Mk 2, 13-17 Jesus isst mit Sündern: Auslegung und Andacht

Mk 2, 13-17 im Überblick: Eine gründliche Auslegung zu Markus 2, 13 bis 17. Erfahre, was dieser biblische Abschnitt über das Mahl Jesu mit Sündern lehrt und wie du ihn heute umsetzen kannst.

Vers 13 Lehre am See

Mk 2,13: Da ging er wieder an den See hinaus, und die ganze Menge kam zu ihm, und er lehrte sie.

Gehender Jesus

In jener Zeit ging Jesus wieder hinaus an den See.

Jesus war drei Jahre lang immer unterwegs, er hat sich nicht niedergelassen. Er ging immer weiter, er war immer offen für eine Begegnung und nicht nur passiv, sondern er hat die Begegnungen auch gesucht oder verursacht.

Die Menschenmengen haben seine Bereitschaft zur Begegnung verstanden und sind zu ihm gekommen.

Jesus ist heute immer noch unterwegs.
Štefan Kavecký

Frage: In welchen Momenten meines Lebens bin ich wirklich offen für Begegnungen, und wo könnte ich bewusst mehr Initiative ergreifen, um Menschen und Erfahrungen zuzulassen?

Vers 14 Berufung Levis

Mk 2,14: Als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, an der Zollstätte sitzen. Und er sprach zu ihm: Folge mir nach!

Der Kern

Jesus kommt immer wieder an uns in unserem Leben vorbei und ruft uns – gestern, heute und auch in Zukunft. Wie bei Matthäus sucht er uns mitten in unserem Alltag auf und sagt: Folge mir nach.

Sah er Levi

Es genügt der Blick Jesus. Es ist ein Sehen, das nicht am Äußeren hängen bleibt, sondern tiefer geht, ein Sehen, das das Verwundete, Verschüttete, Sehnsüchtige wahrnimmt, ein Sehen, das Ansehen schenkt dem Unansehnlichen.

Zöllner galten berufsmäßig als Sünder. Ausgerechnet einen Zöllner beruft Jesus in seine Nachfolge. Dieser steht sofort auf und folgt Jesus. Kein Zögern, kein Nachfragen, kein Erst noch, kein Wenn und kein Aber. Auf der Stelle ist er bereit, alles zu verlassen und sein Leben zu ändern. Eine Bekehrung von 0 auf 100.

Eine Sehnsucht ist in ihm geweckt worden, eine Sehnsucht nach mehr, nach erfüllterem, nach heilem und befreitem Leben. Bitten wir Gott jeden Tag neu um die Gnade, das Angebot zur Umkehr und Nachfolge ohne viel Fragerei anzunehmen, ganz einfach, mit grenzenlosem Vertrauen.

Anhand von Levis Beispiel können wir betrachten, wie Jesus in unserem persönlichen Leben wirkt und wie er mit uns einige Schritte geht. Zuallererst sieht uns Jesus an. Er sieht Levi dort, wo er sitzt und arbeitet: am Zoll.

Levi war es mit Sicherheit gewöhnt, dass man ihn voller Abscheu und Hass anschaut, doch Jesu Blick war anders. Ja, er hatte schon von diesem Mann gehört, aber er hätte niemals gedacht, dass er ihn auf diese Art und Weise anschauen würde, so anders, ganz anders als andere Menschen. Voller Wertschätzung und Liebe.

Frage: Wo in meinem Leben brauche ich den Blick Jesu am dringendsten, um Heilung und Freiheit zu erfahren?

Folge mir nach

Und dann ruft Jesus Levi. Zuerst kann Levi seinen Ohren nicht trauen und denkt sich: „Ne, das kann eigentlich nicht sein!“ Doch dann merkt er, dass Jesus ihn tatsächlich beim Namen gerufen hat, und da kann er nicht anders, als Jesus zu folgen und ihn einzuladen.

Alles, was er von Jesus gehört hat, hat ihn schon in Staunen versetzt – all die Wunder, die er hier gewirkt hat. Und jetzt wird er von diesem Jesus beim Namen gerufen. Levi folgt Jesus, weil er bei ihm Wertschätzung und Liebe erfährt.

