre Herzen verschlossen waren. Der Glaube öffnet die Seele für Gottes Wirken. Misstrauen, Stolz und Gleichgültigkeit dagegen blockieren die Gnade. Gott zwingt sich niemandem auf. Er sucht ein offenes Herz. Vielleicht möchte Jesus auch in meinem Leben Großes wirken: mehr Reinheit, mehr Liebe, mehr Freude, mehr Heiligkeit. Doch lasse ich ihn wirklich handeln? Oder halte ich innerlich Bereiche meines Herzens verschlossen? Die Heiligen waren keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die Gott handeln ließen. P. João Paulo Jäger
Sollte es nicht umgekehrt sein?
Sollte Jesus nicht gerade dort Wunder tun, wo ihm noch nicht geglaubt wird? So ist der menschliche Weg: Wenn mir nicht vertraut wird, versuche ich, Vertrauen dadurch aufzubauen, dass ich etwas tue – natürlich kein Wunder, aber vielleicht eine Leistung, die die anderen überzeugt.
Jesus dagegen muss keinem Menschen beweisen, dass er Gott ist. Wie bei der Heilung der blutflüssigen Frau sind Wunder eher eine Belohnung für oder eine Wirkung des Glaubens: Meine Tochter, dein Glaube hat dich gerettet.
Das heißt aber auch: Glaube ich an Jesus, vertraue ich ihm, wird er mein Leben mit Wundern segnen, auch wenn diese ganz anders aussehen mögen, als ich es mir vielleicht wünsche. Entscheide ich mich, Jesus so zu vertrauen?
Frage: Wie offen bin ich für die Wunder, die mein Glaube in meinem Leben hervorbringen kann – auch wenn sie unerwartet oder anders sind als gedacht?
Ein Wundertäter, bereit zur Tat
Welche Art Wunder will Christus in meinem Leben vollbringen?
Christus will mein Leben zu einem glänzenden Zeugnis der Macht seiner Gnade machen. Er möchte mein Leben mit seiner Heiligkeit ausfüllen und mir helfen, ein Licht für andere zu sein. Wenn ich meine Oberflächlichkeit und meinen Mangel an Glauben abschütteln kann, werde ich die mächtige Gegenwart des Heilands entdecken, der mir hilft, jeden Augenblick meines Lebens verantwortungsbewusst und nach dem Gebot der Liebe zu leben.
Er kann Wunder in meinem Leben bewirken und mir helfen, die Tugenden zu leben, die mir am teuersten sind. Bin ich bereit, ein Risiko für Christus einzugehen und ihm vollkommen zu vertrauen?
Frage: Wie offen bin ich dafür, das Wirken Christi in meinem Alltag wahrzunehmen und mich von seiner Gnade transformieren zu lassen?
Die Wichtigkeit des Glaubens
Die Wunder Christi nämlich sind keine Zurschaustellung von Macht, sondern Zeichen der Liebe Gottes, die sich dort verwirklicht, wo sie dem Glauben des Menschen begegnet, wo eine Gegenseitigkeit gegeben ist.
Origenes schreibt: Und wie es im Bereich des körperlichen Seins eine natürliche Anziehungskraft vom einen her auf das andere hin gibt, wie des Magnets zum Eisen, so auch eine solche des Glaubens zur göttlichen Wirkkraft.
Benedikt XVI
Frage: Wie erfährst du persönlich die Verbindung zwischen deinem Glauben und der Liebe Gottes in deinem Leben?
Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Mt Kap. 13
Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 13. Kap.