Mk 2, 18-22 Über das Fasten: Auslegung und Andacht
Mk 2, 18-22 im Überblick: Markus 2, 18 bis 22 Vers für Vers erklärt. Lerne die Hintergründe der Aussagen über das Fasten kennen und nimm konkrete Impulse für deinen Tag mit.
Inhaltsverzeichnis
Vers 18 Frage zum Fasten
Mk 2,18: Und die Jünger des Johannes und die der Pharisäer pflegten zu fasten; und sie kamen zu ihm und fragten: Warum fasten die Jünger des Johannes und der Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht?
Zur Situation
Die Pharisäer waren dafür bekannt, dass sie zweimal pro Woche fasteten (Lk 18:12). Für die Jünger des Johannes war es sinnvoll zu fasten, weil sein Dienst die Reue betonte. Doch Jesus und seine Jünger legten nicht die gleiche Betonung auf das Fasten wie diese anderen geistlichen Männer.
Schwierigkeiten, den Bräutigam zu erkennen
Äußerlich hatte er wenige Besonderheiten aufzuweisen. Ehrlich gesagt ist das für uns auch nicht immer einfach. Auch wir müssen uns darin üben, das Wirken Gottes in unserem Alltag zu erkennen: in den konkreten Umständen, die unsere Arbeit manchmal einfacher oder schwieriger machen, in der helfenden Hand, die wir nicht erwartet hatten, in dem bedürftigen Nachbarn, der auf unsere Zuwendung wartet.
Frage: Wo in meinem Alltag entdecke ich heute das Wirken des Göttlichen, vielleicht an unerwarteten Orten oder in scheinbar kleinen Begegnungen?
Bewährte Taktik des Satans
Teilen und herrschen, indem er Lügen streut, sodass wir einander misstrauen. So ging er im Garten Eden vor, als er Eva einflüsterte, sie könne Gott nicht trauen (Gen 3,1-5).
So macht er es auch heute noch, wenn er uns ins Ohr flüstert, wie schlecht die anderen sind. Das sät Misstrauen in unsere Herzen und führt zu Spaltung und Trennung in unseren Familien und Beziehungen, in unserer Gesellschaft und Politik und auch in der Kirche.
Hinter dem Rücken anderer fälschlich und in böser Absicht schlecht über diese zu sprechen, ist satanisch. Wenn es so etwas in unserem Leben gibt, müssen wir es überwinden.
Anton Vogelsang
Frage: Wo in meinem Leben lasse ich zu, dass Misstrauen und negative Gedanken über andere Raum gewinnen, und wie kann ich bewusst Liebe und Vertrauen säen?
Vers 19 Hochzeitsgäste fasten nicht
Mk 2,19: Können die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten.
Können die Hochzeitsgäste fasten?
Christus bringt Glück und Freude in unser Leben. Er ist die Erfüllung all unserer Hoffnung und unserer Träume. Er bringt alles, nach dem wir uns sehnen, zur Erfüllung. Wie kann man traurig sein, wenn man Christus gefunden hat? Er erfüllt all unser Suchen und unsere Sehnsucht.
Mit ihm haben wir alles, was wir wollen. In ihm sind wir stark. In ihm sind wir mächtig. Wenn der Bräutigam bei uns ist, wirkt er durch die Gnade in unserer Seele. Er vermittelt uns durch die Sakramente geistige Stärke und Formung.
Christi Gegenwart in unserer Seele bewirkt auf geistiger Ebene das, was das Fasten zur Formung unseres Charakters auf menschlicher Ebene bewirkt: Er stärkt und reinigt.
Robert DeCesare
Frage: Wie kann ich die Gegenwart Christi in meinem Alltag bewusst wahrnehmen und dadurch inneren Frieden und Stärke erfahren?
Botschaft Jesu war kühn und klar
Ich bin nicht wie die Pharisäer oder Johannes der Täufer. Ich bin der Messias, der Bräutigam des Volkes Gottes.
Wo immer ich bin, ist es angemessen, die Freude zu spüren, die wir mit Hochzeiten verbinden. Die messianische Zeit ist eine hochzeitliche Zeit, in der wir mit dem Bräutigam feiern dürfen.
Das Schauen auf Christus, den Bräutigam, erfüllt uns mit Freude. Jesus bringt Neues; sein Kommen und seine Gegenwart eröffnen uns eine neue Zeit.
So muss auch unser Fasten anders sein als das der Pharisäer. Wir wissen um Jesu Gegenwart in der Welt. Wir wissen, dass wir Gottes Kinder sind, und doch handeln wir nicht immer danach.
Wir müssen immer wieder neu umkehren in die liebenden Arme des Vaters.
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag die Freude und Gegenwart Christi bewusster wahrnehmen und mein Leben als Antwort darauf gestalten?
Der Bräutigam
Also, wir beschweren uns gern und machen gern Kommentare über andere. Aber Jesus will, dass wir froh sind! Mehr sogar! Tatsächlich glücklich will er uns, im tiefsten Sinne von Glück.
Er bezeichnet sich selbst als den Bräutigam. Soll man auf der Hochzeit traurig sein?
