Mk 3, 1-7 Jesus heilt eine Hand am Sabbat

Vers 1 Mann mit verdorrter Hand

Mk 3,1: Und er ging wiederum in die Synagoge. Und es war dort ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand.

Bild der verdorrten Hand

Symbolisch gesehen steht dieser Mann mit seiner verdorrten Hand stellvertretend für die Gesellschaft, die verdorrt, krank, ja unfähig ist, gute Werke zu vollbringen.

Schon Adams Hand "verdorrte" gewissermaßen, als er mit ihr die verbotene Frucht des Baumes pflückte.

Nur die am Kreuz ausgestreckten und mit Nägeln durchbohrten, unschuldigen Hände Jesu können uns von der Austrocknung unserer Seele erlösen und heilen.

Ellen Charlotte Petermann

Frage: Wo spüre ich in meinem Leben innere Dürre, und wie kann ich mich der heilenden Berührung Gottes öffnen?

Mann mit verdorrter Hand in der Synagoge

Der Mann mit der verdorrten Hand ist wie ein Bild für den Menschen, der der Erlösung bedarf. Durch die Sünde von seinem Schöpfer getrennt, kann er die Werke nicht mehr verrichten, zu denen er als Abbild Gottes berufen war.

Die tätige Hand des Menschen wurde lahm, als sich durch die Abwendung von Gott sein Herz verkehrt ausrichtete.

Der Mann in diesem Evangelium sitzt jedoch in der Synagoge. Er hat sich schon auf den Weg zu Gott gemacht, er wäre nicht dort, würde er nichts von Gott erwarten, wäre er nicht bereit, sich Gott zu nähern.

Frage: Wo könnte in meinem Leben eine „verdorrte Hand“ nach Heilung verlangen, und wie kann ich mich Gott neu zuwenden?

Vers 2 Lauernde Gegner

Mk 3,2: Und sie lauerten ihm auf, ob er ihn am Sabbat heilen würde, damit sie ihn verklagen könnten.

Mk 3,2: Seine Gegner beobachteten ihn ganz genau.

Negativer verurteilender Blick

Menschen achten häufig auf schlechte Eigenschaften eines anderen Menschen. Wir fokussieren schnell die Negativ-Liste. Schnell sind wir im kritisieren, langsam dagegen in der Wahrnehmung des Guten beim Anderen.

Vorurteile schleichen sich ein, wo ich bei jeder Begegnung meine Wahrnehmung darauf richte, dass mein schlechtes Bild bestätigt wird. Selbsterfüllende Prophezeiung heißt das in der Psychologie. Der andere hat keine Chance. Das ist nicht gut.

Dagegen: der sich öffnende Mensch versucht immer wieder neu hinzuschauen. Ich habe die Gewohnheit, mir für mich schwierige Menschen gedanklich herzunehmen und aufzuzählen, welche gute Eigenschaften dieser Mensch hat. Meine Seele beruhigt sich dann und die Negativ-Liste des anderen ist auf einmal gar nicht mehr so groß und mächtig und ich erkenne den anderen in seiner Menschlichkeit.

Sei kritisch mit deiner eigenen Wahrnehmung oder um es mit Heinz Erhardt zu sagen: Sie dürfen nicht alles glauben was sie denken.

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen. Teresa von Ávila

Frage: Welche Person in deinem Leben verdient es, dass du heute einmal bewusst ihre guten Eigenschaften wahrnimmst und dabei auch dein eigenes Herz öffnest?

Eines machten die Pharisäer richtig

Sie taten gut daran, Christus genau zu beobachten. Wenn sie das nur im richtigen Geist getan hätten: von ihm zu lernen und Gott für die Wunder zu loben, die er durch ihn vollbrachte.
Wie genau beobachten wir Christus in unserem Leben?
Sind wir bereit, in den Umständen des Alltags sein Wirken zu erkennen?
Wie oft loben wir Gott für die großartigen Dinge, die Christus in uns tut oder noch tun will?
Walter Schu

Frage: Wie kann ich heute bewusster wahrnehmen, wo Christus mich begleitet und wirkt?

Vers 3 Aufforderung zum Vortreten

Mk 3,3: Und er spricht zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Steh auf und tritt in die Mitte!

