Mk 1, 14-20 Die ersten Jünger: Auslegung und Andacht
Mk 1, 14-20 im Überblick: Diese Bibelarbeit beleuchtet die Berufung der ersten Jünger in Markus 1, 14 bis 20 Vers für Vers. Verstehe den geistlichen Kontext für deinen eigenen Alltag.
Inhaltsverzeichnis
Vers 14 Predigt in Galiläa
Mk 1,14: Nachdem aber Johannes gefangen genommen worden war, kam Jesus nach Galiläa und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes.
Jesus verkündigt das Evangelium
Jesus war ein Prediger und er brachte die Botschaft von Gottes Herrschaft auf die Erde, wenn auch nicht in der Weise, die im Volksmund erwartet oder gewünscht wurde.
Die meisten Menschen wollten ein politisches Königreich, das die unterdrückerische Besatzung der Römer ersetzen würde. Jesus verkündete das Evangelium Gottes. Viele wissen, dass das Wort "Evangelium" aus dem Griechischen stammt und "Frohe Botschaft" bedeutet, aber wenige wissen, worin diese frohe Botschaft wirklich besteht.
Frohe Botschaft heißt, dass Gott nicht mehr fern von uns, sondern in Jesus da ist, mitten unter uns. Denn Jesus ist Gott, und als solcher ist er zu uns gekommen. Das heutige Evangelium lädt uns ein, wirklich zu glauben, dass Jesus Gott ist.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben spüren, dass Gott mitten unter uns ist, so wie er in Jesus gegenwärtig war?
Vers 15 Das Reich ist nahe
Mk 1,15: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!
Was ist die erfüllte Zeit?
In diesem Text des Evangelisten Markus ist die Zeit als die Dauer der von Gott gewirkten Heilsgeschichte zu verstehen. Die „erfüllte“ Zeit ist also jene, in der dieses Heilswirken seinen Höhepunkt, seine volle Verwirklichung erreicht: Es ist der historische Moment, in dem Gott seinen Sohn in die Welt gesandt hat und sein Reich mehr denn je „nahegekommen“ ist. Die Zeit des Heils ist erfüllt, weil Jesus gekommen ist. Papst Franziskus
Frage: Welche Momente in meinem Leben spüre ich als besonders erfüllt von göttlicher Gegenwart und Heil?
Die Zeit ist erfüllt
Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott als der Immanuel uns durch unsere Lebenszeit begleitet. Wir sollten aber immer wieder hinterfragen, womit wir unsere Zeit verbringen, damit unser Leben zu erfüllter Zeit wird. Nouwen
Was ist Buße?
Es gibt eine weltliche Auffassung von Buße, und es gibt eine christliche Auffassung. Buße tun heißt umdenken. Dass wir das mit «Buße tun» übersetzen, ist etwas gefährlich, etwas zu weltlich.
Die weltliche Auffassung von Buße ist alt: Wir haben etwas falsch gemacht, und wir müssen es jetzt so schnell wie möglich gutmachen. Das Beste, was dabei herausschauen kann, ist Flickwerk, und auch das gelingt uns selten, wie wir wissen.
Das Neue ist: Gott hat es getan! Es ist bereits geschehen. Wir sind erlöst. Wir müssen nur umdenken, neu denken. Es heißt nicht: Tut zuerst Buße, und glaubt danach! Sondern: Tut Buße, indem ihr umdenkt und glaubt, was zu gut scheint, um wahr zu sein.
Die ganze Polemik zwischen Gesetz und Gnade steckt in diesem einen kleinen Satz: Denkt um und glaubt! Glauben ist Umdenken. Verlasst euch nicht darauf, was ihr als Buße tun könnt, um alles wieder zusammenzuflicken; das ist alles noch weltlich.
Denkt wirklich um; glaubt, vertraut, verlasst euch auf die Frohe Botschaft: Einer ist gekommen, der es geschafft hat, der das geworden ist, was der Mensch sein sollte: Gottes Sohn. Es ist endlich Wirklichkeit geworden, und wir können alle daran teilnehmen durch unser gläubiges Leben.
