Joh 15, 1-8:
Auslegung und Andacht
Weinstock und Reben

Joh 15, 1 Der wahre Weinstock

Joh 15,1: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner.‭

Das Bild vom Weinstock

Von den vielen Bildern der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk betont das Bild von Weinstock und Zweig die vollständige Abhängigkeit und die Notwendigkeit einer ständigen Verbindung.

Die Rebe hängt noch mehr vom Weinstock ab als das Schaf vom Hirten oder das Kind vom Vater.

Als Jesus dabei war, sich von seinen Jüngern zu trennen, war dies eine wichtige Ermutigung. Er würde mit ihnen vereint bleiben und sie mit Ihm so wahrhaftig, wie Reben mit der Hauptrebe verbunden sind.

Frage: Wie lebst du heute deine Verbindung zum göttlichen Ursprung – und woran spürst du, dass der Lebenssaft in dir weiterfließt?

Der wahre Weinstock

Jesus bezeichnet sich als den wahren Weinstock und seine Jünger als die Reben. Mit diesem Bild beschreibt er eine tiefe Verbundenheit: Die Rebe lebt nicht aus sich selbst, sondern empfängt alles, was sie zum Leben braucht, aus dem Weinstock. So ist auch das Leben des Glaubens kein Werk aus eigener Kraft. Es gründet in der Beziehung zu Christus, aus der Wachstum, Kraft und Frucht hervorgehen. Gerade in einer Zeit, in der vieles von Leistung und Selbstständigkeit geprägt ist, erinnert dieses Bild daran, dass nicht alles aus eigener Anstrengung kommen muss. Sophie Unglert

Andacht von Cyrill von Alexandria

Der Herr sagt, dass er selbst der Weinstock sei, um uns zu lehren, uns in seiner Liebe zu verankern, und um uns zu zeigen, wie viele Vorteile wir aus der Vereinigung mit ihm ziehen.

Und er vergleicht diejenigen mit den Reben, die mit ihm vereint, ihm gewissermaßen gleichgeworden und in ihm verankert sind: Sie haben bereits „an der göttlichen Natur Anteil erhalten“ (2 Petr 1,4), da sie den Heiligen Geist empfangen haben.

Denn was uns mit Christus, dem Erlöser, vereint, ist sein Heiliger Geist.

Frage: Wo erlebe ich in meinem Leben die lebendige Verbindung mit Christus, die mich wachsen und Frucht bringen lässt?

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben

Die erste gute Nachricht: Wir sind Reben! Reben an ihm, Reben, die von ihm kommen und zu ihm gehören. Wie tröstlich ist es, uns mit Gott so verbunden zu wissen! Wir gehören zu ihm, ohne etwas erreichen oder leisten zu müssen. Von ihm haben wir das Leben. Eva Gloserová

Joh 15, 2 Reinigung der Reben

Joh 15,2: ‭Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; jede aber, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.‭

Bild der Rebe und der Frucht

Die Früchte sitzen nicht am Weinstock. Es sind nur die Reben, an denen wir die Früchte finden.

Gott hätte unsere Erlösung ohne unser Mitwirken erreichen und vermitteln können. Er entschied sich aber dafür, uns in die Arbeit der eigenen Erlösung und der von anderen einzubeziehen.

Um die Worte des Hl. Augustinus zu umschreiben: der Gott, der uns ohne uns erschaffen hat, wird uns nicht ohne uns retten.

Was für eine Ehre und Verantwortung hat Gott uns auferlegt! Der Sohn Gottes hat den ersten Schritt der Erlösung von dem „Fiat” Mariens abhängig gemacht. Er macht die Rettung der mich umgebenden Menschen von meinem Beispiel, meinen Worten und Werken abhängig.

Ich habe eine Mission in meinem Leben, dessen Kern die Ewigkeit ist. Was für eine Priorität gebe ich dieser Mission?

Edward Hopkins

Frage: Wie bewusst lebe ich meine göttliche Berufung im Alltag und lasse durch mich Frucht für die Ewigkeit wachsen?

