Mt 11, 1-15 Die Anfrage des Täufers

Vers 1 Jesus lehrt weiter

Mt 11,1: Und es geschah, als Jesus die Befehle an seine zwölf Jünger vollendet hatte, zog er von dort weg, um in ihren Städten zu lehren und zu verkündigen.

Jesus geht voran

Als der Herr seine Jünger zum Predigen aussenden wollte und sie darum unterrichtet hatte, vollbrachte er selbst das in der Tat, was er mit Worten gelehrt hatte. Goldene Perle

Vers 2 Johannes' Frage im Gefängnis

Mt 11,2: ‭Als aber Johannes im Gefängnis von den Werken des Christus hörte, sandte er zwei seiner Jünger

Sandte er zwei seiner Jünger

Matthäus 11,2 berichtet, dass Johannes der Täufer im Gefängnis von den Werken Jesu hörte und seine Jünger zu ihm sandte. Dies zeigt Johannes’ Zweifel oder seine Sehnsucht nach Bestätigung, ob Jesus wirklich der verheißene Messias ist.

Die Frage seiner Jünger an Jesus – „Bist du es, der da kommen soll?“ – offenbart eine Erwartung des endzeitlichen Retters. Jesu Antwort verweist nicht auf direkte Behauptungen, sondern auf seine Taten: Heilungen, Auferweckungen und die Verkündigung des Evangeliums an die Armen.

Dies erfüllt die messianischen Prophezeiungen aus Jesaja und bestätigt Jesu Sendung. Johannes wird ermutigt, sein Vertrauen zu bewahren, während Jesu Worte zugleich alle ansprechen, die sich fragen, ob er wirklich der Christus ist.

Frage: Wo in meinem Leben brauche ich heute eine neue Gewissheit darüber, dass Christus wirklich gegenwärtig ist und wirkt?

Vers 3 Bist du der Kommende?

Mt 11,3: ‭und ließ ihm sagen: Bist du derjenige, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?

Zweifel von Johannes des Täufers

Johannes der Täufer schickt zwei seiner Jünger zu Jesus mit der Frage, ob er der Messias ist oder nicht.

Hat er nicht kurze Zeit zuvor Jesus im Jordan getauft? Hat er nicht gesehen, wie sich der Himmel geöffnet hat und der Heilige Geist wie eine Taube auf Jesus herabgestiegen ist? Hat er nicht die Stimme vom Himmel gehört, die sprach: Das ist mein geliebter Sohn? Hat er nicht selbst gesagt, Jesus sei das Lamm Gottes, und sogar bezeugt, dass er der Sohn Gottes ist?

Und trotz allem diese Frage. Es gibt zumindest zwei denkbare Erklärungen dafür. Die eine ist, dass solche Glaubenszweifel selbst nach deutlichen Erfahrungen tatsächlich möglich sind. Auch eine heilige Therese von Lisieux hat am Ende ihres Lebens, als sie längst auf mystischen Höhen des inneren Lebens angekommen war, noch starke Zweifel.

Bertalan Egervári

Frage: Wann habe ich selbst trotz tiefer Erfahrungen oder Überzeugungen an meinem Glauben gezweifelt – und was könnte Gott mir gerade darin zeigen wollen?

Gott selbst gibt Glauben

Der Grund für solche Glaubenszweifel liegt in der Natur des Glaubens: Er ist ein reines Geschenk Gottes. Wenn Gott den Glauben gibt, dann können wir ihn üben und nach ihm leben. Gibt er ihn aber noch nicht, dann können wir uns nur darum bemühen und darum bitten. Allerdings will Gott den Glauben geben!

Wie sollen wir uns im Falle eines Zweifels aber verhalten? Nun, wir sollten jeden Glaubenszweifel zuerst dem vortragen, der ihn lösen kann: Jesus, und den Zweifel so im Gebet entgegentreten. Wir sollten es also dem Täufer gleichtun und Jesus oder jemandem, der Jesus dient, unsere Frage vortragen und so Hilfe empfangen.

Und wir können den Katechismus lesen oder über unsere Frage sprechen. Jedenfalls gibt uns der Glaube, den Gott schenkt, eine Art innere „Gewissheit“. Der Glaubenszweifel dagegen ist eine Versuchung, die diese Gewissheit erschüttert. Suchen wir immer wie der Täufer, diese Gewissheit zurückzuerhalten.

