Mk 7, 31-37 Heilung eines Taubstummen
Inhaltsverzeichnis
Vers 31-32 Taubstummer wird gebracht
Mk 7,31: Und er verließ das Gebiet von Tyrus und Zidon wieder und begab sich zum See von Galiläa, mitten durch das Gebiet der Zehn Städte.
Mk 7,32: Dort wurde ein Mann zu ihm gebracht, der taub war und kaum reden konnte.
Zur Heilung
Schlicht, einfach und doch tiefgehend beginnt die Heilung damit, dass Menschen den Taubstummen zu Jesus bringen. Ich kann Personen zu Jesus führen, die mir am Herzen liegen. Tun wir es auch nicht immer im gesprochenen Wort und der Tat, so können wir es immer und überall im Gebet vollziehen.
Bewundern wir den Glauben, den diese Menschen hatten, dass Jesus ihn heilen wird. Jesus ist alle Macht auf der Erde und dem Himmel gegeben. Das ist unser Glaube.
Zuletzt: Immer wieder sind wir auch in der Position des Taubstummen, wo wir auf andere Menschen und ihre Wegweisung angewiesen sind. Lasst uns dann unseren Stolz ablegen und wegweisende Hilfe annehmen.
Der Mann steht als Bild für uns, wenn wir uns in Situationen befinden, in denen die zwischenmenschlichen Fronten verhärtet sind, wir unfähig geworden sind, den anderen hörend wahrzunehmen, noch sprachlich einen Zugang zu ihm zu finden. So viele Gründe können zu so einer Situation führen: Enttäuschungen, Trauer, Trennung, Verbitterung durch erlittenes Unrecht, das Gefühl, nicht geliebt zu sein oder nicht ernst genommen zu werden, Sorgen und lähmende Ängste und vieles mehr.
Die Meditation über diese Heilung kann in unserer Seele nur dann wirken, wenn wir den Brückenschlag zu unserem eigenen Leben finden, wo wir taub und stumm waren bzw. sind. Was macht mich verschlossen gegenüber meinem Nächsten? Was sind die Gründe meiner Verschlossenheit Jesu gegenüber?
Frage: Wo in meinem Leben bin ich bereit, meinen Stolz abzulegen und mich für heilende Wege öffnen zu lassen?
Mk 7,32: Sie baten ihn, ihm die Hand aufzulegen.
Fürbitte
Dies war ein weiteres Beispiel für Fürbitte. Die Freunde dieses bekümmerten Mannes kamen und brachten seine Not zu Jesus.
Zur Nähe
Nähe setzt gegenseitige Offenheit voraus. Nähe entsteht, wenn ich Jesus wie auch den Nächsten innerlich an mich heranlassen kann. Dazu braucht es Vertrautheit, Achtsamkeit und nicht zuletzt Mut, denn das sich Öffnen für Berührung macht auch verletzlich. Eines ist gewiss: Jesus Berührungen sind heilsam. Seine Nähe schenkt neue Lebenskraft.
Unser Glaube an Jesus ist keine abstrakte Idee, sondern im tiefsten Kern diese gegenseitige Berührung. Da wir ein Leib sind, sind auch die Berührungen unter uns Menschen wichtig. Wo wirst du berührt? Welcher Mensch berührt dich?
Ganz konkret: beim Verabschieden, bei einer Begrüßung, beim Trösten und vielem mehr. Durch einen herzlichen Händedruck, ein aufmunterndes Schulterklopfen, eine liebevolle Umarmung. Die Hand halten, jemanden in den Arm nehmen, über den Kopf oder den Rücken streicheln. All das tut gut, all das tröstet und ermutigt, es ist helfend, heilend, befreiend.
Frage: Welche Berührung, sei sie körperlich oder emotional, lässt dein Herz am meisten spüren, dass du wirklich lebendig und verbunden bist?
Vers 33 Finger in die Ohren
Mk 7,33: Er nahm ihn beiseite, weg von der Volksmenge.
Er nahm ihn beiseite
Er hat alle Zeit der Welt für mich. Ich erfahre, wie kostbar, wie wichtig ich für Jesus bin.
Er nimmt mich weg vom Gerede, dem Urteilen und Verurteilen. Er nimmt mich weg vom Lärm der Welt und führt mich in die Stille.
In der Stille erfahren wir, wie laut es in uns ist, wie viel Unruhe es in uns gibt. Jesus will mir die Stellen enthüllen, die am meisten krank sind. Es geht mir auf, wie notwendig ich seine Berührung habe.
