Mk 3, 31-35 Jesus benennt seine Familie
Inhaltsverzeichnis
Vers 31 Mutter und Brüder kommen
Mk 3,31: Da kamen seine Brüder und seine Mutter; sie blieben aber draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen.
Sie blieben draußen
Der Anfang des öffentlichen Lebens Jesu brachte große Veränderungen mit sich, nicht nur für ihn selbst, sondern auch für seine Verwandtschaft. Manche meinten, er sei verrückt geworden und wollten ihn mit Gewalt zurückholen (vgl. Mk 3,21). Diesmal blieben sie vor dem Haus stehen und ließen ihn herausrufen.
Doch auch diese Geste ist voller Bedeutung: Sie schließen sich den Zuhörern Jesu nicht an, sie treten nicht ein, sondern bleiben draußen. Die Tür steht offen. Vielleicht spüren sie eine leise Angst, dass diese Begegnung auch ihr eigenes Leben auf den Kopf stellen könnte.
Frage: Welche Türen in meinem Leben stehe ich noch zögernd gegenüber, aus Angst vor der Veränderung, die eintreten könnte?
Vers 32 Nachricht an Jesus
Mk 3,32: Siehe, deine Mutter und deine Brüder sind draußen und suchen dich!
Draussen und drinnen
Wenn Christus aber nicht einmal seine Eltern kennen will, solange sie draußen stehen, wie will er uns kennen, wenn wir draußen stehen bleiben? Drinnen ist das Wort, und drinnen ist das Licht! Beda
Maria ist da
Unter den Verwandten ist Maria. Vielleicht haben sie sie mitgebracht, um Jesus zu überzeugen. Vielleicht ist sie mitgekommen, um als Vermittlerin zu wirken. Sie versteht beide Seiten, ist voll Mitgefühl und liebt sie alle.
Sie leidet mit ihnen, wie jede Mutter, deren Kinder im Streit liegen oder sich gegenseitig missverstehen. Ich versuche mir vorzustellen, wie sie diese Situation lebt: hoffnungsvoll, behutsam, geduldig, würdevoll.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben Situationen mit Mitgefühl und Geduld begegnen, ähnlich wie Maria es tut?
Vers 33 Wer ist meine Mutter?
Mk 3,33: Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter oder wer sind meine Brüder?
Wer ist meine Mutter, wer sind meine Brüder?
Jesus sagt nicht: Ich brauche keine Familie. Er gibt eine tiefe Antwort: "Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter."
Wer Gott wirklich ehrt und sein Leben nach seinen Geboten gestaltet, ist mit Jesus innig verbunden. Deshalb entwürdigen Jesu Worte Maria überhaupt nicht. Mitten in ihrem Alltag in Nazaret blieb sie in ihrem Herzen bei Jesus.
Außerdem ist das auch eine gute Nachricht für mich. Jesus schaut mich an und sagt zu mir: Du bist wichtig für mich. Ich freue mich über dein christliches Leben! Du bist mein geliebter Bruder, meine geliebte Schwester!
Eva Gloserová
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag bewusst die Nähe zu Gott spüren und diese innige Verbindung zu Jesus vertiefen?
Wer ist meine Mutter
Jesus stellt im Evangelium die provozierende Frage: Wer ist meine Mutter?
Man könnte meinen, dass es sich um eine abwertende Äußerung über seine Mutter handelt. Dem ist aber nicht so. Als ob er nicht wüsste, wer seine Mutter ist!
Jesus möchte klarstellen, dass in seinen und in den Augen seines Vaters der entscheidende Wert eines Menschen nicht von Fleisch und Blut abhängt, sondern von der Bereitschaft, den Willen Gottes zu tun und ihm, Jesus, nachzufolgen.
Ellen Charlotte Petermann
Frage: Wie offen bin ich dafür, meine eigenen Bindungen loszulassen, um mich dem Willen Gottes hinzugeben?
Andacht von Papst Franziskus
Jene Antwort Jesu ist kein Mangel an Respekt seiner Mutter und seinen Angehörigen gegenüber. Sie ist vielmehr die größte Anerkennung für Maria, denn gerade sie ist die vollkommene Jüngerin, die in allem den Willen Gottes befolgt hat.
Vers 34 Blick auf die Jünger
Mk 3,34: Und indem er ringsumher die ansah, die um ihn saßen, sprach er: Siehe da, meine Mutter und meine Brüder!
Siehe da, meine Mutter und meine Brüder!
In diesem Vers zeigt Jesus, dass seine wahre Familie nicht nur aus seinen leiblichen Verwandten besteht, sondern aus denen, die Gottes Willen tun. Dies unterstreicht die geistliche Dimension der Nachfolge: Wer an Jesus glaubt und seinen Lehren folgt, gehört zu seiner Familie.