Bertalan Egervári

Frage: Wie kann ich in Momenten des Zweifels neu das Vertrauen finden, dass Gottes Geschenk des Glaubens in mir lebendig bleibt?

Möglichkeit zwei

Es ist möglich, dass Johannes diese Frage nicht um seiner selbst willen gestellt hat, sondern um seiner Jünger willen – er wollte, dass sie zu Jesus gehen und die Frage für sich selbst stellen, wodurch sie ihre Aufmerksamkeit auf Jesus richten.

Vers 4 Jesu Antwort: Seht und hört

Mt 11,4: ‭Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und berichtet dem Johannes, was ihr hört und seht:

Vers 5 Zeichen und Evangelium

Mt 11,5: ‭Blinde werden sehend und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote werden auferweckt, und Armen wird das Evangelium verkündigt.

Bezug auf Jesaja

Diese Worte verweisen auf Jesaja 35,5–6 und Jesaja 61,1, die messianische Zeichen ankündigen. Jesus zeigt damit, dass das Reich Gottes angebrochen ist.

Die Heilungen symbolisieren nicht nur physische Wiederherstellung, sondern auch geistliche Erneuerung. Blinde stehen für Menschen ohne Erkenntnis, Lahme für solche, die im Glauben schwach sind. Die frohe Botschaft an die Armen zeigt, dass Gottes Gnade allen gilt.

Johannes der Täufer, an den diese Botschaft gerichtet ist, erhält so die Bestätigung: Jesus ist wirklich der verheißene Messias, der Gottes Erlösung bringt.

Frage: Wo erfahre ich in meinem eigenen Leben die heilende und erneuernde Kraft Gottes?

Blinde werden sehend

Manchmal sehen wir, und doch sehen wir nicht. Unsere Augen sind offen, aber unser Herz ist blind für das Gute.

Jesu Wirken öffnet nicht nur physische Augen, sondern schenkt uns den Blick für Hoffnung, Wahrheit und Liebe.

Wenn wir seine Perspektive einnehmen, erkennen wir plötzlich, wo wir vorher achtlos vorbeigegangen sind. Er zeigt uns Menschen, die unsere Aufmerksamkeit brauchen – und schenkt uns die Einsicht, selbst Veränderung zuzulassen.

Bitten wir heute: Herr, öffne meine Augen für dich und die Welt um mich.

Frage: Wo in meinem Leben brauche ich heute einen neuen Blick, um Gottes Wirken zu erkennen?

Lahme gehen

Lähmung gibt es nicht nur körperlich – auch seelisch kann man feststecken: in Angst, Schuld oder Hoffnungslosigkeit.
Jesus spricht auch in solche Lähmungen hinein: „Steh auf, geh deinen Weg!“
Er schenkt Bewegung, wo alles stillstand, und neuen Mut, wo wir aufgegeben hatten.
Seine heilende Kraft ermutigt uns, Schritte zu wagen – vielleicht kleine, aber in die richtige Richtung.
Vertraue heute neu: Der, der Lahme zum Gehen bringt, kann auch dich wieder in Bewegung setzen.

Frage: Wo in meinem Leben wünsche ich mir, dass Gottes heilende Kraft mich wieder in Bewegung bringt?

Aussätzige werden rein

Aussatz trennte Menschen – von Gemeinschaft, von Nähe, von allem Gewohnten.

Auch heute kennen wir das Gefühl, "unrein" zu sein: nicht genug zu sein, schuldig zu sein, ausgeschlossen zu werden.

Doch Jesus berührt den Ausgestoßenen. Er sagt nicht "Bleib weg", sondern "Sei rein!" Seine Liebe überwindet Grenzen, seine Gnade stellt wieder her.

Was auch immer dich trennt – bei ihm darfst du wissen: Du bist angenommen, du bist geheilt. Heute neu.

Frage: Wo erfahre ich heute, dass Jesu Berührung auch mein Herz rein und frei macht?

Taube hören

Es gibt Zeiten, da hören wir nichts mehr – nicht Gottes Stimme, nicht den Trost anderer, nicht einmal unsere eigene Hoffnung.

