Mk 6, 1-6 Unglaube in Nazareth
Inhaltsverzeichnis
Vers 1 Ablehnung in der Heimat
Mk 6,1: Und er zog von dort weg und kam in seine Vaterstadt; und seine Jünger folgten ihm nach.
Jesu Besuch in seiner Heimatstadt
Auch wenn Jesus in Bethlehem geboren wurde, kann man Nazareth dennoch als seine Heimatstadt ansehen, denn dort ist er aufgewachsen und dort hat er mit seinen Eltern gelebt.
Was mag er wohl empfunden haben? Die Menschen waren sicherlich voller Freude und neugierig, ihren Mitbürger, der inzwischen überall von sich Reden gemacht hatte, endlich persönlich zu Gesicht zu bekommen.
Sicherlich wollten sie auch die kleine Schar der Jünger, die Jesus begleitete, mustern und sich ihr Urteil über sie bilden.
Ellen Charlotte Petermann
Frage: Wie fühlt sich der Gedanke an, dass auch wir Orte oder Menschen als Heimat empfinden können, die nicht unser Ursprung sind, und was bedeutet das für meine persönliche Reise?
Vers 2 Staunen und Zweifel
Mk 6,2: Und als der Sabbat kam, fing er an, in der Synagoge zu lehren; und viele, die zuhörten, erstaunten und sprachen: Woher hat dieser solches? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist, dass sogar solche Wundertaten durch seine Hände geschehen?
Zur Situation
Viele der Anwesenden kannten Jesus persönlich – vielleicht hatte er für einige von ihnen gearbeitet, mit anderen war er befreundet. Seine Mitbürger wussten, dass er ein rechtschaffener Mann war, doch sie hatten ihn nie predigen oder Wunder vollbringen sehen. Was an jenem Tag geschah, überraschte sie zutiefst. Statt sich über seine Worte zu freuen, regte sich in ihnen Skepsis.
Über Jesus staunen
Die Liebe Jesu ist gewaltig, erfüllend und verändert Leben.
Doch wie den Einwohnern von Nazaret passiert es auch uns, dass wir uns an Jesus gewöhnen, dass er etwas Alltägliches wird und wir an unserem vorgefertigten Bild von ihm festhalten.
Wir sind nicht mehr fähig, die Hand Gottes in unserem Leben zu erkennen und über sein Wirken zu staunen. Staunen über Jesus, seine Liebe, seine kleinen Wunder im Alltag meines Lebens!
Jesus möchte uns überraschen, seine Liebe wunderbar beweisen und uns so sein Herz erfahrbar machen.
Offen zu sein für diese tiefe Begegnung mit Jesus bedeutet, mich immer wieder neu von ihm in Staunen versetzen zu lassen durch sein Wirken in meinem Leben.
Peter Hemm
Frage: In welchen Momenten meines Alltags habe ich bereits die Liebe Jesu erfahren, und wo könnte ich offener für sein Wirken sein?
Was ist das für eine Weisheit
Jesus ist in die Welt gekommen, um mit uns die Weisheit Gottes zu teilen, die tiefer reicht als alles menschliche Wissen und doch für jedes aufrichtige Herz zugänglich ist.
Der heilige Josefmaria sagte: Um wirklich weise zu sein, braucht man keine umfangreiche Bildung, denn der Herr teilt seine Weisheit mit vollen Händen an diejenigen aus, die ihn mit aufrechtem Herzen suchen.
Bitten wir den Heiligen Geist um die Gabe der Weisheit, die uns lehrt, die Wirklichkeit mit göttlichen Augen zu sehen.
Papst Franziskus mahnt: Oft betrachten wir die Dinge nach unserem Gutdünken oder nach unserer Herzenslage, mit Liebe oder mit Hass, mit Neid … Das ist nicht der Blick Gottes. Die Weisheit, die der Heilige Geist in uns wirkt, lässt uns alles mit den Augen Gottes sehen.
Frage: Wie offen bin ich dafür, die Welt und meine Entscheidungen durch die Augen Gottes zu betrachten, statt nur durch meine eigenen Gefühle und Vorstellungen?
Vers 3 Der Zimmermann
Mk 6,3: Ist dieser nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria, der Bruder von Jakobus und Joses und Judas und Simon? Und sind nicht seine Schwestern hier bei uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm.