Damit fordert er die Menschen auf, eine tiefere Beziehung zu Gott zu suchen, die über biologische Bindungen hinausgeht. Diese Aussage relativiert jedoch nicht die Bedeutung der Familie, sondern hebt hervor, dass die Gemeinschaft mit Gott und seinen Gläubigen eine noch größere Bindung darstellt.
Der Vers ermutigt dazu, sich als Teil der geistlichen Familie Gottes zu verstehen und entsprechend zu handeln.
Frage: Wie spürst du die Verbindung zu deiner geistlichen Familie in deinem eigenen Leben und welche Rolle spielt sie für dein inneres Wachstum?
Vers 35 Verwandtschaft durch Gehorsam
Mk 3,35: Denn wer Gottes Willen tut, der ist für mich Bruder, Schwester und Mutter!
Glaubensverwandte
Dadurch zeigt der Herr, dass man die Glaubensverwandten vor den Blutsverwandten ehren müsse. Wir sollen aber wissen, dass wir seine Brüder und Schwestern seien, wenn wir den Willen seines Vaters erfüllen, so dass wir seine Miterben werden, weil es nicht auf das Geschlecht, sondern auf die Werke ankommt. Goldene Perle
Den Willen Gottes tun
Ich will alles, was Gott will, und ich will nichts, was Gott nicht will. In dieser seligen Hingabe finde ich meinen Frieden und eine tiefe Ruhe des Herzens.
Was aber ist der Wille des Vaters? Häufig ist das nicht eindeutig. Bonhoeffer schreibt dazu: "Der Wille Gottes kann sehr tief verborgen liegen unter sich anbietenden Möglichkeiten."
Gottes Wille ist kein festes System von Regeln. Darum musst du immer wieder neu in deinen verschiedenen Lebenslagen genau hinschauen und durch Herz und Verstand, Beobachtung und Erfahrung sowie dem Gebet zu ergründen suchen, was sein Wille ist.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich heute die leise Stimme Gottes, die mich leitet, auch wenn sie verborgen bleibt?
Andacht von Papst Franziskus
Jene Antwort Jesu ist kein Mangel an Respekt seiner Mutter und seinen Angehörigen gegenüber. Sie ist vielmehr die größte Anerkennung für Maria, denn gerade sie ist die vollkommene Jüngerin, die in allem den Willen Gottes befolgt hat.
Möge uns die Jungfrau und Mutter helfen, immer in Gemeinschaft mit Jesus zu leben, indem wir das Wirken des Heiligen Geistes erkennen, der in ihm und in der Kirche wirkt und die Welt zu neuem Leben erweckt.
Wir wissen also, dass wir seine Brüder und seine Schwestern sind, wenn wir den Willen des Vaters erfüllen, und daß wir so auch seine Miterben sind. Hieronymus
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben das Wirken des Heiligen Geistes erkennen und bewusst darauf reagieren?
Andacht von Charles de Foucauld
Machen wir uns niemals Sorgen um die Zukunft! Tun wir in jedem Augenblick unseres Lebens das Vollkommenste, das heißt: Tun wir das, was der Wille Gottes im gegenwärtigen Moment von uns verlangt. Und wenn wir so leben, sollten wir uns um die Zukunft nicht mehr Sorgen machen, als würden wir in der nächsten Stunde sterben … Denken wir an die Zukunft nur, wenn wir Gott um die Gnade bitten, in jedem Augenblick unseres Lebens seinen Willen zu tun, um ihn dadurch so gut wir können zu verherrlichen. Aber was den Rest angeht, sollten wir uns nicht mehr um die Zukunft kümmern, als würde das Leben dieser Welt für uns zu Ende gehen.
Lasst uns ganz im gegenwärtigen Augenblick leben! Wenn Gottes Wille uns als Aufgabe für den gegenwärtigen Moment vorgibt, uns auf die Zukunft vorzubereiten – sei es materiell (durch Handarbeit, Ruhe, Ernährung, Gesundheitspflege usw.) oder geistlich (durch Studium, Betrachtung usw.), dann werden wir uns natürlich um diese Vorbereitung kümmern, aber nicht um unseretwillen, um unsere Zukunft zu sichern, sondern um Gottes willen, um das zu erfüllen, was er im gegenwärtigen Moment von uns verlangt.
Das ist das Leben im Glauben. So leben wir nicht mehr für uns selbst, sondern allein für Gott; nicht mehr aus eigener Kraft und nach unserem Willen, sondern durch Gott und allein nach seinem Willen; nicht mehr im Vertrauen auf uns selbst oder auf irgendein anderes Geschöpf, sondern indem wir uns ganz Gott hingeben und alles nur von ihm erwarten. Gott wird uns jederzeit alles geben, was wir brauchen, um den Auftrag zu erfüllen, den er für uns vorgesehen hat. Wir müssen nur jederzeit gehorchen und das tun, was er uns im gegenwärtigen Augenblick befiehlt.
Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Mk 3. Kap.
Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Markus Evangelium Mk 3. Kap.