Frage: Welche Momente in deinem Leben haben dich so berührt, dass du gespürt hast, dass du einem Ruf folgen möchtest, der über dich hinausgeht?

Mk 2,14: Sofort stand Levi auf und ging mit ihm.

Er stand auf und ging mit ihm

Folge dem nach, der zwar der König der Könige, der Herr der Herrschenden, in welchem sich alle Schätze der Weisheit finden, und der doch am Kreuze da hängt: entblößt, verspottet, angespukt, geschlagen, mit Dornen gekrönt, mit Essig und Galle getränkt, gestorben.

Hänge dich daher nicht an Kleiderpracht und Reichtum, weil sie seine Kleider unter sich verteilt, nicht an Ehren, da er Spott und Schläge erfahren, nicht an Würden, da sie eine Dornenkrone aufs Haupt ihm setzten, nicht an Lüste, da in seinem Durste sie ihn tränkten mit Essig.

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben die Versuchung überwinden, äußeren Glanz über inneren Frieden zu stellen?

Den Ruf nicht überhören

Wir überhören häufig im täglichen Leben die einfachen Rufe. Die Rufe nach Nächstenliebe unserer Familie und den Freunden gegenüber, der Ruf, mehr Geduld mit unseren Kindern zu haben, oder der Ruf, sich um den hilfsbedürftigen Nachbarn zu kümmern.

Sei großzügig in kleinen Diensten, und du wirst großzügig in großen Diensten sein.

Frage: Wie kannst du heute die leisen Rufe um dich herum wahrnehmen und darauf mit Herzenswärme reagieren?

Matthäus dient uns als Vorbild

Matthäus wusste nicht, was aus seinem Leben, seinem Geschäft und seinem Besitz werden würde. Vielleicht wusste er nicht einmal, wo er am nächsten Tag nächtigen würde, wie seine Kollegen reagieren würden oder ob er fähig sein würde, immer beim Meister zu bleiben.

Alles war neu für ihn, doch er war offen und demütig genug, um sich nicht von dem aufhalten zu lassen, was er bereits kannte: seine Grenzen und die Erwartungen anderer.

Frage: Welche Bereiche in meinem Leben halten mich zurück, weil ich an bekannten Grenzen und Erwartungen festhalte, und wie könnte ich offener für Neues werden?

Vers 15 Mahl mit Zöllnern

Mk 2,15: Und es geschah, als er in dessen Haus zu Tisch saß, dass auch viele Zöllner und Sünder sich mit Jesus und seinen Jüngern zu Tisch setzten, denn es waren viele, die ihm nachfolgten.

Zöllner und Sünder essen mit Jesus

Jesus nimmt die Einladung an. Er erweist sich solidarisch. Tischgemeinschaft wird so zum Ausdruck von Wertschätzung, Zuwendung und zum Beginn einer Freundschaft. Er ist gekommen, um Heil und Erlösung für alle zu bringen.

Gerade den Gestrauchelten, Gestrandeten, den Verlorenen und Heillosen gilt seine Liebe. Die Armen und Kranken liegen ihm besonders am Herzen, ihnen wendet er sich in besonderer Weise zu.

Durch dieses Handeln bezeugt er das vorbehaltlose Ja Gottes zu jedem Menschen, selbst zu den Sündern.

Frage: Wo in meinem Leben kann ich Gottes vorbehaltlose Liebe besonders spüren oder weitergeben?

Vers 16 Anstoß der Pharisäer

Mk 2,16: Und als die Schriftgelehrten und die Pharisäer sahen, dass er mit den Zöllnern und Sündern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst und trinkt er mit den Zöllnern und Sündern?

Pharisäer

Der Name Pharisäer bedeutet „Getrennte“. Sie trennten sich von allem, was sie für unheilig hielten, und sie dachten, alle außer ihnen selbst seien von der Liebe Gottes getrennt.

Sich nicht für besser halten

Menschen, die sich besonders intensiv bemühen, gerecht zu leben, halten sich schnell für besser als andere. Ich bin schon viel zu oft in diese Versuchung getappt!

Was an und für sich gut ist, wird unangenehm, wenn man es den anderen unter die Nase reibt und damit die eigene moralische Überlegenheit hervorhebt.

