Mt 13, 24-30 Gleichnis Unkraut unter Weizen
Inhaltsverzeichnis
Vers 24 Unkraut unter Weizen
Mt 13,24: Das Reich der Himmel gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte.
Mt 13,24: Gottes himmlisches Reich kann man vergleichen mit einem Bauern und der guten Saat, die er auf sein Feld säte.
Das Böse in der Welt und die Geduld Gottes
Die Szene spielt sich auf einem Acker ab, auf den der Herr Weizen sät. Doch eines Nachts kommt der Feind und sät Unkraut. Die Knechte möchten das Unkraut sofort ausreißen, doch der Herr hindert sie daran mit der Begründung, dass sie zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen ausreißen würden.
Es geht in diesem Gleichnis um das Problem des Bösen in der Welt und in uns und es geht um die Geduld Gottes.
Der gute Samen ist Christus selbst. Wer ihn aufnimmt in den Acker seiner Seele, der wird zum guten Weizen heranwachsen und Frucht bringen.
Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Geduld mit dem „Unkraut“ entwickeln, das neben dem Guten wächst?
Bilder in dem Gleichnis
Jesus sät guten Samen auf das Feld. Das Feld ist unser Herz. Jesus sät Liebe in unser Herz.
Wir wissen uns geliebt und können seine Liebe weitergeben. Wir haben Freude an der Gemeinschaft mit Gott, wir empfangen die Sakramente, lesen in der Bibel, beten.
Wir tun Gutes und setzen uns für andere ein. Der Angst in den Krisen unseres Lebens können wir mit Gelassenheit und Vertrauen auf Gott begegnen.
Wenn die Früchte der Liebe in unserem Herzen heranreifen können, gleicht unser Herz einem reifen Weizenfeld.
Ellen Charlotte Petermann
Frage: Wie kannst du heute die Liebe, die in deinem Herzen wächst, bewusst weitergeben und in welchen Momenten spürst du dabei die Nähe Gottes am stärksten?
Vers 25 Feind sät Unkraut
Mt 13,25: Während aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging davon.
Nacht der Unbewusstheit
In der Nacht, in der wir schlafen, in der wir unbewusst dahinleben, sät der Feind das Unkraut aus. Der Feind kommt in der Nacht, in der Finsternis, wo kein Licht ist.
Sobald wir dann am Tag bewusst auf den Acker unserer Seele schauen, bemerken wir, dass da Weizen neben dem Unkraut wächst, dass Gutes und Böses in uns ist. Das gilt es erst einmal zu erkennen.
Natürlich arbeiten wir an uns, und doch machen wir die ernüchternde Erfahrung, wie hartnäckig die Unvollkommenheit uns begleitet. Das Gute und Reine mögen unsere Ideale sein, tatsächlich bleiben uns aber immer nur Annäherungen.
Bei allem guten Willen und bei aller Anstrengung bleiben wir immer wieder hinter dem, was wir uns vorgenommen haben oder was uns aufgetragen ist, zurück.
Frage: Wie kannst du in dir selbst Raum schaffen, um sowohl das Licht als auch die Schatten bewusst anzunehmen und daraus zu wachsen?
Vers 26 Wachstum beider Pflanzen
Mt 13,26: Als nun die Saat wuchs und Frucht ansetzte, da zeigte sich auch das Unkraut.
Unkraut in unserem Herzen
Wie in jedem Garten und auf jedem Feld macht sich immer dort, wo das Gute wächst, auch gern hartnäckiges Unkraut breit. So auch in unserem Herzen: Zweifel, Angst, Anfechtungen, Trotz und vieles mehr wird es unter den guten Früchten in unserem Herzen immer wieder geben.
Es ist nicht möglich, das Böse dauerhaft ganz aus unseren Herzen zu entfernen. Besonders in schwachen Momenten wird dieses „Unkraut“ eine Lücke finden, um wieder aufzukeimen.
Das darf uns nicht erschrecken. Suchen wir Gott und seine Liebe, werden wir immer Hilfe und Vergebung finden.
Ellen Charlotte Petermann
Frage: Wie kannst du in deinem Leben die Balance zwischen dem Wachstum des Guten und dem Umgang mit dem „Unkraut“ in deinem Herzen finden?
Weizen und Unkraut
Unser Herz gleicht einem Feld, auf das Gott sorgsam Weizen sät, damit es reiche Früchte hervorbringt. Doch zugleich wächst, als Folge der Erbsünde, dazwischen das Unkraut.
