Mk 7, 24-30 Die syrophönizische Frau
Inhaltsverzeichnis
Vers 24 Aufbruch Richtung Tyrus
Mk 7,24: Und er brach auf von dort und begab sich in die Gegend von Tyrus und Zidon und trat in das Haus, wollte aber nicht, dass es jemand erfuhr, und konnte doch nicht verborgen bleiben.
Reise nach Tyrus.
Jesus verlässt Galiläa und begibt sich nach Tyrus. Was sich für uns anhört wie „Ich fahr mal eben von Duisburg nach Oberhausen“ ist nicht nur ein besonderer Ausflug, sondern geradezu skandalös: Der Messias der Juden begibt sich ins Land der Heiden!
Warum? Nach den Auseinandersetzungen mit den Pharisäern ist es in seiner Heimat für Jesus gefährlich geworden. Er möchte wohl für eine gewisse Zeit untertauchen. Die phönizische Stadt Tyrus galt damals als der Inbegriff des Heidentums. Hier war er vor seinen Gegnern sicher, denn diese frommen Leute hätten keinen Fuß in so eine Stadt gesetzt.
Wir erinnern uns: der Kontakt mit Heiden macht Juden unrein und ist zu meiden. Jesus scheint über solchen Gedanken zu stehen.
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens spürst du einen inneren Impuls, über gesellschaftliche oder persönliche Grenzen hinauszugehen und neue Wege zu wagen?
wollte aber nicht, dass es jemand erfuhr
Während des öffentlichen Wirkens Jesu begegnen wir immer wieder demselben Muster. Der Herr zieht sich zurück, um zu beten, nachzudenken und mit seinen Aposteln allein zu sein – doch die Menschenmengen lassen ihm kaum Raum dafür.
Andere Male versucht er, unbemerkt zu bleiben, doch sein Wunsch bleibt unerfüllt. Es berührt uns, wie menschlich sein Bedürfnis nach Einsamkeit ist – und noch bewegender ist zu sehen, dass er sich den Seelen niemals entzieht.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens könnte ich Stille suchen, um gleichzeitig offen für die Bedürfnisse anderer zu bleiben?
Doch es konnte nicht verborgen bleiben
Wenn Jesus irgendwo hinkommt, geht es nicht anders – es bleibt nicht verborgen. Die Menschen merken es, die Dämonen auch.
Das bedeutet: Wenn wir mit Jesus leben, bleibt das nicht verborgen, ob wir die Wirkung sehen oder nicht.
So ist alles, was wir mit Jesus tun – arbeiten, beten, schlafen, apostolisch wirken – mit Sicherheit immer wirksam für den Aufbau des Reiches Gottes.
Ich lebe mit dem Kreuzzeichen – im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Ich bin im Namen des dreifaltigen Gottes unterwegs. Welch eine Würde! Welch ein Auftrag!
Dorit Wilke-Lopez
Frage: Wie spüre ich in meinem Alltag die stille, aber wirkende Gegenwart Gottes und welche Momente könnte ich bewusster als heilige Begegnungen wahrnehmen?
Vers 25 Mutter fleht um Hilfe
Mk 7,25: Denn eine Frau hatte von ihm gehört, deren Tochter einen unreinen Geist hatte, und sie kam und fiel ihm zu Füßen
Andacht von Papst Franziskus
Das Bewusstsein unserer Kleinheit, das Wissen um unsere Erlösungsbedürftigkeit, ist unerlässlich, um den Herrn zu empfangen – der erste Schritt, um uns ihm zu öffnen. Oft vergessen wir das.
Im Wohlstand, in Zeiten des Wohlergehens, geben wir uns der Illusion hin, autark zu sein, uns selbst zu genügen, Gott nicht zu nötig zu haben.
Wenn wir aber genau hinsehen, wachsen wir nicht so sehr dank unserer Erfolge und Besitztümer, sondern vor allem in den Augenblicken des Kampfes und der Fragilität. Dort, in der Not, reifen wir.
Das wäre ein gutes Gebet: Herr, schau auf meine Schwächen … und sie ihm aufzuzählen. Das ist eine gute Haltung vor Gott.
Frage: Welche Momente deiner eigenen Fragilität könnten dir heute den Zugang zu tieferem Vertrauen und innerer Reife öffnen?
Vers 26 Griechin bittet um Heilung
Mk 7,26: — die Frau war aber eine Griechin, aus Syrophönizien gebürtig—, und sie bat ihn, den Dämon aus ihrer Tochter auszutreiben.
Andacht von Hilarius
Diese kanaanäische Heidin bedarf selbst nicht mehr der Heilung, da sie Christus als Herrn und Sohn Davids bekennt, aber sie bittet um Hilfe für ihre Tochter, das heißt für die vielen Heiden, die unter der Herrschaft unreiner Geister gefangen sind.
Der Herr schweigt und bewahrt durch sein Schweigen den Vorzug des Heils für Israel. Dann antwortet er, das Geheimnis des Willens des Vaters in sich tragend, dass er zu den verlorenen Schafen Israels gesandt wurde, damit ganz deutlich wird, dass die Tochter der kanaanäischen Frau das Vorausbild der Kirche ist.
Es ist ja nicht so, als wenn nicht auch den Heiden das Heil zuteilwerden soll, sondern es geht darum, dass der Herr „zu den Seinen und in sein Eigentum“ (vgl. Joh 1,11) kam und die Erstlingsfrüchte des Glaubens von diesem Volke erwartete, aus dem er hervorgegangen war; die anderen sollten später durch die Predigt der Apostel gerettet werden.