In unserem Bemühen um Gerechtigkeit fixieren wir uns so sehr, dass das Wesentliche gar nicht mehr wahrgenommen wird: dass es Gott in allen Geboten um die Liebe zu ihm und den Menschen geht.

Alle Tugenden aber, die von der Liebe getrennt sind, sind sehr unvollkommen. Mische daher deine Worte der Gerechtigkeit stets mit Barmherzigkeit und Milde!

Frage: Wie kannst du heute deine eigenen Handlungen so gestalten, dass Liebe und Mitgefühl immer den Vorrang vor dem Bedürfnis nach moralischer Überlegenheit haben?

Der Pharisäer in mir

Die Pharisäer müssen sehr empört gewesen sein, als sie Jesus und seine Jünger beim Festmahl mit Menschen sahen, die ganz offensichtlich Sünder, Zöllner oder Betrüger waren.

An ihrer Reaktion erkenne ich auch den kleinen Pharisäer in mir, der sich schnell über andere erhebt, neidisch wird und über andere urteilt.

Der polnische Primas Kardinal Wyszyński sagte einmal: Achte jeden Menschen, denn Christus lebt in ihm. Denke gut über jeden. Bemühe dich, selbst im Schlimmsten etwas Gutes zu finden.
Betti Duda

Frage: In welchen Momenten erkenne ich bei mir selbst diese kleine Stimme des Urteils, und wie kann ich bewusst das Gute in anderen sehen?

Vers 17 Arzt für Kranke

Mk 2,17: Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken.

Mk 2,17: Ich bin gekommen, um Sünder in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen, und nicht solche, die sich sowieso für gut genug halten.

Mk 2,17: Nicht die Starken brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder zur Buße.

Inhalt der Sendung Jesu

Die Sünder, die ihr Leben verfehlt haben, die gescheitert sind, die an sich selbst vorbei gelebt haben, verstehen am ehesten seine Worte.

Sie, die um ihre Armut, Begrenztheit und Heillosigkeit wissen, sind offen für seine Botschaft. Sie nehmen Gottes Zuwendung an. Sie sehnen sich nach Erlösung und Heil.

Spüre ich, wie bedürftig ich bin, bedürftig des Heiles, der Vergebung, des Erbarmens und einer Liebe, die sich auch mir vorbehaltlos zuwendet und mich bedingungslos annimmt?

Fliehen wir nicht vor dem Herrn, sondern wenden uns ihm zu, gedenkend, was er alles für uns tat und tut!

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die Einladung, mich dem Göttlichen hinzugeben und Heilung anzunehmen?

Bei Jesus Heilung erfahren

Jesus sieht sich als Arzt, als Therapeut. Er sieht sich gesandt für die Kranken, die Heillosen, für alle, die in der Sünde an sich selbst vorbei leben.

Ich bin gekommen, sagt Jesus einmal, um zu suchen, was verloren war und zu heilen, was verwundet ist. Das ist seine Sendung. Das ist der Wille des Vaters.

Wir sind eingeladen, mit unseren Verwundungen, Verletzungen und Enttäuschungen zu ihm zu kommen, der gekommen ist, um die Verlorenen zu suchen und die Verwundeten zu heilen.

Frage: Welche Wunden in deinem Leben könntest du heute bewusst zu Jesus bringen, um Heilung zu erfahren?

Andacht von Clemens von Alexandrien

Wie aber die Gesunden den Arzt nicht benötigen, solange sie gesund sind, so haben die Kranken seine Kunst nötig. Ebenso brauchen wir den Heiland, da wir in unserem Leben an schmählichen Begierden, tadelnswerten Zügellosigkeiten und den übrigen Entzündungen der Leidenschaften leiden.

Begreiflicherweise bedürfen wir Kranke des Heilbringers, wir Verirrte des Führers, wir Blinde des Erleuchters und wir Durstige der lebendigen Quelle, deren Wasser die Trinkenden nie mehr dürsten lässt (vgl. Joh 4,14). Die Toten haben das Leben nötig, der Hirte seine Schafe, die Kinder den Erzieher – aber auch die ganze Menschheit braucht Jesus.

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens spürst du heute die Sehnsucht nach Heilung, Führung oder neuer Lebenskraft?