Es ist bemerkenswert, dass der Weizen mühsam gepflegt und geerntet wird, während das Unkraut manchmal ganz von selbst zu sprießen scheint, fast ohne jede Anstrengung.
Auch in unserem Leben kann der Feind – wenn wir nicht wachsam und aufmerksam bleiben – Unkraut säen. So schleichen sich Selbstsucht, Stolz, Eitelkeit und allerlei Sünden unbemerkt in unser Herz ein.
Um dem entgegenzuwirken, hält Jesus uns einen Schlüssel in diesem und vielen anderen Evangeliumsabschnitten bereit: Seid wachsam, bleibt wach, haltet Wache und betet.
Wie gelingt es uns, das im Alltag umzusetzen? Indem wir unser Gewissen prüfen. Indem wir täglich Momente der Stille suchen, um unser Herz vor Gott zu bringen und darüber nachzudenken, was geschehen ist – was wir gesät haben und was an uns gewachsen ist: Weizen, Gras oder Unkraut?
José Andrés González Fernández
Frage: Wie kannst du heute in deinem Herzen Raum schaffen, damit mehr Weizen und weniger Unkraut wächst?
Vers 27 Knechte fragen nach
Mt 13,27: Und die Knechte des Hausherrn traten herzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen in deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?
Woher kommt das Unkraut?
In der Welt, in unserem Umfeld und in unserem eigenen Leben, in unserem eigenen Herzen entdecken wir oft auch das Negative und Böse.
Das Böse erschreckt uns, wir wollen es nicht wahrhaben und es scheint oft übermächtig, unaufhaltsam oder unüberwindbar.
Dabei hilft es uns jedoch, dass wir alles, was uns Angst macht und uns „runterzieht“, beim Namen nennen und wie die Knechte im Gleichnis zum Gutsherrn, zu unserem Herrn bringen und ihm offenlegen können.
Michael Hemm
Frage: Wie kannst du heute deinem inneren Herrn das Dunkle in dir anvertrauen und so Heilung ermöglichen?
Vers 28 Feindliches Werk
Mt 13,28: Er aber sprach zu ihnen: Das hat der Feind getan! Da sagten die Knechte zu ihm: Willst du nun, dass wir hingehen und es zusammenlesen?
Innere Ambivalenz des Menschen
Mit den gleichen Ohren verstehen und missverstehen wir, mit ein und demselben Herzen vertrauen und misstrauen wir, mit den gleichen Händen bauen wir auf und reißen wir nieder, öffnen wir Türen und schlagen sie zu.
Wir sind nicht eindeutig gut und nicht eindeutig böse. Der Zwiespalt, der Konflikt steckt in uns selbst, in jedem. Wir sind der Acker, in dem Unkraut und Weizen wachsen.
Wenn Gott, der uns so viel Freiheit schenkt, wenn Jesus, der uns erlöst hat, uns das Leben in Ambivalenzen nicht nimmt, muss gerade das für etwas gut sein.
Die alten Mönchsväter der Wüste wussten darum, dass gerade der unausweichliche Konflikt uns wachhält, dass das, was wir als Anfechtung erleben und womit wir ringen, uns schult im Umgang mit den Energien, die in uns stecken, unsere Kraft und Beharrlichkeit stärkt auf dem Weg des Heils.
Noch ist nicht die Zeit der Ernte, noch ist Arbeitszeit.
Frage: Welche inneren Zwiespälte tragen dich gerade, und wie können sie dich auf deinem persönlichen Weg wachsen lassen?
In dir wächst Weizen und Unkraut
Das Unkraut versuchen wir allzu oft vor anderen zu verbergen, um ein möglichst schönes Bild nach außen abzugeben. Schein und Sein vermischen sich, und daraus können im Extremfall ganze Lebenslügen entstehen. Wer das Unkraut, das "Nicht-so-Schöne" in sich verdrängt, gerät in eine Sackgasse, denn es lässt sich nicht verdrängen.
In uns wächst Weizen und Unkraut – das ist eine unumstößliche Tatsache. Das Unkraut können und dürfen wir nicht negieren, sondern müssen es Gottes unbegreiflicher Barmherzigkeit hinhalten. Ganz klar dürfen wir für das Weizen aus tiefstem Herzen und mit vollem Verstand sagen: „Gott sei Dank!“
Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben das Unkraut liebevoll annehmen und dabei die Barmherzigkeit erfahren, die dich wachsen lässt?
