Mk 6, 7-13 Aussendung der 12 Apostel
Inhaltsverzeichnis
Vers 7 Aussendung der Zwölf
Mk 6,7: Er ruft die Zwölf zu sich, und fing an sie auszusenden.
Jesus ruft
Er hat die Apostel berufen, und auch heute ruft er jeden von uns auf sehr persönliche Weise.
Er tut das im Bewusstsein der Realität und der Umstände, in denen jeder einzelne sich befindet. Er ruft nicht, weil er „Arbeiter“ braucht.
Der tiefste Grund für diesen Ruf ist die Liebe, die er mit uns teilen will. Es ist das, was er in seinem Herzen trägt, was ihn bewegt.
Er zieht uns damit hauptsächlich zu sich selbst, um mit uns eine Beziehung der Liebe und Freundschaft einzugehen – auf Augenhöhe.
Daniel Flores Mondragón
Frage: Wie spüre ich in meinem eigenen Leben diesen Ruf der Liebe und Freundschaft, und wie öffne ich mich ihm bewusst?
Er ruft die Zwölf und sendet sie aus
Er ruft, ja beruft auch uns, um uns zu senden. Charles Foucauld sagt, dass man eben diese Berufung nicht selbst wählt, man empfängt sie, und man muss sich anstrengen, sie zu erkennen.
Man muss der Stimme Gottes sein Ohr leihen, um die Zeichen seines Willens zu erspähen. Und ist einmal sein Wille erkannt, so muss man ihn tun, wie immer er sei, koste es, was es wolle.
Zuerst ist man nun Berufener, dann Gesandter. Wer im Namen Jesu Gesandter des Evangeliums sein will, der muss zuerst mit Jesus leben, der muss immer wieder auf ihn schauen und von ihm lernen.
Nur so ist es möglich, Gesandter Jesu Christi zu sein, Sprachrohr seiner Botschaft, Bote seiner Liebe und Werkzeug seines Friedens.
Es gehört zu deiner Berufung, das Evangelium von den Dächern zu rufen, nicht durch dein Wort, sondern durch dein Leben. Charles de Foucauld
Frage: In welchen Momenten spüre ich die leise Stimme, die mich beruft, und wie kann ich ihr mutig folgen?
Aussendung
Die Sendung von Jüngern zu den Menschen, das Weitersagen der Heilsbotschaft, ist ein Herzensanliegen Jesu. Bis in unser Heute setzt sich diese Sendung bei uns fort. Wir sind als Boten des Evangeliums unterwegs.
Bevor wir allerdings Boten sind, sind wir wie damals die Apostel Berufene, berufen bei Jesus zu sein, mit ihm zu gehen und von ihm zu lernen. Wer im Namen Jesu Bote des Evangeliums sein will, der muss zuerst mit Jesus leben, der muss immer wieder auf ihn schauen und von ihm lernen.
Nur so ist es möglich, Gesandter Jesu Christi zu sein, Sprachrohr seiner Botschaft, Bote seiner Liebe und Werkzeug seines Friedens.
Frage: Wie kann ich heute meine Schritte bewusst auf Jesus ausrichten, um seine Botschaft in meinem Leben lebendig werden zu lassen?
Mk 6,7: Er sandte sie jeweils zu zweit aus und gab ihnen Vollmacht über die bösen Geister.
Einer ist keiner
Jesus sendet seine Jünger zu zweit aus. Im Judentum galt das Zeugnis einer einzelnen Person gar nichts. Erst mit zwei oder mehr gleichartigen Aussagen galt ein Sachverhalt als bestätigt.
Darin liegt ein tiefer Sinn, auch für uns heute. Ich selbst kann mir alle möglichen Gedanken zurechtlegen darüber, was Jesus mit dieser und jener Aussage gemeint hat, oder was er wohl als Nächstes von mir möchte, und kann mich damit auch im Kreise drehen. Der Austausch mit meinen Glaubensgeschwistern hilft mir, Klarheit zu finden.
„Zu zweit gehen“ stärkt und ermutigt mich im Alltag immer wieder, vor allem, wenn ich Gefahr laufe, mich in einem Thema zu verrennen. Ein regelmäßiges kurzes Gespräch oder Telefonat mit einer vertrauten Person ist eine Möglichkeit zu Austausch, Ermutigung oder auch Korrektur.