Reinigung der Rebe

Dieses „Rein werden“ ist ein fortlaufender Entwicklungsprozess. Die Worte Jesu hören, verstehen und danach handeln sollte unseren Alltag bestimmen.

Wir dürfen als Jünger Jesu, als Königskinder, unterwegs sein und uns ständig weiter entwickeln.

Vor kurzem habe ich den schönen Spruch gelesen: Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen.

Frage: Wie erlebst du persönlich diesen Prozess des „Rein werdens“ in deinem Glaubensalltag, und wo spürst du dabei Gottes Wirken in dir?

Die Notwendigkeit der Reinigung

Im berühmten Gleichnis vom Weinstock und den Reben beschreibt Jesus die notwendigen Bedingungen für ein fruchtbares Leben als Christ. Wie ermöglicht das der Winzer (Gott)?

Damit der Weinstock Früchte trägt, müssen die Reben beschnitten werden. Das bedeutet: Beim Vorhandensein mehrerer Triebe werden nur zwei der drei belassen und die anderen abgeschnitten. Warum? Nicht die Menge des Ertrags ist wichtig, sondern die Qualität.

Wir haben viele nutzlose Triebe, die wir selbst gar nicht bemerken und die uns hindern, gute Frucht zu bringen. Zum Beispiel: sich in viele Aktivitäten verstricken, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Darum greift Gott in unser Leben ein und will uns helfen, Prioritäten zu setzen.

Akzeptieren wir Gottes reinigendes Handeln an uns? Oder klagen und murren wir, wenn es schmerzlich wird? Lassen wir vorgefertigte Gedanken und Meinungen los?

Anton Stehmer

Frage: Wo darf Gott in meinem Leben beschneiden, damit Neues wachsen und Frucht entstehen kann?

Joh 15, 3 Rein durch das Wort

Joh 15,3: ‭Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.‭

Das Wort Jesus macht uns rein

Und zwar nicht dadurch, dass wir es auseinander nehmen und untersuchen, sondern dadurch, dass wir unser zwiespältiges Leben von der Kraft des Wortes Jesu sammeln und verwandeln lassen.

Und nicht nur das gesprochene Wort ist Wort; auf vielfache Weise nimmt Gott den Menschen in seine Schule, um ihn rein und reif zu machen.

Das Mittel, mit dem das Beschneiden oder Reinigen durchgeführt wird, geschieht durch das Wort Gottes. Es verurteilt die Sünde; es inspiriert Heiligkeit; es fördert das Wachstum.

Als Jesus die Worte, die Gott ihm gab, auf das Leben der Jünger anwandte, durchliefen sie einen Beschneidungsprozess, der das Böse von ihnen entfernte und sie für den weiteren Dienst konditionierte.

Frage: Wo in meinem Leben lasse ich das Wort Gottes mich heute reinigen und verwandeln?

Jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er

Jesus, ich bin so dankbar, dass du uns als Gründer und Haupt der Kirche das Sakrament der Vergebung geschenkt hast.

Diese Reinigung, die ich in der Beichte erfahren darf, hilft mir, zu wachsen und dir immer ähnlicher zu werden.

Ohne die Beichte würde ich verdorren und im schlimmsten Fall nicht einmal merken, dass ich längst nicht mehr am Weinstock hänge, sondern getrennt von dir am Boden liege.

Jan Burghardt

Frage: Wo spüre ich in meinem Leben die heilende Kraft der Vergebung, und wie öffne ich mein Herz, um Christus darin immer ähnlicher zu werden?

Die Kraft deiner Worte

Das Wort Gottes, das Wort Jesu, spielt eine große Rolle in meiner Verbundenheit mit ihm und in meiner Fruchtbarkeit als Mensch.

Das Wort reinigt, gibt Orientierung in der Komplexität des Alltags. Kommt mir das Wort Gottes manchmal in den Sinn, wenn ich eine Entscheidung treffen soll? Oder wenn ich überlege, wie ich jemandem antworten soll?