Andacht von Anselm Grün
Das Gleichnis vom Unkraut im Weizen holt uns sozusagen auf den Boden der Tatsachen zurück, was unsere Sicht auf Reinigung angeht. Wir möchten uns als Menschen gerne auf perfekte Weise von allen negativen Emotionen, Leidenschaften und Kräften reinigen, sodass kein einziger dunkler Fleck auf unserer Seele und unserer Weste zurückbleibt. Doch dieses Gleichnis zeigt uns, dass die Realität anders aussieht.
Das Unkraut, von dem er hier spricht, ist der sogenannte Lolch. Er verbindet seine Wurzeln mit denen des Weizens. Wenn man das Unkraut ausreißt, reißt man daher eben auch den Weizen mit aus. Übertragen auf unser Leben heißt das: Wir möchten am liebsten unsere Fehler und Schwächen aus uns herausreißen. Wir möchten sozusagen chemisch rein sein, perfekt, ohne jeden Makel.
Doch Jesus macht mit diesem Gleichnis deutlich: Das geht nicht. Weil man nicht das eine tilgen kann, ohne das andere auch zu beschädigen. Beschrieben ist hier die typische Tendenz von Perfektionisten, alles Negative aus sich herausreißen zu wollen. Doch dann wächst auch alles Gute in uns nicht mehr. Dann bleibt das Leben ohne Frucht.
Das Gleichnis beschreibt eine falsch verstandene Weise des Reinigens. Man möchte – um im Bild zu bleiben – sich chemisch reinigen und sterilisieren. Doch dann wird der Mensch eben steril.
Anselm Grün
Frage: Wie gehst du mit den vermeintlichen „Unkräutern“ in deinem Leben um, die vielleicht auch Raum für Wachstum und Leben schaffen?
Vers 29 Warnung vor Ausreißen
Mt 13,29: Er aber sprach: Nein!, damit ihr nicht beim Zusammenlesen des Unkrauts zugleich mit ihm den Weizen ausreißt.
Geduld und Gelassenheit
Wenn wir das Unkraut ausreißen möchten, würden wir den Weizen mit herausziehen. Dann würde gar nichts wachsen.
Wir sollen nicht perfektionistisch auf unsere Fehlerlosigkeit fixiert sein, denn der Preis für diesen Perfektionismus ist die Unfruchtbarkeit.
Allerdings dürfen wir das Unkraut auch nicht wuchern lassen. Es muss beobachtet, notfalls zurückgeschnitten werden. Nur ausreißen können wir es nicht.
Tief in unserer Seele ist eine Tendenz, alles Fehlerhafte in uns auszuradieren. Doch dann wird unsere Seele unfruchtbar und kann auch das Gute nicht mehr wachsen lassen.
Es braucht viel Geduld und Gelassenheit, um beides in uns gedeihen zu lassen.
Anselm Grün
Frage: Wie kannst du in deinem Inneren eine Balance finden zwischen dem Annehmen deiner Fehler und dem Erlauben von Wachstum?
Andacht von Papst Franziskus
Unserer Ungeduld steht das geduldige Warten Gottes gegenüber. Oftmals sind wir sehr schnell darin, zu urteilen, einzuordnen und Menschen in gut oder schlecht einzuteilen. Gott hingegen vermag es zu warten.
Mit großer Geduld und Barmherzigkeit blickt er auf das Leben eines jeden Menschen wie auf einen Acker. Er sieht die Schattenseiten, das Böse und den Schmutz besser als wir es können. Doch zugleich erkennt er auch die Keime des Guten und wartet voller Vertrauen darauf, dass sie heranreifen.
Gott ist geduldig und weiß, wie man wartet. Wie tröstlich ist es doch zu wissen, dass unser Gott ein geduldiger Vater ist, der uns stets erwartet. Er wartet mit offenem Herzen, um uns willkommen zu heißen.
Papst Franziskus
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Geduld Gottes spiegeln und mit mehr Vertrauen auf das Wachsen des Guten in mir und anderen warten?
Andacht von Joh. Bapt. Metz
Nie tun Menschen einander so viel Böses an, als wenn sie ungeduldig das rein Gute verwirklichen wollen, wenn sie sich selbst zum Richter erheben in verfrühter Stunde. Der Gang der Geschichte beweist es uns immer wieder: wie im Namen von Utopien des innerweltlichen Heils Knechte, die nicht von Gott gesandt waren, auszogen, um alles Unkraut zu jäten, und dabei den Weizen Gottes furchtbar zerstörten.