Beate Scheilen
Frage: Mit wem könnte ich in meinem eigenen Leben regelmäßige Gespräche führen, um Klarheit und Ermutigung zu finden?
Jesus schickt die Jünger zu zweit aus
Sie sollen einander unterstützen, miteinander die Lasten tragen, Strapazen aushalten, Krisen meistern und Gefahren bestehen.
Zu zweit kann man sich auch austauschen, Probleme besprechen, sich gegenseitig anspornen. Gemeinsamkeit verleiht Stärke und Kraft. Es geht um gelebte Gemeinschaft.
Sie predigen nicht nur durch ihr Wort, sondern auch durch ihr gelebtes Beispiel, miteinander Leben zu teilen, Liebe zu üben, Geduld zu haben und verzeihen zu können.
Christen sind keine Einzelkämpfer. Wir sind ein Leib in Christus. Geschwisterlichkeit und Weggemeinschaft ist angesagt. Es gilt immer wieder das Gemeinsame suchen, im Gespräch zu bleiben, einander zu stützen und zu stärken.
P. Pius
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du mehr gelebte Gemeinschaft zulassen, um Kraft, Geduld und Vergebung zu üben?
Vers 8 Ohne Vorrat auf den Weg
Mk 6,8: Dann befahl er ihnen: Nehmt nichts mit auf die Reise außer einem Wanderstock! Ihr sollt kein Essen, keine Tasche und kein Geld bei euch haben.
Nehmt nichts mit
Diese Anweisung Jesu an die Jünger betont das Vertrauen auf Gottes Versorgung. Der Stab symbolisiert Schutz und Unterstützung auf dem Weg, während der Verzicht auf Brot, Geld und Tasche die völlige Abhängigkeit von Gott verdeutlicht.
Die Jünger sollen sich nicht auf materielle Sicherheit verlassen, sondern auf die göttliche Fürsorge und die Gastfreundschaft der Menschen, zu denen sie gesandt werden. Dies spiegelt das Ideal der Nachfolge wider: Einfachheit, Glauben und Hingabe.
Auch heute fordert uns dieser Vers heraus, unser Vertrauen nicht auf weltlichen Besitz zu setzen, sondern auf Gottes Führung und Versorgung.
Frage: Wo in meinem Leben darf ich lernen, mehr auf Gottes Versorgung zu vertrauen, statt auf meine eigenen Sicherheiten?
Vers 9 Sandalen und ein Gewand
Mk 6,9: Nur Schuhe dürft ihr tragen, aber kein zweites Hemd mitnehmen.
Wir müssen leichtes Gepäck haben
Wir müssen zwar planen, uns Gedanken machen und Dinge regeln, aber immer im Bewusstsein, das Gott alles lenkt. Dadurch erfahren wir, wie es ist, sich ganz auf die Vorsehung Gottes zu verlassen, welcher der tragende Grund des Lebens ist, gewissermaßen der Wanderstock, der unserem unsicheren Gang Halt gibt. Der Mensch denkt, Gott lenkt. Gott ist heute mit uns. Genügt das nicht?
Nehmt nichts mit
Übertragen heißt das "Nehmt nichts mit" auch: Geh zu den Menschen so wie du bist. Sei du selbst! Gib dich selbst! Sag, was du glaubst! Verstecke dich nicht hinter Rollen oder Scheinidentitäten. Sei innerlich arm und verlasse dich allein auf Gott.
Von Gott abhängig
Das Reisen mit leichtem Gepäck hielt sie von Gott abhängig. Sie mussten dem Herrn für alles vertrauen, wenn sie nicht viel mitnahmen. Wenn der Prediger Gott nicht vertraut, wie kann er dann anderen sagen, dass sie ihm vertrauen sollen?
Vertrauen auf Gott
Eine Reise ins Ungewisse zu unternehmen und überhaupt nichts mitzunehmen, ist nicht genau das, was man sich dabei vorstellen würde. Es bedeutet 100% Risiko und 0% Sicherheit.