Wie oft lese ich die Bibel? Je mehr ich die Worte Jesu verinnerliche, je konkreter ihr Einfluss in meinem Alltag ist, desto mehr wächst meine innere Verbundenheit mit ihm.

Eva Gloserová

Frage: Wie kann ich das Wort Gottes tiefer in mein Herz aufnehmen, sodass es mein Denken und Handeln verwandelt?

Joh 15, 4 Bleiben im Weinstock

Joh 15,4: Bleibt fest mit mir verbunden, und ich werde ebenso mit euch verbunden bleiben! Denn eine Rebe kann nicht aus sich selbst heraus Früchte tragen, sondern nur, wenn sie am Weinstock hängt. Ebenso werdet auch ihr nur Frucht bringen, wenn ihr mit mir verbunden bleibt.

Joh 15:4: Bleibt in mir, und ich [bleibe] in euch! Gleichwie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.

Mit Jesus verbunden bleiben

Wie Jesus sagt, kann unser Leben nur fruchtbar sein, wenn wir am Weinstock bleiben. Je mehr wir mit Jesus verbunden sind, desto mehr Frucht bringen wir.

Nicht unsere Aktivität oder unsere Taten entscheiden in erster Instanz über die Frucht unseres Lebens, sondern zuerst kommt es darauf an, wie sehr wir mit Jesus verbunden sind, ihm nahe sind.

Dabei ist es nicht einfach, diese Nähe immer zu suchen, denn unser Vater reinigt uns, erlaubt verschiedene Prüfungen in unserem Leben, die uns oft viel kosten. Er poliert uns wie einen kostbaren Edelstein, aber nur damit der wahre Glanz unserer Seele hervorbricht und wir noch reichere Frucht bringen.

Br. Mario Ciaston

Frage: Wie kann ich in den Prüfungen meines Lebens tiefer mit Jesus verbunden bleiben und darin geistlich wachsen?

Gegenseitiges Bleiben

Das christliche Leben ist das in mir Bleiben. Und dieses Bleiben ist kein passives Verbleiben, kein Einschlafen im Herrn: dies wäre vielleicht ein seligmachender Schlaf, aber das ist nicht gemeint.

Dieses Bleiben ist ein aktives Bleiben, und es ist auch ein gegenseitiges Bleiben. Warum ist das so? Weil Er sagt: Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Auch er bleibt in uns, nicht nur wir in ihm. Es ist ein gegenseitiges Bleiben.

An einer anderen Stelle sagt er: Ich und der Vater werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen (Joh 14,23). Das ist ein Geheimnis, aber ein Geheimnis des Lebens, ein wunderschönes Geheimnis. Dieses gegenseitige Bleiben.

Auch mit dem Beispiel der Reben: es stimmt, die Reben können ohne den Weinstock nichts tun, weil der Lebenssaft, die Lymphe, nicht kommt, sie brauchen den Saft, um zu wachsen und Früchte zu tragen; aber auch der Baum, der Weinstock braucht die Reben, weil die Frucht nicht am Baum, am Weinstock hängt. Es ist ein gegenseitiges Bedürfnis, es ist ein gegenseitiges Bleiben, um Früchte zu tragen.

Papst Franziskus

Frage: Wie erfahre ich in meinem eigenen Leben dieses gegenseitige Bleiben zwischen mir und Christus – als Quelle von Leben, Beziehung und Fruchtbarkeit meines Glaubens?

Die Verbindung mit dem Heiland ist das sicherste Heilmittel gegen alle Übel.

Die innige Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus vertreibt alle Bitterkeit bei dem einen und die krankhafte Übersättigung bei dem anderen.

Bleibe in der Nähe deines Erlösers, lieber Christ, so ist es ganz gleichgültig, ob du auf den Hochplateaus der Ehre oder in den Tälern der Erniedrigung wandelst. Bist du deinem Herrn Jesus nahe, so bist du von den Fittichen Gottes bedeckt und dich tragen und heben Seine ewigen Arme.

