Mt 10, 34-42 Entscheidung für Christus

Vers 34 Schwert statt Frieden

Mt 10,34: Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert!

Jesus bringt das Schwert

Worauf bezieht sich der Herr, wenn er in der Version des Lukas sagt, daß er gekommen ist, um die Spaltung zu bringen, oder laut Matthäus das Schwert?

Diese Wendung Christi bedeutet, daß der Friede, den zu bringen er gekommen ist, nicht gleichbedeutend mit einfacher Abwesenheit von Konflikten ist. Im Gegenteil, der Friede Jesu Christi ist Ergebnis eines ständigen Kampfes gegen das Böse.

Der Kampf, den durchzustehen Jesus entschlossen ist, ist nicht ein Kampf gegen Menschen oder menschliche Mächte, sondern gegen den Feind Gottes und des Menschen, Satan. Wer diesem Feind widerstehen will und dabei Gott und dem Guten treu bleibt, muß notwendigerweise Verständnislosigkeiten und manchmal richtiggehenden Verfolgungen entgegentreten.

All diejenigen, die beabsichtigen, Jesus nachzufolgen und sich kompromißlos für die Wahrheit einzusetzen, müssen deshalb wissen, daß sie Widerständen begegnen werden und gegen ihren Willen Zeichen der Spaltung unter den Menschen, sogar innerhalb ihrer Familien, sein werden.

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens spürst du den Ruf, trotz Widerstand treu zum Guten zu stehen, und wie kannst du innerlich Frieden dabei finden?

Vers 35 Entzweiung der Nächsten

Mt 10,35: ‭Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter;

Furchtloses Bekenntnis

Jünger Jesu müssen mit übler Nachrede rechnen und manchem mehr. Jesus sagte nicht, dass er seine Jünger davor bewahren würde.

Jedoch sollten sie sich nicht dadurch entmutigen lassen und furchtsam werden, stattdessen aber weiter mutig das Evangelium verkünden.

Dieses furchtlose Bekenntnis war der Grund für die Ausbreitung des Evangeliums im ganzen römischen Reich. Und es ist es auch heute noch.

Anton Stehmer

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben mutig für meine Überzeugungen einstehen, auch wenn ich auf Widerstand stoße?

Vers 36 Feinde im eigenen Haus

Mt 10,36: ‭und die Feinde des Menschen werden seine eigenen Hausgenossen sein.

Die Botschaft Christi trennt

Die Botschaft Jesu – wie sie sich in der Bergpredigt widerspiegelt – ist in der Tat eine Friedensbotschaft. Da sie jedoch den Einzelnen zu einer radikalen Hingabe an Jesus selbst aufruft, ist sie eine Botschaft des Friedens, die zwischen denen, die sie wählen, und denen, die sie ablehnen, trennt.

Vers 37 Christus zuerst lieben

Mt 10,37: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.

Jesus mehr lieben als alles andere

Im Gegensatz zum Lukasevangelium 14,26 formuliert Matthäus hier nicht, dass die Familienangehörigen „geringzuachten“ sind. Vielmehr fasst er es positiv: Jesus ist mehr zu lieben als Vater, Mutter, Sohn und Tochter.

Wer nicht in der Lage ist, sich in einem möglichen Konfliktfall gegen die Familie und für Jesus Christus und seine Botschaft zu entscheiden, der verwirkt seinen Status als Erwählter und Gesendeter („ist meiner nicht wert“).

Der Evangelist Matthäus formuliert hier offenbar auch mit Blick auf die reale Situation seiner Gemeinde die Aufforderung zu einer klaren Prioritätensetzung. Das Verkünden der Botschaft und damit das Festhalten an Jesus und seinem Wirken muss in Situationen der Bedrängnis und Auseinandersetzung immer den Vorrang bekommen.

Kristrell Köhler

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens fällt es mir schwer, klare Prioritäten für das, was mir wirklich wichtig ist, zu setzen, und wie könnte ich diese Entscheidung bewusst im Licht meines Glaubens treffen?

Prioritäten ordnen

"Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig." – Wenn Christus nur ein weiser Mensch und nicht Gott wäre, würde diese Aussage ein Zeichen von narzisstischem Größenwahnsinn sein.

Doch weil Christus Gott und damit die Quelle echten Lebens und der authentischen Freude ist, kann er mit Recht den ersten Platz in unserem Leben einfordern.