Den Mensch in die Mitte stellen

Er aber stellt jenen Menschen in den Mittelpunkt, damit sie durch seinen Anblick bewegt werden und so Mitleid mit ihm empfinden und ihre Bosheit ablegen. Pseudo-Chrysostomus

Vers 4 Frage nach dem Sabbat

Mk 3,4: Und er spricht zu ihnen: Darf man am Sabbat Gutes tun oder Böses tun, das Leben retten oder töten? Sie aber schwiegen.

Andacht von Papst Franziskus

Jesus ist der Fürsorge für sie nie ausgewichen. Er ist nie vorübergegangen, hat nie das Gesicht abgewandt.
Und wenn ein Vater oder eine Mutter oder auch einfach befreundete Personen einen Kranken zu ihm brachten, damit er ihn berühren und heilen sollte, dann verlor er keine Zeit; die Heilung kam vor dem Gesetz, auch vor einem so heiligen Gesetz wie dem der Sabbatruhe (vgl. Mk 3,1-6).
Die Schriftgelehrten machten Jesus Vorwürfe, weil er am Sabbat heilte, am Sabbat Gutes tat.
Aber die Liebe Jesu bestand darin, Gesundheit zu schenken, Gutes zu tun: Und das steht immer an erster Stelle!

Frage: Wo darf Jesu fürsorgliche Liebe heute in meinem Herzen und in meinem Alltag Heilung an die erste Stelle setzen?

Vers 5 Heilung trotz Zorn

Mk 3,5: Und indem er sie ringsumher mit Zorn ansah, betrübt wegen der Verstocktheit ihres Herzens, sprach er zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus, und seine Hand wurde wieder gesund wie die andere.

Zorniger Jesus

Dies ist einer der wenigen Orte, wo Jesus als zornig beschrieben wird, und Er war wütend über die Härte der Herzen der Menschen. Jesus war wütend, weil dies eine perfekte Gelegenheit für seine Kritiker war, ihre Meinung über ihn und ihre Traditionen zu ändern. Aber sie weigerten sich, ihre Meinung zu ändern und lehnten stattdessen Jesus ab. Daran können wir erkennen, dass Jesus diese Gelegenheit bewusst nutzte, um eine Reaktion hervorzurufen.

Jesus hätte dies am nächsten Tag tun können. Jesus hätte es privat tun können. Aber er entschied sich dafür, es zu dieser Zeit und an diesem Ort zu tun.

Frage: Welche harten Stellen in meinem Herzen darf Jesus heute berühren, um mich näher zu sich zu ziehen?

Er streckte seine Hand aus

Mit Vertrauen. Blicken wir auf den Mann, den Jesus geheilt hat. Seine Hand war verdorrt, das kann heißen von Geburt an oder aufgrund einer langen Krankheitsgeschichte. Nichtsdestotrotz hört er auf Jesus und stellt sich in die Mitte, vor die anderen.

Er glaubt ihm und an ihn. Jesus sagt ihm nicht "Streck deine Hand aus und sie wird heil", er hat ihn auch nicht berührt, der Mann hat einfach auf ihn gehört und in Vertrauen und Glaube gehandelt, im klaren Bewusstsein, dass er seine Hand eigentlich nicht ausstrecken kann.

Jutta Spörl

Frage: Wo lade ich Jesus heute ein, mich zu heilen und im Vertrauen einen Schritt in die Mitte zu wagen?

Er streckte seine Hand aus

Im Ausstrecken der Hand offenbart der Mann seine Schwäche, er bekennt sich zu ihr, verbirgt sie nicht. Zugleich hält er die Hand auch von sich weg, löst sich also von seiner Unfähigkeit zu guten Werken ab, will darin nicht verbleiben. Das Ausstrecken der Hand ist ebenso Bitte um Heilung, ein Symbol für das Verlangen nach Gott, nach dem Heil, das nur er geben kann.