Jesus spricht in diese Taubheit hinein. Seine Stimme ist leise, aber voller Leben. Sie durchbricht selbst das Schweigen der Verzweiflung.

Vielleicht brauchst du heute nicht viele Worte – nur eines: „Fürchte dich nicht.“ Höre hin. Vielleicht spricht er genau jetzt. Und plötzlich merkst du: Ich bin gehört – und ich kann wieder hören.

Frage: Wann hast du zuletzt gespürt, dass Gott durch dein Schweigen zu dir spricht?

Tote werden auferweckt

Manches in uns ist wie tot: Träume, Beziehungen, Vertrauen.

Aber Jesus ist der, der Tote auferweckt – nicht nur am letzten Tag, sondern auch mitten im Leben. Was tot erscheint, kann durch ihn neues Leben finden.

Vielleicht ist da etwas, das du längst begraben hast. Leg es heute neu in seine Hände. Er sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Und was er berührt, beginnt neu zu atmen. Auch in dir.

Frage: Wo in deinem Leben sehnst du dich danach, dass Jesus etwas Verlorenes oder Erstorbenes neu zum Leben erweckt?

Armen wird das Evangelium verkündigt

Die Armen – materiell, aber auch die innerlich Leeren – sie stehen oft übersehen am Rand. Doch Jesus beginnt genau dort. Sein Evangelium ist keine Nachricht für die Starken, sondern für die, die wissen, dass sie es brauchen.

Er kommt zu denen, die wenig haben – und gibt ihnen alles. Trost. Würde. Hoffnung.

Heute darfst du wissen: Wenn du arm bist an Kraft oder Mut – seine gute Nachricht gilt dir. Gerade dir.

Frage: Wo in deinem Leben spürst du deine eigene Armut – und wie könnte dort Raum für Gottes Fülle entstehen?

​Vers 6 Selig, wer nicht anstößt

Mt 11,6: Glückselig ist, wer nicht Anstoß nimmt an mir!

Wer nicht Anstoß nimmt an mir!

Diese Worte Jesu richten sich an die Jünger des Johannes, die zweifeln, ob Jesus wirklich der Messias ist. Jesus fordert sie auf, nicht an ihm Anstoß zu nehmen, sondern ihm zu vertrauen. Er verweist auf seine Wunder und sein Wirken als Zeichen des Reiches Gottes.

Die Aussage betont, dass der wahre Glaube keine eigenen Erwartungen an Jesus stellt, sondern ihn annimmt, wie er ist. Wer sich nicht über Jesu Demut, seinen Weg des Leidens und seine unkonventionelle Mission empört, sondern ihm vertraut, wird selig.

Diese Botschaft bleibt aktuell: Glaube fordert Demut und Vertrauen, auch wenn Gottes Wege anders sind als erwartet.

Frage: Wie offen bin ich dafür, Gottes Wege zu vertrauen, selbst wenn sie meinen Vorstellungen widersprechen?

Vers 7 Zeugnis über Johannes

‭Mt 11,7: Als aber diese unterwegs waren, fing Jesus an, zu der Volksmenge über Johannes zu reden: Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen zu sehen? Ein Rohr, das vom Wind bewegt wird?‭

Johannes, ein standhafter Prophet

Diese rhetorische Frage deutet darauf hin, dass Johannes der Täufer kein schwankender, unsicherer Mensch war, sondern ein standhafter Prophet. Die Auslegung zeigt, dass Jesus Johannes als starken, entschlossenen Boten Gottes präsentiert.

Er war kein Mann, der sich den Meinungen der Menschen anpasste oder sich von äußeren Umständen beeinflussen ließ. Diese Worte ermutigen Gläubige, in ihrem Glauben standhaft zu bleiben, unabhängig von äußeren Widerständen.

Johannes war nicht nur ein Prophet, sondern der Wegbereiter des Messias – eine entscheidende Figur im göttlichen Heilsplan.

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens kannst du mehr Standhaftigkeit zeigen, um deinem inneren Ruf zu folgen?

Vers 8 Kein Mann in weichen Kleidern

Mt 11,8: Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen, mit weichen Kleidern bekleidet? Siehe, die, welche weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige!

