Lk 9, 46-50 Jüngerstreit, wer der Größte ist
Inhaltsverzeichnis
Vers 46 Streit um Rangordnung
Lk 9, 46: Es schlich sich aber der Gedanke bei ihnen ein, wer wohl der Größte unter ihnen sei.
Wer ist der Größte?
Wir ertappen uns häufig dabei, dass wir, ebenso wie die Jünger, danach trachten, der oder die Größte zu sein. Die Gesellschaft ermutigt uns, alles zu tun, was verspricht, erfolgreich zu sein, „Spitze“ zu sein. Häufig verlieren wir in dem Kampf um Erfolg die Sicht auf Christus und schieben ihn schließlich auf den zweiten Platz ab.
Wenn mir wirklich daran gelegen ist und ich mich ehrlich mühe, kann Christus zur wichtigsten Person in meinem Leben werden. Trotz meiner schwachen Neigungen kann er die Nummer Eins in meinem Leben werden.
Christopher Scroggin
Frage: Wie könnte mein Leben aussehen, wenn Christus wirklich an erster Stelle stehen würde – in meinen Gedanken, Entscheidungen und meinem Alltag?
Wer ist der Größte?
Das ist eine sehr natürliche und häufig gestellte Frage in einer Welt, wo Wettbewerb und Konkurrenzkampf auf der Tagesordnung stehen, wo kein Unterschied zwischen Sein und Tun gemacht wird.
Man kann sich die Apostel gut vorstellen: Starke, mutige Männer, die daran gewöhnt waren, hart zu arbeiten und von denen jeder der Größte sein wollte. Wie oft versuche ich, mich hervorzutun oder vorzugeben, jemand zu sein, der ich eigentlich gar nicht bin, nur um ein bisschen größer zu erscheinen!
Wie oft habe ich geliebte Dinge und Menschen übergangen, um in der Meinung der Welt zu wachsen! Der Wunsch, groß zu sein, ist an sich gar nicht schlecht, da wir ein Abbild Gottes sind. Er hat uns für große Dinge erschaffen.
Die Frage ist: Vor wessen Augen will ich groß sein? Was sind meine Sehnsüchte? Wenn ich wirklich in Gottes Augen wachsen will, muss ich vor ihm und vor mir selbst ehrlich sein. Er kennt schon alles, was ich im Herzen trage und hat selbst noch bessere Pläne. Doch ohne meine freie Einwilligung kann er sein Werk nicht beginnen.
Daniel Flores Mondragon
Frage: Welche Sehnsucht in mir möchte ich wirklich in Gottes Augen entfalten, jenseits der Erwartungen der Welt?
Vers 47 Kind als Beispiel
Lk 9:47: Da nun Jesus die Gedanken ihres Herzens sah, nahm er ein Kind und stellte es neben sich.
Jesus kennt unser Herz
"Jesus wusste, was in ihrem Herzen vorging", berichtet uns das Evangelium. Er kennt auch unser Herz und unsere Sehnsüchte.
Wie die Jünger wollen auch wir groß sein, besser als die anderen. Wir wollen in den Augen anderer wichtig sein und suchen ihre Anerkennung. Wir wollen, dass unser Leben gelingt und dass es bedeutsam wird; dass etwas Dauerhaftes von unserem Leben bleibt, um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.
Diese Sehnsüchte in unserem Herzen haben meistens eine gute Wurzel. Denn für Gott sind wir bedeutsam und wichtig. Auch er möchte, dass wir Frucht in unserem Leben bringen. Er möchte uns zeigen, dass er uns wertschätzt und er möchte uns durch seine Hilfe groß machen.
Unsere Wünsche sind allerdings manchmal nicht ganz selbstlos und bedürfen der Reinigung von allem, was von unserem Egoismus kommt. Machen wir uns auf die Suche und finden wir heraus, was in unserem Herzen vorgeht, welche Sehnsüchte von Gott kommen, und was Gottes Plan damit ist!
Michael Hemm
Frage: Welche Sehnsucht in meinem Herzen könnte von Gott kommen, und wie kann ich ihr bewusst Raum geben, um zu wachsen?
Jesus zeigt uns den Weg
Er stellt ein kleines Kind in die Mitte der Jünger. Er zeigt, dass nicht Größe, Macht oder Erfolg, sondern Demut, Dienst am Nächsten und Armut, unserem himmlischen Vater ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Ja, Jesus selbst ist in seinem ganzen Leben den Weg der Sohnschaft gegangen. Er hat ein einfaches Leben gelebt, wie das eines normalen Menschen. Er hat gerne seine Zeit mit den Armen, den Kranken, den Kindern und den Außenseitern verbracht. Auch seine Jünger waren keine perfekten Männer. Und gerade mit ihnen hat er sich gerne aufgehalten.
Diese Art von Menschen hatten – und haben auch heute noch – etwas Besonderes an sich, sodass sie auf das Herz Jesu fast wie ein Magnet wirken.