In der Stille erfahren wir, dass wir selbst jener Taubstumme sind. Im Gebet bin ich mit Jesus alleine, spüre seine heilende Nähe und seine wohltuende Gegenwart.
Frage: Welche inneren Stimmen oder Unruhen darf ich heute in der Stille bewusst wahrnehmen, um Heilung und Frieden zu erfahren?
Mk 7,33: Er legte seine Finger in seine Ohren.
Finger in seine Ohren
Jesus berührt mich, um zu lockern, was festgefahren ist, um zu lindern, was schmerzt, um zu heilen, was verwundet ist. Wo der Mensch leidet, erfährt er durch die Berührung Heilung.
Lasst uns immer unsere Sorgen, unseren Schmerz, unsere Ängste, unsere wunden Stellen, unsere Verletzungen Gott hinhalten, damit er sie heilsam berühre durch sein Wort.
Wir sind oft so mit uns selbst beschäftigt, dass wir überhören, wenn Gott spricht. Wir müssen lernen, nach innen zu hören, auf die leise Stimme Gottes in unserem Herzen, in seinem Wort, in den Begegnungen mit den Menschen und in den Geschehnissen des Alltags.
Gott spricht viel mehr, als wir meinen! Und er spricht immer heilend.
Frage: Welche Stellen in meinem Leben darf ich heute bewusst Gott hinhalten, um Heilung und Frieden zu erfahren?
Mk 7,33: Er berührte seine Zunge mit Speichel.
Zunge mit Speichel
Hier geschieht etwas ganz Intimes, etwas, was man sich nur zwischen Liebenden vorstellen kann. Im liebenden Berühren übertragen sich Kräfte auf den anderen Menschen.
Das ist keine Zauberhandlung oder sonst was. Dies ist eine zärtliche Geste, eine intime Nähe, fast wie ein Kuss, äußerste Intimität.
Er löst seine Zunge. Er befreit ihn von seinen Fesseln. Wenn wir selbst nicht stumm bleiben wollen, müssen wir die Begegnung mit Jesus suchen, um aus seinen Händen alles zu empfangen.
Er wandelt uns, so dass echte Kommunikation möglich wird.
Frage: Wo in meinem Leben sehne ich mich nach einer solchen transformierenden Nähe, die mich öffnet und heilt?
Vers 34 Seufzer: Effata! Öffne dich!
Mk 7,34: Dann blickte er zum Himmel auf, seufzte und sprach zu ihm: Ephata!, das heißt: Tu dich auf!
Effata! Öffne dich!
Jesus sieht die Not unten und wendet sich für uns zum Himmel oben, also zum Vater, und schöpft Kraft für sein Tun. Er bindet sein Handeln und Wirken an den Willen des Vaters zurück – welch geheimnisvolle Einheit!
Jesus möchte auch unseren Blick zum Himmel lenken und uns in diese Einheit hineinziehen. Dadurch klären sich Dinge, das Leben ordnet sich, Wandlung geschieht. Schweres wird leichter, Bitteres verliert seinen herben Geschmack, ins Dunkel kommt Licht. Das Herz wird weit.
Und auf einmal können wir vielleicht wieder neu ja sagen zu unserem Leben. Wir spüren: Es ist gut, wie es ist, denn Gott ist da. Er ist immer bei mir. Ich weiß mich gehalten und finde darin Ruhe und Sicherheit.
Frage: Welche Situationen in meinem Leben laden mich ein, meinen Blick bewusst nach oben zu richten und Gottes Gegenwart zu spüren?
Blickte er zum Himmel
Aber wir dürfen eins nicht vergessen, was der Herr getan hat: zum Himmel blicken! Auch dann, wenn Not seinen Weg kreuzte. Folgen wir ihm darin, werden wir davor bewahrt bleiben, dass aus Seufzen ein Murren wird.
Wenn uns etwas schwer auf dem Herzen liegt, seufzen wir. Dies kann so viel sein: schwere Beziehungen, Krankheiten und vieles mehr. Jesus seufzt über mich, weil ich ihm am Herzen liege.
Jesus kämpft um mich, damit ich mich wirklich für Gott entscheide, damit ich frei werde von Fesseln, von falschen Abhängigkeiten, von verkehrten Anhänglichkeiten und Neigungen, die dem gelebten Evangelium widersprechen.
Jesus kämpft um mich, damit ich ausbreche aus meinen inneren Gefangenschaften und Gott wirklich in mein Leben einlasse. Er kämpft mit meiner Verschlossenheit, mit meinem Stummsein, mit meiner Taubheit, damit ich mich mit allen Sinnen für Gott öffne.
