Mk 3, 20-30 Jesus beziehe Macht vom Satan

Vers 20 Erneuter Andrang im Haus

Mk 3,20: Jesus ging nach Hause, und wieder strömten so viele Menschen bei ihm zusammen, dass er mit seinen Jüngern nicht einmal zum Essen kam.

Wieder kamen so viele Menschen

Es könnte einem so vorkommen, als wäre dieses Haus, in das Jesus gegangen ist, zu einem Sammelbecken der Menschheit geworden.

Wer ist gekommen? Die Armen im Geiste, die Trauernden, die Sanftmütigen, die nach Gerechtigkeit Suchenden, die Barmherzigen, die ein reines Herz haben, die Frieden stiften, die Verfolgten.

Allesamt mit der Sehnsucht, Jesus zu sehen, ein Wort von ihm aufzuschnappen. Allesamt Sünder, aber dennoch Menschen, die glauben und Gott in ihrem Leben eine Chance geben wollen.

Frage: In welchem Bereich deines Lebens sehnst du dich danach, Gott eine Chance zu geben und sein Wirken zuzulassen?

Keine Zeit zum Essen

Jesus ist mit seinen Aposteln unterwegs, um das Reich Gottes zu verkünden. Dieser Aufgabe, dieser Mission widmen sie sich mit ganzem Herzen. Sie beansprucht all ihre Kräfte und so viel Zeit, dass die eigenen Bedürfnisse bisweilen gehörig zu kurz kommen. Aber das scheint ihnen in diesem Moment nichts auszumachen. Wer die Liebe Gottes erfahren hat, kann dieses Erlebnis nicht für sich behalten, sondern er muss anderen davon erzählen.

Diese Begeisterung und das innerlich brennende Herz lassen einen nicht an sich selbst, sondern vor allem an Gott und den Nächsten denken.

Georg Rota

Frage: Welche Momente in meinem Leben lassen mein Herz so brennen, dass ich die Liebe, die ich erfahre, unbedingt weitergeben möchte?

Vers 21 Sorge der Angehörigen

Mk 3,21: Und als die, welche um ihn waren, es hörten, gingen sie aus, um ihn zu ergreifen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen!

Mk 3,21: Als seine Angehörigen das erfuhren, machten sie sich auf, um ihn mit Gewalt zurückzuholen, denn sie sagten sich: Er muss den Verstand verloren haben.

Andacht von Papst Franziskus

Dieses Evangelium spricht von einer weiteren, ganz anderen Art des Unverständnisses Jesus gegenüber: dem seiner Angehörigen. Sie waren besorgt, weil ihnen sein neues Wanderleben ein Wahnsinn zu sein schien.

Tatsächlich war er für die Menschen, besonders für Kranke und Sünder, so verfügbar, dass er nicht einmal mehr Zeit hatte, etwas zu essen. Jesus war so: zuerst die Menschen, den Menschen dienen, den Menschen helfen, die Menschen lehren, die Menschen heilen. Er war für die Menschen da. Er hatte nicht einmal Zeit zu essen.

Jesus hat eine neue Familie gebildet, die nicht mehr auf natürlichen Banden beruht, sondern auf dem Glauben an ihn, auf seiner Liebe, die uns aufnimmt und uns untereinander im Heiligen Geist vereint. Alle, die das Wort Jesu annehmen, sind Kinder Gottes und Brüder und Schwestern untereinander. Das Wort Jesu anzunehmen macht uns zu Geschwistern, es macht uns zur Familie Jesu.

Frage: Wie offen bin ich dafür, Menschen als meine geistige Familie zu sehen und die Liebe Jesu in meinem Alltag leben zu lassen?

Vers 22 Vorwurf der Beelzebul-Bindung

Mk 3,22: Und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sprachen: Er hat den Beelzebul! und: Durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus!

Urteil der Schriftgelehrten

Dies war eine offizielle Delegation von Experten aus Jerusalem , die nach Galiläa kam, um den Dienst Jesu zu beobachten und zu beurteilen. Die Meinung dieser Schriftgelehrten hatte bei vielen Menschen großes Gewicht.

Vers 23 Gleichnis vom geteilten Reich

Mk 3,23: Da rief er sie zu sich und sprach in Gleichnissen zu ihnen: Wie kann der Satan den Satan austreiben?

Wie kann der Satan den Satan austreiben?

Bei den Schriftgelehrten geht er zum Gegenangriff über, indem er argumentiert, dass der Satan keinesfalls so dumm ist und gegen sich selber kämpft. Man kann nicht im Namen des Teufels den Teufel austreiben. Somit geht die Kritik seiner Gegner ins Leere. Ellen Charlotte Petermann

Vers 24 Zerfall eines Reiches

Mk 3,24: Und wenn ein Reich in sich selbst uneins ist, so kann ein solches Reich nicht bestehen.