Genau dazu fordert Jesus seine Jünger auf. Ihre Sendung soll ganz und gar übernatürlich sein. Sie müssen auf menschliche Sicherheiten und Absichten verzichten und voll und ganz auf die Vorsehung Gottes vertrauen.
Wer nie ein solches Wagnis eingeht, der kann auch das außergewöhnliche Eingreifen Gottes nicht erfahren. Erfährt man es aber doch, so fällt auch ein tieferer Glaube leichter.
Bertalan Egervári
Frage: Worin in deinem eigenen Leben könntest du mehr Vertrauen wagen und loslassen, um das Wirken Gottes bewusst zu erleben?
Vers 10 Verbleib in einem Haus
Mk 6,10: Und er sprach zu ihnen: Wo immer ihr in ein Haus eintretet, da bleibt, bis ihr von dort weggeht.
Kirche beginnt in den Häusern
Jesus schickt seine Jünger nicht zum Predigen in die Synagogen oder auf den Marktplatz. Ihre "Missionsstationen" sollen die Wohnhäuser sein. Die Familien waren also die Keimzelle für die Ausbreitung des Evangeliums. Das hat sich bis heute nicht geändert.
Die wenigsten von uns sind berufen, sonntags in der Kirche zu predigen – aber jeder von uns hat die Möglichkeit, in seiner Wohnung oder im Haus von Freunden ein Zeugnis für seinen Glauben zu geben – auch wenn es nur ein kleines ist.
Vergessen wir nicht: Laien können zu Menschen vordringen, die nie auf die Idee kämen, in die Kirche zu gehen oder mit einem Priester zu sprechen! Oder um es mit einem Buchtitel zu sagen: "Jünger leben mittendrin."
Gott vertraut mir diese Menschen an. Dabei ist klar, dass es auch Ablehnung geben wird.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Umfeld auf eine sanfte, aber wirkungsvolle Weise ein Zeugnis meines Glaubens leben?
Begegnung
Bildlich gesprochen ist jede Begegnung ein Eintreten in das Haus der Seele des anderen.
Dort zu bleiben bedeutet, wirklich von Herzen beim anderen zu sein, ihn wirklich anzuhören – in dem, was er sagt und was ihn bewegt.
Das fordert uns zuweilen. Die Nächstenliebe liegt eben nicht in schönen Worten. Sie fordert Taten. Sie fordert ein Stück von uns selbst, sind wir doch alle Arbeiter im Weinberg des Herrn.
Bedenken wir also stets, dass Jesu sich nicht allein zu unserer Heilung aufgeopfert hat, sondern auch für die anderen Seelen. Er will nun auch, dass man Ihm bei der Rettung der Seelen hilft. Dies ist sicher ein großes Wort, aber Gott beruft uns eben zu Großem.
Frage: Welche kleinen oder großen Schritte könntest du heute gehen, um bewusst am Aufbau der Seelen anderer mitzuwirken?
Vers 11 Staub von den Füßen
Mk 6,11: Und von allen, die euch nicht aufnehmen noch hören wollen, zieht fort und schüttelt den Staub von euren Füßen, ihnen zum Zeugnis. Wahrlich, ich sage euch: Es wird Sodom und Gomorra erträglicher gehen am Tag des Gerichts als jener Stadt!
Schüttelt den Staub von euren Füßen
Das Abschütteln des Staubs ist ein symbolischer Akt, der zeigt, dass die Verantwortung für die Ablehnung der Botschaft bei den Menschen selbst liegt.
Es bedeutet nicht Rache oder Verachtung, sondern verdeutlicht die Dringlichkeit der Umkehr.
Die Jünger sollen sich nicht entmutigen lassen, sondern weiterziehen. Diese Stelle ermutigt Christen, das Evangelium treu zu verkünden, aber auch loszulassen, wenn Menschen es nicht annehmen wollen.
Gott allein ist der Richter.
Frage: Wie leicht fällt es mir, Dinge oder Meinungen loszulassen, die ich nicht ändern kann, und Gott die Entscheidung zu überlassen?
Vers 12 Predigt der Buße
Mk 6,12: Dann zogen die Jünger los und forderten die Menschen auf: Kehrt um zu Gott!