Lass dich durch nichts von diesem geheiligten Kontakt abhalten. Begnüge dich nicht damit, dass du von Zeit zu Zeit einmal Sein Antlitz suchst, sondern schließe dich Ihm gänzlich an und bleibe in Seiner Nähe, denn nur in Seiner Gegenwart genießt du Trost und Zuversicht.

Der Herr Jesus darf uns nicht ein Freund bleiben, der uns hier und da besucht, sondern wir müssen stets mit Ihm gehen auf allen unseren Wegen. In jeder Lage, bei jeder Gelegenheit hast du deinen Jesus nötig, am meisten aber, wenn sich dir einst die ehernen Tore des Todes öffnen.

Spurgeon

Frage: Wie kannst du heute bewusster in der Nähe deines Erlösers leben, um Seinen Trost und Seine Zuversicht tiefer zu erfahren?

Mit Jesus verwachsen

Das Bild vom Weinstock ist vollkommen einleuchtend: Eine Rebe kann nur Frucht bringen, Trauben hervorbringen, wenn sie am Weinstock bleibt. Wenn sie abgeschnitten oder abgebrochen wird, fällt sie zu Boden, vertrocknet und muss irgendwann weggeräumt werden. Wenn sie aber am Weinstock bleibt, kann sie wunderbar reiche Frucht bringen.

Das Schöne an dieser Bildrede ist zu sehen, wie innig Jesus unsere Gemeinschaft mit ihm versteht: Ganz mit ihm verwachsen, ganz eins, aus ihm herausgewachsen, eine Einheit.

Konstantin Ballestrem

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens spüre ich, dass ich noch enger mit meiner inneren Quelle verbunden sein könnte, um wahrhaftige Frucht zu bringen?

In Jesus bleiben

Wie unfassbar sind diese Worte: "Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch." Wir können die Bedeutung nur erahnen, und den Heiligen Geist bitten, sie uns tiefer zu erschließen.

Als Christen glauben wir an einen liebenden Gott, der Vater ist und sich um uns kümmert. Doch sind wir uns auch dessen bewusst, dass sein Plan für uns noch viel weiter geht?

Er möchte nicht nur für uns da sein, er möchte uns nicht nur beschenken, er möchte in uns leben, und lädt uns dazu ein, in ihm zu leben. Eine tiefere Einheit und Intimität ist nicht möglich.

Wir können in dieser Einladung die tiefe Sehnsucht Gottes nach uns entdecken. Dieses "In-ihm-Leben" ist das wahre Leben. Es ist das Leben in der Dreifaltigkeit, das heißt Teilhabe am Leben Gottes aufgrund der Taufe.

Aus dieser Lebensquelle, die Gott selber ist, entspringt alles, was gut ist in unserem Leben.

Magdalena Sczuka

Frage: Wie kann ich heute bewusst in der Gegenwart Gottes leben und seine Liebe in meinem Inneren spüren?

Die Frucht ist die Liebe

Die Liebe ist die grundlegende Frucht am Weinstock. Sie wächst aus der Beziehung zu ihm, zu Jesus. Wir leben von der Liebe Jesu, in der er uns annimmt.

Oftmals ist es so, dass Liebe in der Rebe ankommt, aber es entwickelt sich keine Frucht zum Weitergeben. Die Empfangskanäle sind verstopft. Nur der Heilige Geist kann sie wieder durchlässig machen, damit Liebe fließt und sich eine Frucht entwickeln kann.

Dann können wir vielleicht auch schon abgetrennte Reben erreichen, sie aufpfropfen und für Jesus wiedergewinnen. Auch wenn das Bild der abgetrennten Rebe endgültig erscheint, gilt es zunächst nur für die Natur. Gottes Geist und Gnade kann schöpferisch neues Leben erwecken.

Ellen Charlotte Petermann

Frage: Wo in meinem Leben sind meine „Empfangskanäle“ verstopft, und wie kann ich durch Gottes Geist wieder Raum für Liebe und Wachstum schaffen?