David Steindl-Rast
Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute das Umdenken wagen und dem Glauben an die vollendete Erlösung Raum geben?
Tut Buße
Niemand ist sündenlos, niemand rein von Schmutz, außer jenem allein, der um unseretwillen arm geworden ist, da er reich war.
Ohne Sünde ist er allein, der die Sünde der Welt hinwegnimmt, der will, dass alle Menschen selig werden, der nicht den Tod der Sünder will: der Menschenfreund, der überaus Mildreiche, Barmherzige, Gute, die Seelen Liebende, Allmächtige, der Heiland aller Menschen, der alle zur Buße ruft und niemand zurückstößt.
Auch wir dürfen also nicht an unserem Heil verzweifeln. Haben wir gesündigt, so bekehren wir uns! Haben wir uns tausend Mal versündigt, dann bekehren wir uns tausend Mal! Über jedes gute Werk freut sich Gott, doch ganz besonders über eine büßende Seele.
Auslegung und Kommentar von Ephräm der Syrer
Frage: Welche alten Gewohnheiten oder Gedanken darf ich loslassen, um meinem inneren Heil und meiner Seelenruhe näherzukommen?
Bekehrung
Bekehrung ist ein entscheidender Augenblick, der uns abkehrt von dem, was wir über unser Leben wissen, damit wir, Auge in Auge mit Gott, von Gott erfahren, was er davon hält und daraus machen will.
In diesem Augenblick wird Gott für uns zum Allerwichtigsten, wichtiger als alles andere, wichtiger als jedes Leben, selbst und vor allem das unsrige.
Ohne diesen höchsten, überwältigenden Primat des lebendigen Gottes, der uns einfordert, seinen Willen unserem Herzen vorstellt, damit es in Freiheit Ja oder Nein antworte, gibt es keinen lebendigen Glauben.
Madeleine Delbrêl
Frage: Wann habe ich das letzte Mal wirklich innegehalten, um Gottes Ruf in meinem Leben zu hören, und wie offen bin ich, ihm zu antworten?
Vers 16 Berufung am See
Mk 1,16: Als er aber am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und dessen Bruder Andreas; die warfen das Netz aus im See, denn sie waren Fischer.
Gehen und Sehen
Schon im Verbum „entlanggehen“/„vorbeigehen“ klingt ein für Markus wichtiges Thema an: Der Weg ist Sinnbild für die Sendung Jesu.
Jesu „Sehen“ ist nicht ein bloßes Wahrnehmen oder Beobachten, sondern ein aufmerksames, an dem Brüderpaar interessiertes Sehen. Seinem Blick zu begegnen, muss für die beiden ein bedeutungsvolles Erlebnis sein. Anders wäre es schwer erklärlich, dass sie spontan seinem Ruf folgen.
Die beiden fühlen Sympathie für ihn und finden Vertrauen zu ihm, gleichsam auf den ersten Blick. Die Begegnung im Sehen lässt sie auch spüren, dass er um ihre Alltagssituation weiß und sie versteht.
Auch wenn die Initiative Jesu nur knapp geschildert wird, lässt sie doch ahnen, dass eine vertrauensvolle Beziehung entsteht. Diese ist Grundlage und Voraussetzung für den anschließenden Ruf.
Martin Hasitschka
Frage: Wie spürst du in deinem eigenen Leben Momente, in denen ein achtsames Sehen dir Vertrauen und Nähe eröffnet hat?
Vers 17 Menschenfischer
Mk 1,17: Und Jesus sprach zu ihnen: Folgt mir nach, und ich will euch zu Menschenfischern machen!
Zur Nachfolge
An seiner Wurzel geht es beim Christentum nicht um theologische Systeme, Regeln oder gar darum, Menschen zu helfen – es geht darum, Jesus nachzufolgen.