So kann ein solches Reich nicht bestehen

Diese Aussage Jesu erfolgt im Kontext einer Auseinandersetzung mit den Schriftgelehrten, die behaupten, er treibe Dämonen mit der Macht Satans aus. Jesus widerlegt diese Anschuldigung mit einer logischen Argumentation: Ein Reich, das gegen sich selbst kämpft, wird zerfallen.

Dies gilt für das Böse ebenso wie für jede andere Gemeinschaft. Die Aussage hat eine tiefere Bedeutung: Spaltung und innere Zerrissenheit führen zum Untergang, sei es in einem Reich, einer Gemeinde oder einer Familie. Sie erinnert daran, dass Einheit und Zusammenhalt essenziell für das Bestehen jeder Gemeinschaft sind.

Gleichzeitig mahnt sie zur geistlichen Klarheit: Wer gegen Gottes Reich kämpft, zerstört sich letztlich selbst.

Frage: Wo in meinem eigenen Leben entdecke ich innere Spannungen oder Zerrissenheit, und wie könnte ich durch Einheit und Klarheit Heilung finden?

Vers 25 Zerfall eines Hauses

Mk 3,25: Und wenn ein Haus in sich selbst uneins ist, so kann ein solches Haus nicht bestehen.

Vers 26 Ende Satans

Mk 3,26: Und wenn der Satan gegen sich selbst auftritt und entzweit ist, so kann er nicht bestehen, sondern er nimmt ein Ende.

Vers 27 Binden des Starken

Mk 3,27: Niemand kann in das Haus des Starken hineingehen und seinen Hausrat rauben, es sei denn, er bindet zuvor den Starken; dann erst wird er sein Haus berauben.

Das Beispiel bedeutet folgendes

Der starke Mann ist der Dämon, sein Hausrat sind die Menschen, bei denen er Aufnahme gefunden hat.

Wenn man also nicht zuerst den Dämon besiegt und bindet, wie kann man ihm seinen Hausrat, d. h. die von diesem Dämon Besessenen rauben?

Ich, [Jesus,] bin aber der, der seinen Hausrat raubt, das heißt, ich befreie die Menschen von den durch die Dämonen verursachten Leiden.

Doch zuvor binde ich die Dämonen, ich besiege sie und bin ihr Feind.

Wie könnt ihr also sagen, dass ich von Beelzebub besessen bin und als Freund der Dämonen die Dämonen austreibe?

Theophylactus

Frage: Wo erlebe ich in meinem Inneren den Kampf zwischen Dunkelheit und Befreiung, und wie öffne ich mich der Kraft, die mich herausführt?

Der starke Mann, von dem Jesus spricht, ist der Teufel

Er hat die Menschheit seit Adams und Evas Fall unter Kontrolle. Er musste sich bislang um nichts Sorgen machen, weil er der starke Mann war, der seinen Preis der gefallenen menschlichen Natur in alle Richtungen verteidigen konnte.

Aber Jesus ist stärker, und er ist gekommen, um den Teufel anzugreifen und von ihm zurückzugewinnen, was er genommen hat. Er nimmt seine Waffen des Bösen, des Hasses, der Wut, der Lust und des Egoismus weg. Er erlöst die Menschheit von den Fesseln des Bösen.

Kann ich wirklich sagen, dass ich mein ganzes Vertrauen, meinen Glauben auf Gott setze, und dass er wirklich das Gute hervorbringt trotz der natürlichen Übel oder der schlechten Absichten und Handlungen anderer, eingeschlossen die des Teufels selbst?

Frage: Wo in meinem Leben kann ich loslassen und dem höheren Plan vertrauen, selbst wenn das Böse oder die Dunkelheit um mich herum stark erscheint?

Vers 28 Vergebung aller Sünden

Mk 3,28: ‭Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden sollen den Menschenkindern vergeben werden, auch die Lästerungen, womit sie lästern;

Barmherzigkeit Gottes

Diese Aussage betont die grenzenlose Barmherzigkeit Gottes. Jesus versichert, dass jede Sünde vergeben werden kann – selbst schwere Vergehen wie Gotteslästerung. Dies steht im direkten Zusammenhang mit der vorherigen Szene, in der die Schriftgelehrten Jesus der Zusammenarbeit mit Satan beschuldigen (Mk 3,22).

Gottes Vergebung ist allumfassend, aber sie setzt Umkehr voraus. Im folgenden Vers (Mk 3,29) wird die Lästerung gegen den Heiligen Geist als unvergebbar genannt – ein bewusstes, hartnäckiges Ablehnen von Gottes Wirken.

Markus 3,28 zeigt somit Gottes große Gnade, fordert aber auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung gegenüber Gott.

Frage: Wo spüre ich in meinem Leben die Notwendigkeit von Umkehr, und wie öffne ich mich bewusst für Gottes Gnade?

Vers 29 Sünde gegen den Heiligen Geist

Mk 3,29: ‭wer aber gegen den Heiligen Geist lästert, der hat in Ewigkeit keine Vergebung, sondern er ist einem ewigen Gericht verfallen.

