Mk 1, 9-11 Taufe von Jesus: Auslegung und Andacht
Mk 1, 9-11 im Überblick: Dieser Impuls erklärt die Taufe von Jesus in Markus 1, 9 bis 11 Schritt für Schritt. Erfahre, welche tiefere Bedeutung in den Versen steckt und was sie für dein Glaubensleben bedeuten.
Inhaltsverzeichnis
Vers 9 Taufe Jesu
Mk 1,9: Es geschah in jenen Tagen, dass Jesus von Nazareth in Galiläa kam und sich von Johannes im Jordan taufen ließ.
Die Taufe Jesus
Jesus ist wirklich unser Bruder geworden. Er kommt zu uns. Er hält sich nicht auf Distanz zu den Sündern. Er lässt sich ein in das Dunkel von Schuld und Sünde.
Er unterzieht sich der Busstaufe des Johannes, obwohl er Busse und Umkehr gar nicht nötig hat. Das ist keine Farce, kein Theater, keine Idylle, wie auch die Menschwerdung keine Farce und Idylle ist.
Jesus zeigt sich durch und durch solidarisch mit den Sündern, mit den Geplagten und Beladenen. Bald wird er sich einer anderen „Taufe“ unterziehen, der „Todestaufe“ seines Leidens und Sterbens.
Jesus nimmt den Kampf auf gegen die Sünde. Und dieser Kampf wird ihn selbst das Leben kosten. Dann nimmt er die Schuld der Welt vollends auf sich. Seine Solidarität mit den Menschen, mit uns, kennt keine Grenzen.
Und das ist Frohe Botschaft für uns: Jeder von uns, wenn er ehrlich ist, muss sich als Sünder bekennen. Aber wir dürfen wissen: Jesus tritt für uns ein. Er trägt unsere Schuld mit uns und für uns. Wir brauchen daran nicht zu zerbrechen noch zu ersticken.
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du Jesus’ grenzenlose Solidarität bewusst annehmen und loslassen, was dich belastet?
Andacht von Benedikt XVI
Der Bericht von der Taufe Jesu zeigt den Weg der Erniedrigung und Demut, den der Sohn Gottes freiwillig gewählt hat, um dem Plan des Vaters zu folgen, um seinem Liebeswillen im Hinblick auf den Menschen in allem gehorsam zu sein, bis hin zum Kreuzesopfer.
Erwachsen geworden, beginnt Jesus seine öffentliche Sendung, indem er sich zum Jordan begibt, um von Johannes eine Taufe der Buße und Umkehr zu empfangen. Es geschieht das, was in unseren Augen paradox erscheinen könnte. Braucht Jesus Buße und Umkehr? Sicherlich nicht.
Und doch reiht sich gerade er, der ohne Sünde ist, unter die Sünder ein, um sich taufen zu lassen, um diese Geste der Buße zu vollbringen. Jesus will sich auf die Seite der Sünder stellen, indem er mit ihnen solidarisch ist und die Nähe Gottes zum Ausdruck bringt.
Jesus zeigt seine Solidarität mit uns, mit unserer Mühe, uns zu bekehren, unsere Egoismen hinter uns zu lassen, von unseren Sünden loszukommen, um uns zu sagen, dass er – wenn wir ihn in unser Leben aufnehmen – fähig ist, uns wieder aufzurichten und zur Höhe Gottes, des Vaters, zu führen.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben Momente der Demut und des Loslassens bewusst gestalten, um Gottes Nähe erfahrbar zu machen?
Andacht von Anselm Grün
Die frühe Kirche nannte die Taufe „photismos = Erleuchtung“. In der Taufe kommen wir ins Licht. Da hellt sich unser Dasein auf. Wir bekommen neue Augen und erkennen die Wirklichkeit, wie sie wahrhaft ist, unsere eigene Wirklichkeit, aber auch die der Welt.
Johann Baptist Metz, der politische Theologe, spricht von der Mystik der offenen Augen. Der indische Jesuit de Mello beschreibt einmal Mystik als Aufwachen zur Wirklichkeit.