Wenn jemand von außen objektiv auf mein Leben schauen würde, könnte er erkennen, dass Christus diese absolute Priorität für mich hat? Oder gibt es versteckte Bereiche in meinem Alltag, die mir so heilig sind, dass selbst Christus sie nicht berühren darf?

Nils Benedikt Schäfer

Frage: Welche Bereiche meines Lebens halte ich so fest, dass ich Christus noch nicht vollständig vertrauen oder zulassen kann?

Prioritäten klären

Jesus will nicht Beziehungen zerstören, sondern Prioritäten klären! Er weiß: Das, was wir am meisten lieben, bestimmt unser Leben. Nachfolge bedeutet nicht, alles andere zu verachten – sondern Jesus an die erste Stelle zu setzen. Ich übergebe ganz bewusst und mit allen Konsequenzen Jesus das Steuer meines Lebens. Denn nur wenn Gott im Zentrum steht, bekommen auch alle anderen Beziehungen ihren richtigen Platz. Meinem Herrn nachzufolgen, heißt, in erster Linie Beziehung mit ihm zu leben, eine Beziehung, ja eine Liebesbeziehung, mit ihm zu haben. D.h. ich brauche täglich Zeit mit meinem Herrn. Rolf Oehmichen

Vers 38 Kreuz auf sich nehmen

Mt 10,38: Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht wert.

Tägliche Kreuze

Diese täglichen Kreuze sind die täglichen kleinen und auch großen Sorgen und Unannehmlichkeiten, das ganz normale Alltagsleben eben.

Da gibt es Aufgaben, die erledigt werden müssen, obwohl wir gar keine Lust dazu haben.

Da gibt es Menschen, denen wir begegnen müssen, obwohl wir sie gerade jetzt eigentlich am liebsten gar nicht sehen möchten.

Da gibt es Fehler, die man an sich feststellt, gegen die man immer wieder ankämpft, die einen aber trotzdem immer wieder einholen.

Da gibt es Gebrechen an Körper und Seele, die einen piesacken und ärgern, die zwar nicht lebensbedrohlich, aber doch unangenehm sind. Alles kleine Kreuze.

Für mich ein sehr hilfreicher Gedanke hierbei ist von Bonhoeffer: Man soll Gott in dem finden und lieben, was er uns gerade gibt.

Frage: Wie kann ich lernen, in meinen täglichen kleinen Kreuzen die Gegenwart und Liebe Gottes wahrzunehmen?

Bitte um Kraft, das Kreuz zu tragen

Schaut, alle kommen und wollen von ihrem Kreuz befreit werden. So wenige kommen und bitten um Kraft, es zu tragen!

Das Kreuz wird euch nicht zermalmen. Wenn es auch lastet, so gibt es Kraft und hält aufrecht.

Denken wir an das Leiden und den Tod Unseres Herrn und an sein Blut, das er für uns vergossen hat. Dann werden wir uns nicht mehr über unser Leiden beklagen.

Behüte meine Sinne und halte sie fest in der Betrachtung des leidenden Jesus, damit sie sich nicht von ihm entfernen.

O mein Jesus, möge mein Herz an Deinem durchbohrten Herzen ruhen in den Prüfungen und Schmerzen des Lebens.

Pater Pio

Frage: Wie kann ich heute mein Herz bewusst an das durchbohrte Herz Jesu lehnen und Kraft in meinen eigenen Prüfungen finden?

Mein Kreuz gehört mir! 

„Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.“
Jesus tut offenbar alles, um die Zahl seiner Nachfolger in Grenzen zu halten…

Aber seien wir ehrlich: In jedem Leben gibt es ein Kreuz. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der keines hatte – selbst wenn nach außen hin alles noch so perfekt aussah. Wer das Kreuz ignoriert, tut sich keinen Gefallen.

Nur wenn ich mein Kreuz annehme und damit so umgehe wie Jesus mit dem seinen, wird das Kreuz mein Leben „genießbar“ machen (vgl. Ex 15,23–25)! Wie ich mittlerweile weiß, aber vielleicht lange nicht wahrhaben wollte, ist mein persönliches Kreuz ein handgemachtes, maßgeschneidertes Angebot Gottes für meine Heiligung. Tauschen wollen ist keine gute Idee.