Maria Hemm
Frage: Welche kleinen Gesten der Demut und des Dienens könntest du in deinem Alltag kultivieren, um deinem eigenen Herzen und dem anderer näher zu sein?
Klein sein
Was bedeutet es eigentlich, klein zu sein? Zur Klärung der Frage stellte Jesus ein Kind in die Mitte.
Jesus empfiehlt uns damit eine kindliche Haltung für unser Verhalten, vor allem im geistlichen Sinne. Er bittet mich um großes Vertrauen und Glauben, damit ich ihn in all den verschiedenen Lebensumständen in meinem Nächsten erkennen kann.
Er bittet mich um das gleiche Vertrauen und den gleichen Glauben, die Maria befähigten, "fiat" (es möge geschehen) zu sagen.
Er ist ein gütiger und liebender Vater, der das Beste für mich will. Er will, dass ich großzügig bin. Er bittet mich darum, alles, was ich bekommen habe, ihm anheimzustellen.
Daniel Flores Mondragon
Frage: Wie könnte ich heute lernen, mit einem offenen und vertrauensvollen Herzen auf mein Leben und meine Mitmenschen zu schauen?
Vers 48 Der Kleinste ist groß
Lk 9:48: Er sprach zu ihnen: Wer dieses Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Denn wer der Geringste ist unter euch allen, der wird groß sein!
Hinweis auf das Kind
Jesus wusste, welche Frage sie umtrieb, und stellte ein Kind neben sich. Dann erklärte er, dass jeder, der ein Kind in seinem Namen aufnehmen wird, ihn selbst aufnehmen würde.
Auf den ersten Blick scheint diese Äußerung nichts mit der Frage zu tun zu haben, wer der Größte unter den Jüngern sei. Doch obwohl es nicht offensichtlich ist, scheint die Verbindung folgende zu sein: Echte Größe zeigt sich in liebevoller Fürsorge für die Kleinen, die Hilflosen, an denen die Welt einfach vorübergeht.
Jesus hatte gesagt: Wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß. Deshalb bezog er sich bei dieser Aussage auf denjenigen, der sich selbst demütigte und sich mit unscheinbaren, unbedeutenden und verachteten Gläubigen verband.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich lernen, die "Kleinen" mit derselben Liebe und Aufmerksamkeit zu sehen, die Jesus lehrte?
Denn wer unter euch der Kleinste ist, wird groß sein
Jesus forderte damals seine Nachfolger auf, die Kleinsten zu sein. Der Wunsch nach Lob und Anerkennung sollte einem Nachfolger Jesu fremd sein. Jesus möchte, dass seine Nachfolger sich für die Geringsten entscheiden, damit andere bevorzugt werden, und nicht, weil wir dazu gezwungen werden, die Geringsten zu sein.
Andacht von Papst Franziskus
Wer Gott sucht, findet ihn dort, in den Kleinen, in den Bedürftigen: in denen, die nicht nur der Güter, sondern auch der Fürsorge und des Trostes bedürfen, wie die Kranken, die Gedemütigten, die Gefangenen, die Einwanderer und die Inhaftierten.
Da ist er: in den Kleinen. Deshalb ist Jesus entrüstet: jede Beleidigung, die einem Kleinen, einem Armen, einem Kind, einem wehrlosen Menschen angetan wird, wird ihm zugefügt.
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag die kleinen, oft übersehenen Momente der Fürsorge wahrnehmen und so Gottes Gegenwart erkennen?
Lk 9, 49-50 Mann redet im Namen Jesus
Lk 9:49: Johannes aber antwortete und sprach: Meister, wir sahen jemand, der in deinem Namen die Dämonen austrieb, und wir wehrten es ihm, weil er nicht mit uns nachfolgt.
Lk 9:50: Und Jesus sprach zu ihm: Wehrt ihm nicht! Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.
Das Gute sehen
So ist das menschliche Herz der Jünger, dem unser Herz so ähnelt. Wie schwer fällt es oft, das Gute in anderen zu schätzen, zu loben, anzuerkennen! Aber gerade so denkt und handelt Jesus, ganz anders als die Jünger.
Immer wieder finden wir im Evangelium den Kontrast zwischen der Denkweise der Jünger und Jesu Denkweise. Er urteilt anders, hat andere Kriterien. In diesem Fall freut er sich über diesen Menschen, der „in seinem Namen“ auftritt. Er sieht und schätzt das Gute.
Wie wichtig ist es, dass wir in unserem christlichen Leben unsere Kriterien, unsere Urteilsweisen immer wieder mit seinen Kriterien konfrontieren, mit der Bereitschaft, uns von Jesus herausfordern zu lassen und einiges an unserer Denkweise zu ändern.
Frage: Welche Haltung kann ich heute einnehmen, um das Gute in anderen bewusst wahrzunehmen und anzuerkennen?