Lk 7, 31-35
Flötenspiel und Klagelieder
Auslegung und Andacht
Lk 7, 31-35 im Überblick: Eine fortlaufende Auslegung zu Lukas 7, 31 bis 35. Entdecke die Kerngedanken zum Bild von Flötenspiel und Klageliedern und wie du die biblische Botschaft praktisch umsetzen kannst.
Inhaltsverzeichnis
Lk 7, 31 Vergleich mit dieser Generation
Lk 7,31: Und der Herr sprach: Wem soll ich nun die Menschen dieses Geschlechts vergleichen? Und wem sind sie gleich?
Die Enttäuschung Jesu
Schon zu Beginn seiner Rede ist Jesu Emotion und Enttäuschung spürbar. Er signalisiert den Menschen ein Problem. Und dieses Problem sind sie selber.
Er wird keine Geschichte zum Schmunzeln erzählen und auch keine Streicheleinheiten verteilen. Er wird den Menschen ins Gewissen reden.
Er tut es mit einer Alltagsszene, einer ganz banalen Geschichte aus der Welt der Kinder.
Ellen Charlotte Petermann
Frage: Welche alltäglichen Situationen in deinem Leben könnten dir helfen, tiefer über dich selbst und deine Beziehung zu anderen nachzudenken?
Lk 7, 32 Kinder auf dem Marktplatz
Lk 7,32: Sie sind Kindern gleich, die am Markt sitzen und einander zurufen und sprechen: Wir haben euch aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint!
Die Verschlossenheit der Pharisäer und Schriftgelehrten
Indem Jesus den armen Sündern das Heil gab, spielte er auf, aber die Pharisäer und Schriftgelehrten tanzten nicht, konnten nicht tanzen, weil sie sich vormals schon geweigert hatten, auf die Predigt des Johannes hin Buße zu tun (zu weinen).
Beides, die Bußpredigt des Johannes und die Predigt Jesu, wurde von dem einen Geist, dem Heiligen Geist, gewirkt. Jesus machte die fröhlich, die Johannes zuvor traurig gemacht hatte; trauern und fröhlich sein durch die Wirkung des einen Geistes, das war Gott wohlgefällig.
Johannes machte die Menschen traurig, indem er sie zur Buße rief: Sie sollten weinen über ihre Sünden und sich bessern. Nur diesen betrübten, geknickten Sünderlein, nicht den Selbstgerechten, konnte Jesus das Heil geben, sie wieder fröhlich machen.
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich die Traurigkeit über mein eigenes Verhalten zulassen, um Raum für Heil und Freude durch Gottes Geist zu schaffen?
Lk 7, 33 Johannes isst kein Brot
Lk 7,33: Denn Johannes der Täufer ist gekommen, der aß kein Brot und trank keinen Wein; da sagt ihr: Er hat einen Dämon!
Johannes der Täufer
Der Vorläufer Jesu war ein sehr asketischer Mensch. Er hat Jesus den Weg bereitet, Buße gepredigt und auch selbst danach gelebt.
Auch in unserem geistlichen Leben ist es nötig, durch Askese unser Herz von falschen Gewohnheiten und Süchten zu befreien. Aber das ist eben nur der erste Schritt, um unser Herz bereit zu machen, die Freude und das Leben, das Jesus bringt, aufnehmen zu können.
Wie falsch wäre es zu meinen, dass wir durch unsere eigene Anstrengung in der Askese zu Jesus gelangen könnten.
Frage: Welche inneren Gewohnheiten oder Bindungen darf ich loslassen, um Raum für die Freude und das Leben zu schaffen, das mir geschenkt werden möchte?
Lk 7, 34 Menschensohn isst und trinkt
Lk 7,34: Der Sohn des Menschen ist gekommen, der isst und trinkt; da sagt ihr: Siehe, wie ist der Mensch ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder!
Immer nur Kritik
Das Volk murrte. Eines der Themen, das sich wie ein roter Faden durch das Alte Testament zieht, ist die Unzufriedenheit des Volkes Gottes: Stete Antwort auf die Liebe und Fürsorge Gottes ist das Murren des Volkes.
Gott scheint es ihm nie recht machen zu können. Eine Versuchung, der auch wir im Leben begegnen. Wenn etwas gelingt und gut läuft, dann wird Gott vergessen. Wenn etwas nicht nach unseren Vorstellungen läuft, dann ist er schuld. Das Muster der Anklage bleibt das gleiche: Man machte schon damals Christus Vorwürfe, so auch heute der Kirche.
Sie kann es niemandem recht machen. Irgendetwas gibt es immer auszusetzen. Aber steckt dahinter nicht oft die fehlende Bereitschaft, sich wirklich einmal auf Christus und seine Botschaft, deren Trägerin die Kirche ist, einzulassen? Denn die Botschaft Christi erfordert eine Lebensantwort.