Jesus geht sogar so weit zu sagen, dass ich ihn nicht verdient habe, wenn ich mein Kreuz ablehne! An keiner anderen Stelle der Evangelien nennt Jesus so deutlich die Kriterien für die Gemeinschaft mit ihm:

  • das eigene Kreuz nehmen und ihm nachfolgen,
  • ihn an die erste Stelle in meinem Leben setzen.

Beate Scheilen

Frage: Wie kann ich mein persönliches Kreuz als Einladung Gottes annehmen und darin seine Liebe entdecken?

Jesus hilft das Kreuz zu tragen

Jeder Mensch steht vor Herausforderungen: eine Krankheit, familiäre Probleme, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz u.a. Manchmal zeigt sich das Kreuz auch in Zügen der eigenen Persönlichkeit oder in der Persönlichkeit anderer, die wir nur schwer ertragen können, oder auch in Fehlern oder Niederlagen im Kampf, die uns beschämen. Doch der Herr lässt uns nicht im Regen stehen, sondern nimmt uns an der Hand und hilft uns, diese Schwierigkeit oder jenes Ungenügen zu umarmen, so wie er zusammen mit Simon von Cyrene das Kreuz umarmt hat.

Christus hat das Kreuz verwandelt und vom Schandholz zum Triumphmal gemacht. In ihm findet sich unser Heil, unser Leben, unsere Auferstehung.

Vers 39 Leben verlieren und finden

Mt 10,39: Wer sein Leben findet, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden!

Massive Worte

Jesus wählt die Worte derart massiv und absolut, weil er weiß, dass sich unser menschliches Ego viel zu häufig auf Rollen und ausgetüftelte Selbstbilder fixiert. Er möchte uns unmissverständlich klar machen, dass all dies vergängliche Konstrukte sind.

Das Wesen dieser Welt vergeht. Diese Fixierungen müssen sterben und ja, sie sterben nicht leicht, weil wir sie zu oft für unser wahres Selbst halten.

Wenn diese Fixierungen sterben, bevor wir leiblich sterben, dann begegnen wir dem Einssein mit Gott, dann treten wir schon jetzt ein in das ewige Leben in Jesus Christus, dann können wir bekennen.

Frage: Welche Rollen und Selbstbilder in deinem Leben hindern dich daran, dein wahres Selbst in Gottes Licht zu erkennen?

Der Jünger lebt in einem Paradoxon

Er kann das Leben nur finden, indem er es verliert, und er kann nur leben, indem er stirbt.

Das Auferstehungsleben kann nur kommen, nachdem wir unser Kreuz auf uns genommen haben, um Jesus nachzufolgen.

Warum willst du deine Seele nicht verachten? Weil du sie liebst? Gerade darum verachte sie und du wirst ihr am meisten nützen.

Frage: Welche Anteile deiner selbst müsstest du loslassen, um wahres Leben zu erfahren?

Und wer seine Seele um meinetwegen verliert, findet sie

Das heißt: Wer dieses zeitliche Licht und seine Liebe und Vergnügungen zur Zeit der Verfolgung wegen des Bekenntnisses meines Namens verachtet, wird das ewige Heil seiner Seele finden.

Wenn also der Gewinn der Seele zum Tode, und ihr Verlust zum Heile gereicht, so wird durch den Verlust des kurzen Lebens der Reichtum der Unsterblichkeit gewonnen.

Goldene Perle

Frage: Welche vergänglichen Dinge in meinem Leben halte ich noch so fest, dass sie mich davon abhalten, das ewige Heil meiner Seele zu erkennen?

Radikal frei

Letztlich will uns Christus nichts von dem nehmen, was unser Leben wirklich lebenswert macht. Oft hängen vielmehr wir unser Herz an Dinge, welche sie innerlich leer machen. Genau davon will Christus uns frei machen.

Ignatius von Loyola erkannte dies, als er schrieb, dass wir die Dinge dieser Welt insoweit lieben sollen, wie sie uns helfen, Gott näher zu kommen. Alles, was wir in unserem Leben anstreben und suchen, was letztlich nicht auf Gott ausgerichtet ist, wird uns vom echten Leben in Christus entfernen.

Daher meint Jesus also nicht, dass wir unsere Eltern oder unsere Kinder nicht lieben sollen. Ja, wir sollen sie lieben, sogar mit ganzem Herzen, aber gleichzeitig sollen sie kein Hindernis für unsere Beziehung zu Gott sein.