Wunderbar ist dieser Fischfang
Denn wenn die Fische gefangen werden, sterben sie bald, während die Menschen, wenn sie durch das Wort der Predigt gefangen werden, vielmehr lebendig werden. Es werden aber Fischer und Ungebildete zur Predigt ausgesendet, damit man einsähe, dass der Glaube der Christen nicht in der Beredsamkeit und Gelehrsamkeit, sondern in der Kraft Gottes ruhe.
Fischer für Christus!
Christus bittet uns alle, Menschenfischer zu sein, Fischer von Menschen für sein Königreich. Es ist nicht genug, eine tolle Persönlichkeit zu sein oder sehr wirkungsvolle Fähigkeiten oder ein spezielles Charisma zu haben.
Wenn wir Herz und Sinn anderer Seelen erreichen wollen, brauchen wir die Hilfe und Gnade Christi. Es gibt keinen anderen Weg. Wenn Christus unser Apostolat nicht segnet, dann vergeuden wir unsere Zeit.
Er muss der Motor und die antreibende Kraft hinter allem sein, was wir tun. Er ist es, der tatsächlich wirkt; wir sind sozusagen nur die Tragtiere, die Christus von Mensch zu Mensch tragen. Er braucht unsere Mitarbeit, aber nur dank seiner Gnade können wir Werke tatsächlich vollbringen.
Michael Sliney
Frage: Wie offen bin ich wirklich dafür, Christus in meinem Leben als die treibende Kraft wirken zu lassen?
Vers 18 Netzverlassen
Mk 1,18: Da verließen sie sogleich ihre Netze und folgten ihm nach.
Aufruf zur Nachfolge
Der Aufruf zur Nachfolge durch Jesus ist im Evangelium häufiger zu finden. Diese Nachfolge beinhaltet die Bindung an seine Person. Unsere Antwort darauf ist nicht nur ein gesprochenes Bekenntnis, sondern das Tun.
Es ist allerdings kein Tun und Machen im Sinne eines „Dies oder jenes sollst du tun“, sondern ein Tun und Handeln aus der Mitte Jesus heraus. Darum sagt Jesus: Bleibt in mir, so bleibe ich in euch. Durch dieses Bleiben in Jesus ist das Reich Gottes in und unter uns. Das ist die frohe Botschaft, die unser Herz erfüllt und uns voller Zuversicht in die Welt hinausgehen lässt.
Diesen Gedanken möchte ich dir mitgeben: Bei all deinem Tun in deinem Alltag achte stets darauf, in Jesus zu bleiben und aus ihm heraus zu tun und zu wirken. Vor allem kurze, spontane Erhebungen des Herzens, sogenannte Stoßgebete, sind dafür sehr gut geeignet. Ein kurzes „Jesus hilf“ oder „Heiliger Geist komm“ oder „Gelobt sei Gott“ leise hier und da gesprochen, stärkt unsere Bindung an Gott und trägt uns durch den Tag.
Der Anruf Jesu erfolgt plötzlich und hat einen überraschend unbedingten Charakter: Auf, mir nach! ist ein Befehl, dem man sich kaum entziehen kann. Daran wird prototypisch die Radikalität der durch den Ruf Jesu erfolgten Lebenswende verdeutlicht. Sie sind die ersten, die Jesu Botschaft vom nahe gekommenen Königreich Gottes glauben, indem sie ihr Denken und Handeln ganz auf diese Botschaft ausrichten und auf den, der sie übermittelt, Jesus.
Frage: Wo in meinem Alltag könnte ich bewusst innehalten, um aus der Mitte Jesu heraus zu handeln und meine Bindung zu ihm zu stärken?
Vers 19 Jakobus und Johannes
Mk 1,19: Und als er von dort ein wenig weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes, die auch im Schiff waren und die Netze flickten.