Die Geschichte der Welt kann sich nicht selbst ins Reine bringen, sich nicht selbst erlösen. Auch die Geschichte der Kirche nicht; auch für sie gilt das Gesetz unseres Gleichnisses; auch in ihr muss immer wieder jenen Knechten Widerstand geleistet werden, die sich im Namen einer ‚reinen‘ Kirche zu eigenmächtigem Gericht erheben und die Geduld Gottes auf die Probe stellen.
Nie kann sich unser Dasein im Licht des reinen, fraglosen Guten erheben: ungeschieden sprossen Weizen und Unkraut auf dem Acker unserer Freiheit, der unser Leben ist – bis zum Tag der Ernte, der nicht unser Tag ist. Wir können nicht endgültig den Weizen vom Unkraut trennen; immer begegnen wir uns im Spiegel unseres Bewusstseins als die, die gut und böse sind, obwohl unser Ende gut oder böse ist.
Frage: Wie kannst du in deinem Leben Geduld und Demut üben, um das Gute und das Unvollkommene in dir und anderen anzunehmen?
Vers 30 Trennung bei Ernte
Mt 13,30: Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte will ich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, dass man es verbrenne; den Weizen aber sammelt in meine Scheune!
Herr der Lage
Als die Knechte im Gleichnis den Gutsherrn voller Sorge vom Unkraut berichten, bleibt dieser völlig gelassen. Er weiß schon Bescheid, mehr noch: Er behält die Kontrolle über seinen Acker und ist immer Herr der Lage.
Das gilt auch für unser Leben. Nicht wir müssen die Welt wieder ins Lot bringen und sie retten. Das hat Jesus schon für uns getan. Gott hat das Böse schon in seinen Heilsplan mit einberechnet. Nichts kann ihn überraschen.
Wir dürfen darauf bauen, dass Gott in jedem Fall die Kontrolle behält, und in allen Umständen auf ihn vertrauen.
Michael Hemm
Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben die Gewissheit bewahren, dass trotz aller Herausforderungen eine höhere Ordnung wirkt?
Zur Zeit der Ernte
Bei der Ernte – in unserem Tod – werden die Engel Gottes in uns beides voneinander trennen. Sie werden das Unkraut verbrennen und den Weizen in die Scheunen bringen. Dann wird es nur noch reinen Weizen in uns geben.
Doch solange wir leben, werden wir auch mit dem Unkraut leben müssen. Wir dürfen aber darauf vertrauen, dass Gott in unserem Tod alles Unreine von uns wegwischt, damit das reine und ursprüngliche und unverfälschte Bild Gottes in uns aufstrahlt.
Anselm Grün
Frage: Wie kannst du in deinem Leben mehr Vertrauen entwickeln, dass das Unreine von dir getrennt wird, damit dein wahres Selbst – das Bild Gottes in dir – klarer zum Vorschein kommt?
Worte der Wüstenväter
Es wird erzählt: Ein junger Mönch kommt zu Abbas Poimen und sagt: Alles, was ich an Gutem tue, entwerten die Dämonen. Wenn ich jemandem helfe, dann sagt mir meine innere Stimme: Das tust du nur, um vor anderen gut dazustehen, um dich beliebt zu machen.
Wenn ich bete, sagt mir meine innere Stimme: Du betest ja nur, um vor den anderen als frommer Mönch zu erscheinen. Alles Gute ist immer vermischt mit egoistischen Motiven. Also hat es gar keinen Sinn, Gutes zu tun. Statt einer Antwort erzählt ihm Poimen eine Geschichte: In einer Stadt gab es zwei Bauern. Beide wollten Getreide aussäen. Als sie damit begannen, merkten sie, dass das Getreide nicht gereinigt war.
Der eine Bauer sagte: Das säe ich nicht aus. Der andere tat es trotzdem. Nach einem Jahr gab es in der Stadt eine Hungersnot. Poimen fragt nun den jungen Mönch: Wer von beiden hatte wohl zu essen? Dieser antwortete: Der, der ungereinigtes Getreide gesät hat. Da sagte Poimen: Also lasst uns ungereinigtes Getreide säen, damit wir und andere etwas zu essen haben. Wir dürfen nicht warten, bis unsere Motive beim Helfen, beim Beten, beim Spenden, beim Einsatz für andere ganz rein sind. Sie werden immer vermischt sein mit egoistischen Motiven. Es braucht Demut, das anzuerkennen. Anselm Grün