Sünde gegen den heiligen Geist

In der Tradition deutete man die Sünde wider den Heiligen Geist als endgültige Unbußfertigkeit oder Vermessenheit. Das gilt, wenn jemand eine schwere Sünde begeht und darüber entweder keine Reue empfindet oder ohne wahre Umkehr von Gottes Barmherzigkeit ausgeht.

Jedenfalls verschließt das Fehlen von Reue die Tür zu Gottes Barmherzigkeit. Natürlich nimmt Gott einen Sünder, der sich besinnt und bereut, sogleich freudig wieder an, denn Reue empfinden ist schon ein Werk des Heiligen Geistes.

Gott wird sich nie von einem Menschen abwenden, der in Demut mit einem reuevollen Herzen zu ihm zurückkehrt.
Anton Vogelsang

Frage: Welche Haltung der Demut oder Reue kannst du heute in deinem eigenen Leben kultivieren, um die Verbindung zu deiner inneren Spiritualität zu vertiefen?

Warum steht dieser Satz wohl genau hier?

Weil die Haltung der Schriftgelehrten exakt wiedergibt, was mit der Sünde wider den Heiligen Geist gemeint ist: Wenn ich den Einzigen, der mir vergeben könnte, als Betrüger darstelle – woher will ich dann Vergebung erhalten?

Ich glaube ja selbst nicht daran, dass diese Vergebung echt ist! Und genau darum kann Gott mir nicht vergeben – nicht, weil ER nicht will, sondern weil ICH nicht will!

Gott nimmt meine Freiheit so ernst, dass er mich nicht zwingt, Jesus als Erlöser anzuerkennen…. Dann muss ich aber auch die Konsequenzen tragen.

Beate Scheilen

Frage: Wo verweigere ich selbst das Vertrauen in Gottes Vergebung und wie beeinflusst das meine Seele?

Andacht von Johannes Paul II

Warum ist die Lästerung gegen den Heiligen Geist nicht zu vergeben? Was ist unter dieser Lästerung zu verstehen?

Der heilige Thomas von Aquin antwortet, dass es sich hier um eine Sünde handelt, „die ihrer Natur nach unvergebbar ist, weil sie jene Elemente ausschließt, derentwegen die Vergebung der Sünden geschieht“. Nach dieser Deutung besteht die Lästerung nicht eigentlich in verletzenden Worten gegen den Heiligen Geist, sondern in der Weigerung, das Heil anzunehmen, welches Gott dem Menschen durch den Heiligen Geist anbietet, der in der Kraft des Kreuzesopfers wirkt.

Wenn der Mensch jenes „Offenlegen der Sünde“, das vom Heiligen Geist ausgeht und heilswirksamen Charakter hat, zurückweist, weist er damit zugleich das „Kommen“ des Trösters zurück, jenes „Kommen“, das sich im Ostergeheimnis vollzieht, in der Einheit mit der erlösenden Kraft des Blutes Christi, das „unser Gewissen von toten Werken reinigt“. Wir wissen, dass die Frucht einer solchen Reinigung die Vergebung der Sünden ist.

Wer den Geist und das Blut zurückweist, verbleibt deshalb in „toten Werken“, in der Sünde. Die Lästerung gegen den Heiligen Geist besteht gerade in der radikalen Verweigerung der Annahme jener Vergebung, deren innerster Vermittler er ist und die eine echte Bekehrung voraussetzt, die von ihm im Gewissen gewirkt wird.

Wenn Jesus sagt, dass die Lästerung gegen den Heiligen Geist weder in diesem noch im zukünftigen Leben vergeben wird, dann liegt der Grund darin, dass diese „Nicht-Vergebung“ ursächlich mit der Unbußfertigkeit verbunden ist, das heißt mit der radikalen Weigerung, sich zu bekehren.

Nun ist aber die Lästerung gegen den Heiligen Geist die Sünde jenes Menschen, der sich auf sein vermeintliches „Recht“ zum Verharren im Bösen – in jeglicher Sünde – beruft und dadurch die Erlösung verwirft. Ein solcher Mensch bleibt in der Sünde gefangen, indem er von seiner Seite her seine Bekehrung und damit die Sündenvergebung unmöglich macht, die er als unwesentlich und unbedeutsam für sein Leben erachtet.

Dies ist eine Situation des geistlichen Ruins; denn die Lästerung gegen den Heiligen Geist erlaubt es dem Menschen nicht, sich aus seiner selbstverhängten Gefangenschaft zu befreien und sich den göttlichen Quellen der Reinigung der Gewissen und der Verzeihung der Sünden zu öffnen.

Johannes Paul II

Frage: Welche Bereiche meines Lebens weigere ich mich vielleicht innerlich zu heilen, obwohl die göttliche Vergebung mir offensteht?

Die Lästerung des Heiligen Geistes wird niemals vergeben werden – nicht weil es eine Sünde ist, die „zu groß“ ist, als dass Gott sie vergeben könnte, sondern weil es eine Herzenshaltung ist, die sich nichts um Gottes Vergebung schert

Vers 30 Grund des Urteils

Mk 3,30: Denn sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.