Bleibt in mir

Das erste und wichtigste Ziel, das wir in der Nachfolge Jesu lernen, ist einfach: bei ihm zu sein. Es bedeutet, jeden Moment bewusst zu leben, seine Gegenwart wahrzunehmen und auf seine Stimme zu hören.

Unser Leben gründet sich darauf, Zeit mit Jesus zu verbringen – nicht als Flucht, sondern als inneren Halt. Jeder von uns hat einen Ort, an den er innerlich immer wieder zurückkehrt, eine Art emotionales Zuhause. Wo liegt deins? In welchen Momenten suchst du Trost und Freude?

Jesus lädt uns ein, unser Herz bei ihm wohnen zu lassen – mitten im Alltag: beim Frühstück, auf dem Weg zur Arbeit, beim Windeln wechseln oder beim Kochen. So wird Nähe zu Gott normal, echt und lebendig.

Frage: Wie könntest du heute kleine Momente der Gegenwart Jesu in deinen Alltag einladen und dein Herz bei ihm wohnen lassen?

In seiner Nähe bleiben

Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Diese Worte Jesu klingen wie eine Einladung, nicht wie eine Forderung. Es geht nicht zuerst darum, etwas zu leisten, sondern darum, die Verbindung zu ihm zu bewahren. Wie eine Rebe mit dem Weinstock verbunden bleibt, so darf auch der Mensch aus der Nähe Christi leben. Im Alltag wird diese Verbindung oft von vielen Dingen überlagert: Sorgen, Verpflichtungen oder die Suche nach Sicherheit aus eigener Kraft. Das Wort Jesu erinnert daran, immer wieder zur eigentlichen Quelle zurückzukehren. Wer in Ihm bleibt, muss nicht alles allein tragen. Sophie Unglert

Joh 15, 5 Ohne mich: Nichts

Joh 15,5: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.

Lebensnotwendige Verbindung

Die gemeinte Wirklichkeit ist die lebensnotwendige Verbindung: der Rebzweig ist nichts ohne die lebendige Einheit mit dem Weinstock. Nur wer in der Einheit bleibt, hat das Leben.

Die Mahnung „Bleibt in mir!“ (15,4) wird in 15,9 ergänzt und verdeutlicht durch das Wort: „Bleibt in meiner Liebe!“; in 15,17 heißt es dafür: „Liebt einander!“

Die Liebe, die hier gemeint ist, ist die Treue des Glaubens; nur der liebende Glaube ist fruchtbar. Der Glaube kommt vom Hören und Aufnehmen des Wortes: in Jesus spricht uns Gott selbst an und fordert uns.

Frage: Wo in meinem Leben kann ich tiefer in die Einheit mit dem Leben eintreten und meine Liebe in Treue und Glauben wachsen lassen?

Andacht von Josefmaria

Hast du nicht aus dem Munde des Meisters das Gleichnis vom Weinstock und den Reben vernommen?

Sei getrost: Er fordert viel von dir, weil du eine Rebe bist und Frucht bringst.

Er beschneidet dich, »ut fructum plus afferas«, damit du mehr Frucht bringst.

Natürlich schmerzt dieses Beschneiden und Herausreißen! Aber wie köstlich sind hernach die Früchte und wie ausgereift die Werke!

Frage: Welche Früchte in deinem Leben verlangen gerade nach liebevoller, vielleicht schmerzhafter Pflege, damit sie voll zur Entfaltung kommen?

Mit Jesus verwachsen

Das Bild vom Weinstock ist vollkommen einleuchtend: Eine Rebe kann nur Frucht bringen, Trauben hervorbringen, wenn sie am Weinstock bleibt. Wenn sie abgeschnitten oder abgebrochen wird, fällt sie zu Boden, vertrocknet und muss irgendwann weggeräumt werden.

Wenn sie aber am Weinstock bleibt, kann sie wunderbar reiche Frucht bringen.