Mk 6,3: So kam es, dass sie ihn ablehnten.
Ist das nicht der Zimmermann?
Das war kein Kompliment. Es war eine Art, darauf hinzuweisen, dass Jesus keine formelle theologische Ausbildung hatte. Er war nie ein formeller Schüler eines Rabbiners, geschweige denn ein prominenter Rabbi.
Der Sohn der Maria
Auch das war kein Kompliment. Der Zusatz der Sohn der Maria ist wahrscheinlich abwertend. Es widersprach dem jüdischen Brauch, einen Mann als Sohn seiner Mutter zu bezeichnen, selbst wenn sie Witwe war, außer in beleidigenden Ausdrücken.
Andacht von Franziskus
Die Mitbürger Jesu erkennen ihn letztendlich nicht und glauben nicht an ihn. Warum? Was ist der Grund dafür?
Wir können mit wenigen Worten sagen, dass sie den Skandal der Menschwerdung nicht akzeptieren. Sie kennen es nicht, dieses Geheimnis der Menschwerdung, und sie akzeptieren das Geheimnis nicht.
Sie wissen es nicht, aber der Grund ist ihnen nicht bewusst, und sie finden es skandalös, dass sich die Unermesslichkeit Gottes in der Kleinheit unseres Fleisches offenbaren soll, dass der Sohn Gottes der Sohn des Zimmermanns ist, dass die Gottheit in der Menschheit verborgen ist, dass Gott im Antlitz, in den Worten, in den Gesten eines einfachen Menschen wohnt.
Hier liegt der Skandal: die Menschwerdung Gottes, seine Konkretheit, seine Alltäglichkeit. Und Gott ist in einem Menschen, Jesus von Nazareth, konkret geworden, er ist ein Weggefährte geworden, er ist einer von uns geworden.
Papst Franziskus
Frage: In welchen Momenten meines Lebens erlebe ich die Gegenwart des Göttlichen im Alltäglichen und wie öffne ich mich dafür?
Sie lehnten ihn ab
Das Evangelium berichtet schlicht und hart, wie die meisten Leute von Nazaret reagiert haben: sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Statt sich darüber zu freuen und zu feiern, dass der Messias aus ihrem Dorf kommt, weigern sie sich, an ihn zu glauben. Sie denken bei sich: Das kann doch nicht sein! Er ist doch nichts Besseres als wir!
Welche Gefühle verblenden sie? Neid? Ärger? Furcht, dass sie nicht hoch genug geschätzt werden? Ehrgeiz? Das ist sehr traurig. Jesus spiegelt ihnen ihre Reaktion. Sollte das vielleicht helfen?
Ich kann mich auch fragen, welche Hindernisse ich in meinem Herzen finde, um Hoffnung zu schöpfen.
Frage: Welche inneren Blockaden verhindern, dass ich das Licht und die Hoffnung in meinem Leben wirklich anerkenne?
Wie gehe ich mit Ablehnung um?
Nazaret war Jesu Heimat. Hier fühlte er sich wohl, früher einmal sicher und geborgen. Jetzt kommt er zurück und erfährt große Ablehnung.
Wie ergeht es mir, wenn ich plötzlich Ablehnung erfahre von Menschen, die mir vertraut waren, denen ich vertraut habe? Sicherlich fühle ich mich im ersten Moment verletzt, oder vielleicht kommt auch Zorn in mir auf, und Enttäuschung macht sich breit.
Ich sollte mir ganz schnell überlegen: „Wie hätte Jesus gehandelt?“ Sanftmut und Güte sollten den ersten Platz einnehmen, denn nur das wird einen Konflikt vermeiden. Jesus hielt ihnen zwar einen Spiegel vor, ließ es dann aber dabei bewenden und ging weg.
Ellen Charlotte Petermann
Frage: Welche Schritte kann ich heute bewusst gehen, um in Momenten der Ablehnung innerlich ruhig und sanft zu bleiben?
Vers 4 Prophet ohne Ehre
Mk 6,4: Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nirgends verachtet außer in seiner Vaterstadt und bei seinen Verwandten und in seinem Haus!