Dynamik des Mitteilens
Ein wirklich innerlich angenommenes Christentum ist mit der Dynamik behaftet, dass ich davon mitteilen muss. Ich habe sozusagen etwas gefunden, wie man es richtig macht, und da kann ich nicht sagen, das reicht mir. In dem Augenblick zerstöre ich auch schon wieder den Fund.
Es ist genauso, wie wenn jemand eine große Freude hat: er muss sie irgendwie sagen und mitteilen, sonst ist es gar keine echte Freude. So ist tatsächlich die Dynamik des Weitergebens ein Bestandteil der Sendung, die Christus den Seinigen gegeben hat, und eben auch die Ermutigung zur Phantasie und zur Kühnheit, selbst mit dem Risiko, dabei etwas zu verlieren.
Benedikt XVI
Das Wenige, das wir vom Evangelium begreifen entfaltet sich in uns, sobald wir es, und sei es noch so schüchtern, weitergeben. Frère Roger
Frage: Welche Freude oder Erkenntnis in deinem Leben fühlst du so tief, dass du das Bedürfnis verspürst, sie mit anderen zu teilen, und wie könnte dies deine eigene spirituelle Reise bereichern?
Vers 13 Dämonenaustreibung und Salbung
Mk 6,13: Sie befreiten Menschen, die von bösen Geistern beherrscht waren, salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.
Gelebter Glaube beinhaltet immer auch heilende Seelsorge!
Es geht darum, die Menschen heil zu machen, sie zu befreien, von dem, was sie bedrückt, fesselt, krank und kaputt macht.
Die bösen Geister haben viele Gesichter: Richtergeist und Perfektionismus sind nur zwei davon, die ich häufig treffe. Für wen in meinem Umfeld bin ich gerufen, Seelsorge zu tun? Unter welchen bösen Geistern leidet diese Person? Wie kann ich heilen?
Es geht dabei seltenst um eine Großtat, sondern um das kleine und doch wichtige Tun: ein gutes Wort, ein Gebet für den anderen, eine gute Tat.
Jesus ist jetzt offenbar so populär geworden, dass er nirgendwo mehr hingehen kann, ohne von Menschenmengen belagert zu werden. So wie heutzutage ein berühmter Sportler oder Filmstar. Habe ich schon mal darüber nachgedacht, was es für Jesus bedeutet haben muss, keine oder nur sehr begrenzte "Zeit für sich" zu haben?
Abgesehen von den Zeiten des einsamen Gebets ist er immer für die Menschen da, die ihn aufsuchen – wo sind die eigentlich, als er gekreuzigt wird? Jetzt laufen sie ihm nach mit ihren verständlichen, aber recht eigennützigen Wünschen. Als der Moment kommt, in dem sie IHM hätten helfen können, ist keiner mehr da. Jesus wusste das – und hat sich trotzdem um sie gekümmert.
Beate Scheilen
Frage: Welche kleinen Taten der Fürsorge kann ich heute tun, um heilende Präsenz für andere zu sein, auch wenn es scheinbar niemand sieht?
Heilungsauftrag
Neben dem Auftrag zur Verkündigung werden die Jünger auch beauftragt, zu heilen. Es geht darum, die Menschen heil zu machen, sie zu befreien von dem, was sie bedrückt, fesselt, krank und kaputt macht. Die bösen Geister haben auch heute viele Gesichter.
Gelebter Glaube beinhaltet nicht nur Askese, sondern immer auch eine befreiende und heilende Seelsorge. Jesus gibt ihnen diese Vollmacht. Nicht nur ein Wort, nicht nur eine Lehre, sondern wirksame Macht empfangen die Apostel.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die Einladung, Heilung und Befreiung zu ermöglichen – für mich selbst oder für andere?
Salbung mit Öl
Daß sie mit Öl salbten, erzählt Markus allein. Denn das Öl heilt die Schmerzen und dient zum Lichte und zur Heiterkeit. Es bezeichnet aber das Öl die Barmherzigkeit der Salbung Gottes, die Heilung der Krankheit, und die Erleuchtung des Herzens, welches alles das Gebet bewirkt. Goldene Perle