Jesus treffen im Alltag
Dadurch, dass Markus anschließend ein zweites Mal in sehr ähnlicher Weise von der Berufung eines Brüderpaares erzählt, hebt er bereits auf literarische Weise die Bedeutsamkeit der Jüngernachfolge hervor. Wieder wird Jesu Initiative durch sein erwählendes Sehen beschrieben. Wieder trifft sein Blick eine Alltagssituation.
Während in der ersten Erzählung Simon und Andreas am Beginn eines Arbeitsvorganges geschildert werden (Netze auswerfen), wird das jetzige Brüderpaar bei dessen Beendigung gezeigt (Netze herrichten/in Ordnung bringen). Vielleicht ist dies ein zufälliges, narratives Detail. Es deutet dennoch an, dass Berufung in jeder Alltagssituation geschehen kann.
Martin Hasitschka
Frage: In welchen alltäglichen Momenten spürst du heute eine Möglichkeit zur Berufung oder inneren Ausrichtung?
Vers 20 Sofortige Nachfolge
Mk 1,20: Und sogleich berief er sie; und sie ließen ihren Vater Zebedäus samt den Tagelöhnern im Schiff und folgten ihm nach.
Sie verließen alles
Die Antwort der Apostel war heroisch. Sie folgten sofort, voll Freude und mit ganzem Herzen.
Wie ist meine Einstellung zu Gottes Willen in meinem Leben? Er teilt mir seinen Willen durch die Gebote und Gesetze der Kirche sowie durch die Anweisungen meiner Eltern und Vorgesetzten mit.
Antworte ich selbstlos? Oder überlege ich erst, was es mich kostet, und lehne erst einmal ab, bevor ich ihm folge? „Was springt für mich dabei heraus?“
Ich erreiche die ewige Herrlichkeit nur, wenn ich ihm großzügig folge.
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich lernen, Gottes Willen freudig und selbstlos anzunehmen?
Bezug auf mein Leben
Für diese Männer war dieser Moment ein prägendes, unvergessliches Ereignis. Auch wir sollten den Augenblick nie vergessen, in dem Gott in unser Leben getreten ist – jene Begegnung mit der Gnade, die unser Leben verändert hat.
Es ist wichtig, diese Erfahrung in Herz und Geist zu bewahren, um daraus Kraft und Orientierung für unser Leben zu schöpfen.
Frage: Wann hast du zuletzt bewusst gespürt, dass eine Begegnung mit der göttlichen Gnade dein Leben berührt und verändert hat?
Andacht von Gregor dem Großen
Vielleicht wird sich jemand fragen: „Was haben sie denn schon Kostbares aufgegeben, als der Herr sie rief, diese beiden Fischer, die doch fast gar nichts hatten?
Sie haben viel aufgegeben, weil sie auf alles verzichtet haben, wie wenig das auch gewesen sein mag. Wir jedoch kleben an dem, was wir haben, und suchen gierig nach dem, was wir nicht haben.
Petrus und Andreas haben also viel aufgegeben, als sie beide dem bloßen Wunsch nach Besitz entsagten. Sie haben viel aufgegeben, da sie mit dem Verzicht auf ihre Habe auch ihrer Begehrlichkeit entsagten.
Niemand soll also, auch wenn er sieht, dass einige auf großen Reichtum verzichtet haben, bei sich selbst sagen: „Ich würde sie gerne in ihrer Geringschätzung dieser Welt nachahmen; doch ich habe nichts, wovon ich mich trennen könnte: Ich besitze nichts.“
Ihr gebt viel auf, meine Brüder, wenn ihr den Begierden dieser Welt entsagt. Denn der Herr begnügt sich mit unseren äußeren Gütern, so gering sie auch sein mögen: Das Herz ist es, worauf er schaut, nicht der Marktwert unserer Gabe. Er achtet nicht darauf, wie viel wir ihm opfern, sondern von wie viel Liebe unsere Opfergabe begleitet wird.
Frage: Welche kleinen Dinge in deinem Leben könntest du loslassen, um dein Herz freier und offener für das Göttliche zu machen?