Das Schöne an dieser Bildrede ist zu sehen, wie innig Jesus unsere Gemeinschaft mit ihm versteht: Ganz mit ihm verwachsen, ganz eins, aus ihm herausgewachsen, eine Einheit.

Konstantin Ballestrem

Frage: Wie spüre ich in meinem eigenen Leben die Verbindung zu einer Quelle, die mich trägt und Frucht bringen lässt?

Joh 15,5: Getrennt von mir könnt ihr nichts tun.

Alles in und durch Christus wirken

Die Bildrede vom Weinstock verdeutlicht unser In-Christus-Sein und das Sein Christi in uns in seinem tiefen Zusammenhang. Ohne Christus kann ich nicht leben und wachsen, wie auch kein Rebzweig ohne lebendige Verbindung zum Rebstock.

Und ohne Rebzweige wird der Rebstock durch die Jahre hindurch nicht die Früchte bringen können, die er bringen will.

Es ist ein gemeinsames Leben und Engagement.

Frage: Wie kann ich meine Verbindung zu Christus heute bewusster leben, sodass sein Leben durch mich Früchte tragen kann?

Frucht aus Jesus

Die Rebe bringt Frucht, weil der Weinstock sie mit seinem eigenen Lebenssaft versorgt. Ohne diesen Lebenssaft kann sie es nicht.

Jesus sagt: Nichts. Tatsächlich: Das Einzige, was die Rebe soll, wofür sie da ist, ist Frucht zu bringen. Tut sie das nicht, vollbringt sie nichts. Tut sie es aber, dann ist ihre Frucht auch die Frucht des Weinstocks.

Ohne ihn könnte sie es nicht, aber mit ihm kann sie es. Das bedeutet, verbunden mit Jesus bringen wir wirklich Früchte des ewigen Lebens hervor. Er bewirkt sie, durch uns.

Welche sind da gemeint? Früchte der christlichen Nächstenliebe, Werke der Barmherzigkeit, ein Herz wie das Herz Jesu.

Konstantin Ballestrem

Frage: Welche Früchte des Lebens darf ich in mir selbst erkennen, die aus meiner Verbindung mit dem Göttlichen hervorgehen?

Gebet: Jesus, ich will alles mit dir tun. Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass ich nicht verstehe, wieso ich streckenweise immer wieder ohne dich lebe, obwohl ich das gar nicht will. Jeden morgen nehme ich mir vor, den Tag ganz mit dir zu leben. Aber dann verliere ich dich doch wieder so schnell aus den Augen, und die Momente mit dir sind punktuell, nicht durchgängig. Hilf mir dabei, dass ich heute ganz mit dir lebe.

Jesus Wirken in mir

Es ist mir ein Rätsel, warum ich jemals glauben konnte, dass ich aus eigener Kraft versuchen müsste, das zu tun, was er getan hat.

Darum hat es mein Christenleben revolutioniert, als ich erkannte, dass es Christus in mir ist, der meine Kraft zum Leben ist. Er gibt nicht nur Kraft von außen, er ist die Kraft von innen!

Jesus Christus selbst ist durch die Gegenwart des Heiligen Geistes die Kraftquelle im Leben eines jeden Christen. Dieses Lebensgeheimnis hat Jesus zusammengefasst mit den Worten: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun (Joh 15,5).

Diesen Vers kenne ich seit meiner Konfirmation auswendig – aber seine befreiende Wahrheit habe ich erst viel später kennengelernt.

Hans Peter Royer

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich bereits die Kraft Christi in mir, und wo lasse ich mich noch von meiner eigenen Anstrengung tragen?

Joh 15, 6 Getrennte Reben verdorren

Joh 15,6: ‭Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er weggeworfen wie die Rebe und verdorrt; und solche sammelt man und wirft sie ins Feuer, und sie brennen.‭

Immer wieder: Bleiben in Jesus

Das Konzept des Bleibens ist nicht auf unser Bleiben in Jesus beschränkt; es beinhaltet auch sein Bleiben in uns (und ich in ihm). Es ist eine gegenseitige Dynamik, die erwartet, dass unser Leben geistlich und praktisch in lebendiger Verbindung mit Jesus steht, und die erwartet, dass er uns aktiv und wirklich innewohnt.