Vorbild des Johannes des Täufers

Weder eine gut ausgestattete Garderobe noch reichhaltiges Essen gehörten zum Leben des Täufers. Er wohnte in der Wüste und besaß so gut wie nichts. Und doch besaß er mehr als alle anderen. Die Menschen spürten das und kamen in Scharen zu ihm.

Er fand zum Leben, indem er auf das Nötige zum Leben verzichtete. Das wahre Leben, das von Gott kommt und Gott ist, erschließt sich uns besonders in der Bedürftigkeit und Schwäche.

Wie sollen wir erkennen, dass wir völlig auf Gott angewiesen sind, wie bemerken, dass unsere Seele ihn braucht wie die Luft zum Atmen? Wer materiell im Überfluss lebt, ist dadurch oft wie betäubt und erkennt nicht den großen Mangel seiner Seele.

Materielle Bedürftigkeit hilft uns, den Blick auch auf die seelischen Nöte zu richten. Jesus sagt ja: Selig, die arm sind vor Gott.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens spüre ich echte Bedürftigkeit, und wie könnte sie mich näher zu Gott führen?

Vers 9 Mehr als ein Prophet

Mt 11,9: Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja, ich sage euch: einen, der mehr ist als ein Prophet!

Mehr ist als ein Prophet!

Matthäus 11,9 bezieht sich auf Johannes den Täufer und stellt ihn als einen Propheten dar, der sogar mehr ist als ein Prophet. Jesus hebt hervor, dass Johannes nicht nur zukünftige Ereignisse voraussagt, sondern als direkter Vorläufer des Messias eine einzigartige Rolle spielt. Er erfüllt die Prophezeiung aus Maleachi 3,1 und bereitet den Weg für Jesus.

Diese Aussage betont Johannes’ hohe Stellung in der Heilsgeschichte. Er ist nicht nur ein gewöhnlicher Prophet, sondern der angekündigte Bote Gottes. Gleichzeitig relativiert Jesus dies später, indem er sagt, dass der Geringste im Himmelreich größer ist als Johannes (Mt 11,11). Damit verdeutlicht er den Unterschied zwischen der alten Ordnung der Propheten und der neuen Heilszeit durch Christus.

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben den Übergang von alten Mustern zu einer neuen, heilvollen Ausrichtung erkennen und gestalten?

Vers 10 Der bereite Wegbereiter

Mt 11,10: Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.

Der Bote Johannes der Täufer

Ein Prophet wird von Gott erwählt, um das Volk zur Bekehrung zu rufen. Es sollte zum Leben der Gebote zurückkehren, gemäß dem Bund, den es mit Gott geschlossen hat. Aber ohne es zu wissen, haben die Propheten noch mehr getan: Sie haben auf Jesus hingewiesen. Die fünf Bücher des Mose schreiben über Jesus, ja sogar die gesamte Heilige Schrift. Es ist interessant, das Alte Testament zu lesen und darin Hinweise auf Jesus zu suchen.

Johannes hatte die besondere Berufung, noch mehr zu tun, als nur aus der Ferne auf Jesus hinzuweisen. Er durfte direkt auf ihn weisen und ihm den Weg bereiten. Die Befolgung seiner Botschaft der Umkehr macht uns Menschen bereit für eine echte, innerliche Begegnung mit dem Erlöser.

Bertalan Egervári

Frage: In welchem Bereich deines Lebens spürst du den Ruf zur Umkehr, der dich näher zu einer innerlichen Begegnung mit dem Göttlichen führen könnte?

Jesus braucht auch uns als Boten

Unser Leben erfahren wir dann als lebenswert, wenn wir eine sinnvolle Aufgabe haben, wenn wir wissen, wozu wir da sind, wozu unser Leben gut ist.

Eine christliche Aufgabe ist es, Bote und Wegbereiter Jesu in unserer Zeit zu sein. Christ sein ist keine Fertigkeit, die biologisch weitergegeben wird. Jede Generation muss neu dafür gewonnen werden.

Jesus braucht daher Wegbereiter und Boten, er braucht dich!

Peter Hahne sagt: Die Welt braucht keine Angstmacher, sondern Hoffnungsboten.

Frage: Welche Rolle kannst du heute übernehmen, um Hoffnung und Licht in das Leben anderer zu bringen?

Vers 11 Größe im Himmelreich

Mt 11,11: Wahrlich, ich sage euch: Unter denen, die von Frauen geboren sind, ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer; doch der Kleinste im Reich der Himmel ist größer als er.

