Lk 8, 19-21
Jesus wahre Familie
Auslegung und Andacht

Lk 8, 19-21 im Überblick: Lukas 8, 19 bis 21 leicht verständlich erklärt. Dieser Impuls über Jesu wahre Familie hilft dir, den Bibeltext tiefgehender zu erfassen und im Alltag anzuwenden

Der rote Faden von Lk 8,19-21

  • Hören und Tun: Der Glaube erschöpft sich nicht im bloßen Verstehen, sondern drängt zur konkreten Lebenspraxis.
  • ​Die geistliche Familie: In Christus entsteht eine neue Gemeinschaft, die alle menschlichen, kulturellen und familiären Grenzen übersteigt.
  • ​Mariens wahre Größe: Maria ist das erste und vollkommene Vorbild dieser Haltung – sie ist diejenige, die das Wort Gottes wie keine andere hörte, bewahrte und vollbrachte („Mir geschehe nach deinem Wort“).

Lk 8, 19 Jesu Familie kommt

Lk 8,19: Es kamen aber seine Mutter und seine Brüder zu ihm, und sie konnten wegen der Volksmenge nicht zu ihm gelangen.

Sie konnten aber wegen der vielen Leute nicht zu ihm gelangen

Jesus, warum suchen dich so viele Menschen? Warum versammeln sie sich um dich und wollen dich sehen und hören? Welche Hoffnungen bringen sie zu dir? Was schenkst du ihnen durch deine Gegenwart?

Vielleicht finde ich in mir ähnliche Sehnsüchte und Bedürfnisse, die ich heute vor dich bringen möchte. Es gibt niemanden, der mir im Weg steht, um dir von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, um dir mein Herz mit allem darzubringen, was sich heute darin befindet.

Oder gibt es etwas, was dem im Wege steht? Eine Frage, ein Zweifel, Groll, Unsicherheiten, etc.? Auch das lege ich voll Vertrauen in dein Heiliges Herz.

Dein gütiger, geduldiger Blick, deine heilenden Hände, deine tröstenden und ermutigenden Worte bringen Hoffnung und Freude in mein Leben, genauso wie jenen, die sich an den Ufern und auf den Plätzen um dich herum versammelten.

Patricia Klein

Frage: Welche Sehnsucht oder welcher Wunsch in mir möchte heute von Jesu Gegenwart berührt werden?

Lk 8, 20 Familie wartet draußen

Lk 8,20: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sehen!

Drinnen und draussen

Wenn Christus aber nicht einmal seine Eltern kennen will, solange sie draußen stehen, wie will er uns kennen, wenn wir draußen stehen bleiben? Drinnen ist das Wort, und drinnen ist das Licht! Beda

Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen

Im IV. Hochgebet heißt es, dass „Jesus wie wir als Mensch gelebt hat, in allem uns gleich, außer der Sünde“.

Wir stellen uns oft einen Jesus vor, der nur Gott ist, der keinen Bedarf an Beziehung hat und der die Menschen nicht braucht. Aber so war Jesus nicht. Er war uns in allem gleich, jedoch als Gott ohne die Neigung zur Sünde.

Das heutige Evangelium zeigt eine besonders schöne Beziehung Jesu: jene zu seiner Mutter. Maria wollte Jesus sehen, die Frucht ihres Leibes berühren, ihren geliebten Sohn küssen, das Werk des Heiligen Geistes umarmen. Er war uns Menschen gleich und hat deshalb auch diese Liebesweise Marias gern entgegengenommen.

Br. João Paulo Jäger

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Gegenwart Jesu in den einfachen, menschlichen Beziehungen erkennen und wertschätzen?

Lk 8, 21 Wahre Verwandte hören Gottes Wort

Lk 8,21: Aber Jesus antwortete: Meine Mutter und meine Geschwister – das sind alle, die Gottes Botschaft hören und danach leben.

Andacht von der Erzabtei Beuron

Vom Hören des Wortes war im Gleichnis vom Sämann und in der Auslegung dieses Gleichnisses die Rede (V. 8.11-15).

Das rechte Hören, das Festhalten am Wort und das Leben nach dem Wort Jesu, das und nichts anderes führt in seine Nähe. Nicht durch Abstammung wird man Verwandter Jesu.

Das müssen seine Blutsverwandten lernen, die aus Nazareth gekommen sind, um ihn zu sehen. Was wollen sie „sehen“? Sie haben ihn in Nazaret gesehen und doch nicht gesehen (4,20.23; vgl. 8,10). Sie haben gestaunt (4,22), aber nicht geglaubt.

Es hat ihnen nichts genützt, dass sie im Land Jesu lebten und seine Zeitgenossen waren. Sie standen „draußen“ (V. 20); aber Jesus lässt sich nicht herausrufen, wer ihn sehen will, muss drinnen sein.

Frage: Welche Wege des Hörens und der Achtsamkeit öffnen in meinem eigenen Leben den Zugang zu innerer Nähe und spiritueller Verbindung?