Warnung vor dem Nichtbleiben

Jesus warnte seine Jünger, dass das Nichtbleiben bedeutet, dass das Leben versagt. Eine Rebe hat nur Leben, wenn sie mit dem Stock des Weinstocks verbunden ist; ein Schüler lebt nur spirituell, wenn er mit dem Meister verbunden ist.

Er verdorrt

Wer sich vom Weinstock abwendet, bleibt nicht. Wer sich von Jesus abwendet, wird verdorren. Er wird geistlich verdorren, weil der gute Draht zum Vater verstummt.

All die Dinge, die Jesus für uns bereit hält, kann man wieder verlieren: innerlichen Frieden, Zufriedenheit, Trost, Halt, Vertrauen. Wer Jesus verlässt, der wird das Leben verlieren, weil er die Quelle des Lebens verlässt.

Jesus verlassen klingt so dramatisch, aber es ist etwas, das sich im Geheimen, in unserem Herzen abspielt. Die Gefahr ist groß, dass wir in Versuchung geraten, aus eigener Kraft leben zu wollen.

Frage: Wo spüre ich in meinem Herzen, dass ich mich noch fest an die Quelle des Lebens halte – und wo könnte ich wieder mehr Nähe zu Jesus suchen?

Joh 15, 7 Gebetserhörung bei Bleiben

Joh 15,7: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, um was ihr wollt, und es wird euch geschehen.

Wenn ihr in mir bleibt....

Damit meint Er ein Leben in bewusster und ständiger Abhängigkeit von Ihm. Es geht darum, dass wir einen regelmäßigen Gebetskontakt zu Ihm pflegen und Ihn fragen, was Er von uns möchte.

Diese Nähe zum Herrn Jesus im Alltag erfordert, dass wir alle Auswüchse der alten Natur verurteilen, damit unsere Beziehung zu Ihm nicht durch Sünden getrübt wird.

Wenn wir uns nahe beim Herrn aufhalten und von Ihm abhängig leben, wird Er unsere Gedanken und Zuneigungen prägen. Als Folge davon werden wir in seinem Sinn bitten. Solche Gebete, die dem Willen des Herrn Jesus entsprechen, wird Gott erhören.

Frage: Wie bewusst spüre ich heute meine Abhängigkeit von Ihm, und welche Gedanken oder Handlungen lassen meine Nähe zu Ihm wachsen?

Wenn meine Worte in euch bleiben

Die Worte des Herrn Jesus finden wir in der Bibel. Durch das Lesen oder Hören des Wortes Gottes erfahren wir, was Er uns zu sagen hat. Doch das genügt noch nicht. Unser Herr fordert uns auch auf, seine Worte zu bejahen, ins Herz aufzunehmen und im Leben zu befolgen.

Wenn das Wort Gottes auf diese Weise in uns bleibt, beeinflusst es unser Denken, Reden und Verhalten. Die Auswirkung davon ist, dass unsere Bitten mit Gottes Willen übereinstimmen und Er sie erhören kann.

Frage: Wie kann ich heute bewusst die Worte Gottes in mein Herz aufnehmen, damit sie mein Handeln und meine Entscheidungen prägen?

Gehorsam und Gebet

Die Verbindung wird durch Gehorsam und Gebet aufrechterhalten. In Christus zu bleiben und seine Worte in sich bleiben zu lassen bedeutet, die Autorität seines Wortes bewusst anzunehmen und im Gebet ständig mit ihm in Kontakt zu bleiben.

In Jesus zu bleiben bedeutet, in seinen Worten zu bleiben und seine Worte im Jünger leben zu lassen. Wir sollten die Bedeutung des Verweises auf „meine Worte“ nicht übersehen. Die Lehre Christi ist wichtig und sollte im Interesse der Förderung des religiösen Gefühls nicht leichtfertig übergangen werden.