Johannes, der Große

Warum sagt Jesus, dass Johannes der Größte gewesen war? Natürlich stammt alles, was Johannes war und vermochte, aus Gottes Gnade. Schon im Schoß seiner Mutter Elisabet war er erfüllt von seiner Sendung als Prophet und Wegbereiter des Messias. Und er war dieser Berufung treu bis zum Ende.

Nicht nur mit Worten hat er ohne Angst oder Menschenfurcht die Ankunft des Messias verkündigt, sondern ihn auch mit der richtigen Einstellung empfangen. Sein ganzes Leben, alle seine Gesten standen im Einklang mit seinen Worten. In Johannes gab es keine Heuchelei, kein Doppelleben. Er war ein Mann, der nur für Gott lebte.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens kann ich heute lernen, so authentisch und treu in meiner Berufung zu sein wie Johannes?

Was macht die Größe des Johannes aus?

Und muss ich genauso werden wie er, mich in die Wüste zurückziehen, mich in Kamelhaare kleiden und mich von wildem Honig ernähren?

Die eigentliche Größe des Johannes besteht darin, dass er sich nicht selbst predigt, gar nicht selbst die Botschaft ist. Wie es auf einem Bild auf dem Isenheimer Altar dargestellt ist, verweist alles von ihm auf Jesus.

Für mich bedeutet das, dass ich in jeder Kleidung, in jeder Lebenssituation, in jedem Stand Johannes nacheifern kann … so lange mein Leben auf Jesus verweist. Und vielleicht fiele mir Letzteres sogar schwerer, als äußerlich so zu sein wie Johannes?

Darum ist er der Größte.
Felix Honekamp

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag sichtbar auf das verweisen, was mir wirklich wichtig ist, ohne dass ich selbst im Mittelpunkt stehe?

Vers 12 Stürmen des Reiches

Mt 11,12: Aber von den Tagen Johannes des Täufers an bis jetzt leidet das Reich der Himmel Gewalt, und die, welche Gewalt anwenden, reißen es an sich.‭

Mt 11:12: Von der Zeit Johannes des Täufers an bis heute wird das Reich, in dem der Himmel regiert, mit Macht erstürmt und die Menschen drängen sich mit aller Gewalt hinein.

Mögliche Deutung

Der Vers ist oft schwer zu interpretieren. Diese Worte könnten bedeuten, dass das Reich Gottes nur durch starken Eifer, Hingabe und eine Art geistlichen Kampf gewonnen wird. Diejenigen, die das Himmelreich anstreben, müssen entschlossen und leidenschaftlich sein.

Es könnte auch auf die Tatsache hindeuten, dass das Kommen des Himmelreichs von Widerständen und Konflikten begleitet ist. Die Botschaft Jesu stieß auf Widerstand, und es bedarf großer Kraft, um das Reich Gottes in einer Welt zu etablieren, die oft gegen die Gerechtigkeit Gottes steht.

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens spürst du den Ruf, mit Entschlossenheit und Hingabe für das Gute einzutreten?

Dem Himmelreich wird Gewalt angetan

Das ist an dieser Stelle sicher ein Hinweis darauf, was mit Johannes passiert, was mit Jesus passieren wird, und was auch in unserer Zeit noch immer passiert: Jesu Verkündigung des Himmelreichs wird allzu oft nicht angenommen, sie wird abgelehnt oder so verfälscht, dass man die Botschaft leichter ertragen kann.

Aber was das Himmelreich ist und wie ich es erreiche, erfahre ich nur durch das Leben Jesu, durch die Kirche, die Sakramente und das Gebet. Es gibt keinen "billigeren" Weg in den Himmel als den der Nachfolge.

Aber bevor ich mit dem Finger auf andere zeige: Wo tue ich dem Himmelreich auf diese Art Gewalt an?
Felix Honekamp

Frage: Wo in meinem Leben lehne ich vielleicht unbewusst das Himmelreich ab oder verzerrte seine Botschaft, und wie kann ich offener für seine Wirklichkeit werden?