Frage: Welche inneren Fesseln darf ich heute loslassen, um Raum für Gottes Gegenwart in meinem Leben zu schaffen?
Mk 7,34: Er sagte: Effata. Das heißt: Öffne dich!
Effata
Das Wort Effata muss in der Art und Weise, wie es Jesus gesagt hat, auf die Jünger mächtigen Eindruck gemacht haben. Darum verwenden sie hier bewusst das aramäische Wort, so wie es Jesus gesprochen hat.
Dieses heilige Effata ruft Jesus uns auch heute zu. Auch wenn es bei uns Situationen gibt, wo ein schützendes Verschließen notwendig ist, ist unsere Hauptrichtung die Öffnung unseres Herzens.
Jesus lädt uns ein, dies immer neu zu versuchen. Das ist die tägliche Umkehr, sich zu öffnen für einander und für Jesu Wort und Beispiel.
Wir können uns nichts Besseres wünschen, als dass Jesus auch in unser Leben tritt, uns heilend berührt und uns das befreiende Wort sagt: Effata! Öffne dich!
Frage: Welche verschlossenen Räume in meinem Herzen darf ich heute bewusst öffnen, um Heilung und Freiheit zu erfahren?
Öffne dich
Jesus hat uns das Geheimnis eines Wunders offenbart, das auch wir wiederholen können, indem wir zu Protagonisten des „Effata“ werden, jenes Wortes „Öffne dich“, mit dem er dem Taubstummen Wort und Gehör zurückerstattete.
Es geht darum, uns den Bedürfnissen unserer leidenden und hilfsbedürftigen Brüder und Schwestern zu öffnen und so Selbstsucht und das Verschließen des Herzens zu vermeiden.
Jesus ist gerade deswegen gekommen, um das Herz, das heißt den tiefen Kern der Person, zu „öffnen“, zu befreien und uns zu ermöglichen, die Beziehung zu Gott und zu den anderen in Fülle zu leben.
Er ist Mensch geworden, damit der Mensch, innerlich durch die Sünde taub und stumm, die Stimme Gottes zu hören vermag, die Stimme der Liebe, die zu seinem Herzen spricht, und so lernt, seinerseits die Sprache der Liebe zu sprechen und sie in Gesten der Großherzigkeit und Selbsthingabe zu übersetzen.
Frage: Wo in deinem Leben darf dein Herz heute ein „Effata“ erfahren und sich für die Liebe Gottes und der Mitmenschen öffnen?
Vers 35 Ohren offen, Zunge gelöst
Mk 7,35: Sogleich wurden seine Ohren aufgetan und das Band seiner Zunge gelöst und er redete richtig.
Jesus heilt
An dieser Evangelienstelle sehen wir, wie Jesus einen blinden Mann heilt: Er berührt den Kranken. Wie bei diesem Mann kommt Jesus auf dich zu und will dir helfen, wenn du es zulässt.
Hast du auch auf diese Weise Heil von ihm erfahren? Hat er auch dich schon berührt?
Es gab viele Gründe, weswegen Jesus diesem Mann nicht hätte helfen sollen: Er befand sich unter Ungläubigen, es war an einem Sabbat … Kein Grund ist für Jesus wichtig genug, um ihm seine Hilfe zu entziehen.
Das Wichtigste ist für Jesus, dass es uns einmal bei ihm gut geht und wir freier werden, um zu lieben. Brauchst du Hilfe? Fühlst du dich gefangen? Rufe Jesus an.
Alejandro Espejo
Frage: Wo in deinem Leben spürst du, dass Jesus dich berühren und dir Freiheit schenken möchte?
Jesus möchte mich befreien
Jesus hat die Macht, alle Fesseln zu zerbrechen. Er will auch mich von den Fesseln befreien, die mich daran hindern, als freies Kind Gottes zu leben.
In Jesaja 35,5 schreibt der Prophet weiter: "Habt Mut, fürchtet euch nicht, seht, hier ist euer Gott!"
Hier ist Jesus, der dich beiseite nimmt, dir persönlich begegnet, dich hörend für seine Stimme macht und dich von all deinen Fesseln befreit, damit du als freies Kind Gottes ihn und seine Frohe Botschaft verkünden kannst.
Was fesselt mich, oder hindert mich daran, als freies Kind Gottes zu leben, ihn zu verkünden? Was hindert mich daran, als erlöster Christ zu leben: die Erwartungen der anderen, Angst vor der Meinung anderer, Selbstkritik...? Welche Bande möchte ich Jesus geben, damit er sie lösen kann?