Frage: Wie bewusst lebe ich die Worte Christi in meinem Alltag, und auf welche Weise nährt mich das Gebet in meiner inneren Verbindung zu ihm?

Um alles bitten

Je mehr wir in Christus bleiben, seine Nähe suchen und mit ihm in unserem Herzen verbunden bleiben, desto mehr werden wir nach seinem Wort leben und in seiner Liebe handeln.

Diese Verhaltensweise wird ein Teil unserer selbst, so wie die Rebe ein Teil des Weinstocks ist und immer mehr von seinem Saft lebt. Es wird immer mehr Jesus, der durch mich und in mir lebt.

Jesus sagt uns, dass wir um alles bitten dürfen, und wir werden es in seinem Namen erhalten – weil wir immer mehr das begehren, was der Winzer, unser liebender Vater, zu unserem Besten will. Wir zweifeln nicht, dass der Gärtner das Beste für seine Pflanzen will.

Wie könnte ich auch nur einen Moment an der Güte meines perfekten Vaters mir gegenüber zweifeln?

Mario Ciaston

Frage: Welche Bereiche meines Lebens dürfen noch tiefer in der Nähe zu Christus verwurzelt werden, damit seine Liebe durch mich sichtbar wird?

Joh 15, 8 Verherrlichung durch Frucht

Joh 15,8: ‭Dadurch wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet.‭

Verherrlichung des Vaters

Gottes Ehre: Der Zweck des Fruchttragens ist, Gott Ehre zu bringen, nicht dem Jünger. Eine Rebe, die viel Frucht bringt, bringt demjenigen Ehre, der sich um den Weinstock kümmert, und ein Jünger, der im geistlichen Sinne viel Frucht bringt, bringt Gott Ehre.

Werdet meine Jünger

Nun rufst du uns zur Nachfolge, wir sollen den Vater verherrlichen, indem wir deine Jünger werden. Wie freut sich mein Herz, dass ich dein Jünger sein darf.

Doch oft bin ich mir gar nicht bewusst, was es heißt, Jünger zu sein. Ich möchte heute darüber nachdenken, was es bedeutet, Jünger zu sein, und mir überlegen, wo und wie ich diese Jüngerschaft in meinem Leben konkret umsetzen kann.

Jan Burghardt

Frage: In welchen Momenten meines Alltags spüre ich besonders die Einladung, ein Jünger zu sein, und wie kann ich diesem Ruf noch bewusster folgen?

Vita contemplativa und vita activa

In Jesus bleiben und Frucht bringen, das sind die beiden integralen Bausteine der gelebten Jüngerschaft, die Jesus uns hier vorschlägt. Vita contemplativa und vita activa.

Wie lebe ich diese zwei Komponenten? Werde ich, bin ich ein Jünger Jesu? Bleibe ich in ihm? Stelle ich mich unter seinen liebenden Blick?

Wo gibt es Früchte in meinem Leben, die ich dankbar anerkennen darf? Wo gibt es eventuell Verbesserungspotenzial?

Mathias Reimer

Frage: Welche Früchte meines Lebens spiegeln meine Verbindung zu Jesus wider, und wo spüre ich den Ruf, noch tiefer in ihm zu verwurzeln?

Frucht aus Verbundenheit

Jesus spricht davon, dass die Reben Frucht bringen. Diese Frucht entsteht nicht, weil die Reben die Kraft dazu aus sich selbst heraus besäßen, sondern durch die lebendige Verbindung mit dem Weinstock. Wo diese Verbindung besteht, wächst Leben – oft still und unauffällig, aber dennoch wirksam. Auch im Glauben zeigen sich Früchte nicht immer in großen Taten oder sichtbaren Erfolgen. Stattdessen in Geduld, Vertrauen, Güte oder der Bereitschaft, anderen mit Liebe zu begegnen. Solche Früchte lassen sich nicht erzwingen. Sie wachsen dort, wo Menschen sich von Christus tragen und prägen lassen. Sophie Unglert