Dieser ganze Vorgang ist wie ein Sinnbild für das Sakrament der Beichte. Wenn wir es empfangen, sagen wir: Sieh, Jesus, ich suche dich! Schau meine Schwäche, meine Sünde an, ich verberge sie nicht vor dir! Nimm meine Sünde von mir, rette mich! Und was geschieht dann? – Vergebung und Heil: "Er streckte sie aus, und seine Hand war wieder gesund." Angelika Knauf

Frage: Wo streckst du deine Hand nach Gott aus und welches Heil ersehnst du tief in deinem Herzen?

Vers 6 Tötungsplan der Pharisäer

Mk 3,6: Da gingen die Pharisäer hinaus und hielten sogleich mit den Herodianern Rat gegen ihn, wie sie ihn umbringen könnten.

Beschluss, Jesus umzubringen

Ihre Herzen sind zu verhärtet. Man sollte erwarten, dass sich alle über ein solches Wunder freuen. Ein kranker Mann, der geheilt wurde!

Aber die Pharisäer freuen sich nicht. Ihre Herzen sind zu verhärtet. Stattdessen wächst ihr Hass und bringt seine giftige Frucht hervor.

Sie beschließen, Jesus umzubringen, und sind sogar bereit, dazu mit ihren alten Feinden, den Anhängern des Herodes, gemeinsame Sache zu machen.

Ein altes Sprichwort sagt: "Der Feind meines Feindes ist mein Freund." Wenn du Hass in deinem Herzen spürst, versuche alles, um ihn zu überwinden.

Anton Vogelsang

Frage: Wo spüre ich in meinem Herzen Härte, und wie kann ich heute liebevoller darauf antworten?

Mord ist keine Arbeit

Nachdem Jesus am Sabbat auch noch einen Kranken geheilt hat, ist für die Pharisäer das Maß voll: Sie planen, Jesus umzubringen. Man könnte fast darüber hinweglesen, so lapidar berichtet Matthäus davon. Menschen planen, Gott umzubringen!

Die gleichen Menschen, wohlgemerkt, die sich kurz vorher noch über das Sammeln einiger Getreidekörner aufgeregt haben, planen jetzt kaltblütig einen Mord – am Sabbat! Offenbar sind derartige Überlegungen für sie keine Entweihung des Feiertags. Mordgedanken darf man haben – Hauptsache, es ist keine Arbeit!

Handeln wir selber nicht auf anderer Ebene oft ähnlich absurd? Wir regen uns auf, weil im Gottesdienst ein Kind schreit und unsere Andacht stört – und empfangen gleich danach die Kommunion, gedanklich beschäftigt mit allem Möglichen, nur nicht mit Jesus, der jetzt in meinem Herzen wohnt.

Wir verurteilen (gedanklich) Menschen, weil sie nicht jeden Sonntag zur Messe gehen, lassen es aber selber an der Liebe fehlen, die unseren Glauben für sie attraktiv machen würde. Jeder kennt vermutlich genügend Beispiele aus dem eigenen Leben.

Beate Scheilen

Frage: Wo in meinem eigenen Leben lasse ich geistige oder emotionale Blindheit zu, obwohl Liebe und Achtsamkeit jetzt gefragt wären?

Vers 7 Rückzug zum See

Mk 3,7: Aber Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück und eine große Menge aus Galiläa folgte ihm nach, auch aus Judäa.

In jener Zeit zog sich Jesus zurück

In verschiedenen Momenten in diesem Evangelium können wir die Menschlichkeit Jesu betrachten und uns vorstellen, dass er das Bedürfnis hatte, sich mit seinen Jüngern zurückzuziehen. Schauen wir zum Beispiel, wie nahe er den Menschen kommt und wie er mitten unter ihnen ist, so dass ihn die Menge fast erdrückt.

Betrachten wir, wie er viele Menschen von ihren Leiden heilt, wie er sich um sie kümmert, obwohl er jetzt vielleicht selbst eine Pause bräuchte.

Frage: Wo in meinem eigenen Leben spüre ich den Ruf, Fürsorge zu geben, obwohl ich selbst Ruhe bräuchte, und wie könnte ich in diesen Momenten achtsam mit mir selbst sein?

Es war noch nicht seine Stunde

Er floh als Mensch vor den Nachstellungen der Verfolger, weil weder die Stunde zu seinem Leiden schon gekommen, noch außerhalb Jerusalem der Ort für sein Leiden war. Goldene Perle