Unsere Beziehungen sollten letztlich auf Gott, das heißt die Fülle der Liebe, ausgerichtet sein und nicht nur auf unsere Selbstgenügsamkeit abzielen.

Frage: Welche Bindungen in meinem Leben könnten mich daran hindern, die Fülle der Liebe Gottes wirklich zu erfahren?

Vers 40 Aufnahme der Boten

‭Mt 10,40: Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.‭

Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf

In diesem Vers betont Jesus die enge Verbindung zwischen ihm, seinen Jüngern und Gott. Wer die Jünger willkommen heißt, nimmt damit Christus selbst auf und durch ihn auch Gott.

Dies unterstreicht die Bedeutung der Jüngerschaft: Sie sind nicht nur Boten, sondern tragen die Gegenwart Jesu in die Welt. Zugleich fordert der Vers Gastfreundschaft und Offenheit gegenüber den Gesandten Christi. Wer sie ablehnt, weist letztlich Gott zurück.

Damit betont Jesus, dass der Umgang mit seinen Jüngern direkten Einfluss auf die Beziehung zu Gott hat. Die Aussage ermutigt zur Annahme des Evangeliums und zeigt die göttliche Autorität hinter der Sendung der Jünger.

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag die Gegenwart Christi durch mein Verhalten gegenüber anderen sichtbar machen?

Vers 41 Lohn der Propheten

‭Mt 10,41: Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, der wird den Lohn eines Propheten empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt, weil er ein Gerechter ist, der wird den Lohn eines Gerechten empfangen;‭

Bedeutung der Gastfreundschaft

Diese Worte betonen die Bedeutung der Gastfreundschaft und Anerkennung von Gottes Gesandten.

Wer einen Propheten oder Gerechten mit Respekt behandelt, nimmt am Segen teil, den Gott für sie bereithält. Der Vers zeigt, dass Gottes Belohnung nicht nur den Gesandten selbst gilt, sondern auch denen, die sie unterstützen.

Er ermutigt Gläubige, Diener Gottes wohlwollend aufzunehmen und damit selbst Anteil am göttlichen Wirken zu erhalten. Dies unterstreicht das Prinzip, dass Gott Treue und Unterstützung für sein Werk großzügig belohnt.

Frage: Wo in meinem Leben kann ich offener werden für die Begegnung mit Gottes Gesandten und so selbst am göttlichen Wirken teilhaben?

Vers 42 Becher Wasser belohnt

Mt 10,42: ‭Wer einem dieser Geringen auch nur einen Becher mit kaltem Wasser zu trinken gibt, weil er ein Jünger ist, wahrlich, ich sage euch, der wird seinen Lohn nicht verlieren!‭

Wert eines Becher Wassers

Was könnte unbedeutender erscheinen, als einer Person eine Tasse kaltes Wasser zu geben ? In kurzer Zeit werden sie wieder durstig sein. Doch selbst eine so kleine Geste wird immer in Erinnerung bleiben und von Gott belohnt werden. Sie werden auf keinen Fall ihre verlieren Lohn verlieren.

Sind Christen Altruisten? 

Was ist schon ein Becher kaltes Wasser? Eine Bagatelle, zumindest für uns. Und trotzdem sagt Jesus, dass derjenige belohnt werden wird, der dem unbedeutendsten seiner Jünger einen Schluck Wasser zu trinken gibt.

Das entspricht wohl kaum den üblichen Gepflogenheiten im Geschäftsleben, wo für Lohn auch hart gearbeitet werden muss. Jesus stellt hier eines ganz klar heraus: Wir müssen als Christen nicht in dem Sinne altruistisch eingestellt sein, dass wir vollkommen absichtslos handeln!

Hier kommt das Wort „Sammelt euch Schätze im Himmel“ zum Tragen. Selbst Gott verlangt von uns nicht, dass wir gut sind um eines abstrakten Prinzips des Gutseins willen, so als ob es keine Gerechtigkeit mehr gäbe, also ohne irgendetwas dafür zu erwarten!

Ja, den Jünger Jesu erwarten Schwert und Kreuz – aber auch ein Lohn, der alles übertrifft, was wir uns in dieser Welt vorstellen können!

Beate Scheilen

Frage: Wo in meinem Leben gebe ich – vielleicht ganz unscheinbar – einen „Becher kaltes Wasser“, und wie spüre ich darin etwas vom himmlischen Lohn?

Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Mt 10. Kap.

Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Matthäus Evangelium Mt 10.  Kap.

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