Vers 13 Propheten bis Johannes

Mt 11,13: ‭Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis hin zu Johannes.‭

Johannes, der Schwellen-Prophet

Diese Aussage Jesu betont, dass das Gesetz, die Tora, und die Propheten bis zu Johannes dem Täufer auf das Kommen des Messias hingewiesen haben. Johannes steht an der Schwelle zwischen dem Alten und dem Neuen Bund – er ist der letzte Prophet der alten Zeit und zugleich der Vorläufer Jesu.

Mit ihm erreicht die alttestamentliche Prophetie ihr Ziel, denn in Jesus erfüllt sich, worauf sie hingewiesen hat. Die Aussage verdeutlicht zudem, dass mit Johannes eine Zeitenwende beginnt: Das Reich Gottes bricht an.

Damit fordert Jesus seine Zuhörer heraus, sich diesem neuen Heilswirken zu öffnen und nicht an alten Erwartungen festzuhalten.

Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leben eine Einladung, alte Vorstellungen loszulassen und Raum für etwas Neues zu schaffen?

​Vers 14 Elias ist gekommen

Mt 11,14: Und wenn ihr es annehmen wollt: Er ist der Elia, der kommen soll.

Mit dem Größten in Verbindung stehen

Bevor das Reich Gottes kommt – so die Prophezeiung des Alten Testaments – muss Elija kommen. Nun sagt der Herr, dass in Johannes Elija gekommen sei.

Also beginnt mit Christus das Reich Gottes sich unverhüllt zu offenbaren. Alle Propheten bis Johannes haben über diese Dinge geweissagt, Johannes hingegen wies mit dem Finger unmittelbar auf das Reich Gottes hin, weil er Jesus Christus selbst begegnet ist.

Von daher ist Johannes der Größte, weil er mit dem Größten unmittelbar in Verbindung steht.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich die Gegenwart des Göttlichen unmittelbar erfahren, und wie verändert dies meine Wahrnehmung von mir selbst und der Welt?

​Vers 15 Ruf zum Hören

Mt 11,15: Wer Ohren hat, der höre.

Wer Ohren hat, der höre!

Jesus endet diesen Abschnitt mit einem Aufruf zur Aufmerksamkeit. Diese Worte sind eine Einladung, nicht nur oberflächlich zuzuhören, sondern mit dem Herzen und in tiefem Verständnis. Tiefe Wahrheiten sollen wir erkennen: Daher fordert Jesus die Menschen auf, das geistliche und prophetische "Gewicht" seiner Worte zu erfassen.

Gefahr der inneren Taubheit

Wir alle haben Ohren, aber oft können wir nicht hören. Warum?

Brüder und Schwestern, es gibt in der Tat eine innere Taubheit, wo wir Jesus bitten können, sie zu berühren und zu heilen. Und diese innere Taubheit ist schlimmer als die körperliche, denn es ist die Taubheit des Herzens.

Von Eile getrieben, in der wir tausend Dinge zu sagen und zu tun haben, finden wir keine Zeit, innezuhalten und denen zuzuhören, die zu uns sprechen. Wir laufen Gefahr, für alles undurchlässig zu werden und keinen Raum für diejenigen zu schaffen, die es nötig haben, dass man ihnen zuhört: Ich denke dabei an Kinder, Jugendliche, ältere Menschen, viele, die nicht so sehr Worte und Predigten brauchen, sondern dass man ihnen zuhört.

Papst Franziskus

Frage: Welche inneren Stimmen oder Herzensregungen habe ich vielleicht überhört, und wie kann ich achtsamer werden, um ihnen zu lauschen?

Wer Ohren hat, der höre! 

Diese letzte Zeile enthält eine Anleitung für uns; sie sagt uns, dass wir in unserem Gebet vor allem zuhören sollen, während Gott zu uns spricht.

Umgeben von einer Flut von Worten empfinden wir das Zuhören als fremd. Vor allem sind wir nicht daran gewöhnt, uns in einen inneren und äußeren Zustand der Stille zu begeben, in dem wir für die Botschaft Gottes an uns empfänglich sind.

Beim Vernehmen der Botschaft werden wir zur Reue, zur Umkehr, zum Wachstum in der Liebe und zur erneuten Ausrichtung auf ihn hin bewogen.

Frage: Wann hast du zuletzt wirklich innegehalten, um auf Gottes leise Stimme in deinem Leben zu hören, und was hat sie dich spüren lassen?