Frage: Welche inneren Fesseln darf ich heute loslassen, um freier in Gottes Liebe zu leben?
Vers 36 Redeverbot missachtet
Mk 7,36: Er gebot ihnen, sie sollten es niemand sagen. Aber je mehr er es ihnen gebot, desto mehr machten sie es bekannt.
Dynamik des Evangeliums
Hier ist schon die Dynamik des Evangeliums zu spüren, die sich dann kraft des Heiligen Geistes in der Apostelgeschichte umfassend entwickelt. Im Kern ist es doch ganz einfach: Wir glauben an Jesus. Wir erfahren, dass er uns liebt und trägt. Durch ihn ist unser Leben ein ganz anderes, ein neues Bei-ihm-sein.
Dieses Unfassbare und doch so Wirkliche drängt in seiner Freude nach draußen und will geteilt werden. Erzählen wir anderen von Jesus. Keine komplizierten Theologien, sondern schlicht das: du bist geliebt von Gott. Du bist geschaffen, um geliebt zu werden und selbst zu lieben.
Fehlt uns nicht vielleicht der Mut, zu sprechen und Zeugnis zu geben, wie es die Zeugen der Heilung des Taubstummen in der Dekapolis getan haben? Unsere Welt braucht dieses Zeugnis; sie wartet vor allem auf das gemeinsame Zeugnis der Christen.
Frage: Welche Wege kannst du heute finden, um die Liebe, die du in Jesus erfahren hast, mit anderen zu teilen?
Vers 37 Staunen
Mk 7,37: Die Menschen waren vor Staunen ganz außer sich. Wie gut ist alles, was er getan hat!, sagten sie. Er gibt sogar den Tauben das Gehör und den Stummen die Sprache wieder.
Staunen
Jesus macht die Dinge gut. Es gibt keine schlampige, oberflächliche Arbeit mit Ihm. Das gilt für die Schöpfung, aber noch viel mehr für sein Erlösungswerk.
Im Handeln Jesu haben sich die Verheißungen aus dem Alten Testament erfüllt. An mehreren Stellen wird dort verheißen, dass der Erlöser die Augen der Blinden auftut, die Ohren der Tauben öffnet, Lahme springen lässt und die Zunge des Stummen lobsingen lässt (z. B. Jes 29,18‑19; 35,5‑6; 61,1).
Frage: Wo in deinem Leben sehnst du dich nach der heilenden und befreienden Kraft Jesu?
Taubheit des Geistes
Durch seine Art zu handeln, die die Liebe Gottes, des Vaters, offenbart, heilt Jesus nicht nur die physische Taubheit. Er weist zugleich darauf hin, dass es eine andere Form der Taubheit gibt, von der die Menschheit geheilt werden muss – ja, von der sie gerettet werden soll: die Taubheit des Geistes.
Diese geistige Taubheit errichtet immer höhere Barrieren gegen die Stimme Gottes und gegen die Stimme des Nächsten, besonders gegen den Hilfeschrei der Geringsten und der Leidenden. Sie verschließt den Menschen in einem tiefen und verderblichen Egoismus, der ihn von Mitgefühl und wahrer Begegnung trennt.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens höre ich die leise Stimme Gottes oder die Not anderer noch nicht wirklich, und wie könnte ich achtsamer darauf reagieren?
Ohren und hören
Der Mann konnte nicht sprechen, weil er nicht hören konnte. Um die Ursache seines Leidens zu heilen, legt Jesus ihm erst die Finger in die Ohren, dann in den Mund, aber zuerst in die Ohren.
Wir alle haben Ohren, aber oft sind wir nicht in der Lage zuzuhören. Es gibt in der Tat eine innere Taubheit, und wir können Jesus heute bitten, sie zu berühren und zu heilen. Diese innere Taubheit ist schlimmer als die körperliche, denn es ist die Taubheit des Herzens.
Von Eile getrieben, weil wir tausend Dinge zu sagen und zu tun haben, finden wir nicht die Zeit, innezuhalten und denen zuzuhören, die zu uns sprechen. Fragen wir uns: Wie steht es um mein Zuhören? Lasse ich mich vom Leben der Menschen berühren, kann ich mir Zeit nehmen für die Menschen in meiner Nähe, um zuzuhören?
Das gilt für uns alle.
Frage: Wo spüre ich in meinem Herzen die Notwendigkeit, wirklich zuzuhören, und wie kann ich mich dafür öffnen?
Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Mk 7.Kap.
Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Markus Evangelium Mk 7. Kap.