Nikolaus Klemeyer
Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leben die Versuchung, Gott zu vergessen oder ihm die Schuld zu geben, und wie könnte ich bewusst auf seine Botschaft eingehen?
Freund der Sünder
Er war kein Freund von Zöllnern und Sündern in dem Sinne, dass er wie sie war, oder in dem Sinne, dass er ihnen half, ihre Sünde zu begehen. Das meinten die religiösen Führer mit ihrer Anklage, und es war eine falsche Anklage.
Er war ein Freund von Zöllnern und Sündern in dem Sinne, dass er sie liebte. Er verachtete sie nicht oder stieß sie weg. Er wollte ihnen wirklich helfen und sie von der Schuld, der Schande, der Macht und der Strafe ihrer Sünde befreien.
Frage: Wie offen bin ich dafür, Menschen bedingungslos zu lieben, auch wenn ihre Wege sich von meinen unterscheiden?
Jesus ist die wahre Freude des Lebens
Wenn unser Herz wirklich frei ist, werden wir fähig, die wahre Freude in uns aufzunehmen, die Jesus durch seine Gnade bringt. Er macht unsere Seele liebestrunken und erweckt in ihr einen unersättlichen Durst nach mehr, nach Vereinigung mit ihm.
Diese Freude des geistlichen Lebens ist tiefer und nachhaltiger als jedes rein menschliche Vergnügen. Aber sie macht uns auch fähig, uns an dem, was Gott geschaffen hat, in richtiger Weise zu erfreuen.
Wenn wir Jesus im Herzen tragen, wie können wir uns dann nicht freuen? Unsere Freude soll geradezu überquellen und ein Zeichen für unsere Mitmenschen sein, an dem sie erkennen können, dass wir authentische Christen sind.
Frage: Wie spüre ich in meinem eigenen Leben die Freude, die aus der Verbindung mit dem Göttlichen erwächst, und wie kann ich sie bewusst in meinen Alltag tragen?
Lk 7, 35 Weisheit durch Kinder gerechtfertigt
Lk 7,35: Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern.
Gottes Weisheit steht über allem
Und doch hat die Weisheit recht behalten. Eine vielsagende Aussage, die uns immer wieder ermutigen darf.
Gottes Weisheit ist erhabener und wird sich am Ende der Zeiten als wahr erweisen. Dies ist auch unsere Zuversicht.
Die Verständnislosigkeit der Welt gegenüber unserem Glauben sollte uns nicht die Gewissheit nehmen, dass unser Glaube ganz der Wahrheit entspricht.
Nikolaus Klemeyer
Frage: In welchen Momenten spüre ich die Wahrheit meines Glaubens besonders tief, auch wenn die Welt sie nicht versteht?
Häufige Fragen zu Lk 7, 31-35
Was bedeutet Lk 7,31-35?
In diesem Abschnitt vergleicht Jesus seine Zeitgenossen mit launischen Kindern auf dem Marktplatz, die weder beim Hochzeitsspiel noch bei der Totenklage mitmachen wollen. Er kritisiert damit eine Haltung, die jede Form des göttlichen Rufes zur Umkehr ablehnt.
Warum erwähnt Jesus Johannes den Täufer?
Jesus stellt die unterschiedliche Lebensweise von Johannes und sich selbst gegenüber. Johannes lebte als Asket ohne Brot und Wein und wurde von den Kritikern als besessen abgestempelt, was die Ablehnung seines prophetischen Dienstes zeigt.
Wie wird Jesus von seinen Kritikern bezeichnet?
Der Menschensohn kommt, isst und trinkt, und seine Gegner nennen ihn einen Fresser und Säufer sowie einen Freund der Zöllner und Sünder. Auch hier suchen die Menschen nach Vorwänden, um sich der Botschaft Jesu nicht stellen zu müssen.
Was bedeutet die Aussage über die Weisheit?
Der Satz zeigt, dass die Weisheit Gottes durch ihre Kinder gerechtfertigt wird. Diejenigen, die ihr Herz für Gott öffnen, erkennen sowohl in der Asketik des Täufers als auch in der Zuwendung Jesu das richtige Handeln Gottes.
Was ist die Kernbotschaft von Lk 7,31-35?
Der Text mahnt vor geistlicher Gleichgültigkeit und Besserwisserei, die sich hinter Ausreden versteckt. Er lädt dazu ein, Gottes Wirken offen und ohne Vorurteile im eigenen Leben anzunehmen.
Lk 7, 24-30 Der Herr zeugt des Johannes
Lk 7, 36-50 Sündige Frau salbt Jesus