Und damit wir verstehen, dass das Schweigen des Herrn mit Rücksicht auf die Zeit und nicht in der Abneigung des Willens begründet ist, fügt er hinzu: Frau, dein Glaube ist groß. Er wollte damit sagen, dass diese Frau, die ihres Heils bereits gewiss war, auch schon – was noch besser ist – zuversichtlich an die Sammlung der Heiden glaubte, an die nahende Stunde, in der diese durch ihren Glauben wie das junge Mädchen von jeder Form der Beherrschung durch unreine Geister befreit werden sollten.
Und sogleich folgte die Bestätigung dafür: Denn nachdem das Volk der Heiden in der Tochter der kanaanäischen Frau sinnbildlich dargestellt worden war, wurden Scharen von Menschen mit verschiedenen Krankheiten vor den Herrn auf den Berg gebracht (Mt 15,30). Es waren Ungläubige, das heißt Kranke, die von Gläubigen unterwiesen wurden, anzubeten und vor ihm niederzufallen; diesen Kranken wurde nun die Gesundheit wiedergeschenkt, um Gott zu erfahren, zu schauen, zu loben und ihm zu folgen.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben den Glauben und die Geduld der kanaanäischen Frau spiegeln, wenn ich für andere um Hilfe oder Heilung bitte?
Vers 27 Erst Kinder sättigen
Mk 7,27: Aber Jesus sprach zu ihr: Lass zuvor die Kinder satt werden! Denn es ist nicht recht, dass man das Brot der Kinder nimmt und es den Hunden hinwirft!
Andacht der Goldenen Perle
Der Sinn ist also, es sei nicht recht, daß die Heiden zuerst der Wohltat teilhaftig werden, die den Juden hauptsächlich verheißen wurde.
Ferner erhört sie der Herr nicht sogleich, sondern verschiebt seine Gnade, um den standhaften Glauben der Frau zu zeigen, und daß wir lernen sollten, nicht sogleich abzulassen, wenn wir beten, sondern auszuharren, bis wir es erlangen.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens übe ich Geduld im Vertrauen darauf, dass sich Gutes zur rechten Zeit entfalten wird?
Vers 28 Hunde fressen Brosamen
Mk 7,28: Sie aber antwortete und sprach zu ihm: Ja, Herr; und doch essen die Hunde unter dem Tisch von den Brosamen der Kinder!
Demut der Frau
Wenn die Frau geantwortet hätte: Wen rufst du einen Hund? sie hätte von Jesus nicht bekommen, was ihre Tochter brauchte. Ihre demütige, glaubenserfüllte Unterwerfung unter Jesus brachte den Sieg. Nichts sprach unseren gesegneten Herrn mehr an als Glaube gepaart mit Demut.
Vers 29 Gutes Wort, Geist flieht
Mk 7,29: Und er sprach zu ihr: Um dieses Wortes willen geh hin; der Dämon ist aus deiner Tochter ausgefahren!
Ihr Wille, ihre Demut, ihr Glaube
Die fremde Frau aus dem heutigen Evangelium lässt sich nicht so leicht vertrösten. Sie liebt ihre Tochter, und genau deshalb ist ihre Verzweiflung groß, ihr Wille stark und ihre Demut noch größer. Mutig tritt sie in ein Gespräch mit Jesus, nimmt die Zurechtweisung offen an und fleht zugleich um seine Hilfe. Am Ende erhält sie, was sie ersehnt.
Ihr Glaube an Jesus, ihre Demut und ihr unbeirrbarer Wille sind es, die ihr geholfen haben. Bin ich Jesus gegenüber ebenfalls so demütig und zugleich mutig, so beharrlich und eindringlich wie diese fremde Frau?
Frage: Welche Bereiche meines Lebens darf ich mit mutiger Demut und starkem Vertrauen in Gottes Führung annehmen und um Hilfe bitten?
Zu dieser Frau
Die Frau in dieser Episode zieht sich nicht beleidigt zurück, nachdem sie von Jesus wenig charmant mit den Hunden verglichen wird. Sie nimmt ihre niedrige Position einfach als Tatsache von ihm an, bleibt aber bei ihrem Ziel, dass Jesus ihre Tochter befreien soll.
Damit ist sie ein leuchtendes Beispiel für uns alle, unsere Aufgaben in der Kirche nicht mit der Wertschätzung für unsere Person zu verbinden. Manchmal höre ich bittere Bemerkungen von Ehrenamtlern über fehlenden Dank oder fehlende Bezahlung, und manch einer legt deswegen sein Amt nieder. Leider kommt man damit nicht zum Ziel.
Nur weil die Frau völlig ziel- und sachorientiert ist, erreicht sie die Heilung ihrer Tochter.
Frage: Wo in meinem eigenen Leben könnte ich mich mehr auf die Aufgabe selbst konzentrieren, statt auf die Anerkennung, die ich dafür erhalte?
Vers 30 Kind liegt gesund da
Mk 7,30: Und als sie in ihr Haus kam, fand sie, dass der Dämon ausgefahren war und die Tochter auf dem Bett lag.
Kraft des Glaubens
Die Szene betont die Kraft des Glaubens. Obwohl sie nicht zum jüdischen Volk gehörte, wurde ihre Bitte erhört. Dies verdeutlicht, dass Jesu Heilung und Rettung für alle Menschen offenstehen, nicht nur für Israel.
Außerdem zeigt der Vers, dass Jesu Wort allein genügt – er muss nicht körperlich anwesend sein, um Wunder zu wirken. Dies ermutigt Gläubige, im Vertrauen auf Gottes Wort zu leben und auf seine Macht zu hoffen, selbst wenn sie es nicht sofort sehen.
Frage: Wie könnte dein Glaube wachsen, wenn du darauf vertraust, dass Gottes Hilfe dich erreicht, auch ohne dass du sie sofort wahrnimmst?