Die wahre Familie

Jesus wies darauf hin, dass seine engste Familie aus denen besteht, die Gottes Wort hören und ihm gehorchen. Wir nähern uns Jesus, indem wir sein Wort hören und es tun. Dadurch gewinnen wir eine engere Beziehung zu Ihm als selbst eine normal verstandene Familienbeziehung. Das ist eine verblüffende Aussage.

Das Wort Gottes hören und danach leben

Man mag den ganzen Tag beten, singen oder fasten, aber wenn man sein Wort nicht hört und es nicht lebt, kommt man Gott nicht wirklich nahe.

Ich will alles, was Gott will, und ich will nichts, was Gott nicht will. In dieser seligen Hingabe finde ich meinen Frieden und eine tiefe Ruhe des Herzens.

Was aber ist der Wille des Vaters? Häufig ist das nicht eindeutig. Bonhoeffer schreibt dazu: „Der Wille Gottes kann sehr tief verborgen liegen unter sich anbietenden Möglichkeiten.“

Gottes Wille ist kein festes System von Regeln. Darum musst du immer wieder neu in deinen verschiedenen Lebenslagen genau hinschauen und durch Herz und Verstand, Beobachtung und Erfahrung sowie im Gebet ergründen, was sein Wille ist.

Frage: Wo spüre ich in meinem Alltag die leise Stimme Gottes, die mich einlädt, seinen Willen zu erkennen und zu leben?

Andacht von Augustinus

Lies diese Stelle nicht so, als ob der Erlöser seine Mutter verleugnet oder herabgesetzt hätte. Weit gefehlt! Er zeigt uns vielmehr, worin das eigentliche Glück Mariens bestand. Maria ist seliger dadurch, dass sie das Wort Gottes im Glauben empfing und tat, als dadurch, dass sie das Fleisch Christi gebar. Die leibliche Verwandtschaft nützt nichts, wenn sie nicht durch die geistliche Bande des Gehorsams veredelt wird. Indem Jesus seine Jünger und die Hörer des Wortes als seine Mutter und Brüder bezeichnet, lädt er uns alle in die innerste Verwandtschaft mit sich ein. Jeder, der den Willen des Vaters erfüllt, wird geistlich zur Mutter Christi, weil er ihn durch die Liebe in den Herzen gebiert. Auslegung und Kommentar von Augustinus

Andacht der Goldenen Perle

Diese also, welche das Wort Gottes hören und tun, heißen Mutter des Herrn, weil sie ihn täglich durch ihr Beispiel oder ihr Wort gleichsam in den Herzen des Nächsten gebären, auch sind sie seine Brüder, da sie auch den Willen seines himmlischen Vaters tun.

Wir wissen also, daß wir seine Brüder und seine Schwestern sind, wenn wir den Willen des Vaters erfüllen, und daß wir so auch seine Miterben sind. Hieronymus

Häufige Fragen zu Lk 8, 19-21

Was bedeutet Lk 8, 19-21?

Die kurze Perikope berichtet davon, dass die Mutter und die Brüder Jesu zu ihm kommen, aber wegen der Volksmenge nicht bis zu ihm durchdringen können. Das Geschehen verdeutlicht, dass im Reich Gottes die geistliche Zugehörigkeit zu Jesus höher steht als rein leibliche Verwandtschaftsbande.

Warum suchen die Angehörigen das Gespräch mit Jesus?

Die Familie möchte Kontakt zu Jesus aufnehmen, wird jedoch von der dichten Menschenmenge daran gehindert. Die Szene spiegelt die hohe Anziehungskraft wider, die Jesu Lehre und Handeln auf die breite Öffentlichkeit ausübten.

Wie definiert Jesus seine wahre Familie?

Als man ihm mitteilt, dass seine Mutter und seine Brüder draußen stehen, verweist Jesus auf jene, die das Wort Gottes hören und danach handeln. Er erweitert damit den Begriff der Familie von einer Blutsgemeinschaft hin zu einer Glaubensgemeinschaft.

Bedeutet diese Aussage eine Abwertung seiner leiblichen Mutter?

Nein, die Stelle stellt keine Ablehnung dar, sondern setzt einen neuen Maßstab für Nähe zu ihm. In Maria selbst erfüllt sich dieser Maßstab vorbildlich, da sie das Wort Gottes gehört, bewahrt und im Glauben befolgt hat.

Was ist die zentrale Botschaft von Lk 8, 19-21?

Die Zusage Jesu macht deutlich, dass der Zugang zu ihm für jeden Menschen offensteht, unabhängig von Herkunft oder Stand. Entscheidend für die Gemeinschaft mit ihm ist das Hinhören auf Gottes Wort und die konsequente Umsetzung im eigenen Leben.

Lk 8, 4-18 Gleichnis der vier Ackerböden
Lk 8, 22-25 Jesus stillt den Sturm