Ein Prophet ist nirgends verachtet außer in seiner Vaterstadt
Dadurch verdeutlicht Jesus, dass ein Prophet oft gerade dort auf Widerstand stößt, wo er eigentlich Verständnis erwarten könnte. Dies zeigt die Schwierigkeit, mit der Wahrheit in vertrauten Kreisen durchzudringen.
Die Aussage ist auch heute relevant: Menschen werden oft von denen nicht ernst genommen, die sie seit ihrer Kindheit kennen. Die Stelle fordert uns auf, unsere Vorurteile abzulegen und Gottes Wirken anzuerkennen, auch wenn es uns unerwartet begegnet.
Frage: Wo in meinem eigenen Leben könnte ich offener für unerwartetes Wirken und neue Wahrheiten sein?
Vers 5 Wenige Heilungen
Mk 6,5: Und er konnte dort kein Wunder tun, außer dass er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte.
Er konnte dort keine Wunder tun
So erstaunlich wie es klingt, konnte Jesus dort keine Wunder tun. Die ablehnende Haltung dieser Menschen hat das verursacht.
Und wenn die Ablehnung gegenüber Gott so eine starke Wirkung hat, stellen wir uns vor, um wie viel stärker sie gegenüber anderen Menschen wirkt. Wer sich schon einmal abgelehnt gefühlt hat, weiß, welche lähmende Kraft das haben kann.
Dahingegen heilt und beflügelt die Annahme, das Vertrauen, die Hoffnung, die uns jemand aus freien Stücken schenkt. Was könnte mir Gott heute damit sagen wollen? Wozu lädt er mich heute ein?
Ich kann auch einige Momente mit Jesus in Nazaret betrachten, während er Kranke besucht und heilt, in Stille, unbemerkt, und dabei betet, dass sich die Herzen der Bewohner seiner Heimatstadt der Erlösung öffnen mögen.
Frage: Welche Momente der Annahme oder des Vertrauens könnte ich heute bewusst schenken oder empfangen, um Heilung in mir und anderen zu ermöglichen?
Jesus ist machtlos
Es scheint absurd, aber im Evangelium heißt es, Jesus habe kein Wunder tun können – bis auf wenige Krankenheilungen.
Was nimmt Jesus denn die Kraft? Es ist die Ablehnung, die er von den Menschen erfuhr, zu denen er sprach. Sie fragen nicht einmal danach, ob es stimmt, was er sagt, sie fragen nicht nach der Wahrheit.
Sie fragen: Wieso kann er das alles? Warum hat er mehr Erfolg als ich? Warum ist er anders als seine Geschwister?
Diese Dynamik ist heute immer noch unter uns gut erkennbar: Eifersucht, Neid, Ärger, Hass, Ablehnung, Trennung.
Als Christen sind wir aber dazu bestimmt, den entgegengesetzten Weg zu gehen.
Štefan Kavecký
Frage: Wo in meinem eigenen Leben erkenne ich Ablehnung oder Neid, und wie kann ich bewusst den Weg der Liebe und des Verständnisses wählen?
Vers 6 Verwunderung über Unglauben
Mk 6,6: Und er verwunderte sich wegen ihres Unglaubens. Und er zog durch die Dörfer ringsumher und lehrte.
Unter den Worten: Er konnte nicht, muß man verstehen
Er nahm sie nicht an, oder er wollte nicht, nicht weil er selbst ohnmächtig, sondern weil sie ungläubig waren. Also wirkte er dort keine Wunder, indem er ihrer schonte, damit sie keine größere Strafe verdienten, wenn sie selbst nach den Wundern nicht glaubten. Goldene Perle
Andacht von Benedikt XVI
Die Wunder Christi nämlich sind keine Zurschaustellung von Macht, sondern Zeichen der Liebe Gottes, die sich dort verwirklicht, wo sie dem Glauben des Menschen begegnet, wo eine Gegenseitigkeit gegeben ist.
Origenes schreibt: Und wie es im Bereich des körperlichen Seins eine natürliche Anziehungskraft vom einen her auf das andere hin gibt, wie des Magnets zum Eisen, so auch eine solche des Glaubens zur göttlichen Wirkkraft.
Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leben die Anziehungskraft des Glaubens, die Liebe Gottes in mir wirksam werden lässt?