Und es gibt hier einen besonderen Moment, an dem wir ganz oft teilnehmen, nämlich die Eucharistiefeier. Jesus gibt sich selbst jedem von uns. Es ist dann nicht die Zeit, um sich zu beschweren, sondern um mit Gott fröhlich zu sein.
Schau einmal und frage dich: Wie kommst du zur heiligen Messe und wie gehst du weg? Mit Freude? Glaubst du, dass Gott dich wirklich froh machen will, oder meinst du, Gott will dich nur fasten sehen?
Sebastian Jasiorkowski
Frage: Wie offen bist du dafür, die Freude, die Gott dir schenken möchte, in deinem Alltag wirklich zuzulassen?
Die Freude des Bräutigams
Die Propheten des Alten Testaments, besonders Hosea und Jesaja, vergleichen die Beziehung zwischen Israel und Jahwe mit einem Ehebund. Israel ist die Braut, die oft untreu ist, und Jahwe ist der Bräutigam.
Wenn Christus sich als Bräutigam bezeichnet, nimmt er einen Titel in Anspruch, der allein für Gott reserviert war. Dadurch kommt zum Ausdruck, dass Jesus weit mehr als ein einfacher Rabbi war.
Welche Erfahrung verbinden wir mit einem Bräutigam und einer Hochzeitsfeier? Freude! Christus ist gekommen, um uns Freude zu bringen, eine Freude, die in alle Ewigkeit anhält.
Frage: Wie erlebe ich die Freude Christi in meinem eigenen Leben und wie verändert sie mein Verhältnis zu Gott und zu anderen?
Vers 20 Zukünftiges Fasten
Mk 2,20: Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen sein wird, und dann, in jenen Tagen, werden sie fasten.
In jenen Tagen
Jesu Anwesenheit gab zu ebenso großer Freude Anlass wie ein Hochzeitsfest. Aber die Freude würde nicht von Dauer sein, denn es würde die Zeit kommen, dass der Bräutigam (Jesus) von ihnen genommen würde.
An jenem Tage (seiner Kreuzigung) würden die Jünger fasten, im metaphorischen Sinn von Trauern statt Fröhlichsein. Diese Anspielung auf seinen bevorstehenden Tod ist der erste Hinweis auf das Kreuz im Markusevangelium.
Frage: Wie beeinflusst das Bewusstsein von Vergänglichkeit und Verlust deine eigene Fähigkeit, Freude im Moment zu erleben?
Vers 21 Neuer Flicken, altes Kleid
Mk 2,21: Und niemand näht einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes Kleid; sonst löst sein neuer Flicken sich ab vom alten, und der Riss wird schlimmer.
Andacht von Petrus Chrysologus
Dieses neue Kleid ist der Stoff des Evangeliums, den er gerade mit der Wolle des Gotteslammes webt: ein königliches Gewand, das bald vom Blut der Passion purpurn gefärbt sein wird. Wie könnte Christus akzeptieren, dass dieses neue Kleid mit dem veralteten Gesetzesdenken Israels vereint wird?
Vers 22 Neuer Wein, alte Schläuche
Mk 2,22: Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche, sonst zerreißt der neue Wein die Schläuche, und der Wein wird verschüttet und die Schläuche verderben; sondern neuer Wein soll in neue Schläuche gefüllt werden.
Andacht von Petrus Chrysologus
Neuer Wein gehört in neue Schläuche. Diese neuen Schläuche sind die Christen. Das Fasten Christi reinigt diese Schläuche von allem Schmutz, damit sie den Wohlgeschmack des neuen Weines unversehrt bewahren. Der Christ wird so zu einem neuen Schlauch, der bereit ist, den neuen Wein aufzunehmen: den Hochzeitswein des Sohnes, gepresst in der Kelter des Kreuzes.
Bild vom Kleid und Wein
Das neue Stück Stoff der Botschaft vom Reich Gottes passt nicht so einfach auf das alte Kleid der herkömmlichen Lebensweise. Man muss schon das alte Kleid Adams ablegen, sich von den eigenen schlechten Gewohnheiten abkehren und Buße tun, um das neue Kleid des neuen Lebens in Christus anlegen zu können.
Das Bild vom neuen Wein möchte uns das Gleiche sagen. Entscheidend ist nicht, dass wir alle äußeren Vorschriften erfüllen, sondern dass Jesus unser Herz erneuert. Wir können dazu beitragen, indem wir umkehren und an das Evangelium vom Reich Gottes glauben, aber unsere Herzen erneuern kann nur er allein.
Die Schlussfolgerung lautet nicht: Wenn wir die Gebote erfüllen, wird er uns ein liebendes Herz schenken. Sondern: Wenn er uns ein liebendes Herz schenkt, werden wir in der Lage sein, die Gebote zu erfüllen.
Bertalan Egervári
Unter dem neuen Kleide werden aber die guten Werke, welche äußerlich vollbracht werden, bezeichnet; mit dem neuen Wein wird aber der Eifer des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, wodurch wir innerlich umgebildet werden, ausgedrückt. Goldene Perle
Frage: Welche alten Gewohnheiten oder Denkmuster kannst du bereitwillig ablegen, um Raum für die Erneuerung deines Herzens zu schaffen?