Lassen wir uns von Jesus unsere Augen öffnen, damit wir mit einem Blick der Liebe und der Hoffnung auf uns, auf unsere Mitmenschen und auf unsere Welt schauen. Wir können auf die Welt aber nur mit offenen Augen schauen, wenn wir daran glauben, dass die ganze Welt schon vom Licht Christi erleuchtet ist, das alles zu erhellen und zu heilen vermag.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich das Licht Christi bereits bewusst wahrgenommen, und wie kann ich es tiefer in meinem Alltag erkennen?
Vers 10 Offener Himmel
Mk 1,10: Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er den Himmel zerrissen und den Geist wie eine Taube auf ihn herabsteigen.
Der heilige Geist als Taube
Der Heilige Geist wird aufgrund von Genesis 1:2 mit einer Taube in Verbindung gebracht, wo das Brüten des Geistes über den Wassern bei der Schöpfung einigen alten Rabbinern die Wirkung einer Taube nahelegte.
Außerdem sind Tauben sanfte, nicht bedrohliche Vögel. Sie leisten keinen Widerstand und wehren sich nicht. Sie repräsentieren das sanfte, treue Wirken des Heiligen Geistes.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich die sanfte, leitende Gegenwart, die mich still und treu begleitet?
Vers 11 Stimme des Vaters
Mk 1,11: Und eine Stimme ertönte aus dem Himmel: Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!
Dreifaltigkeit
Dies ist die erste Begebenheit, in der wir die Dreieinheit Gottes offenbart sehen. Der Vater spricht aus dem Himmel, und der Heilige Geist kommt sichtbar auf den Mensch gewordenen Sohn Gottes herab.
Wie bedeutungsvoll das Zeugnis des Vaters über Seinen geliebten Sohn ist, erkennen wir daran, dass Er es zweimal gegeben hat – einmal am Anfang und einmal gegen Ende Seines Dienstes bei der Verklärung.
Frage: Wie offenbart sich die göttliche Gegenwart in deinem eigenen Leben, und wo spürst du die Verbindung von Vater, Sohn und Geist in deinem Inneren?
Andacht von Benedikt XVI
Angesichts dieser demütigen Geste der Liebe von Seiten des Gottessohnes öffnet sich der Himmel, und der Heilige Geist offenbart sich sichtbar im Bild der Taube, während eine Stimme aus der Höhe das Wohlgefallen des Vaters zum Ausdruck bringt, der den eingeborenen, geliebten Sohn anerkennt.
Es handelt sich um eine wirkliche Offenbarung der allerheiligsten Dreifaltigkeit, die die Gottheit Jesu bezeugt und dass er der verheißene Messias ist, von Gott gesandt, um sein Volk zu befreien, damit es gerettet wird.
Auslegung und Kommentar von Benedikt XVI
Frage: Wie öffnet sich mein Herz täglich, um die Liebe Gottes in meinem Leben wahrzunehmen und weiterzugeben?
Du bist mein geliebtes Kind
Über jeden von uns hier und jetzt sagt Gott: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter!
Bedenke: Der Kern unseres Glaubens besteht nicht in Leistungen, Geboten und Verboten, sondern darin, dass wir uns die Liebe Gottes gefallen lassen, dass wir uns davon anrühren und ergreifen lassen. Und dass wir dann die Liebe, die von Gott zu uns kommt, weitergeben. Lieben als Antwort darauf, dass wir geliebt werden.
Welche Wohltat, wenn sie das Ja des Seindürfens, das Alphabet des Angenommenseins, des Geliebtwerdens und Liebens an uns buchstabieren können!
Der Vater weiß bei der Taufe Jesu: sie werden ihn kreuzigen. Uns werden die Steine nicht aus dem Weg geräumt und viele Fragen bleiben ohne Antwort. Aber ganz tief, tiefer als unsere Ängste, tiefer als unsere Ungereimtheiten und Traurigkeiten – ist alles gut.
Frage: Wo in meinem Leben darf ich die Liebe Gottes tiefer annehmen und von dort aus weitergeben?